De-Mail, E-Postbrief & Co.

Überblick über sichere Mailverfahren

Donnerstag den 02.08.2012 um 11:34 Uhr

von Gerhard Kafka

Gehört die E-Mail bald der Vergangenheit an?
Vergrößern Gehört die E-Mail bald der Vergangenheit an?
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Oft wurde der E-Mail ihr Tod vorausgesagt. Einen erneuten Anlauf unternehmen De-Mail, E-Postbrief und andere sichere Mail-Dienste. PC-Welt stellt die Konkurrenten zur De-Mail vor.
Das Ende der klassischen E-Mail soll nah sein, verantwortlich hierfür seien Instant Messaging (IM), Multimedia Messaging Service (MMS), Social Networks, Social Business und Unified Communications. Im B2B (Business-to-business), B2C (Business-to-consumer)und E-Government gilt die E-Mail aber weiterhin als schnelles und preiswertes Kommunikationsmedium. Um den klassischen Papierbrief abzulösen, muss die elektronische Post den Datenschutz einhalten, authentisch, auditierbar, integer, (rechts)verbindlich, vertraulich und vertrauenswürdig sein. Daneben muss sie einfach bedienbar, preiswert und international tauglich sein.

De-Mail

Die De-Mail soll den sicheren Austausch von Mails ermöglichen. Mit identifizierbaren Sendern und Empfängern und verschlüsselten Inhalten. Das Bundesministerium des Inneren steht hinter der De-Mail; konkret umgesetzt wird die De-Mail von Privatunternehmen wie 1und1 sowie der Deutschen Telekom. Mit der De-Mail konkurriert der ePost-Brief der Deutschen Post. Es gibt darüber hinaus aber auch noch andere sichere Mailverfahren. Wir geben einen Überblick.

Methoden zur Verschlüsselung

E-Mails lassen sich auf verschiedenen Weisen verschlüsseln. Die Public Key Infrastructure (PKI) kann als Gateway-Lösung von einem externen Provider oder intern mit einem PKI-Produkt verwendet werden. In beiden Fällen werden Zertifikate benötigt, für die jährliche Kosten pro Benutzer anfallen. Zusätzlich fallen Kosten für den Aufbau, den Betrieb sowie für das erforderliche Trustcenter (TC) an. PKI ist eine elegante technische aber aufwendige Lösung, die nur von IT-Technikern und Kryptographie-Experten bevorzugt wird. Für die geringe Verbreitung sind zudem hohe Betriebskosten schuld. Ebenfalls wenig verbreitet ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit PrettyGood Privacy (PGP) und Secure/Multipurpose Internet Mail Extensions (S/MIME).

Die Anbieter von E-Postbrief und DE-Mail erwarten einen höheren Zuspruch bei den Nutzern. Zudem bieten sie ihre gesamtheitlichen Lösungen mit Empfangs- und Lesebestätigung, Benachrichtigung über nicht abgeholte E-Mails, einer Kompatibilität zur „Digitalen Signatur“ und der Identifikation von Sender und Empfänger an. Die elektronische Version der Briefpost muss einen vollständigen Datenschutz gewähren. Hier sehen Kritiker ein Risiko, da die Anbieter die E-Mails sowie die passenden Schlüssel für die Dauer des Transfers innehaben.

Plattform zur Wahrung von Nutzerinteressen

Die „Genossenschaft zur Wahrung von Nutzerinteressen eG in
Gründung“ arbeitet an einer alternativen Lösung.
Vergrößern Die „Genossenschaft zur Wahrung von Nutzerinteressen eG in Gründung“ arbeitet an einer alternativen Lösung.

Eine alternative Lösung, die zudem den umfangreichen Datenschutz einhält, könnte eine Plattform sein, bei der die Verbraucher die Selbstkontrolle und Selbstverwaltung innehaben. Daneben sollen Auskunftsanfragen, Löschaufforderungen, Widerrufe und Zustimmungen strukturiert und digital an Unternehmen weitergeben werden. Die „ Genossenschaft zur Wahrung von Nutzerinteressen eG in Gründung “ und die internetPost AG arbeiten momentan an solch einem System - bei dem Anwender fortan bestimmen können sollen, welche Unternehmen mit ihnen elektronisch sowie physisch in Kontakt treten und Selbstauskünfte anfordern dürfen. Weiter sollen die Nutzer beantragen können, dass ihre Daten gelöscht werden.

Standards für digitale Post

Die Dachorganisation für den weltweiten Briefversand Weltpostverein UPU (Union Postale Universelle) veröffentlichte 2003 mehrere Standards für die digitale Kommunikation. Diese wurden als deutsche und europäische Vorschrift eingeführt, außerdem sicherte sich UPU die Top-Level-Domain .post für die standardkonforme Dienste. Trotzdem bleibt der Erfolg der Initiative aus. DE-Mail und E-Postbrief ignorieren die Standards. Des Weiteren ist nicht bekannt, ob andere Lösungen existieren, die auf dem UPU-Standard basieren.

Die UPU vereinbarte mit Poste Italiane im März 2012 ein Portal für postalische E-Dienste zu testen, die global, sicher und vertrauenswürdig ist. Die italienische Post hat bis zum 25. UPU Kongreß im darauffolgenden Herbst Zeit eine .post-Plattform umzusetzen. Hierfür erhält sie von UPU 500.000 Euro.

Akzeptanz des E-Postbriefs

ePost, die E-Mail-Alternative der Deutschen Post
Vergrößern ePost, die E-Mail-Alternative der Deutschen Post

2000 startete die Deutsche Post AG den kostenlosen E-Mail-Dienst ePost mit der Domain epost.de. Wegen geringem Interesse, beendete die Post fünf Jahre später den Service (für den die Deutsche Post damit geworben hatte, dass er eine lebenslange Mailadresse bieten würde). Den Nutzern wurde ein Wechsel zu Lycos geraten und die Domain behalten. Im Juli 2010 unternahm die Post einen erneuten Versuch.

Beim E-Postbrief handelt es sich um eine Hybridlösung. Nur zwischen E-Postbrief-Kunden wird die Post digital zugestellt. Im Fall, dass der Empfänger kein E-Mail-Konto bei der Post besitzt, wird der Brief ausgedruckt, kuvertiert und per Briefträger zugestellt. Anwender benötigen, um den Dienst in Anspruch nehmen zu können, eine Post-Ident-Authentifizierung und eine spezielle E-Mail-Adresse. Kommuniziert wird entweder mittels Portal oder Gateway. Die elektronische Zustellung schlägt mit 55 Cent zu Buche und kostet somit gleichviel wie ein Standardbrief. Soll der Versand per Einschreiben als Einwurf erfolgen oder wird eine Empfangsbestätigung gewünscht, fallen jeweils weitere 1,60 Euro für Zusatzleistungen an.

Bei der Einführung stellte das Dienstleistungsunternehmen den Service als „genauso verbindlich, vertraulich und verlässlich“ wie die Briefpost dar. Dies sah das Oberlandesgericht Köln jedoch anders und verbot den Vergleich. Obwohl viel Werbung für den E-Postbrief gemacht wird, soll die Zahl der aktiven Anwender weit hinter den Zielen der Deutschen Post liegen. Der Anbieter soll deshalb planen weitere Anwendungen zu entwickeln.

Die DATEV könnte als Kooperationspartner für die elektronische Rechnungslegung gewonnen werden und bis Ende des Jahres will die Post ein Gateway bereitstellen, das den E-Postbrief mit DE-Mail kompatibel macht. Unklar ist die internationale Verfügbarkeit. Es gibt zwar ein bilaterales Abkommen mit der italienischen Post. Es ist aber fraglich, ob die Post ähnliche Vereinbarungen mit allen internationalen Postverwaltungen eingehen wird.

Donnerstag den 02.08.2012 um 11:34 Uhr

von Gerhard Kafka

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