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Vorsicht vor Router-Zwang

21.04.2013 | 12:01 Uhr |

Viele Verbraucher fühlen sich ausgetrickst: Internet-Provider dürfen ihren Kunden tatsächlich vorkonfigurierte Router ausliefern und sind nicht verpflichtet, die Zugangsdaten zu nennen.

Zu diesem Ergebnis kommt nach mehrmonatiger Prüfung die Bundesnetzagentur. Die Bonner Behörde war im Herbst des vergangenen Jahres Beschwerden nachgegangen, dass Telekomanbieter wie O2 oder Vodafone speziell konfigurierte Router ausliefern, ihren Kunden die Zugangsdaten wie Benutzername und Kennwort aber vorenthalten. Die Konsequenz ist, dass man dann keinen alternativen Router, beispielsweise die bereits vorhandene Fritzbox, verwenden kann – denn ohne persönliche Kennung kein Zugang zum Internet.

In einem Schreiben weist der Verbraucherservice der staatlichen Aufsicht jetzt darauf hin, dass die Bundesnetzagentur „keine rechtliche Handhabe gegen die Kopplung des Vertrags mit einem bestimmtem Router des Netzbetreibers“ hat. Nach den Vorgaben des Gesetzes über Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen müssen Netzbetreiber zwar Anschluss und Betrieb jedes zulässigen Endgerätes an den Schnittstellen gestatten.

Der Name ist Programm: Der DSL-Router „Easybox“ von Vodafone ist sofort im Internet, doch die Zugangsdaten für einen alternativen Router rückt der Provider nicht heraus.
Vergrößern Der Name ist Programm: Der DSL-Router „Easybox“ von Vodafone ist sofort im Internet, doch die Zugangsdaten für einen alternativen Router rückt der Provider nicht heraus.
© Vodafone

„Router gehört zum Netz“
Welche konkreten Schnittstellen das Netz des Netzbetreibers mit dem Heimnetz jedoch verbinden, habe der Gesetzgeber nicht festgelegt – und überlässt so die Entscheidung dem jeweiligen Netzbetreiber. Damit kann der Provider auch entscheiden, ob der Router Endgerät oder Netzbestandteil ist. Wenn die DSL-Firma ihren Kunden also mitteilt, dass es sich beim Router um einen „Netzbestandteil“ handelt, sind die Router-Anschlüsse die Schnittstellen, an die der Verbraucher seine Endgeräte anschließen und betreiben kann – und nicht die Anschlüsse „an der Wand“ oder „an der Dose“. Ein Anspruch auf Umgehung des Routers des Netzbetreibers bestehe folglich nicht, schreibt die Netzagentur weiter. Zum gleichen Ergebnis beim „Router-Zwang“ komme auch die EU-Kommission.

Diese Router-Einstellungen sollten Sie kennen

Die Internet-Provider müssen folglich keine individuellen Daten herausgeben, so lange sie mit ihrer Hardware die vertraglich vereinbarten Dienste bieten. Was aber beispielsweise die Nutzung von VoIP-Telefonie über Drittanbieter angeht, ist damit einzig eine Sache des Vertrags zwischen Provider und Kunde – hier heißt es also, genau hinzuschauen. Auch zu „Call by call“, also Gesprächen über alternative Anbieter, sind generell weder Kabelnetz- noch DSL-Betreiber verpflichtet.

Kunden müssen das wissen
Allerdings besteht nach den Vorgaben des Telekommunikationsgesetzes eine umfassende Transparenzverpflichtung bei den Anbietern, ihre Kunden klar und umfassend über alle auferlegten Beschränkungen zu informieren. Nach derzeitigem Stand halten insbesondere O2 und Vodafone die Zugangsdaten geheim: DSL-Kunden dieser Anbieter bekommen je nach Vertrag nur eine „Telefon-PIN“ oder einen „Modem-Installationscode“, mit dem sich die Zugangsbox des Providers speisen lässt.

Ohne Stress zum neuen DSL- & LTE-Vertrag

Wer einen anderen Router verwenden möchte, muss unter Umständen einen teureren Tarif wählen. Wählt man einen solchen Tarif, sollte man sich unbedingt vor Vertragsabschluss schriftlich zusichern lassen, auch tatsächlich Benutzername und Kennwort zu erhalten. Ansonsten ist man auf zum Teil komplizierte Anleitungen angewiesen, um die versteckten Zugangsdaten aus dem Router oder dem Datenstrom auszulesen ( Arcor und PC-WELT ) – oder man wählt gleich einen Provider ohne Router-Zwang: beispielsweise 1&1, Congstar oder die Deutsche Telekom.

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