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Das Backup für Ihr NAS: Raspberry Pi zur Hilfe!

14.08.2016 | 10:22 Uhr |

Wer auf seinem NAS wichtige Daten speichert, sollte nicht an einer zusätzlichen Datensicherung sparen. Praktisch: Der Mini-Rechner Raspberry Pi eignet sich hervorragend dazu, die Daten von den Netzwerkspeichern zu sichern – wir zeigen, wie es geht!

Sensible Daten können gar nicht oft genug gesichert werden: Auch wenn moderne NAS-Systeme nahezu immer auf einen RAID-Verbund setzen, um den Ausfall einer Festplatte zu kompensieren, können Unfälle, Einbrüche und andere Katastrophen zum totalen Datenverlust führen. Nicht nur deshalb lohnt es sich, die Daten unabhängig vom NAS im Netzwerk zu erstellen. Ein perfektes Backup-Ziel für diesen Zweck ist der nur 30 Euro teure Raspberry Pi. In Kombination mit einem USB-Stick oder einer externen Festplatte kann der Mini-PC zum platz-und energiesparenden Backup-Server umfunktioniert werden. Möglich wird dies durch die Einrichtung des Backup-Dienstes rsync auf dem Pi. Faktisch jedes aktuelle NAS-System ist in der Lage, ein rsync-Backup im Netzwerk zu erstellen – auf diese Weise wird der Pi zum Rettungs-Anker für Ihr NAS!

Siehe auch: Einfache Raspberry Pi-Mini-Projekte

Backup-Festplatte vorbereiten

Wir gehen in unserem Beispiel davon aus, dass der Raspberry Pi mit dem offiziellen Raspbian-Image aufgesetzt wurde. Die Anleitung funktioniert aber beispielsweise auch mit der Ubuntu MATE-Distribution für den Raspberry Pi 2 und den meisten anderen Linux-Distributionen für den Pi. Die folgenden Schritte werden auf dem Terminal am Raspberry Pi durchgeführt; alternativ nutzen Sie eine SSH-Verbindung vom PC oder Mac (unter Windows benötigen Sie dazu einen SSH-Client wie Putty ). Als erstes muss die am Raspi angeschlossene USB-Festplatte vorbereitet werden, auf der später das NAS-Backup durchgeführt wird. Dazu geben Sie zunächst diesen Befehl ein:

ls -al /dev/disk/by-uuid

Dies führt zu einer Ausgabe wie dieser:

drwxr-xr-x 2 root root 80 Feb 2 22:13 . 
drwxr-xr-x 6 root root 120 Feb 2 22:13 ..
lrwxrwxrwx 1 root root 15 Feb 2 22:13 110060fe-9ec1-40fb-97b4-541ce2f4a450 -> ../../mmcblk0p2
lrwxrwxrwx 1 root root 15 Feb 2 22:13 1BB0-4B7C -> ../../mmcblk0p1

Schließen Sie nun die externe Festplatte am Raspi an und geben Sie den Befehl erneut an. Die Ausgabe sollte nun beispielsweise so aussehen:

drwxr-xr-x 2 root root 100 Feb 20 14:03 .
drwxr-xr-x 6 root root 120 Feb 2 22:13 ..
lrwxrwxrwx 1 root root 15 Feb 2 22:13 110060fe-9ec1-40fb-97b4-541ce2f4a450 -> ../../mmcblk0p2
lrwxrwxrwx 1 root root 10 Feb 20 14:03 1AA22B6CA22B4C17 -> ../../sda1
lrwxrwxrwx 1 root root 15 Feb 2 22:13 1BB0-4B7C -> ../../mmcblk0p1

Von Interesse ist hier die neue Zeile mit „sda1“ und die UUID, in diesem Fall also „1AA22B6CA22B4C17“. Dabei handelt es sich um die Informationen der neuen Festplatte, die Sie in den folgenden Schritten benötigen. Damit ein NAS eine Sicherung auf eine Festplatte am Raspi durchführen kann, müssen Sie diese nun noch passend formatieren. Dazu wird das Laufwerk erst ausgehängt, dann im EXT4-Dateiformat formatiert und anschließend wieder eingehängt:

umount /dev/sda1
sudo fdisk –l
sudo fdisk /dev/sda (OHNE „1“!)

Mit fdisk löschen Sie nun mit der Befehlsfolge „d“, „1“ und „n“ (jeweils gefolgt von Enter) die aktuelle Partition und legen eine neue Linux-Partition an. Die Abfragen von fdisk bestätigen Sie jeweils mit der Eingabetaste, um die Standardeinstellungen zu übernehmen. Beenden Sie den Vorgang durch „w“, um das Medium zu löschen. Als stellen Sie mit

sudo mkfs.ext4 /dev/sda1

das Dateisystem des Backup-Datenträgers auf EXT4 um, was in einer besseren Backup-Performance resultiert.

Ein User für das NAS

Der erste Teil der Vorbereitung ist damit abgeschlossen, jetzt geht es an die Feinarbeit. Zur besseren Übersicht empfiehlt es sich, einen separaten User für das NAS auf dem Raspi anzulegen. Geben Sie dazu im Terminal diesen Befehl ein:

sudo adduser nasbackup

Natürlich können Sie auch einen anderen Usernamen als „nasbackup“ verwenden. Vergeben Sie ein Kennwort, mit dem Sie sich später anmelden und füllen Sie die übrigen Angaben nach Belieben aus. Am Ende bestätigen Sie den neuen Nutzer mit „Y“. Als nächstes erstellen Sie mit

sudo mkdir /home/nasbackup

einen Mount-Punkt für das Backup-Laufwerk und mounten das Backup-Laufwerk auf das neue Benutzerkonto:

sudo mount /dev/sda1 /home/nasbackup

Abschließend sorgen Sie noch mit mit

sudo chown nasbackup:nasbackup /home/nasbackup

dafür, dass der neu angelegte Nutzer auch die vollen Nutzungsrechte für den Backup-Ordner besitzt.

Beim NAS-Systems von Synology wird im Startmenü des DiskStation Managers unter dem Menüpunkt „Datensicherung und Replikation“ die Datensicherung konfiguriert.
Vergrößern Beim NAS-Systems von Synology wird im Startmenü des DiskStation Managers unter dem Menüpunkt „Datensicherung und Replikation“ die Datensicherung konfiguriert.

Rsync-Server einrichten

Die Festplatte ist bereit, der Benutzer für die Sicherung eingerichtet – es fehlt noch der rsync-Server, auf dem das NAS-System später die Backups durchführt. Als erstes aktualisieren Sie das System und die installierten Pakete mit

sudo apt-get update && sudo apt-get upgrade

Anschließend wird das rsync-Paket für den Raspberry Pi mit

sudo apt-install rsync

heruntergeladen und installiert. Für die Einrichtung bearbeiten wir nun zunächst die Konfigurationsdatei rsyncd.conf durch

sudo nano /etc/rsyncd.conf

Tragen Sie hier die folgenden Zeilen ein:

use chroot = true
max connections = 2
log file = /var/log/rsync.log
timeout = 300
[NAS-Backup]
comment = Rsync für NAS
path = /home/nasbackup
read only = no
list = yes
uid = nasbackup
gid = nasbackup
auth users = nasbackup
secrets file = /etc/rsyncd.secrets.nasbackup

Speichern Sie die Änderungen Strg + O und verlassen Sie den Editor über Strg +X. Nun legen Sie mit

sudo nano /etc/resyncd.secrets.nasbackup

die Passwortdatei für den rsync-Server an und tragen hier die Zeile

nasbackup:IhrPasswort

ein. Den Nutzernamen und das Passwort passen Sie nach Ihren Anforderungen an. Speichern Sie die Änderungen und sorgen Sie mit

chmod 600 /etc/rsyncd.secrets.nasbackup

dafür, dass die Dateirechte stimmen. Damit der Rsync-Server nun auch dauerhaft als Daemon seinen Dienst verrichten kann, editieren Sie mit

sudo nano /etc/default/rsync

die Einstellungen von rsync. Ändern Sie zunächst die Zeile

RSYNC_ENABLE=false

auf

RSYNC_ENABLE=true

Ergänzen Sie dann die Zeile

RSYNC_CONFIG_FILE=/etc/rsyncd.conf

und speichern die Datei ab. Herzlichen Glückwunsch – die Vorbereitung ist abgeschlossen!

Vom NAS zum rsync-Raspi

Um den rsync-Server auf dem Raspberry Pi zu starten, geben Sie nun einfach den Befehl

sudo /etc/init.d/rsync start

ein. Nun können Sie auf Ihrem NAS die Sicherung auf den frisch eingerichteten rsync-Server einrichten. Faktisch alle Hersteller bieten dazu ein passendes Backup-Tool, das Sie über die grafische Benutzeroberfläche des NAS konfigurieren. Besitzer eines NAS-Systems von Synology finden dieses beispielsweise im Startmenü des DiskStation Managers unter dem Menüpunkt „Datensicherung und Replikation“. Richten Sie hier eine neue Datensicherung ein und wählen Sie Sicherungsziel den Eintrag „rsync-kompatibler Server“. Geben Sie nun die IP-Adresse des Raspberry Pi ein und füllen Sie Benutzername und Passwort so aus, wie Sie es im Artikel vorgenommen haben. Wenn alles klappt, erkennt das NAS nun das in der rsyncd.conf festgelegte Backup-Modell „NAS-Backup“. Befolgen Sie die weiteren Schritte des Assistenten, um die zu sichernden Dateien vom NAS auszuwählen und das Backup zu beginnen. Je nach NAS können Sie dabei optional noch einen Zeitplan festlegen, zu dem die Sicherung automatisch ausgeführt wird. Einmal eingerichtet landen die Daten automatisch auf dem Raspberry Pi und können bei Bedarf ganz einfach über die Backup-Funktion des NAS wiederhergestellt werden – der doppelte Boden für Ihre NAS-Daten ist damit eingerichtet und der Schrecken des Datenverlusts ein Stück weit entschärft!

Backup-Festplatte automatisch mounten

Währen der rsync-Server auch nach einem Neustart des Raspberry Pis weiterläuft, muss der Mount-Befehl für den USB-Datenträger standardmäßig erneut durchgeführt werden, bevor das Backup wieder funktioniert. Es ist auch möglich, das Laufwerk beim Start zu mounten und den Vorgang zu automatisieren. Unter Linux müssen Sie dazu die Datei fstab editieren:

sudo nano /etc/fstab

Tragen Sie hier nun eine neue Zeile nach diesem Muster ein und speichern die Datei ab:

UUID=xxxxxxxxxxxxxxxxx /home/nasbackup ext4 defaults 0 0

Hinter der UUID tragen Sie den Wert ein, den Sie zuvor für die Backup-Festplatte ermittelt haben. Dadurch ist sichergestellt, dass der Raspberry Pi das Backup-Medium auch nach einem Neustart in das Dateisystem einbindet und die rsync-Sicherung nicht scheitert.

Netzlaufwerk (NAS) in Windows einbinden - so geht's
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