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Cloudmarktplätze mit Software für den Mittelstand vorgestellt

25.01.2014 | 08:59 Uhr |

Wie steht es eigentlich um die Cloud-Marktplätze in Deutschland? B2B-Anwendungen schlüsselfertig und ausgesucht via Web, das versprechen die Telekom, Fujitsu, 1&1 und Co mit ihren Cloudstores. PC-Welt vergleicht das Angebot.

Den Anfang machte 2008 der Apple Store mit Apps für den Privatkonsum – inzwischen holen sich auch immer mehr kleine und mittlere Unternehmen per Klick benötigte Business-Anwendungen auf Mietbasis aus der Wolke. Das breiteste Angebot bietet der Telekom-Marktplatz. Ein Vorteil der „Cloud-Börsen“: Vor der Miete kann man die Software erst einmal auf Probe nutzen.  
Über 250 SaaS-Lösungen listet der Katalog des SaaS-Forums. Die Bandbreite reicht dabei von A wie Agentursoftware bis Z wie Zollabfertigung. Um die Gunst der KMU wetteifern unter anderem die Telekom, Fujitsu und 1&1 mit Marktplätzen für Software von Drittanbietern, die dem direkten Angebot der Softwarehersteller wie Microsoft, SAP und Salesforce damit Konkurrenz machen oder auch, je nachdem, auf die Sprünge helfen.

Marktplätze
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Nicht nur in Sachen Datensicherheit können kleine und mittlere Unternehmen von Software-as-a-Service-Angeboten profitieren – auch Zeit- und Kosteneinsparungen stehen auf der Habenseite. Nach der Analyse einer Stichprobe von 270 Cloud-Projekten im deutschen Mittelstand durch die Marktforscher von Experton ergab sich ein durchschnittliches Einsparpotenzial von 22,6 Prozent gegenüber Vor-Ort-Installationen (on premise). Basis der Analyse waren die Angaben der Anwender bei Nutzung des von der Experton Group gemeinsam mit Managed Service Provider Claranet entwickelten Cloud TCO-Kalkulators.

Doch noch ist die Nachfrage nach den SaaS-Angeboten vor allem bei größeren mittelständischen Unternehmen gering. Vor allem Sicherheitsbedenken hindern die Mittelständler an der SaaS-Nutzung. Hier will Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf eine Lanze für die Cloud brechen: „Generell gilt, dass in Cloud-Computing-Strukturen höhere Sicherheitsstandards zu vernünftigen Kosten realisiert werden können, als es ein kleines oder mittelständisches Unternehmen selbst leisten kann. Bei einer zentralisierten Datenhaltung steigt andererseits natürlich die Gefahr, dass diese von Angreifern attackiert wird, die mit einem Schlag besonders viele Daten erbeuten wollen. Dennoch ist das Schutzniveau – bei gleichen Kosten – in einem Rechenzentrum um ein Vielfaches höher als in einer kleinen Firma.“

Wie wird gespart?

Mit der Cloud-basierten Nutzung von Geschäfts- und Office-Anwendungen halten Mittelständler ihre Applikationen immer auf dem neusten technischen Stand: Wartung und regelmäßige Updates erfolgen durch den Cloud-Provider. Gleichzeitig ist der Zugriff von überall und jedem Endgerät möglich – egal ob es sich um Standard-Office- Anwendungen wie Text-, Tabellen- oder Präsentationsprogramme oder um komplexe Geschäftsanwendungen wie Warenwirtschafts-, Kundenmanagement- oder BI-Lösungen handelt.  Der Cloud-Provider stellt die Anwendungen bereit und kümmert sich um die dafür notwendigen Infrastrukturen und Sicherheitsmechanismen – IT-Verantwortliche im Unternehmen sind nicht nötig.

Auch Ende 2013 ist dieser Markt noch sehr jung und viele der kleinen und mittelständischen Unternehmen haben sich noch nicht mit dieser Art der Softwarebeschaffung beschäftigt, soDr. Carlo Velten, Senior Advisor bei Experton. Das werde sich in Zukunft allerdings ändern. Die Marktprognosen der Experton Group sprechen hier eine eindeutige Sprache: So soll dieses Marktsegment in Deutschland von rund 20 Millionen Euro  in diesem Jahr auf über 480 Millionen Euro in 2016 anwachsen. 

Doch mit der großen „Schwemme“ an SaaS-Lösungen wird es für die Anwender zunehmend schwieriger zu evaluieren, welche Services für welche Prozesse zu ihnen passen könnten. Marktplätze erfüllen laut Velten hier im ersten Schritt die Funktion eines Kurators. „So hat der Anwender die Sicherheit, nur Lösungen vorgeschlagen zu bekommen, die zumindest ein Minimum an Standards des Betreibers erfüllen.“ Ein weiterer wichtiger Vorteil: Unternehmen können ihre Lösungen aus einer Hand beziehen – also ein Ansprechpartner, ein einheitliches SLA und eine Rechnung.

Telekom Marketplace
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Business Marketplace: Einer für alles

Platzhirsch auf den externen Cloud-Marktplätzen für kleine und mittelständische Unternehmen ist der „Business Marketplace“ der Deutschen Telekom. Er ging im Sommer 2012 an den Start; seitdem bieten dort über 20 Partner fast 50 Lösungen für typische Geschäftsanwendungen als Software-as-a-Service (SaaS) an. Über 10.000 Kunden haben sich auf der Plattform bereits registriert.
Zur Auswahl steht eine breite Palette von Business- Applikationen für Content Management, Zeiterfassung, Projektsteuerung, Finanzverwaltung, Kundendaten-Management (CRM) ,Videokonferenzen, Finanzverwaltung, Kundendaten-Management (CRM), sowie Datensicherheit.  Der Zugriff erfolgt über sichere Internet-Verbindungen mit einheitlichem Log-in (Single Sign-on). Per Klick lassen sich die Lösungen buchen.

Und: Jede Anwendung im Marktplatz kann als Vollversion 30 Tage lang kostenlos getestet werden. Laut der Analyse von Experton ergeben sich aus dem Telekom-Angebot für Mittelständler mehrere Vorteile: Sie erhalten Business-Applikationen samt Updates sowie den notwendigen, deutschsprachigen Support aus einer Hand. Bezahlt wird über eine konsolidierte Gesamtrechnung. Telekom-Festnetz- oder Mobilfunk-Kunden können auch über ihre Telefonrechnung bezahlen. „Kein Wettbewerber bietet seinen Kunden eine derart breite Palette an Services“, so Experton.

Fujitsu: Cloud Store mit globaler Ausrichtung

Auch der „Cloud Store“ von Fujitsu, der im Frühjahr 2012 an den Start ging, richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen. Fujitsu bezeichnet den Marktplatz mit rund 70 Applikationen als „Ökosystem“, in dem große wie kleine Softwarehäuser ihre Lösungen anbieten und Reseller, Berater und Technologiepartner ihre zugehörigen Angebote bereitstellen können.

Vorrangig finden sich hier Business-Lösungen für  Enterprise Resource Planning (ERP),  Customer Relationship Management  (CRM), Supply Chain Management (SCM) und  Dokumentenmanagement, Archivierungs- und Sicherheitsanwendungen. In Zukunft soll das Angebot noch globaler ausgerichtet werden und mehr eigene Software sowie verstärkt auch Branchenlösungen enthalten. Beispielsweise gibt es von Fujitsu hier eine Branchenlösung für Autohäuser oder Anwendungen für bestimmte Geschäftsbereiche.

Auch 1&1 erweitert das Hosting-Angebot um B2B-Apps

Unter  http://apps.1und1.de  bietet 1&1 seit Ende 2011 einen AppStore mit Software-as-a-Service (SaaS) Lösungen inklusive Server-Speicherplatz zu einem Monatsbeitrag. Verfügbar sind auch hier Anwendungen für die die gesamte Bandbreite der Unternehmens-IT:  Von Marketing und CRM, über Buchhaltung und Projektmanagement bis hin zu Warenwirtschafts-, Grafik- und Personallösungen. Neben Applikationen von Dritt-Anbietern sind im AppStore auch 1&1-eigene Lösungen wie der 1&1 Homepagekasten verfügbar. Experton steht diesem Marktplatz allerdings kritisch gegenüber: Der Brand müsse unbedingt  zum Angebot in diesem Bereich passen. Und: „Die Wahrnehmung als Webhoster und das Vertreiben von Enterprise-Apps passen einfach nicht zusammen.“
 
Die Vorteile gegenüber der Installation vor Ort:

* Marktplätze fungieren als „Vermittler“ und garantieren Passgenauigkeit
* Die Software wird per Download gemietet statt gekauft
* Die Kosten sind transparent
* Zusätzliche Investitionen in Hardware entfallen
* Eine IT-Abteilung zur Administration der Lösungen ist nicht nötig
* Das Programm kann ohne Mehrfach-Lizenzierung im Büro, im Home-Office oder unterwegs genutzt werden, da es über den Browser geöffnet wird.
* Der Anwender braucht sich um Updates nicht zu kümmern. Die Lösung ist stets aktuell.
* Die Daten können in einem hochsicheren Rechenzentrum gespeichert werden. Das ist oft sicherer als auf einem Server, der im Keller steht.

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In einer Microsoft-Studie wurden KMUs, die bisher noch keine Cloud-Services nutzen, nach den Gründen für ihre Zurückhaltung befragt. Dabei wurde bei den Teilnehmern nicht unterschieden ob es sich um Produkthersteller, Dienstleister oder Händler handelte:
* 55 Prozent äußerten Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit
* 57 Prozent befürchten, in der Cloud die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren
* 55 Prozent bezweifeln die Zuverlässigkeit der Cloud

Laut der Studie widersprechen die Erfahrungen kleiner und mittelständischer Cloud-Anwender diesen Bedenken:

* 96 Prozent erreichten mehr Sicherheit als mit ihrer früheren On-Premise-Technologie. Dazu zählen laufende Aktualisierungen des Systems, effizientes Management von Spam-E-Mails und stets aktuelle Antivirus-Programme.
* 63 Prozent verzeichnen einen verbesserten Schutz der Privatsphäre
* 82 Prozent berichten von besser verfügbaren Services
* 84 Prozent der KMU erklärten in der Studie, dass sie dank der Cloud in wichtigen Unternehmensbereichen Geld investieren und Zeit einsparen konnten. Dazu zählen die Produktentwicklung und –Innovation, das Generieren von Nachfrage sowie die Expansion in neue Märkte.
* 69 Prozent der KMU konnten aufgrund von Zeiteinsparungen im Sicherheitsmanagement neue Chancen wahrnehmen.

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