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Das Meliora Jukebox-Grammophon

11.08.2015 | 10:00 Uhr |

Steampunker kreieren fantastische Maschinen im Design des viktorianischen Zeitalters, verknüpft mit moderner Technik. Steampunker Dan Aetherman, in der Szene auch "The Chocolatist" genannt, stellt eine seiner Maschinen vor: das Meliora Jukebox-Grammophon.

Dan Aetherman ist Chocolatier und Steampunker, ein "Erfinder, Abenteurer und Romantiker", wie er von sich selber sagt. Als Steampunker stellt er sich gegen die Wegwerfgesellschaft und gegen die gängigen Modetrends, die uns Elektronik- und Kleidungsindustrie täglich aufdrängen. Er baut lieber fantastische Maschinen aus hochwertigen Materialien, die das Design des viktorianischen Zeitalters mit moderner Technik verknüpfen. Und einige dieser Maschinen verwendet er auch zur Herstellung seiner ganz besonderen Schokolade.

Aetherman ist Vater von drei Kindern, von denen er sich wünscht, dass sie künftig mehr Maker als nur Konsumenten und mehr Abenteurer und Erfinder als nur Mitläufer sein werden - und dass sie das Träumen nie verlernen werden - denn der Fantasie von Steampunkern sind keine Grenzen gesetzt.

Dan Aetherman, Steampunker und Chocolatier
Vergrößern Dan Aetherman, Steampunker und Chocolatier
© Dominique Meienberg

Hier schreibt Aetherman über die Entstehung des Meliora Jukebox-Grammophons.

Dieses Grammophon hat es wirklich in sich. Sein Aussehen passt perfekt in die Filmkulisse von Jules Vernes Meisterwerk „20 000 Meilen unter dem Meer“, und Kapitän Nemo wäre vom Klang dieser Musikmaschine begeistert gewesen.

Mittels zehn Nummerntasten lassen sich die gewünschten Musikstücke auswählen und abspielen, genauso wie es früher einmal in der Kneipe um die Ecke auf der alten Münz-Jukebox möglich war. Und das Schönste daran: Man muss sich das gewählte Lied zu Ende anhören, denn eine Skip-Taste sucht man vergebens.

Meliora Jukebox-Grammophon
Vergrößern Meliora Jukebox-Grammophon
© Dan Aetherman

Als ich in einer Zeitschrift über ein Inserat stolperte, in dem das antike Holzgehäuse eines Grammophons aus dem Jahr 1915 angeboten wurde, war es um mich geschehen. Schon lange hatte ich nach solchen Teilen gesucht. Sie zu finden ist jedoch fast unmöglich. Der Preis passte zu meinem Budget, und kurze Zeit später stand das Grammophon-Gehäuse in meiner kleinen Werkstatt.

Nach einer gründlichen Reinigung, durch die sich mehrere Spinnentiere ein neues Zuhause suchen mussten, wurde mit dem besonderen Umbau begonnen. Wie so oft bei meinen Kreationen startete ich einfach dort, wo ich in etwa wusste, dass der Weg hinführen könnte.

Also wurde ein alter Industriecomputer aus dem Elektroschrott kurzerhand mit einem neuen Betriebssystem ausgerüstet und die Freeware DW-Jukebox installiert. Diese Software simuliert die Funktionen einer alten Musikbox, und ihre Oberfläche lässt sich sehr einfach im Aussehen den eigenen Wünschen und Vorstellungen anpassen. Mittels der Zahlentasten auf der PC-Tastatur lassen sich die Musikstücke auswählen und abspielen. Ein ganz besonderes Highlight dieser Software sind die eingespielten Toneffekte. So hört man zum Beispiel beim Wählen des gewünschten Lieds, wie die Maschine den Tonträger holt und ihn auflegt. Danach ertönt ein sanftes Knistern, wie man es noch von den klassischen Schallplatten kennt.

Für den Computer wurde eine passende Holzblende hergestellt und mit dem Panel-PC verschraubt. Danach passte ich die Blende samt Computer in den Deckel des Grammophons ein. Als diese Arbeiten erledigt waren, hatte ich noch immer keine Ahnung, wie ich die Musikstücke anwählen sollte. Eine ganze PC-Nummerntastatur wollte ich ja auf keinen Fall verwenden, denn Plastikteile sind für einen Steampunker ein Tabu!

Ich fand zum Glück eine defekte alte Tastatur in meinem Materialvorrat und beschloss kurzerhand, es einmal auf eine sehr unkonventionelle Art zu versuchen: Ich trennte mit der Säge kurzerhand den Ziffernblock vom Rest der Tastatur und lötete die Verbindungskabel an den zugehörigen Stellen wieder an. Und tatsächlich, die Zifferntasten funktionierten. Mit hölzernen Eisstielen fertigte ich elf Tasten an und montierte diese auf eine runde Holzscheibe, genau dort, wo sich früher einmal der Plattenteller drehte. Die Holztasten überbrücken nun die Tasten des Ziffernblocks, und die Musikstücke lassen sich in sehr edler und besonderer Weise anwählen.

Die kleine goldene Lautsprecherdose leitet den Schall wie früher in den Holzschalltrichter und verstärkt den Klang ohne elektronische Hilfsmittel. Zum Abschluss der Arbeiten wurden verschiedenste Altmetallteile montiert. Sie verleihen dem fertigen Steampunk-Grammophon das einzigartige Aussehen und die Anmut einer längst vergangenen Zeit. Ich kann mir keinen romantischeren Weg vorstellen, meine Lieblingsmusik zu genießen.

Der Beitrag stammt aus dem Buch "Steampunk" von Dan Aetherman, in dem er noch weitere fantastische Maschinen vorstellt und die Leser zu Rundgängen durch sein Zuhause, seine Werkstatt und seine Schokoladen-Manufaktur einlädt.

Das Buch ist erschienen im Franzis-Verlag und kostet 39,95 Euro, als E-Book 29,99 Euro.

Tipp der Redaktion:

Sie finden noch weitere Objekte im Steampunk-Design auf unserer Website, und zwar

The Wingman - altes Radio mit moderner Technik von Horatius Steam

Das viktorianische Klangrohr von Leander Lavendel

Hinweis für alle Bastler:
Wenn auch Sie ein kreatives Projekt entwickelt haben oder vielleicht sogar einer der Maker der Steampunk-Szene sind, schreiben Sie uns. Wir würden Ihre Konstruktionen, nützlich oder einfach nur schräg, gern auf www.pcwelt.de/hacks vorstellen. Schreiben Sie an Birgit Götz - hacks@pcwelt.de.

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