1987410

DSL doppelt so schnell

01.03.2015 | 15:15 Uhr |

Was gestern als turbo-schnell gefeiert wurde, ist heute schon wieder schnarch-langsam. So auch bei DSL. Wie Sie Ihrem Anschluss mehr Tempo entlocken, erfahren Sie hier.

Im Beitrag " DSL-Tuning - der 4-Punkte-Check " haben wir erklärt, wie Sie herausfinden, ob Ihr DSL-Anschluss langsamer ist als technisch möglich. Nachdem alle Geschwindigkeits-Fakten auf dem Tisch liegen, geht es jetzt an die Optimierung.

Optimierungs-Option 1: Von ADSL auf ADSL2+ wechseln

Als erstes wenden wir uns den in Check 2 ermittelten Daten zu, also den Angaben, die die Fritzbox unter „Internet -> DSL-Informationen“ anzeigt. Hellhörig sollten Sie werden, wenn in den Statusinfos der Fritzbox als Übertragungsverfahren statt „VDSL“ oder „ADSL 2+“ nur „ADSL“ angegeben ist. Denn dabei handelt es sich um einen veralteten Standard, der jedoch auch heute noch vereinzelt im Einsatz ist. Durch ADSL2+ lassen sich bei gleicher Leitungslänge wesentlich höhere Übertragungsraten (bis zu 16 MBit/s) erreichen als bei ADSL (maximal 6 MBit/s). Daher sollten Sie sich an Ihren Provider wenden, um zu erreichen, dass Sie auf eine DSL-Gegenstelle umgeschaltet werden, die ADSL2+ unterstützt. Sollte der Provider in der entsprechenden Vermittlungsstelle noch keine ADSL2+-fähige Technik verbaut haben, prüfen Sie, ob dies eventuell bei einem anderen Anbieter der Fall ist, indem Sie auf den Websites der Konkurrenten einen Verfügbarkeitscheck durchführen.

Altes Übertragungsverfahren aktiv? Wenn im rot markierten Bereich nicht „ADSL2+“ oder „VDSL2“ sondern nur „ADSL“ steht, läuft Ihr Anschluss unter seinen Möglichkeiten.
Vergrößern Altes Übertragungsverfahren aktiv? Wenn im rot markierten Bereich nicht „ADSL2+“ oder „VDSL2“ sondern nur „ADSL“ steht, läuft Ihr Anschluss unter seinen Möglichkeiten.

Optimierungs-Option 2: Tarif wechseln

Als nächstes schauen wir uns die Geschwindigkeitswerte unter „Internet -> DSL-Informationen“ auf der Registerkarte „DSL“ der Fritzbox an. Liegt die „DSLAM-Datenrate Max.“ deutlich unterhalb der von der Box ermittelten „Leitungskapazität“, bremst Ihr Provider Sie aus. Das könnte natürlich daran liegen, dass Ihr Tarif nicht mehr Leistung vorsieht. Falls das nicht der Grund ist, nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Anbieter auf und weisen Sie ihn auf die Differenz hin. Am besten fügen Sie einen Screenshot mit den DSL-Statusinfos der Fritzbox bei.

Optimierungs-Option 3: Anschlussart wechseln

Liegt hingegen die „Aktuelle Datenrate“ deutlich unter der „DSLAM-Datenrate Max.“ beziehungsweise unter dem Wert, den Ihr Tarif laut Vertragsunterlagen maximal hergibt, haben Sie vermutlich eine „lange Leitung“. Das heißt, die Leitungslänge zwischen Ihrer Wohnung und der DSL-Gegenstelle, die sich oft mehrere Kilometer entfernt in der Vermittlungsstelle befindet, lässt keine höhere Geschwindigkeit zu. Dann lautet die Lösung VDSL. Bei dieser DSL-Weiterentwicklung sitzen die DSL-Gegenstellen nur wenige hundert Meter entfernt in den Verteilerkästen am Straßenrand. Dadurch sind, wie eingangs erwähnt, Datenraten bis 50 MBit/s beziehungsweise mit der Vectoring-Technologie bis zu 100 MBit/s möglich.

Allerdings ist der Ausbau der Verteilerkästen, die darüber hinaus per Glasfaser ans Internet angebunden werden müssen, teuer und zeitaufwendig. Daher ist die Technik bislang vor allem in Großstädten und Ballungsgebieten anzutreffen. Die Telekom hat aber angekündigt, bis Ende 2016 VDSL mit Vectoring für 24 Millionen Haushalte in Deutschland verfügbar zu machen. Den aktuellen Ausbaustatus können Sie über www.telekom.de/vdsl abfragen. Da auch die Konkurrenten, zum Beispiel Vodafone, 1&1 und O2 das VDSL-Netz der Telekom mitnutzen, sind Sie nicht auf die magenta angehauchten Tarife festgelegt. Möglicherweise gibt es an Ihrem Standort auch einen lokal oder regional tätigen Anbieter, der schnelles Internet via VDSL, Kabelanschluss oder gar Glasfaser anbietet. Keine besonders gute Alternative ist hingegen die Funktechnik LTE, da die angepriesenen hohen Übertragungsraten in der Praxis nur selten erreicht werden und der Surfspaß durch Volumendrosselung getrübt wird.

Löchrig: Nicht mal in Ballungsgebieten ist VDSL von der Telekom mit 50 oder gar 100 MBit/s überall verfügbar. Innerhalb der nächsten Jahre soll der Ausbau aber sukzessive voranschreiten.
Vergrößern Löchrig: Nicht mal in Ballungsgebieten ist VDSL von der Telekom mit 50 oder gar 100 MBit/s überall verfügbar. Innerhalb der nächsten Jahre soll der Ausbau aber sukzessive voranschreiten.

Optimierungs-Option 4: Provider auf langsame Anbindung hinweisen

Jetzt machen wir uns daran, die in den Geschwindigkeitstests (zum Beispiel mit www.speedmeter.de , www.speedtest.net und http://speedtest.t-online.de ) gemessenen Werte mit dem vom DSL-Router ausgehandelten Tempo (in der Fritzbox „Aktuelle Datenrate“ genannt) zu vergleichen. Nimmt der Wert zu den typischen Feierabendzeiten ab und steigt nachts wieder sprunghaft an? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass entweder die Anbindung der jeweiligen Vermittlungsstelle an das Netz des Providers oder der Übergang vom Providernetz ins Internet nicht ausreichend dimensioniert ist. In dem Fall hilft es nur, den Provider mit den Messwerten der Geschwindigkeits-Tests zu konfrontieren. Geben Sie dabei auch Tag und Uhrzeit Ihrer Messungen an.

Optimierungs-Option 5: Hausverkabelung prüfen

Natürlich gibt es auch Faktoren auf Seiten des Benutzers, die die Datenübertragung beeinträchtigen können. Als erstes wäre die Telefon-Hausverkabelung zu nennen. Haben Sie diese selber vorgenommen oder verändert, gilt es zu überprüfen, ob die Kupferlitzen einen Querschnitt von mindestens 0,6 Millimetern haben. Sind mehrere Kabelabschnitte hintereinander geschlossen, überprüfen Sie, ob die Verbindungen ordentlich verschraubt sind. Haben Sie mehrere Telefondosen in Ihrer Wohnung, nutzen Sie unbedingt die erste, also die, die die kürzeste Verbindung zum Hausübergabepunkt im Keller hat.

Optimierungs-Option 6: DSL-Router/-Modem tauschen

Als nächster Punkt wäre das DSL-Modem zu nennen, das meistens in den WLAN-Router integriert und für die Übertragung der Daten über die Telefon-Kupferkabel zuständig ist. Hier gibt es durchaus gewisse qualitative Unterschiede. Es kann also sein, dass Sie mit einem anderen Modem beziehungsweise WLAN-Router ein paar hundert KBit/s mehr herauskitzeln können, zum Beispiel weil es mit Störungen besser umgehen kann. Problem ist allerdings, dass eine Vorhersage, wie sich ein bestimmtes Modem an Ihrer konkreten Leitung verhält, nicht möglich ist. Natürlich könnten Sie sich mehrere Geräte kaufen, nur das Beste behalten und die anderen umtauschen. Aber das wäre dem Händler gegenüber etwas unfair. Vielleicht leiht Ihnen ein Bekannter seinen Router zum Testen.

Video: Fritzbox - So machen Sie ein Firmware-Update

Falls Sie von Ihrem Provider keine Zugangsdaten genannt bekommen haben, sondern nur einen Installations-Code für den von ihm gelieferten DSL-Router, haben Sie allerdings erst einmal ein Problem. Weitere Infos zum Thema „Routerzwang“ und möglichen „Befreiungsmaßnahmen“ finden Sie im Beitrag " Keine Chance dem Router-Zwang! ".

Optimierungs-Option 7: Datenvolumen reduzieren

Eine andere Möglichkeit, trotz langsamer Leitung schneller zu surfen, ist es, das zu übertragene Datenvolumen zu reduzieren. Protokolldaten, HTML-Code, Javascripts und Co. rauschen in der Regel ungepackt durch die Leitung. Bilder im JPG- oder PNG-Format sind zwar bereits komprimiert, aber in der Regel nur so stark, dass die Bildqualität nicht leidet. Der kostenlose Browser Opera bringt sowohl in der Windows-Version als auch in der Android- und iOS-Variante eine Funktion mit, die durch starke Komprimierung den Datenverbrauch beim Surfen deutlich senkt. Das Prinzip dahinter: Der Browser verbindet sich nicht direkt mit der gewünschten Website, sondern mit einem zwischengeschalteten Server von Opera (Proxy). Dieser fordert die gewünschten Daten von der Website an, komprimiert sie und leitet sie an den Browser weiter. Diese Funktion können Sie im „Opera-Browser für Android“ (für Android ab Version 4.0) über den Menüeintrag „Offroad-Modus“ ein- und ausschalten. Unter Opera für Windows und in „Opera Mobile Classic“ (für Android ab Version 1.6) heißt die Option „Opera Turbo“ und lässt sich so einstellen, dass sie nur dann genutzt wird, wenn keine WLAN-Verbindung zur Verfügung steht.

Weniger Verkehr = höhere Geschwindigkeit: Der Web-Browser Opera, den es unter anderem für Windows und Android gibt, komprimiert Website-Daten und sorgt so für eine schnellere Übertragung.
Vergrößern Weniger Verkehr = höhere Geschwindigkeit: Der Web-Browser Opera, den es unter anderem für Windows und Android gibt, komprimiert Website-Daten und sorgt so für eine schnellere Übertragung.

Auch Google Chrome bietet eine Kompressions-Funktion, offiziell allerdings nur in den App-Versionen – dort zu finden in den Einstellungen unter „Bandbreitenverwaltung -> Datennutzung reduzieren“. Um die Funktion auch in der Windows-Version zu nutzen, installieren Sie die inoffizielle Erweiterung „ Data Compression Proxy “.

Möchten Sie nicht nur den Datenverkehr des Browsers minimieren, sondern den des kompletten Smartphones oder Tablets, können Sie die Gratis-App „ Onavo Extend “ für Android ab Version 4 und für iPhone/iPad nutzen, die Sie in den App Stores erhalten. Sie baut eine VPN-Verbindung zu einem Server des Anbieters auf, über den dann der gesamte Internet-Verkehr des Geräts geleitet wird. Der VPN-Server komprimiert - soweit möglich - die empfangenen Daten, bevor es sie ans Mobilgerät weiterleitet. Eine Statistik innerhalb der App zeigt an, wie viel Datenvolumen sie bereits gespart haben.

Bei allen Apps beziehungsweisen Diensten, die den Datenverkehr umleiten, sollten Sie jedoch im Hinterkopf behalten, dass deren Betreiber alle unverschlüsselten Daten mitlesen könnten.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1987410