IT-Irrtümer

Antivirensoftware, Cookies und Surftarnkappe

Sonntag den 02.09.2012 um 14:34 Uhr

von Christian Remse

Avira Free Antivirus bietet einen sehr guten
Virenrundumschutz
Vergrößern Avira Free Antivirus bietet einen sehr guten Virenrundumschutz

Mythos 2: Je mehr Sicherheits-Tools, desto besser

Sind Sie dem Irrglauben verfallen, je mehr Sicherheits-Software Sie auf Ihrem Computer installieren, desto sicherer wird Windows, fügen Sie Ihrem PC im schlimmsten Fall mehr Schaden zu als dass er davon profitiert.

 

Vier Virencanner und fünf Firefalls – was auf den ersten Blick nach einer digitalen Festung aussieht, kann sich im schlimmsten Fall zum größten Problem entwickeln. Der Grund: Sicherheitsprogramme können sich gegenseitig lahm legen. So kann es beispielsweise passieren, dass ein Virenscanner System-Dateien eines anderen Virenscanners als Malware identifiziert – und umgekehrt. Trauen Sie der Analyse und folgen Sie der Aufforderung diesen vermeintlichen Schadcode unschädlich zu machen, ist es möglich, dass anschließend der betroffene Virenscanner überhaupt nicht mehr funktioniert. Wir empfehlen Ihnen daher ein Sicherheits-Tool für jeweils einen Bereich zu installieren. Beispiel: Avira Free Antivirus zum Suchen, Finden und Vernichten von Malware sowie die Windows-eigene Firewall zum Blockieren von Eindringlingen für PC-Einsteiger oder die kostenlose, dafür etwas anspruchsvollere Firewall ZoneAlarm für den erfahrenen Nutzer.

Ubuntu-Live sorgt für mehr Surf-Anonymität
Vergrößern Ubuntu-Live sorgt für mehr Surf-Anonymität

Mythos 3: Cookies sind ausschließlich böse

Cookies spionieren Ihr Surf-Verhalten aus. Doch: Das Speichern von Nutzerdaten muss nicht immer schlecht sein. Wir zeigen Ihnen praktische Funktionen, bei denen Cookies unentbehrlich sind.

Vor- und Nachteile von Cookies

Surfen Sie im Internet, hinterlassen Sie zwangsweise Spuren – dafür sind in vielen Fällen Cookies (zu Deutsch: Kekse) verantwortlich. Bei den ursprünglich von Netscape entwickelten HTTP-Cookies, oder auch Browser-Cookies genannt, handelt es sich um Einträge in einer Datenbank auf Ihrem Computer, die ein Web-Server – nachdem Sie diesen im Browser angesteuert haben – hinterlässt. Rufen Sie die zuvor besuchte Webseite erneut auf, sendet der Rechner diese eben generierte Benutzerkennung an den Server zurück. Dadurch holt sich der Server-Betreiber wie etwa ein Online-Händler jede Menge Informationen zu Ihrem Surf-Verhalten beziehungsweise Kaufverhalten ein und passt seine Angebote beim nächsten Besuch auf seiner Webseite folglich an Ihre Vorzüge an. Neben dem Ausspionieren Ihres privaten Kaufverhaltens erfüllen Cookies allerdings auch nützliche Funktionen.

Erlauben Sie dem Online-Händler Cookies auf Ihrem Rechner zu hinterlassen (viele Betreiber setzen dies voraus, da ansonsten der Kunde überhaupt keine Bestellung aufgeben kann) und behalten diese über die Sitzung hinweg bei, bleiben Sie angemeldet und müssen sich nicht jedes Mal neu einloggen. Besteht die Möglichkeit, Einstellungen auf einer Webseite beziehungsweise in Ihrem Kundenkonto zu personalisieren, sorgen Cookies dafür, dass die Webseite diese Konfiguration beibehält und Sie diese somit nicht bei jedem Besuch erneut vornehmen müssen. Tipp: Möchten Sie Ihr Surf-Verhalten weitgehend verschleiern, hilft es beispielsweise ein Linux-Live-System wie das von Ubuntu zu nutzen.

Die Firefox-Erweiterung Cookie-Monster verbessert die
Keksverwaltung
Vergrößern Die Firefox-Erweiterung Cookie-Monster verbessert die Keksverwaltung

Cookies verwalten

Nutzen Sie beispielsweise den Firefox, können Sie unter dem Menüpunkt „Extras, Einstellungen, Datenschutz“ Cookies verwalten; im Internet Explorer finden Sie die Cookie-Verwaltung unter „Extras, Internetoptionen, Datenschutz“. Tipp: Da einige praktische Anwendungen Cookies voraussetzen, sollte Ihr Browser Cookies grundsätzlich akzeptieren. Unter „Ausnahmen“ können Sie Webseiten blockieren, von denen Sie keine Cookies akzeptieren möchten oder müssen. Installieren Sie ein Add-on für den Firefox wie etwa Cookie Monster , bietet diese Erweiterungen zusätzliche Eingriffsmöglichkeiten. So ermöglicht es die Erweiterung, dass der Browser beispielsweise die betroffene Webseite automatisch neu lädt, sobald sich die Zugriffserlaubnis ändert. Das erspart es Ihnen, jedes Mal erneut manuell einzugreifen zu müssen.

JAP verschleiert zwar Ihre Identität, doch bietet es keine
absolute Anonymität
Vergrößern JAP verschleiert zwar Ihre Identität, doch bietet es keine absolute Anonymität

Mythos 4: Digitale Tarnkappe schützt Online-Privatsphäre

Sobald sich Ihr Computer mit dem Internet verbindet, erhalten Sie eine IP-Adresse, über die Ihr Provider Ihre Identität jederzeit nachvollziehen kann. Anonymisierungs-Tools helfen dagegen nur gedingt.

Surfen Sie über Anonymisierungsdienste wie etwa  JAP  im Internet, teilen Sie sich eine IP-Adresse mit anderen Nutzern. Das erschwert es Dritten herauszufinden, wer zu welchem Zeitpunkt welche Surf-Anfrage gestellt hat. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass Sie vollkommen anonym im Internet unterwegs sind. Wer etwa JAP zusammen mit seinem gewöhnlichen Browser nutzt, verrät den besuchten Internet-Seiten viel über die individuelle Konfiguration seines PCs.

Grundsätzlich gilt natürlich immer: Wenn sich die Staatsanwaltschaft einschaltet, werden auch die Betreiber von JAP künftig nicht mehr für Anonymität sorgen. Das beschreiben die Betreiber übrigens sehr offen und verständlich auf ihrer Seite .

 

Update: In einer früheren Version des Beitrags stand bei Mythos 4: „Sobald sich Ihr Computer mit dem Internet verbindet, erhalten Sie eine IP-Adresse, über die Ihr Provider Ihre Identität jederzeit nachvollziehen kann. Da helfen auch keine Anonymisierungs-Tools…“ Wir haben diese und die folgenden Sätze korrigiert. Vielen Dank an die Forumsteilnehmer, die uns auf einen Fehler aufmerksam gemacht haben.

Sonntag den 02.09.2012 um 14:34 Uhr

von Christian Remse

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (13)
  • Arne Arnold 10:48 | 04.09.2012

    Hallo zusammen,
    vielen Dank für die teils berechtigte Kritik an unserem Beitrag. Da haben wir beim Redigieren nicht ganz gut gearbeitet. Das bitten wir zu entschuldigen.
    Gerne korrigieren ich insbesondere die Darstellung unter Mythos 4.
    Den Tipp mit der Linux-Live-CD würde ich gerne bestehen lassen. Sie verringern das Profil Ihres Systems damit doch erheblich.

    Ich selber habe mal für das Heft einen Beitrag mit dem Titel "Die Grenzen der Anonymität" geschrieben. Online hatten wir ihn dummerweise dann mit dem Titel „So surfen Sie absolut anonym im Internet" gestellt.
    Vielleicht gefällt Ihnen dieser Beitrag etwas besser: http://www.pcwelt.de/ratgeber/Ratgeber-Internet-Die-Grenzen-der-Anonymitaet-1907092.html. Falls nicht, freue ich mich auf Kritik.

    Arne Arnold
    Redaktion PC-WELT

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  • deoroller 19:16 | 02.09.2012

    Das ist jetzt die 3. Wiederholung des Artikels in diesem Jahr. :zzz:

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  • Hascheff 00:20 | 15.08.2012

    @ lumumba888: Wir duzen uns hier!

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  • magiceye04 17:37 | 14.08.2012

    Eure Fehlinterpretation würde ich als wesentlich "dümmer" bezeichnen, Eure Lordschaft.

    Was war eigentlich an "ein guter Anfang" nicht zu verstehen??
    Entweder noch mal durchlesen, vielleicht macht es dann Klick, oder einfach aus der Diskussion raushalten, wenn Du es nicht kapierst.
    Die Redaktion der c't ist jedenfalls auch meiner Meinung, denn von dort habe ich diesen "gefährlichen, dummen Tipp" (=untertauchen in der Masse). Dass da noch weitere Schritte folgen müssen für eine größere Anonymität, versteht sich doch von selbst. Aber ich schreibs hiermit gern noch extra hin.

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  • lumumba888 15:56 | 14.08.2012

    Eine vorgefertigte Live-CD mit einem sehr verbreiteten Linux-System in Standard-Konfiguration, die auf einem Standard-Büro-PC gebootet wird und über einen sehr verbreiteten Router Verbindung mit dem Netz aufnimmt (natürlich mit der Telekom mit 6 oder 16MBit/s), dann ist das schon mal ein guter Anfang.



    Wenn das nicht so ein enstes Thema wäre, müsste ich jetzt lachen.
    Sie wollen doch nicht allen ernstes einem Webuser erzählen (virtuell), eine normale "Live CD" in Kombination mit der Telekom IP würde eine Art von anonymer Kommunikation herstellen. Ihre "Tips" sind gefährlich, um nicht zu sagen gefährlich "dumm". Ich hoffe das möglichst viele Nutzer den Kommentarbereich lesen. Der Autor dieses Artikels ist ja bereits für seine "Tips" in Sachen Mac-Sicherheit bekannt.

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