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Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

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Apps, Browser, Sprachbefehle, Navigation, Telefonie

Comand Online von Mercedes-Benz im Praxistest

25.10.2014 | 10:03 Uhr |

Comand Online heißt die Lösung von Mercedes-Benz für Internet-Konnektivität, Infotainment, Multimedia, Sprachsteuerung und Telefonie. Wir haben Comand Online in einer aktuellen E-Klasse-Limousine getestet: Großer Funktionsumfang, viele Stärken wie eine zuverlässige Sprachsteuerung, aber auch einige Schwächen. Mit ausführlichem Test-Video.

Hinweis: Dieser Test stellt das Infotainmentsystem Comand Online vor, wie es Mercedes-Benz im Herbst 2013 in der E-Klasse verkauft hat. Das heute in Neuwagen von Mercedes-Benz eingebaute Comand Online kann davon etwas abweichen, abhängig vom konkreten Modell. Mercedes-Benz verbaut beispielsweise in der C-Klasse bereits ein weiter entwickeltes Comand. Dessen Test finden Sie hier.

Infotainment im Mercedes

Mercedes bietet eine Fülle von unterschiedlichen Audio- und Telefonie-Systemen für seine Fahrzeuge an, eine Übersicht finden Sie hier. Das Top-Modell und zudem die einzige Lösung für Internet-Konnektivität und App-Nutzung hört auf den Namen Comand Online (Cockpit Management and Data System). Davon haben wir die aktuelle Version NTG 4.5 Generation 3 (das NTG steht für Neue Telematik Generation) in der aktuellen Mercedes E-Klasse (W212, Ausführung nach der Modellpflege im Frühjahr 2013) getestet.

Das Konkurrenzumfeld

Preislich liegt Comand auf Augenhöhe mit ConnectedDrive von BMW und Connect von Audi: Es kostet 3451 Euro. Die drei deutschen Premium-Hersteller liegen damit deutlich über den Lösungen von Toyota (Touch & Go Plus, zirka 950 Euro), Renault (R-Link, 590 Euro) und Opel (IntelliLink, 300 Euro zuzüglich 50 Euro für die optionale Navigations-App) . Allerdings stellen Audi Connect, BMW ConnectedDrive und Mercedes Comand dem Fahrer auch deutlich mehr Funktionen zur Verfügung als Toyota Touch & Go Plus, Opel IntelliLink und Renault R-Link. Ford Sync dagegen kann in der Variante, wie es Ford derzeit in Deutschland verkauft, vom Funktionsumfang her ohnehin nicht mit diesen Systemen mithalten und ist in erster Linie eine – gute – Freisprechanlage für das Mobiltelefon.

Das gesamte Comand: LInks oben die Lenkradtasten mit der
Sprachsteuerung, oben in der Mitte der Bildschirm, in der Mitte die
Bedieneinheit. Unten die Steckdose, an der unser iPhone geladen
wird.
Vergrößern Das gesamte Comand: LInks oben die Lenkradtasten mit der Sprachsteuerung, oben in der Mitte der Bildschirm, in der Mitte die Bedieneinheit. Unten die Steckdose, an der unser iPhone geladen wird.

Die Hardware von Mercedes-Benz Comand Online

Wie bei allen modernen Infotainmentsystemen ist auch bei Comand ein großer Farbbildschirm das Herzstück. Genauso wie bei den Displays von BMW ConnectedDrive und Audi Connect handelt es sich bei dem 7-Zoll-Bildschirm (17,9 cm Bildschirmdiagonale; 800x400 Pixel Auflösung) von Comand nicht um einen Touchscreen. Der fest eingebaute Monitor dient also nur zur Anzeige und nicht zur Bedienung (im Unterschied zu den Touchscreens von Opel IntelliLink, Renault R-Link und Toyota Touch & Go Plus) . Bei Audi Connect ist der Bildschirm ebenfalls 7 Zoll groß, BMW dagegen baut unterschiedlich große Bildschirme ein: Von 6,5 Zoll und 8,8 Zoll bei 1er, X1, 3er sowie X3 bis 10,25 Zoll bei X5, X6, 5er, 6er und beim 7er. Bei Opel IntelliLink sind es ebenfalls 7 Zoll, ebenso bei R-Link. 6,1 Zoll misst der Bildschirm bei Toyota Touch & Go Plus.

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Der Comand Controller
Vergrößern Der Comand Controller

Drehen, drücken, kippen

Der Fahrer bedient Comand in erster Linie über den Comand Controller (auch als Dreh-Drück-Schiebe-Steller bezeichnet) in der Mittelkonsole unten und über die neben dem Controller angebrachten Tasten. Dazu gehören unter anderem eine Zurücktaste und eine Favoritentaste sowie eine Löschtaste (mit der Sie falsch eingegebene Zahlen und Buchstaben löschen). Der Fahrer kann den Controller drehen, kippen und drücken. Durch einen Druck wählt man einen Menüpunkt aus oder bestätigt eine Eingabe oder gibt ein Zeichen ein. Damit ähnelt der Comand Controller dem MMI Touch bei Audi Connect und dem BMW iDrive bei ConnectedDrive. Allerdings hat Mercedes-Benz keinen Touchscreen in den Controller integriert und unterscheidet sich damit vom MMI Touch von Audi und auch von den neuen iDrives mit Touchscreen von BMW. Das ist schade, denn die kleinen Touchscreen von MMI und iDrive eignen sich sehr gut zur Eingabe einzelner Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen, wie unsere Tests bewiesen haben.

Tipp: Versteckte Informationen über Comand anzeigen

Sie wollen zu Comand und dem Kartenmaterial für die Navigation die genauen Versionsnummern wissen? Und noch viele andere technische Details über das in Ihrem Wagen verbaute Comand erfahren? Dann gibt es folgenden Trick: Stecken Sie den Schlüssel ins Zündschloss und drehen Sie ihn einmal weiter (ohne dass Sie die Zündung einschalten). Schalten Sie dann auf den Navigationsbildschirm von Comand und drücken Sie dann gleichzeitig die rote Hang-Up-Taste und die Taste 1 und die #-Taste. Halten Sie diese drei Tasten so lange gedrückt, bis der Engineering Mode erscheint (bei unserer E-Klasse dauerte das ein paar Sekunden). Et voilà.

Bei Comand kann man Buchstaben, Ziffern, Satz- und Sonderzeichen auf zweierlei Art eingeben: a) Indem man die gewünschten Zeichen auf einer horizontalen Auswahlleiste mit dem Controller auswählt und anklickt. Das ist ähnlich mühsam und zeitaufwändig wie die Zeicheneingabe über die Speller bei BMW und Audi. Doch Mercedes hat eine Alternative eingebaut: b) Den Ziffern-Buchstabenblock oben rechts in der Mittelkonsole in der so genannten Bedieneinheit. Mit ihm fällt die Eingabe etwas leichter, den Komfort und die Geschwindigkeit eines Touchscreens erreicht jedoch auch diese Eingabemethode nicht. Mercedes sollte deshalb im Rahmen des nächsten Comand-Updates einen Touchscreen nachrüsten, wie es BMW im Rahmen seines Juli-Updates bereits gemacht hat (zuvor hatte sich BMW lange Zeit gegen den Einbau eines Touchscreens gesträubt und dafür auf unsere Nachfrage eine wenig überzeugende Erklärung geliefert: „Mit iDrive bieten wir die aus BMW-Sicht sicherste Modalität speziell für Bedienungen während der Fahrt an: Blindbedienbarkeit, d.h. ich kann auf die Straße schauen und habe keine aufwändige Auge-Hand-Koordination wie beim Touch-Screen“).

Comand Online Bild für Bild vorgestellt:

Außerdem stehen in der oberen Mittelkonsole/Bedieneinheit noch viele Funktionstasten für Comand Online zur Verfügung. Unter anderem Schnellzugriffstasten für Navigation, Radio, CD oder Telefon. Tasten zum Annehmen/Starten und Abweisen/Beenden eines Anrufes und zum Stummschalten des Infotainmentsystems (wenn man diese Mute-Taste drückt, werden zwar Radio und Audiostreaming sowie die Film-DVD auf stumm geschaltet, Verkehrsfunkdurchsagen und die Navigationsansagen werden aber trotzdem ausgesprochen. Das hat Mercedes-Benz also durchaus clever gelöst).

In der Mitte der Bedieneinheit befindet sich der Lautstärkeregler, mit dem man Comand auch ein- und ausschaltet. Links und rechts davon hat Mercedes die Tasten zum Vor- und Zurückspulen von Radiokanälen und Musiktiteln eingebaut.

Video: Mercedes Comand Online im Test

Dazu kommen noch die Tasten für die Sprachsteuerung und die Freisprecheinrichtung rechts im Lenkrad. Damit kann man die Sprachsteuerung starten, Anrufe annehmen und beenden und die Lautstärke auch von Musiktiteln und Radio regeln sowie alles auf stumm schalten. Zahlreiche Funktionen von Comand kann man zudem auch per Sprachbefehl steuern (dazu später mehr).

Als Speichermedium hat Mercedes-Benz eine 80 Gigabyte-Festplatte (HDD) verbaut. Außerdem gibt es ein DVD-/CD Kombinationslaufwerk (oberhalb des Ein-/Ausschaltknopfes) und einen SD-Speicherkarten-Steckplatz (unterhalb des Ein-/Ausschaltknopfes). In den DVD-Slot kann man nicht nur Musik-CDs, sondern auch Film-DVDs einlegen.

Oben der Bildschirm, unten die Bedieneinheit
Vergrößern Oben der Bildschirm, unten die Bedieneinheit

Überblick über die Funktionen von Comand Online

Comand Online vereint Audio- (Musikstreaming vom Smartphone, Radio, CD-/DVD, optional auch TV-Empfang), Telefon- und Navigationsfunktionen. Darüber hinaus stellt es einen Internet-Browser und diverse Internetdienste wie Google Lokale Suche oder Wetterdaten oder eine Parkplatzsuche sowie einen Facebook-Client zur Verfügung. Für einige dieser Funktionen gibt es auch eine Sprachsteuerung.

Die gesamte Internetverbindung läuft über das via Bluetooth verbundene Smartphone. Mercedes-Benz verbaut also im Unterschied zu BMW keine SIM-Karte fest im Auto. Man kann aber über das optional erhältliche „Telefonmodul mit Bluetooth (SAP-Profil)“ eine separate SIM-Karte im Auto einlegen und darüber den Datenverkehr laufen lassen.

Ähnlich wie bei BMW gehört auch eine Notruffunktion zur Ausstattung. Nach dem Auslösen der Airbags oder der Gurtstraffer wird über das mit Comand Online verbundene Mobiltelefon oder das Telefon-Modul die Mercedes-Benz Notrufzentrale verständigt und dazu die GPS-Position des Fahrzeugs übermittelt. Anschließend versucht die Notrufzentrale eine Sprachverbindung zu den Insassen aufzubauen. Der Fahrer kann den Notruf aber auch manuell absetzen.

Ein USB-Anschluss zur Integration mobiler Endgeräte ist serienmäßig in der Mittelarmlehne verbaut (dort befindet sich auch das bereits erwähnte optionale Telefonmodul mit Bluetooth).

Mit der optionalen Sonderausstattung Splitview können Fahrer und Beifahrer gleichzeitig unterschiedliche Medien auf dem Comand-Display nutzen. Während der Fahrzeuglenker die Informationen des Bedien- und Anzeigesystems im Blick hat, kann der Nebenmann auf demselben Display zum Beispiel einen Spielfilm ansehen.

Smartphone mit Comand verbinden

Um ein Smartphone mit dem aktuellsten Comand (NTG 4.5 Generation 3) aus der aktuellen Mercedes E-Klasse (nach der Modellpflege in Internetforen als Mopf bezeichnet) mit einem Smartphone verbinden zu können, gibt es drei Möglichkeiten:

Handyschale alias „Komfort-Telefonie“: Hierzu benötigen Sie eine für Ihr Smartphone passende Aufnahmeschale, die Ihr Telefon über eine feste Schnittstelle in der Mittelkonsole mit der Außenantenne des Fahrzeugs verbindet. Die Datenübertragung erfolgt via Bluetooth. Auch eingehende SMS lassen sich bei diesem System anzeigen.

Vorteil: Beste Empfangsqualität und Akku-Ladefunktion. Nachteil: Solche Handyschalen gibt es nur für eine kleine Anzahl von Smartphones, wie man hier nachlesen kann: Unter anderem für iPhone 4, 4S und 5, diverse Blackberry- und Nokia-Handys und exakt ein Sony-Ericsson-Modell. Eine Handyschale für das iPhone 4 kostet beispielsweise 125 Euro. Passende Handyschalen für die weit verbreiteten Android-Smartphones? Fehlanzeige!

Telefon-Modul mit Bluetooth (SAP-Profil) für 523,60 Euro: Das SAP-Modul wird in der Mittelkonsole verbaut. Es erlaubt die Anbindung eines Mobiltelefons durch das Bluetooth-Profil SAP (SIM-Access-Profile) oder den direkten Betrieb durch das Einlegen der SIM-Karte in den integrierten SIM-Kartenleser. Es verspricht ebenfalls eine bessere Empfangsqualität aufgrund der Verwendung der Fahrzeugaußenantenne und bietet eine USB-Ladefunktion für das Mobiltelefon.

Nachteil: Auch hier wird nur eine kleine Anzahl von Smartphones unterstützt. Und zwar deshalb, weil viele moderne Smartphones das remote SIM-Access-Profile nicht unterstützen. Beispielsweise fehlt SAP-Support standardmäßig bei allen iPhones. Somit können Sie das SAP-Modul in der aktuellen E-Klasse nur wieder mit diversen Blackberry- und Nokia-Veteranen-Handys nutzen. Die beiden einzigen halbwegs modernen Smartphones, die sich mit dem SAP-Modul betreiben lassen, sind die Androiden Samsung Galaxy S3 und Samsung Note. Etwas verwirrend: "Bei der SAP-Suche wird nicht nach Profilen gefiltert, so dass dort auch die nicht SAP-fähigen Geräte gefunden werden", wie uns Mercedes-Benz mitgeteilt hat. 

Bevor Sie als Android- oder iPhone-Nutzer nun aber in Depressionen verfallen: Es gibt durchaus noch eine Möglichkeit, ein modernes Smartphone mit Comand in der E-Klasse verbinden. Und zwar über die klassische Bluetooth-Koppelung, wie man es auch von Audi Connect, BMW ConnectedDrive, Opel IntelliLink, Renault R-Link und Toyota Touch & Go Plus kennt.

Smartphone als Bluetooth Audio Gerät für das
Musicstreaming koppeln
Vergrößern Smartphone als Bluetooth Audio Gerät für das Musicstreaming koppeln

Bluetooth-Koppelung nicht ganz einfach

Letztere Möglichkeit, also die normale Verbindung des Smartphones via Bluetooth mit dem Auto, war bei Comand lange Zeit nicht ganz so trivial wie bei den meisten anderen Automobilherstellern. Weil Mercedes einen Sonderweg geht. Lange Zeit konnte man nämlich nur solche Smartphones mit Comand verbinden, die DUN (Dial up Network) unterstützen. In der Praxis bedeutet das: Fast gar kein modernes Smartphone lässt sich mit Comand nutzen, vor allem Androiden und iPhones müssen hier passen, wenn man damit eine Internetverbindung aufbauen möchte. In Internetforen findet man zu diesem Problem etliche Einträge , Mercedes-Benz hat auch eine FAQ dazu veröffentlicht .

Mit dem letzten Comand-Update NTG 4.5 – also der von uns getesteten Version - hat Mercedes diese Misere aber deutlich gelindert, indem es den PAN-Support (Personal Area Network) hinzugefügt hat. Damit können nun auch iOS-Geräte und Androiden eine Internetverbindung aufbauen. Doch immer noch ist die Liste der zu Comand kompatiblen Smartphone überschaubar, wie man hier nachlesen kann. Insbesondere ältere Androiden lassen sich nicht zur Zusammenarbeit mit Comand überreden. So kann sich Comand beispielsweise nur mit drei HTC-Androiden verbinden (One X+, One X, One S) und auch das weit verbreitete Nexus 4 wird laut der Homepage nicht unterstützt, wohl aber die gängigen Samsung-Android-Smartphones. Unser HTC Desire, das wir bei den letzten Auto-Tests in der Regel problemlos mit den Infotainmentsystemen koppeln konnten, wurde von Comand zwar erkannt, die Bluetooth-Koppelung scheiterte jedoch. Am sichersten geht die Verbindung über Bluetooth noch mit dem iPhone 5, 4S, 4 und 3GS. Mit dem iPhone 5 haben wir denn auch unseren Test durchgeführt.

Die aktuelle Generation des Comand Online mit PAN (NTG 4.5 Generation 3) wird seit Mitte 2013 sukzessive in alle MB-Pkw Baureihen eingeführt. Auch die A- und B-Klasse werden bereits mit dieser Variante gebaut. Das bestätigte uns die Pressestelle von Mercedes-Benz auf unsere Nachfrage. Zudem ist die neue NTG 5 in der S-Klasse mit dem PAN-Profil ausgerüstet.
 
In jedem Fall sollten Sie vor dem Kauf eines Mercedes-Benz testen, ob Ihr Smartphone sich mit Comand verbinden kann. Sofern das nicht klappt, ist eine Dual-SIM-Karte vielleicht die Lösung. Die zweite SIM stecken Sie dann in das Telefon-Modul.

Ist das Smartphone aber erst einmal mit Comand gekoppelt, dann wird es automatisch mit Comand verbunden, sobald man damit den Wagen betritt. Das klappte im Test sehr zuverlässig.
 
BlueDUN: App soll weiterhelfen

Falls Sie ein Android-Smartphone mit Comand verbinden wollen, das von NTG 4.5 Generation 3 mit PAN-Support nicht unterstützt wird, dann ist vielleicht die Android-App BlueDUN einen Versuch wert (davon gibt es auf Google Play eine kostenlose Trial und eine kostenpflichtige Version). Allerdings hilft BlueDUN auf vielen Androiden auch nicht weiter, so konnten wir unser HTC Desire auch mit BlueDUN nicht mit Comand verbinden (obwohl Comand das Desire durchaus erkannte und auch zur Verbindung anzeigte. Wenn wir aber den Verbindungcode eingeben wollten, kam eine Fehlermeldung). Doch selbst mit unserem aktuellen und weit verbreiteten Nexus 4 und der darauf installierten BlueDUN-App konnten wir keine Verbindung zu Comand herstellen. Mercedes-Benz betonte jedoch, dass sich das Nexus 4 durchaus via Bluetooth mit Comand verbinden lassen soll. Warum das bei uns nicht klappte, wissen wir nicht.

Keine Hürde mehr: Mobilfunk-Provider auswählen

Nach der erfolgreichen Koppelung zwischen Smartphone und Comand stehen zunächst einmal nur die Telefon-spezifischen Funktionen zur Verfügung. Sie können also Kontakte aus dem Telefonbuch des Smartphones anrufen und auch direkt eine Nummer eingeben. Das geht entweder über das Zifferneingabefeld rechts vom Lautstärkeregler oder per Sprachsteuerung, die Sie – wie bei nahezu allen Automobilanbietern üblich – per Druckknopf rechts im Lenkrad einschalten. Im Falle von Mercedes heißt die Sprachsteuerung Linguatronic.

Wenn Sie aber auch das Internet und die Apps nutzen wollen, dann war bis vor Kurzen noch Handarbeit angesagt. Denn Sie mussten dafür die Konfigurationsdaten Ihres Mobilfunkproviders von Hand eingeben. Einzige Hilfestellung war ein Auswahlmenü, das die gängigen Provider bereits angezeigt hat. Wie zuverlässig und unkompliziert diese Konfiguration klappte, können wir nicht beurteilen, weil Mercedes-Benz die Provider-Konfiguration in der neuestes Comand-Version deutlich vereinfacht hat.

Mittlerweile können Sie nämlich dank PAN – wie im Falle unseres iPhone 5 und der darin eingelegten Vodafone-SIM-Karte – die „automatische Konfiguration“ wählen und müssen keine Daten mehr eingeben. Das klappte bei uns reibungslos, nach wenigen Sekunden konnten wir von unserer E-Klasse aus eine Verbindung ins Internet herstellen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang: Der gesamt Internettraffic geht über das angeschlossene Smartphone. Mercedes verbaut im Unterschied zu BMW keine eigene SIM-Karte mit einer Datenflatrate im Auto. Wenn Sie die Internetdienste von Comand also intensiv nutzen wollen, dann brauchen Sie ein entsprechend großes monatliches Datenvolumen für Ihren Mobilfunkvertrag. Es gelten also die gleichen Voraussetzungen wie auch bei Audi Connect.

Im Detail: Das bietet Comand

Um einen Menü-Punkt beziehungsweise eine Funktion von Comand im Display aufzurufen, haben Sie drei Möglichkeiten: Per Comand Controller, über die Schnellzugriffstasten aus der Bedieneinheit in der Mittelkonsole oben und per Sprachsteuerung Linguatronic.

Internet und Apps
Sie erreichen die Internetfunktionen, indem Sie im Bildschirmmenü nach rechts zur Weltkugel navigieren und dann auf diese drücken. Damit starten Sie die Karussellanzeige des Bildschirms und können nun die verschiedenen Internetfunktionen auswählen.

Im Browser bewegen Sie den Cursor mit dem Comand
Controller.
Vergrößern Im Browser bewegen Sie den Cursor mit dem Comand Controller.

Internet-Browser

Der Web-Browser funktioniert nur, wenn das Fahrzeug steht (der Motor darf aber laufen). Während der Fahrt funktionieren aus Gründen der Verkehrssicherheit nur bestimmte Mercedes-App wie die Wetteranzeige oder die Google Lokale Suche. Ausnahme: Der Beifahrer kann über „Splitview“ im Internet surfen.

Der Browser baut Webseiten nur langsam auf, stellt aber immerhin deutschsprachige Umlaute korrekt dar. Das Scrollen mit dem Comand Controller ist jedoch mühsam, der Browser ist eindeutig nur eine Notlösung, insbesondere bei komplexen Webseiten. Wann immer möglich sollten Sie unterwegs besser ein 3G-Tablet zum Surfen verwenden. Insofern ähnelt unser Urteil über den Browser von Mercedes Comand dem von BMW ConnectedDrive – dort machte das Surfen mit dem Browser im Auto ebenfalls keinen Spaß.

"Bitte warten" hieß es öfters, wenn wir eine App starteten
oder zwischen Apps wechselten.
Vergrößern "Bitte warten" hieß es öfters, wenn wir eine App starteten oder zwischen Apps wechselten.

Internet-Apps: Google, Nachrichten, Börse, Parkplätze

In unserem Fahrzeug waren mehrere Apps vorinstalliert, zum Beispiel Google Lokale Suche, Facebook und Wetterbericht. Im App Store von Mercedes kann man zusätzlich unter Eingabe der FIN ermitteln, welche weiteren Apps für den eigenen Wagen verfügbar sind und sich nachkaufen lassen. In unserem Fall waren das genau drei: Eine Börsen-App namens „Morningstar Finanzen“, die Parkplatzsuche und Nachrichten (letztere war aber in unserer E-Klasse bereits vorinstalliert). Jede App kann man für ein Jahr für jeweils 9,95 Euro lizenzieren.

Die Google Lokale Suche funktioniert genauso, wie man sie auch von BMW ConnectedDrive und Audi Connect und natürlich vom PC kennt. Sie geben einen Suchbegriff ein, zum Beispiel „Pizza“, wenn Sie Ihren Hunger auf italienische Art stillen wollen. Binnen weniger Sekunden liefert Ihnen die App dann eine Übersicht über alle rund um Ihren Standort verfügbaren Pizzerien – oder um jeden anderen von Ihnen eingegeben Ort.

Mühsame Eingabe des Suchbegriffs
Vergrößern Mühsame Eingabe des Suchbegriffs

Zu den Adressen, die Sie mit Google Lokale Suche ermittelt haben, können Sie sich die Telefonnummer anzeigen lassen und diese auch sofort vom Auto aus anrufen. Pfiffig: Sofern vorhanden kann man sich auch eine Google Street View-Ansicht oder ein Foto von Panoramio zu einem Treffer aus Google Lokale Suche anzeigen lassen. So richtig rund wird die Nutzung von Google Lokale Suche in Comand dadurch, dass man sich durch die Navigationsfunktion direkt zum Treffer hinlotsen lassen kann. Einfacher geht es nicht. Eine ähnliche enge Verknüpfung zwischen Treffern von Google Lokale Suche und der Navigationsfunktion bieten auch BMW und Audi – die drei deutschen Premium-Hersteller unterscheiden sich hier also nicht.

Die App Google Lokale Suche stellt auf jeden Fall einen Mehrwert für den Mercedes-Fahrer dar und eignet sich besonders für Außendienstmitarbeiter und Reisende.

Einige der Mercedes-Benz-Apps
Vergrößern Einige der Mercedes-Benz-Apps

Unter der nächsten App mit dem Titel „POI herunterladen“ finden Sie beispielsweise Routen, die Sie am PC erstellt haben (dazu mehr unter Navigation weiter unten).

Der „HRS Hotelfinder“ und „Länderverkehrsinformation“ , die über die im Ausland gültigen Verkehrsregeln wie erlaubte Höchstgeschwindigkeiten, Maut-/Vignettenpflicht und vieles mehr informiert, sind weitere Apps, die auf unserem Testwagen vorinstalliert waren.

Recht gut gelungen finden wir die Facebook-App, die ebenfalls vorinstalliert ist. Sie ermöglicht zum Beispiel einen schnellen Blick auf die PIN-Wand oder auf die Nachrichten. Eigene Statusmeldungen lassen sich ebenfalls vom Mercedes aus abschicken. Entweder, indem sie einen der vorformulierten Textbausteine verwenden oder selbst Texte formulieren. Letzteres ist aufgrund der fehlenden Sprachsteuerung aber mühsam. Aber: Es funktioniert. Eine von uns erstellte Statusmeldung landete sofort auf unserer PIN-Wand. Damit bietet die Facebook-Apps von Mercedes-Benz etwas mehr Freiheiten als die entsprechende App von Audi Connect.

Weitere Mercedes-Apps, darunter Facebook
Vergrößern Weitere Mercedes-Apps, darunter Facebook

Der Nachrichten- Ticker bietet die übliche Auswahl nach Themenbereiche wie Wirtschaft oder Inland. Zu den Nachrichten gibt es in der Regel auch ein Bild. Findet man eine Nachricht besonders spannend, kann man sich auch per Mail zuschicken und sogar vorlesen lassen.

Die Wetter-App wiederum macht genau das, was der Name sagt. Sie beinhaltet zudem eine Wetterkarte für Deutschland und Europa.
 
Web-Radio

Ebenfalls vorinstalliert ist das Webradio „TuneIn“. Und zwar als eigener Menü-Punkt in der Karussellanzeige von Comand unter „Internet“. Damit empfangen Sie Webradio via Internet und machen sich so unabhängig von den Radiosendern, die via UWK an Ihrem Standort empfangbar sind. Das klappte im Test einwandfrei.

Wichtig: Sie können das Webradio während der Fahrt nicht nur hören, sondern auch bedienen. Also beispielsweise nach Sendern suchen oder die Frequenz wechseln. Allerdings hat Mercedes-Benz aus Sicherheitsgründen (Stichwort Fahrerablenkung) die freie Suche über den Speller während der Fahrt deaktiviert. Über die Kategorien (Musik, am aktuellen Ort, Sport, Podcast uvm.) lassen sich jedoch auch während der Fahrt Sender suchen – und natürlich ist auch die Suche in den Favoriten möglich.

Fazit zu den Internetanwendungen

Zu den Apps und zum Webradio kann man abschließend sagen, dass sie vor allem für Vielfahrer interessant sind und sinnvollen Mehrwert bieten. Im Test haben die Apps sauber funktioniert. Allerdings reagieren die Anwendungen mitunter langsam, sowohl das Starten als auch das Wechseln zwischen Apps: Der Fahrer bekommt oft für einige Sekunden einen schwarzen Bildschirm zu sehen, ohne dass ihm signalisiert wird, ob die Anwendung noch lädt oder vielleicht abgestürzt ist. Hier wäre eine deutlichere Statusanzeige wünschenswert. Wir haben zudem einen Mailclient vermisst, wie ihn beispielsweise BMW anbietet. Ein Twitter-Client fehlt ebenso. Ebenso vermissten wir besonders schmerzlich bei den Internetanwendungen die Möglichkeit von Sprachbefehlen und die Spracheingabe von Text.

Ein mit BMW Online-Entertainment vergleichbarer Musikstreaming-Angebot mit Daten-Flatrate und eigener SIM-Karte gibt es bei Comand ebenfalls nicht. Letzteres ist vor allem dann interessant, wenn man viel im Ausland unterwegs ist und trotzdem immer seine Lieblingsmusik aus dem Internet hören möchte.

Kartendarstellung in der Navigation
Vergrößern Kartendarstellung in der Navigation

Navigation

Das Erscheinungsbild der Navigation ist ebenso funktional wie konservativ. Die Kartendarstellung kann in Sachen Optik und Pepp zwar nicht mit Audi Connect und dessen bemerkenswerter Google-Earth-Ansicht mithalten. Aber sie erfüllt ihren Zweck und lotst den Fahrer zuverlässig. Staus beziehungsweise zähfließender Verkehr werden als Kolonne kleiner gelber Autos angezeigt. Die Stau-Anzeige war aber nicht immer ganz exakt, in einem Fall wurde der Stau auf dem Bildschirm gut drei Mal länger angezeigt als er tatsächlich war.

Der Fahrer kann zwischen verschiedenen Kartendarstellungen umschalten (2D, 3D etc) und festlegen, welche Informationen zusätzlich zur eigentlichen Route auf dem Bildschirm eingeblendet werden sollen. Das kennen wir so auch von der Navigation von Audi Connect. Alternativrouten lassen sich jederzeit ermitteln, ebenso klappt die Tag-Nachtumschaltung problemlos.

Einfache Kartendarstellung
Vergrößern Einfache Kartendarstellung

Routeninformationen wie die Ankunftszeit und die Entfernung zum Ziel kann man sich auch per Sprachbefehl vorlesen lassen. Die Verkehrslageinformationen dagegen gibt es nur, wenn man mit dem Controller zum Menü-Punkt „Traffic“ navigiert – ein bequemer Sprachbefehl steht dafür nicht zur Verfügung. Die Verkehrslageinformationen lassen sich für die gewählte Route dann aber nicht nur anzeigen, sondern der Fahrer kann sie sich auch vorlesen lassen. Das ist inkonsequent: Warum lassen sich die Verkehrslageinformationen denn nicht gleich per Sprachbefehl aufrufen? In Kombination mit der Vorlesefunktion wäre das die perfekte Lösung.

Viele wertvolle Zusatzinformationen in der
Navigation
Vergrößern Viele wertvolle Zusatzinformationen in der Navigation

Für Autobahnabfahrten gibt es einen Splittscreen mit einem Abbiege-Assistenten: Links sieht man weiter die Route, rechts wird ein separates Fenster mit einer stilisierten Darstellung der Ausfahrt dargestellt. So ähnlich kennt man das auch von anderen Navigationssystemen.

Die Navigation fand im Test auch kleine Orte auf dem flachen Land und Zielpunkte in einer zugangsbeschränkten Zone. Insofern waren wir mit der Navigationsleistung zufrieden.

Die Routenberechnung und die Ermittlung von Verkehrsbehinderungen erfolgt derzeit noch auf der Basis von TMCPro-Informationen von Navteq. Mercedes-Benz ersetzte die Verkehrslageberechnung aber zunehmend durch Live Traffic von TomTom. Diese Echtzeitverkehrslageinformationen sollen laut der Pressestelle von Daimler bis Ende 2013 sukzessive in allen MB-Pkw Baureihen verfügbar sein. In der E-Klasse soll Live Traffic Information ab September 2013 verfügbar sein.

Google Street View einer Pizzeria in Comand
Online
Vergrößern Google Street View einer Pizzeria in Comand Online

 
Die Live Traffic-Information stehen Kunden für drei Jahre inklusive aller Datenroaming-Kosten zur Verfügung (dafür ist eine eigene SIM-Karte im Navigationsgerät verbaut). Danach ist eine kostenpflichtige Verlängerung des Abos möglich. Die Preise will Mercedes-Benz derzeit noch nicht nennen.
 
Anders als bei BMW ConnectedDrive blendet Comand aber weder die Navigationsanweisungen noch die Verkehrszeichen noch Geschwindigkeitsbegrenzungen auf die Windschutzscheibe vor dem Fahrer ein, weil Mercedes kein Head-Up-Display verbaut. Ob und wann Mercedes-Benz ebenfalls die Head-Up-Display-Technik einführen wird, konnte uns die Pressestelle mit den Worten „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zu unseren Planungen generell nichts sagen möchten“ nicht sagen.
 
Die erkannten Verkehrszeichen und Tempolimits werden stattdessen im Armaturenbrett angezeigt. Die Verkehrszeichenerkennung erfolgt über die vorne oben in der Mitte der Windschutzscheibe eingebaute Kamera. Somit werden auch kurzfristige oder nur kurzzeitig gültige Verkehrszeichen angezeigt (wie auch bei BMW und Audi) und nicht nur solche, die langfristig vorhanden sind und aus einer Datenbank ausgelesen werden (wie bei Renault R-Link). Das macht die Verkehrszeichenerkennung sehr zuverlässig.
 
Wie bereits unter dem Abschnitt zu den Apps erwähnt, lassen sich Routen bequem zu Hause am PC mit Google Maps erstellen. Klicken Sie hierzu mit der linken Maustaste auf den Zielort auf der Kartenansicht und wählen Sie danach „senden“. Wählen Sie dann „Fahrzeug“ und als Automarke „Mercedes-Benz“ aus. Geben Sie dann die FIN Ihres Fahrzeuges ein und klicken Sie dann auf „senden“. Im Test klappte die Routenübermittlung einwandfrei. Wir fanden die übermittelte Route unter den Mercedes-Benz-Apps unter „POI herunterladen“ und konnten sie sofort im Navigationsgerät aufrufen und starten. Ganz ähnlich funktioniert das auch bei Audi Connect.

Links oben der Button für die Sprachsteuerung
Vergrößern Links oben der Button für die Sprachsteuerung

Sprachsteuerung und Telefonie (Freisprecheinrichtung)

Mit dem Sprachbediensystem Linguatronic steuern Sie die Audio-, Telefon- und Navigationsfunktion. Sie schalten also per Sprachbefehl das Radio oder die CD ein und wechseln auch die Sender (wobei Sie per Sprachbefehl nur den nächsten Sender auf dem Frequenzband wählen können, aber keinen zurückliegenden Sender). Ebenso geben Sie die Ziele für die Navigation per Sprachbefehl ein und lassen sich Routeninformationen wie Fahrzeit und Ankunftszeit vorlesen. Die Verkehrslageinformationen können Sie dagegen nicht per Sprachbefehl aufrufen, sondern müssen diese wie bereits erwähnt per Comand-Controller unter dem Menü-Punkt Traffic aufrufen. Dann bietet Ihnen Comand aber an, die für Ihre Route relevanten Verkehrsmeldungen vorzulesen.

Sie aktivieren Linguatronic durch einen Druck auf den „Push-to-talk“-Knopf am Lenkrad der E-Klasse. Dann sprechen Sie den Befehl auf, wobei Sie sich nicht an dem aktuell auf dem Bildschirm angezeigten Menü orientieren müssen. Sie können also beispielsweise „Radio“ sagen und damit das Radio starten, obwohl auf dem Bildschirm noch die Navigation läuft.

Im Test verstand uns Linguatronic in der Regel sehr zuverlässig, selbst bei hohen Geschwindigkeiten und stärkerem Fahrgeräusch (das allerdings bei der sehr gut gedämmten E-Klasse ohnehin nie wirklich störend wird) klappte die Spracheingabe zuverlässig. Nur bei der Eingabe von Zielorten für die Navigation kam es mitunter zu Verständnisproblemen.

Beim Funktionsumfang von Sprachsteuerungslösungen unterscheiden sich die Automobilhersteller erheblich. Opel IntelliLink beispielsweise bietet lediglich eine Freisprecheinrichtung für ein angeschlossenes iPhone, das komplette Infotainmentsystem IntelliLink kann man aber nicht per Sprache steuern. Renault R-Link dagegen ermöglicht es dem Fahrer, neben der eigentlichen Telefonie auch das Navigationsgerät zu bedienen. Toyota Touch & Go Plus lässt überhaupt keine Lücken: Hier steuert man bequem und sicher Navigation, Telefon, Radio und CD-Player per Sprachbefehl. Das Gleiche gilt für BMW ConnectedDrive und Audi Connect: Dort lassen sich ebenfalls viele Funktionen per Sprach steuern.

Auch bei Mercedes Comand deckt die Sprachsteuerung die wichtigsten Funktionen ab. Mit einer Ausnahme: Die Internetfunktionen kann man nicht per Sprache steuern. Das mag aber damit zusammen hängen, dass Mercedes-Benz die meisten Internet-Funktionen wie beispielsweise den Browser während der Fahrt ohnehin unterbindet. Damit der Fahrer nicht vom Verkehrsgeschehen abgelenkt wird. Ärgerlich ist dieses Manko aber durchaus, gerade bei der Eingabe von Facebook-Statusmeldungen wäre eine Sprachsteuerung äußerst hilfreich.

Eine Diktierfunktion für SMS fanden wir nicht. Ebenso können Sie keine Mails diktieren – weil Comand keinen Mailclient besitzt. BMW bietet diese Möglichkeit unter der Bezeichnung Message Dictation via BMW Online Office seit Juli 2013 an.

Das Music-Streaming vom Smartphone aus klappte
einwandfrei.
Vergrößern Das Music-Streaming vom Smartphone aus klappte einwandfrei.

Radio, CD, Audio-Streaming

Das Radio-Menü ist übersichtlich, lässt sich während der Fahrt gut ablesen und passt auch optisch zur gediegenen Innenausstattung einer E-Klasse. Mit den Vor- und Zurücktasten neben dem Lautstärkedrehregler an der Mittelkonsole wechselt man die Sender. Das klappt eingeschränkt auch per Sprachbefehl: Allerdings nur vorwärts zum nächsten Sender.

Leise und lauter stellen können Sie auch mit den Tasten rechts im Lenkrad unterhalb der Sprachsteuerungstaste. Mit diesem Tastenfeld kann man übrigens auch Telefonate annehmen und beenden.

Anders als bei vielen anderen Infotainmentsystemen (wie Opel IntelliLink und Renault R-Link) kann man bei Comand auch CDs abspielen (wie auch bei BMW ConnectedDrive und Audi Connect) - weil Mercedes-Benz ein CD-/DVD-Laufwerk eingebaut hat. Zusätzlich kann man auch Film-DVDs abspielen. Letzteres klappte im Test einwandfrei.

Audio-Streaming, also das Abspielen von Liedern, die auf dem Smartphone liegen, ist ebenfalls via Comand möglich. Dazu muss das Smartphone noch einmal separat als "Bluetooth Audio Gerät" mit Comand zum Abspielen von Musik verbunden werden. Im ersten Anlauf scheiterte unser Kopplungsversuch mit dem iPhone 5 aus unbekannten Gründen. Nach einem Neustart von Comand verband sich das iPhone aber reibungslos mit Comand und spielte von da an für den gesamten Testzeitraum problemlos die Lieder von unserem iPhone 5 ab.

Sicherheits-Assistenten

Mercedes ist seit jeher Vorreiter bei der passiven und aktiven Sicherheit. So überrascht es nicht, dass auch unser Testwagen mit einer Fülle von Fahr-, Sicherheits- und Komfortassistenten ausgestattet ist. Beispielsweise Disctronic plus (die Mercedes-Bezeichnung für ACC), die nicht nur automatisch einen Sicherheitsstand zum vorausfahrenden Wagen hält und den Mercedes auch von selbst abbremst, wenn es nötig ist, sondern bei Kolonnenfahrt sogar bis zu einem gewissen Grad Kurven automatisch nachfährt, ohne dass der Fahrer das Lenkrad beeinflussen muss. Kleine Einschränkung: Mitunter erfasst der Radar der Distronic in Kurven auch Verkehr auf der Nebenspur und bremst dann unnötig ab.

Der Bedienhebel für Distronic plus war gut greifbar, wir verwechselten ihn nie mit dem benachbarten Bedienhebel für Blinker und Fernlicht/Scheibenwischer. Das ist keineswegs selbstverständlich, beim Audi A3 griffen wir öfters daneben.

Spurhalteassistent und Spurwechselassistent gehören ebenfalls zur Ausstattung, um weitere Beispiele zu nennen. Auf die Sicherheitsassistenten und die dafür nötigen Sensoren wie Radar und Kameras gehen wir in diesem Artikel jedoch nicht weiter ein, weil sie nicht zu Comand gehören. Dass wir sie trotzdem hier kurz erwähnen, hat einen bestimmten Grund: Der heißt BMW. Denn BMW erfasst unter dem Begriff ConnectedDrive nicht nur Internetkonnektivität, Multimedia und Telefonie samt Sprachsteuerung, sondern auch Abstandsradar, Spurhalte- und Spurwechselassistenten. Was nicht unbedingt zwingend logisch ist. Der Vollständigkeit halber wollten wir das erwähnt haben.

Eine E 250 CDI 4Matic Limousine war unsere Testbasis für
Comand Online.
Vergrößern Eine E 250 CDI 4Matic Limousine war unsere Testbasis für Comand Online.

 
Fazit zu Comand Online von Mercedes-Benz

Comand Online bietet in der von uns getesten Version 4.5 eine umfassende Basis für das vernetzte Auto. Insbesondere der gut ablesbare Bildschirm und die umfangreiche und in der Regel zuverlässige Sprachsteuerung gefielen uns sehr gut. Die Navigation lieferte ebenfalls solide und gut brauchbare Ergebnisse. Die Vernetzung zwischen der App Google Lokale Suche und der Navigation sowie besonders der gelungene Facebook-Client überzeugten uns ebenfalls.

An einigen Stellen hat Comand aber noch Potenzial nach oben: So erwartet man von einem 3500-Euro-System einfach, dass es sich ohne Probleme mit jedem Smartphone verbinden lässt und es nicht zu Problemen kommt wie mit unserem Nexus 4 und dem HTC Desire. Das Umschalten zwischen den Apps beziehungsweise das Starten von einzelnen Anwendungen sollte schneller über die Bühne gehen, bei den Apps und beim Browser muss man einfach zu lange warten. Der Browser wiederum zeigt den größten Verbesserungsbedarf, er macht keinen Spaß. Ganz wichtig wäre es, wenn Mercedes-Benz schnellstmöglich seine Sprachsteuerung und Spracheingabe auch für die Internetanwendungen zur Verfügung stellen würde.

Das Tüpfelchen auf dem „i“ wären Fernfunktionen wie beispielsweise die Möglichkeit die Klimaanlage per App vom Smartphone aus zu starten. Derzeit steht so etwas aber bei Comand nicht zur Verfügung.
 
 
 

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