1963312

Cinnamon 2.2 - Der Klassiker im Überblick

11.08.2014 | 12:01 Uhr |

Der Desktop Cinnamon ist bewusst als Alternative zur aktuellen Oberfläche von Ubuntu einerseits und als konservative Abspaltung der Gnome-Shell andererseits entwickelt worden. Herausgekommen ist eine sehr bekömmliche Arbeitsfläche.

Seit vier Jahren ist Unity die bevorzugte Benutzeroberfläche von Ubuntu. Und genauso lange ist dieser Desktop umstritten. Ein Ziel bei der Entwicklung von Linux Mint (laut Distrowatch aktuell die populärste Distribution) bestand unter anderem auch darin, einen umsteigerfreundlichen Desktop anzubieten, der viele Elemente der Windows-Welt aufgreift. Das Ergebnis ist Cinnamon. Diese Arbeitsfläche kann inzwischen auch außerhalb von Linux Mint problemlos auf anderen Systemen verwendet werden.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 4/2014

Das neue Ubuntu LTS, der große Desktop-Guide, Ihre Festplatte 20 x schneller, Linux statt Windows XP - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 4/2014 .

Cinnamons Konfigurationszentrale: Die Systemeinstellungen wirken aufgeräumt und lassen mehr Spielraum für individuelle Gestaltung als der Ubuntu-Desktop Unity.
Vergrößern Cinnamons Konfigurationszentrale: Die Systemeinstellungen wirken aufgeräumt und lassen mehr Spielraum für individuelle Gestaltung als der Ubuntu-Desktop Unity.

1. Konzept und Funktionsumfang

Linux Mint soll die Bedienung von Linux noch stärker vereinfachen als Ubuntu – und der Desktop maßgeblich dazu beitragen. Cinnamon präsentiert sich als klassischer Desktop, wie ihn Linux- und Windows-Anwender seit Jahrzehnten kennen. Dabei haben die Entwickler umstrittene Unity-Elemente bewusst entfernt. Dies betrifft auch das so genannte Globalmenü, ein für Mac-Anwender gewohntes Konzept: Das Hauptpanel oben repräsentiert dabei immer das Programm-Menü der aktiven Anwendung. Auch die Starter-Leiste des Unity-Desktops ist in Cinnamon nicht vorhanden. Dominierendes Element ist die Startleiste am unteren Bildschirmrand, die jedem Windows-Nutzer sofort vertraut ist: Das klassische Startmenü gruppiert die installierten Programme nach Kategorien, kann aber vom Nutzer an seine Bedürfnisse angepasst werden. Laufende Anwendungen werden in Form einer Fensterleiste ebenfalls in dieser Leiste repräsentiert, während über Applets am rechten Rand in einem Systembereich ähnlich dem Windows-Systray Funktionen und Informationen abgerufen werden können.

Cinnamon ist umfassend ausgestattet: Die vielen Applets, die nach einem Rechtsklick auf die Startleiste installiert werden können, bieten Zugriff auf alle wichtigen Funktionen. Über das Startmenü erreicht der Nutzer die sehr aufgeräumten Systemeinstellungen. Als Nachkomme der Gnome-Shell bietet Cinnamon zwar eine ganze Reihe von Effekten an, setzt diese aber standardmäßig sparsam ein. Zurückhaltend ist auch die voreingestellte Unterstützung von Tastenkürzeln, um zwischen Fenstern, Anwendungen oder Arbeitsflächen zu wechseln.

Insgesamt ist Cinnamon ein Desktop, der viele Elemente aus anderen Betriebssystemen aufgreift, ohne den Nutzer durch zu viele grafische Effekte oder Neuerungen vor den Kopf zu stoßen oder vom produktiven Arbeiten abzulenken. Vieles orientiert sich an Windows, manches auch an Mac-OS wie etwa die „Aktiven Ecken“, die nach der Annäherung mit der Maus eine Desktop-Funktion oder ein Programm aufrufen.

2. Hardware-Ansprüche und Speicherbedarf

Nicht zuletzt aufgrund seiner Abstammung aus dem Umfeld von Linux Mint geht Cinnamon an vielen Stellen gerade unter der Haube andere Wege als Ubuntu – zum Beispiel durch die Verwendung eines anderen Fenstermanagers. Das Ergebnis ist aber keineswegs ein Desktop, um veralteter Hardware neues Leben einzuhauchen. Ein Linux mit Cinnamon nimmt sich ab Start schon mal 300 MB RAM und im laufenden Betrieb, ohne aktive Programme, auch 350 bis 400 MB. Damit ist der Desktop auf Netbooks mit 1 GB RAM noch gerade vertretbar, aber sicher eine gute Wahl für nicht mehr ganz taufrische Geräte mit 2 GB RAM.

Linux Mint in vier Desktop-Varianten

Etwas verwirrend: Für Cinnamon gibt es allgemeine Shell-„Erweiterungen“ (im Bild), „Applets“ für die Hauptleiste und „Desklets“ für Arbeitsfläche.
Vergrößern Etwas verwirrend: Für Cinnamon gibt es allgemeine Shell-„Erweiterungen“ (im Bild), „Applets“ für die Hauptleiste und „Desklets“ für Arbeitsfläche.

3. Konfiguration und Anpassung

Der Nutzer muss sich nicht erst aus einer Reihe von Programmen eine funktionsfähige Arbeitsumgebung zusammenstellen. Alle Elemente, die Sie zu Recht von einem Desktop erwarten, sind bereits vorhanden – vom Programmstarter über den Wechsler von Arbeitsflächen bis zur Nutzung von Applets. Entsprechend ausgereift sind auch die Optionen, um Cinnamon in Funktion und Optik an die eigenen Wünsche anpassen zu können. Themen und Hintergründe für die Arbeitsfläche sind mit wenigen Mausklicks geändert. Rund 100 Themes (Kombinationen aus Farbschemata, Schriften und Hintergründen) stehen in der Liste nach dem Herunterladen des Katalogs zur Verfügung. Da sollte für wirklich jeden Geschmack zumindest ein Treffer dabei sein. Wer in Computermaus und Trackpad eher Produktivitätsbremsen als Beschleuniger sieht, wird sich über die Tastatur-Optionen freuen. Sie umfassen Zugriff auch auf wirklich entlegene Bereiche der Arbeitsfläche. Umsteiger werden diesen Bereich zu schätzen wissen, weil sich damit die Bedienung an die eher gewohnten Kürzel anpassen lässt.

Wer Wert auf ein sehr individuelles System legt, findet unter „Systemeinstellungen -> Erweiterungen“ funktionale und optische Ergänzungen. Das geht dann aber oft zu Lasten der Hardware-Ressourcen und kann auch den einen oder anderen Systemhänger provozieren. Die Installation solcher Erweiterungen besteht aus einem zweistufigen Prozess. Nach dem Download (Registerkarte „Herunterladen“) müssen die Erweiterungen zusätzlich noch manuell aktiviert werden. Bei den Applets für den Systembereich in der Hauptleiste ist der Ablauf analog. Zusätzlich zu Applets und Erweiterungen gibt es auch noch eine Handvoll, zum Teil noch etwas instabiler „Desklets“, die sich am Desktop frei positionieren lassen.

4. Installation in populären Distributionen

Die Projektseite http://cinnamon.linuxmint.com bietet unter „Download“ Programmpakete oder Paketquellen für Ubuntu, Suse, Arch oder Fedora. Bei Redaktionsschluss existierte allerdings noch keine für Ubuntu 14.04 als stabil bezeichnete Version von Cinnamon. Die Einbindung etwa in älteres Ubuntu ist mit wenigen Schritten erledigt. Sie folgen dazu dem Link auf das PPA des Projekts. Im Software-Center von Ubuntu müssen Sie unter „Bearbeiten“ den Dialog zum Hinzufügen von Paketquellen aufrufen. Auf der PPA-Seite im Browser wählen Sie die Ubuntu-Version aus, die Sie benutzen, und kopieren dann den aufgerufenen Link in die Zwischenablage. Von hier landet er in der Eingabezeile zum Eintragen einer neuen Paketquelle im Software-Center. Ist die Einrichtung der Quelle erfolgreich abgeschlossen, ist die Installation direkt mit dem Paketmanager möglich. Bereits installierte Desktops bleiben erhalten. Um zwischen diesen zu wechseln, klicken Sie auf das Ubuntu-Symbol auf der Anmeldeseite des Systems. Die Installation von Cinnamon in anderen Distributionen verläuft ähnlich.

Steckbrief Cinnamon
Webseite: http://cinnamon.linuxmint.com/
Aktuelle Version: 2.2.
Zielgruppe: Nutzer, die einen klassischen Desktop suchen, ohne viel basteln zu müssen. Etwas Experimentierfreude ist trotzdem nötig, um alle Feinheiten zu erkunden.
Ressourcenbedarf: moderat bis durchschnittlich
Anpassungsfähigkeit: hoch, mit breitem Angebot an Themes, internen Applet-Funktionen sowie Erweiterungen und Desklets

0 Kommentare zu diesem Artikel
1963312