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Wieviel DSL-Speed brauche ich wirklich?

16.07.2016 | 10:09 Uhr |

Ein Internet-Zugang mit 100 oder gar 200 MBit/s klingt erstmal verlockend. Für welche Zwecke eine so hohe Bandbreite sinnvoll und für welche sie Geldverschwendung ist, erfahren Sie hier.

DSL gibt es stellenweise mit bis zu 100 MBit/s im Download und 40 MBit/s im Upload. Bei Kabel-Internet-Anschlüssen sind sogar bis zu 200 MBit/s (Download) und 12 MBit/s (Upload) drin. Und LTE wird mit Datenraten von 50 bis zu 300 MBit/s beworben. Aber für welche Zwecke benötigt man überhaupt wie viel Bandbreite? Und wie verhält es sich, wenn mehrere Anwender sich einen Zugang teilen und ihn gleichzeitig nutzen wollen? Das klären wir in diesem Beitrag.

Tipp vorab: Wenn Ihre Downloads langsam wie eine Schnecke durch die Leitung kriechen, lohnt sich erst einmal eine Bestandsaufnahme. Mit einem 4-Punkte-Check finden Sie heraus, warum Ihr DSL lahmt.

Surfen, Downloaden, Uploaden, Streamen: So viel MBit/s brauchen Sie

Nutzen mehrere Leute gleichzeitig Ihren Internet-Zugang, addieren Sie die nachfolgenden Angaben entsprechend dem typischen Nutzungsverhalten in Ihrem Haushalt.

Web-Surfen: Web-Seiten werden tendenziell immer voluminöser. Im Bewusstsein, dass die Nutzer immer „dickere“ Leistungen haben, setzen viele Betreiber auf immer umfangreichere visuelle Ausstattung ihrer Websites: Hochauflösende Fotos, interaktive Infografiken und natürlich zahlreiche animierte Werbeformen. So können durchaus 2 MB oder mehr pro Seitenaufruf zustande kommen. Mit einem (langsamen) DSL-Anschluss mit einer Bandbreite von 2 MBit/s lassen sich rund 250 KB pro Sekunde übertragen. Eine Web-Seite mit einem Volumen von 2 MB wäre also in 8 bis 10 Sekunden komplett geladen. Das ist gerade noch so akzeptabel.

Mit zehnfacher Bandbreite müsste man entsprechend nur rund eine Sekunde warten. Theoretisch zumindest – denn Ihr Computer, Ihr Smartphone oder Ihr Tablet muss die Infos ja auch erstmal verarbeiten, also HTML-Quelltext und Javascripts interpretieren und die Seite zusammen mit Bildern und allen anderen Elementen im Web-Browser darstellen („rendern“). Das geht mit aktuellen Geräten zwar ebenfalls rasend schnell, aber selten in unter einer Sekunde. Soll heißen: Um in erträglicher Geschwindigkeit surfen zu können, reicht ein Anschluss mit 2 MBit/s noch ganz gut aus. Ideal wären um die 10 MBit/s. Ab 20 MBit/s kommt man schon an die Grenze dessen, was ein Web-Browser auf einem durchschnittlichen Endgerät in Echtzeit berechnen kann.

Software-Downloads: Die meisten Tools, Anwendungs-Programme, Treiber, Updates & Co. sind deutlich unter 500 MB groß. Aber selbst ein halbes Gigabyte ist mit einem 2-MBit-Anschluss in rund einer halben Stunde geladen und mit 20 MBit/s in drei bis vier Minuten. Auch für diesen Einsatzzweck lohnen sich schnellere Internet-Anschlüsse nur, wenn man es wirklich sehr eilig hat und keine Minute zuviel warten möchte.

Spiele-Downloads: Die Detailtreue von Top-Spielen wird immer spektakulärer. Damit steigen aber nicht nur die Anforderungen an Prozessor und Grafikkarte, sondern auch der Datenumfang der Texturen, also der grafische Überzug der dynamischen Objekte der Spielewelt. Dadurch kann – wie beim aktuellen Action-Kracher Grand Theft Auto V – schon mal ein Download-Paket in der Größe von 65 GB zustande kommen. Und auch anschließend nachgereichte Patches und Updates liegen oft im Gigabyte-Bereich.

Grand Theft Auto V: Die Grafikpracht, mit der das Action-Spiel aufwartet, ist eine Herausforderung für Ihren Internet-Zugang, denn Sie müssen über 65 GB an Daten herunterladen
Vergrößern Grand Theft Auto V: Die Grafikpracht, mit der das Action-Spiel aufwartet, ist eine Herausforderung für Ihren Internet-Zugang, denn Sie müssen über 65 GB an Daten herunterladen

65 GB mit einem 2-MBit-Anschluss laden? Dafür muss man schon tiefenentspannt sein: Ziemlich genau 72 Stunden, also drei komplette Tage würde der Download dauern. Selbst mit 20 MBit/s könnten Sie erst nach sieben bis acht Stunden mit dem Spielen beginnen. Da lacht natürlich derjenige, der einen Anschluss mit 100 oder gar 200 MBit/s hat, denn er muss nur rund 90 beziehungsweise 45 Minuten warten.

GTA V ist hier natürlich ein Extrembeispiel. The Witcher 3, ein ebenfalls aktueller Top-Titel mit feinster Grafik, kommt „nur“ auf 35 GB, wäre also in rund der Hälfte der Zeit geladen. Das entspricht bei 2 MBit/s aber immer noch eineinhalb Tagen. Für Hardcore-Gamer lohnt sich ein Zugang mit hoher Bandbreite also auf jeden Fall.

Musik-Streaming: Spotify, Deezer & Co. boomen wie nie zuvor. Es scheint, als würde kaum noch jemand Musiktitel kaufen und herunterladen. Stattdessen wird zum monatlichen Pauschalpreis gestreamt, was das Zeug hält. Die gute Nachricht: Die Musikübertragung belegt mit durchschnittlich 128 KBit/s bis 192 KBit/s nur wenig Bandbreite und klappt so auch mit langsamen Internet-Zugängen problemlos.

Auf der nächsten Seite klären wir, wie viel Bandbreite Sie fürs Streaming und für Uploads brauchen.

Video: Fritzbox - So machen Sie ein Firmware-Update
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