Auto & Technik auf PC-WELT

Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

2105066

DAB+ clever im Auto und daheim nachrüsten

30.10.2016 | 08:45 Uhr |

Ist das pfiffig! Mit dem DAB-Adapter von Dension lässt sich Digitalradio im Auto und zuhause einfach nachrüsten, bedient wird das System per App am Smartphone. PC-WELT hat das Radio getestet.

Stellen Sie sich für einen Moment ein Digitalradio ohne Display und ganz ohne Bedienelemente vor! Sinnlos? Nein, denn gesteuert werden Einstellungen, Sendersuchlauf und Programmwahl bei der cleveren Nachrüstlösung DAB+P per App am Smartphone oder Tablet. Das Tunermodul für DAB+ bietet das ungarische Unternehmen Dension für weniger als 100 Euro an, hinzukommen noch gut 20 Euro für die DAB-Scheibenantenne. Die Bedien-Apps für Android und iOS sind kostenlos, Einbau und Einrichtung gestalten sich problemlos.

DAB-Empfänger ohne Display: ungewöhnlich, aber pfiffig!

Gerade weil das Hardware-Konzept etwas ungewöhnlich ist, soll es ausführlich erklärt werden. Der Digitalempfänger DAB+P (das „P“ steht für Phone-Control) ist ein zigarettenschachtelgroßes Gerät mit Anschlüssen für die Stromversorgung (12 Volt), die Antenne und zwei 3,5-Millimeter-Buchsen für Aux-Out und Aux-In. Hinzu kommt ein FM-Transmitter, der das Digitalsignal alternativ zum Aux-Out-Kabel per UKW-Frequenz weitergibt. Sieht man vom Kopfhörer ab, benötigt man zum DAB-Hören also noch einen Verstärker, ein Radio mit Aux-In und/oder UKW-Tuner.

Anschlussplan des Digitalempfängers DAB+P: Stromversorgung links unten, darüber die DAB-Antenne und rechts die Verbindung zum Radio über Audiokabel oder FM-Transmitter.
Vergrößern Anschlussplan des Digitalempfängers DAB+P: Stromversorgung links unten, darüber die DAB-Antenne und rechts die Verbindung zum Radio über Audiokabel oder FM-Transmitter.
© Dension

DAB+ im Auto und auf dem Smartphone für 30 Euro

Während die KFZ-Nachrüstung mit DAB+ etwas kompliziert klingt, gestaltet sie sich in der Praxis einfach: Strom, Audiokabel und Antenne an das Digitalmodul anschließen, schon ist der Tuner empfangsbereit. Nur beim Aufkleben der Antenne auf der Windschutzscheibe sollte man sorgfältig arbeiten und das Kabel unten am Armaturenbrett „verstecken“. Für den dauerhaften Einsatz des DAB-Tuners empfiehlt es sich, das Gerät nicht sichtbar hinter dem eingebauten Radio zu platzieren und fest mit dem 12-Volt-Bordnetz zu verdrahten (statt mit dem beiliegendem Stecker für den Zigarettenanzünder). Im Idealfall verfügt das Autoradio über einen Aux-In-Eingang auf der Geräterückseite, so dass man auch das Audioverbindungskabel nicht sieht. Alternativ stehen der im Übrigen gut funktionierende FM-Transmitter oder der Audioeingang vorne am Autoradio zur Verfügung.

Bis auf die DAB-Scheibenantenne ist im Lieferumfang alles enthalten, so dass man sofort loslegen bzw. -hören kann. Die Steuer-Apps gibt es kostenlos im Appstore bzw. Playstore.
Vergrößern Bis auf die DAB-Scheibenantenne ist im Lieferumfang alles enthalten, so dass man sofort loslegen bzw. -hören kann. Die Steuer-Apps gibt es kostenlos im Appstore bzw. Playstore.
© Amazon

Smartphone-App und Digitalradio im Autoalltag

Bedient wird die Empfangseinheit per App, wobei das Mobilgerät nicht zwangsläufig auch als Abspielgerät dienen muss – es kann, es muss aber nicht. Die Kopplung des Steuer-Smartphones oder -Tablets per Bluetooth gestaltet sich einfach, auch bereitstehende Firmware-Updates lassen sich problemlos installieren.

Die App selbst hat im Prinzip nur vier Bedienelemente: Einstellungen, Sendersuchlauf, Programmwahl und Favoriten. Das ist alles und mehr benötigt man auch nicht. Das Wichtigste im Radioalltag sind die „Stationstasten“ – pardon Favoriten – denn digitales Radio bedeutet je nach Region mehrere Dutzend Programme, durch die man ohne Favoriten mühsam durchscrollen müsste. Beschränkt man sich auf ein paar Lieblingssender, ist die Bedienung kein Problem. Etwas umständlich gestaltet sich nur das Sortieren der Favoriten, denn sie werden in der Reihenfolge des Abspeicherns aufgelistet. Etwas Kritik müssen sich App bzw. Empfänger auch an anderer Stelle gefallen lassen, denn die mit dem Radiosignal übermittelten Sender- und Sendungsinfos sind dürftig – da zeigen andere DAB-Radios deutlich mehr.

Technisat DigitRadio GO bringt DAB+ ins Auto

Als völlig unproblematisch zeigt sich im Test die Bluetooth-Kopplung, selbst wenn das Auto tagelang nicht gefahren und damit die Tunerbox ohne (Zündungs-) Strom ist. Die Verbindung zwischen Mobilgerät und Empfänger steht beim Starten sofort wieder, alle Sender und Favoriten bleiben gespeichert. Zusammen mit einer Halteschale für das Handy am Armaturenbrett ist dies absolut praxistauglich für jeden Tag.

In aller Regel wird man den Dension-Digitaltuner im Auto per Smartphone in der KFZ-Halterung steuern, im Bild eine elegante Lösung über das vollintegrierte Tablet Nexus 7.
Vergrößern In aller Regel wird man den Dension-Digitaltuner im Auto per Smartphone in der KFZ-Halterung steuern, im Bild eine elegante Lösung über das vollintegrierte Tablet Nexus 7.

Der Empfang des Dension-Moduls erweist sich als gut, wenngleich nicht als exzellent: Bei diesem Punkt ist unser Referenzradio von Pioneer einfach etwas besser. In der Praxis reicht das Signal aber vollkommen aus, um die Vorteile vom Digitalradio genießen zu können – unter anderem der bessere Sound sowie, dass man bei bundesweiten Sendern quer durch die Republik fahren kann, ohne auch nur einmal die Frequenz nachjustieren zu müssen. Darüber hinaus benötigt DAB+ anders als Internet-Radio unterwegs keinerlei Online-Verbindung.

Fazit: gelungene Lösung für etwas über 100 Euro

89 Euro kostete das Dension DAB+P zum Zeitpunkt dieses Praxistests bei einem deutschen Online-HändlerAmazon verlangt ein paar Euro mehr. Die passende DAB-Antenne mit SMB-Stecker gibt es im Webshop von Dension für 23,50 Euro.

Für zusammen nicht ganz günstige 110 Euro bekommen Besitzer eines Android-Smartphones oder iPhones damit eine gut funktionierende und – richtig eingebaut – äußerst elegante Möglichkeit, sein Auto einfach mit Digitalradio nachzurüsten. Mit rund 30 bzw. 40 Euro sind die DAB-Nachrüst-Alternativen Wavesink-App und Technisat DigitRadio GO zwar deutlich günstiger, dafür sind sie weniger universell respektive weniger komfortabel. Prinzipiell eignet sich der Dension-Empfänger auch für die Stereoanlage daheim, allerdings sind fix und fertige digitale Tischradios nicht oder nur kaum teurer.

Für den Digitalempfang benötigt man eine DAB-Antenne wie diese Scheibenantenne, die sich unauffällig an den Rändern der Windschutzscheibe platzieren lässt.
Vergrößern Für den Digitalempfang benötigt man eine DAB-Antenne wie diese Scheibenantenne, die sich unauffällig an den Rändern der Windschutzscheibe platzieren lässt.
© Dension

Fürs Auto dagegen stellt der getestete Tuner die bislang beste von uns getestete Kombination zum Nachrüsten mit DAB+ dar, wenn man Anschaffungspreis, Einbau, Bedienung, Empfang und Ästhetik im Wagen beurteilt. Wer sich den Einbau zutraut oder jemanden kennt ..., holt sich mit dem Dension DAB+P digitales Radio elegant in seinen Wagen. Für eine umfassende Vorabinformation lohnt auch der Blick in die ausschließlich auf Englisch verfügbare Anleitung . Nur der Vollständigkeit sei erwähnt, dass der gleiche Hersteller auch die – von uns nicht ausprobierten – Module DAB+R („R“ für Remote Control, also externe Fernbedienung) sowie DAB+U („U“ für USB) zu ähnlichen Preisen im Programm hat.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2105066