01.11.2012, 11:12

Thorsten Eggeling

Das Erbe von Flash

HTML5 und Flash im Vergleich

Flash gegen HTML5 - Ein Vergleich

Auf fast allen Webseiten sind Flash-Animationen zu sehen. Aber wie lange noch? Mit HTML5 steht bereits ein Nachfolger in den Startlöchern. Doch kann HTML5 Flash tatsächlich schon ersetzen? PC-WELT erklärt die Unterschiede.
Niemand weiß, wie das Internet in 5 oder 10 Jahren aussieht. Was werden dann die Browser können, mit welchen Geräten werden wir im Netz unterwegs sein und welche Bandbreiten stehen dann zur Verfügung? Ein paar Weichen sind jedoch bereits gestellt. Eine davon heißt HTML5. Der offene Webstandard soll den Browser schneller und die Internet-Entwicklung unabhängig von proprietären Programmen großer Unternehmen machen.
Spätestens seit 2004 wird über die Weiterentwicklung des HTML-Standards intensiv nachgedacht. Aber erst in den letzten Jahren haben viele Faktoren die HTML5-Entwicklung deutlich beschleunigt. Einer davon ist die zunehmende Verbreitung mobiler Endgeräte. Im Vergleich zum Desktop-PC bieten diese nur eine geringe CPU-und GPU-Leistung. Auch der Zwang wegen begrenzter Akku-Kapazitäten Strom zu sparen, machte die Suche nach neuen Techniken nötig. Zugleich muss auch die Programm-Entwicklung beschleunigt werden, damit der App-Nachschub für Smartphones und Tablet-PCs nicht ausbleibt.
Flash scheint sich dafür nicht zu eignen. Vielen Firmen und Entwicklern erscheint der Flash-Player als zu langsam und die Entwicklung zu unflexibel. Doch kann HTML5 den Adobe Flash Player wirklich schon ersetzen? Der Artikel klärt die wichtigsten Fragen und zeigt, welche Unterschiede es zwischen Flash und HTML5 gibt.

Programmiersprachen für mobile Geräte: Darum HTML5

Apple setzt bei der App-Programmierung vor allem auf Objective-C. Mac-Entwicklern ist die Sprache und die Entwicklungsumgebung Xcode (Cocoa Touch-Framework) gut bekannt und auch wer Kenntnisse aus der Linux/Unix-Welt mitbringt und C beziehungsweise C++ beherrscht, hat kaum Probleme mit der App-Entwicklung für iPhone und iPad. Bei Android sieht es ähnlich aus. Die bevorzugte Programmiersprache ist hier Java, das ebenfalls eine große Entwickler-Gemeinde vorweisen kann. Warum also zusätzlich noch HTML5 in Kombination mit Javascript? Der Grund ist unter anderem darin zu suchen, dass viele Apps letztlich Web-Content verarbeiten oder wenigstens intensiv Schnittstellen ins Internet verwenden („Web-Applikationen“). Es bietet sich also an, Webserver- zusammen mit Browser-Techniken für die Programmierung von Apps zu verwenden. Das bietet zugleich die Möglichkeit einer (mehr oder weniger) plattformunabhängigen Programmierung. Beispielhafte Entwicklungsumgebungen beziehungsweise Frameworks für die Programmierung von HTML5-Apps sind Sencha Touch oder PhoneGap.
Und was ist mit Adobe Flash?
Wer vor eine paar Jahren von Web-Applikationen sprach, der meinte entweder Java oder Flash. Beide Produkte sind für alle wichtigen Betriebssysteme verfügbar, erlauben also eine plattformunabhängige und damit kostengünstige Software-Entwicklung. Adobe gelang es, sich mit dem Flash Player und der dazugehörigen Entwicklungsumgebung Adobe Flash als Platzhirsch im Bereich „Rich Internet Applications“ zu positionieren. Vom Werbe-Banner bis zum Internet-Videostream und von der einfachen Grafikanimation bis zum Browser-Spiel war Flash zuhause - und ist es immer noch. Adobe hat es wahrscheinlich Apple zu verdanken, das der einstmals gute Ruf inzwischen etwas beschädigt ist. Was Steve Jobs zu Flash zu sagen hatte, ist im Artikel Thoughts on Flash (vom April 2010) nachzulesen. Kurz zusammengefasst sagt Jobs:
  • Flash ist proprietär, Webstandards sollten aber offen sein
  • Flash unterstützt nur veraltete Videoformate, während mit H.264 moderne Formate für iPhones, iPods und iPads verfügbar seinen (Anmerkung der Redaktion: Inzwischen unterstützt auch der Flash Player H.264).
  • Flash hat zu viele Sicherheitslücken und keine ausreichende Performance auf mobilen Geräten
  • Die Hardwareunterstützung beim Dekodieren von Videos ist unzureichend und verbraucht zu viel Akku-Leistung
  • Flash unterstützt keinen Touch-Screen
  • Als Cross-Plattform-Tool bietet Flash nur den kleinsten gemeinsamen Nenner aller dieser Plattformen. Damit lassen sich keinen Apps erstellen, die mit den Innovationen auf den Apple-Geräten angemessen Schritt halten können.
Jobs schließt mit den Worten: „In der mobilen Ära wurden neue offene Standards wie HTML5 geschaffen, die auf mobilen Geräten gewinnen werden (und auch auf PCs). Vielleicht sollte Adobe den Schwerpunkt auf die Schaffung guter HTML5-Tools legen und weniger darauf, Apple dafür zu kritisieren, dass es die Vergangenheit hinter sich gelassen hat.“
Nach dieser vernichtenden Kritik (man kann das natürlich alles auch ganz anders sehen) hätte Adobe die Flash-Entwicklung eigentlich sofort einstellen können. Denn was für iOS gilt, muss auch für Android und Windows Phone gelten. Es hat aber noch bis zum 9. November 2011 gedauert. An diesem Tag hat Adobe angekündigt, die Entwicklung des Flash-Plugins für mobile Geräte nicht mehr fortzuführen. Den Flash Player für den Desktop soll es aber weiter geben. Zugleich verstärkt Adobe sein Engagement bei der Entwicklung von HTML5-Tools. Dreamweaver, Muse und Edge sind drei Werkzeuge aus dem Hause Adobe zur Entwicklung Flash-freier Anwendungen. Für Software-Entwickler kann diese Entwicklung nur eines bedeuten: Auf HTML5 umsteigen und zwar möglichst bald.

Flash und HTM5 im Vergleich

Trotz der rasanten Entwicklung von HTML5, der dafür geeigneten Entwicklungsumgebungen und der HTML5-fähigen Browser wird Flash den Markt voraussichtlich noch einige Zeit beherrschen. Immerhin ist der Flash-Player auf mehr als 90 Prozent aller Rechner installiert. Bis alle Browser aktualisiert sind und perfekt HTML5 beherrschen, kann es noch einige Jahre dauern. Bis dahin werden die Entwickler zweigleisig fahren müssen, also Flash für ältere Browser und HTML5 für moderne Browser und mobile Geräte. Aber auch auf mobile Geräten können Flash-Entwickler noch punkten. Von Adobe gibt es einen Flash-nach-HTML5-Konverter mit dem Namen Wallaby. Das Programm befindet sich aber noch in einer frühen Entwicklungsphase und ist als „experimentell“ gekennzeichnet. Eine andere Möglichkeit ist es Flash-Anwendungen nach Adobe Air zu konvertieren - dann laufen sie sogar auf dem iPhone.
Wenn Sie als Entwickler an den Unterschieden zwischen HTML5 und Flash interessiert sind, finden Sie eine detaillierte Übersicht einzelner API-Funktionen auf der Seite Flash 10 versus JS/HTML5: The Tour Guide. Im Folgenden lesen Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Unterschiede.

Plugin

Was der Browser nicht kann, erledigen Plugins. Diese sollte man nicht mit Erweiterungen („Add-ons“) zu verwechseln. Add-ons beeinflussen beispielsweise die Anzeige einer Webseite, etwa indem sie den dargestellten Inhalt ändern oder filtern. Oder sie ermöglichen den Zugriff auf sonst nicht zugängliche Funktionen des Browsers. Bei Plugins übergibt dagegen der Browser Daten aus dem Internet an ein anderes Programm, dessen Ausgaben aber in das Browser-Fenster eingebettet werden. Diese Technik nutzen neben dem Flash Player beispielsweise auch das Adobe-PDF-Plugin und das Java-Plugin. Ein Plugin ist also ein fremdes Produkt, das nur teilweise unter der Kontrolle des Browsers steht und auch in der Regel unabhängig von diesem aktualisiert werden muss. Obwohl sich auch dieses Problem technisch lösen lässt. So ist der Flash Player inzwischen in Googles Browser Chrome integriert und wird mit diesem zusammen aktualisiert - eine Reaktion von Google auf die zahlreichen Sicherheitslücken im Flash Player.
HTML5 ist dagegen eine Erweiterung des HTML-Standards. Es gehört also zum Browser und befindet sich unter seiner vollständigen Kontrolle. Dadurch ist es auch möglich, HTML5-Inhalte über Add-ons zu beeinflussen. HTML5 bietet daher die größtmögliche Flexibilität.
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