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DSL-Tuning: Der 4-Punkte-Check

18.03.2015 | 05:55 Uhr |

Surfen Sie womöglich zu langsam? Wenn ja, woran liegt's? In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie bei der Fehlersuche vorgehen sollten.

Trotz Versprechungen aus Politik und Bestrebungen der Wirtschaft kann noch längst nicht jeder Bürger in Deutschland einen schnellen Internet-Anschluss erhalten. Und selbst wenn für Ihren Standort ein Tarif mit bis zu 16 MBit/s oder mehr beworben wird, heißt das noch lange nicht, dass Sie diese Geschwindigkeit auch tatsächlich erreichen. In manchen Fällen lässt sich aber Abhilfe schaffen, also der Datendurchsatz spürbar beschleunigen.

Bestandsaufnahme: So gehen Sie vor

Als erstes gilt es, eine Bestandsaufnahme zu machen, indem Sie folgende Punkte klären:

  • Welche DSL-Geschwindigkeit sind laut Ihrem Tarif maximal möglich?

  • Welches Tempo gibt Ihre Telefonleitung maximal her?

  • Mit welcher Geschwindigkeit verbindet sich das im Router integrierte DSL-Modem mit der Gegenstelle?

  • Wie hoch ist die tatsächliche, nutzbare Übertragungs-Geschwindigkeit?

Check 1: Welche Geschwindigkeit lässt Ihr Tarif zu?

Die Frage, was der Tarif vorsieht, lässt sich relativ einfach mit einem Blick in die Vertragsunterlagen klären, zum Beispiel in das Begrüßungsschreiben oder in eine Rechnung. Manchmal lässt sich die Info auch dem Online-Kundencenter entnehmen. Alternativ sollte sich die Frage durch einen Anruf bei der Hotline Ihres Anbieters klären lassen.

Check 2: Wie viel MBit/s macht die Telefonleitung mit?

Schwieriger ist es zu ermitteln, welche Geschwindigkeit die Leitung hergibt. Zwei Faktoren spielen hierbei wichtige Rollen: die Leitungslänge und das verwendete Übertragungsverfahren, also ADSL, ADSL2+ (beide in Deutschland nur „DSL“ genannt) oder VDSL2 beziehungsweise VDSL2 mit Vectoring (beide in Deutschland nur „VDSL“ genannt). Mit Leitungslänge ist die Länge des Telefonkabels zwischen der Telefondose in Ihrer Wohnung und der DSL-Gegenstelle des Providers gemeint. Je größer die Distanz, desto schwächer und störanfälliger wird das Signal - bis es irgendwann nicht mehr nutzbar ist. Die Abschwächung wird auch als Dämpfung bezeichnet und in Dezibel angegeben. Während sich über eine Strecke von rund 2 bis 3 Kilometern mit ADSL2+ meist noch problemlos zwischen 10 bis 16 MBit/s und über 3 bis 4 Kilometer noch zwischen 6 bis 10 MBit/s transportieren lassen, sinkt die Datenrate ab circa 4 Kilometern rapide ab.

Die DSL-Gegenstellen befinden sich in der Regel in den Telefon-Hauptverteilern („Vermittlungsstellen“), von denen es normalerweise ein bis zwei pro Stadt oder Stadtteil gibt. Um höhere Geschwindigkeiten zu ermöglichen, muss die DSL-Gegenstelle näher an den Kunden rücken. Das ist in einigen Städten auch schon geschehen. Die Telekom und einige andere Netzbetreiber haben dort in die Kabelverzweiger am Straßenrand sogenannte Outdoor-DSLAMs eingebaut. Die Leitungslänge verkürzt sich dadurch auf wenige hundert Meter. Dadurch sind mit dem Übertragungsverfahren VDSL Übertragungsraten von bis zu 50 MBit/s möglich und mit VDSL Vectoring bis zu 100 MBit/s. Wer häufig große Dateien versendet oder auf Cloud-Speicher hochlädt, profitiert bei VDSL zudem von einem wesentlich höheren Upload-Tempo. Denn während bei ADSL2+ bei 1 bis 2 MBit/s Schluss ist, kommt VDSL in Senderichtung schon auf 5 bis 10 MBit/s und VDSL Vectoring sogar auf bis zu 40 MBit/s.

Um herauszufinden, wie viel Ihre Leitung hergibt, brauchen Sie entweder ein spezielles Messgerät oder eine Fritzbox von AVM. Denn die Fritzboxen sind unserer Kenntnis nach die einzigen DSL-Router, die entsprechend detaillierte Infos zum Status der DSL-Verbindung anzeigen. Falls Sie einen Router eines anderen Herstellers benutzen, ist das aber auch nicht dramatisch. Denn vielleicht kennen Sie ja jemanden, der Ihnen für eine kurze Messung seine Fritzbox ausleiht. Sie müssen nichts an der Konfiguration der Box ändern oder (andere) Zugangsdaten eintragen. Denn es ist nicht nötig, dass die Box eine Internetverbindung herstellt. Es reicht, die Box anzuschließen und ein bis zwei Minuten zu warten, bis sie sich mit der DSL-Gegenstelle synchronisiert hat. Dann öffnen Sie das Konfigurationsmenü der Box im Web-Browser und wechseln zu „Internet -> DSL-Informationen“. Das Übertragungsverfahren, zum Beispiel „ADSL“, „ADSL2+“ oder „VDSL2“, ist in der Mitte unterhalb des Werts für „DSL aktiv seit“ angegeben.

Umfangreiche Informationen: Die Fritzboxen von AVM geben sehr detailliert Auskunft darüber, mit welcher Geschwindigkeit sie verbunden sind und ob noch mehr Tempo drin wäre.
Vergrößern Umfangreiche Informationen: Die Fritzboxen von AVM geben sehr detailliert Auskunft darüber, mit welcher Geschwindigkeit sie verbunden sind und ob noch mehr Tempo drin wäre.

Wechseln Sie nun zur Registerkarte „DSL“. In der Zeile „DSLAM-Datenrate Max.“ steht die Geschwindigkeit, die Ihr Provider für Ihren Anschluss beziehungsweise Tarif maximal zugelassen hat. Bei „Leitungskapazität“ ist das Tempo angegeben, das laut Berechnung der Fritzbox unter Berücksichtigung des vom Provider verwendeten Übertragungsverfahrens maximal erreicht werden könnte.

Lesetipp - Fritzbox-Tutorial: So optimieren Sie Ihr WLAN

Check 3: Mit welchem Tempo ist der DSL-Router verbunden?

Die tatsächlich zwischen der Fritzbox und der DSL-Gegenstelle ausgehandelte Geschwindigkeit zeigt fast jeder DSL-Router in der Konfigurationsoberfläche an. Bei vielen Speedport-Routern der Telekom finden Sie die Angabe zum Beispiel unter „Details -> DSL“, bei Fritzboxen unter „Internet -> DSL-Informationen -> DSL“ in der Zeile „Aktuelle Datenrate“.

Check 4: Wie schnell surfen Sie tatsächlich?

Die tatsächlich nutzbare Geschwindigkeit Ihres Internet-Zugangs finden Sie heraus, indem Sie einen Internet-Geschwindigkeitstest durchführen. Es gibt hierfür zahlreiche Anbieter. Die Dienste senden zunächst Daten zu Ihrem Browser, um das Download-Tempo zu messen. Danach folgt die Prüfung des Uploads, indem automatisch generierte Zufallsdaten zu dem Dienst hochgeladen werden. Anschließend wird noch die Paketumlaufzeit („Pingdauer“) gemessen, also die Zeit, die ein Datenpaket zum Server und wieder zurück zu Ihnen braucht.

Neben unserem eigenen Speedtest www.speedmeter.de können wir auch www.speedtest.net und http://speedtest.t-online.de empfehlen. Sie sollten ohnehin nacheinander mehrere Dienste nutzen und einen Mittelwert bilden, denn die Messwerte verschiedener Speedtest-Angebote sind selten hundertprozentig identisch. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie Tests zu verschiedenen Uhrzeiten durchführen.

Wie schnell surfen Sie tatsächlich? Um diese Frage zu beantworten, sollten Sie hintereinander mehrere Internet-Geschwindigkeitstests durchführen, zum Beispiel den von PC-WELT angebotenen Test Speedmeter.de.
Vergrößern Wie schnell surfen Sie tatsächlich? Um diese Frage zu beantworten, sollten Sie hintereinander mehrere Internet-Geschwindigkeitstests durchführen, zum Beispiel den von PC-WELT angebotenen Test Speedmeter.de.

Da die Geschwindigkeit von Funknetzen schwanken kann, sollten Sie Ihren PC optimalerweise per LAN-Kabel mit dem Router verbinden. Außerdem sollten Sie dafür sorgen, dass Sie während des Tests der einzige Nutzer in Ihrem Heimnetz sind. Schalten Sie alle anderen Netzwerkgeräte - vom Smartphone bis zum WLAN-Radio - vollständig ab, damit sie auch im Hintergrund oder Standby keine Daten übertragen. Auch auf dem PC, mit dem Sie den Test durchführen, dürfen keine parallelen Datei-Transfers stattfinden.

Nachdem alle Geschwindigkeits-Fakten auf dem Tisch liegen, geht es an die Optimierung. An welchen Schrauben Sie drehen können, erfahren Sie im Beitrag "DSL doppelt so schnell" .

Video: Fritzbox - So machen Sie ein Firmware-Update
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