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CeBIT 2014: Wearables zwischen Hype und Business

12.03.2014 | 14:19 Uhr |

Im Gesundheitswesen sind die elektronischen Begleiter bereits angekommen. Doch das ist erst der Anfang: Es gibt jede Menge Profi-Anwendungen für die körpernahen Geräte.

Rund um die Wearable-Techniken hat sich ein Hype entwickelt, der zunächst vor allem von der Sport- und Freizeitwelt ausging. Mit intelligenten Puls- und Herzfrequenzmessgeräten, wie man sie inzwischen bei vielen Sportfreunden im Fitnessstudio sieht, ist das Management der eigenen Vitalität in den Mittelpunkt gerückt – nicht nur bei Sportlern, sondern auch bei kranken oder gesundheitsbewussten Menschen.

Medizintechnik ist denn auch der größte B2B-Anwendungsbereich für Wearables. Mit den Head-mounted Displays und Smart Glasses (Smartbrillen) wie Google Glass eröffnen sich viele weitere professionelle Einsatzmöglichkeiten, besonders in Kombination mit Augmented Reality (AR).

Erst mit dieser Technik werden Smart Glasses wirklich interessant, behauptet die Münchner Metaio GmbH, die auf ihrer Hausmesse Inside AR einschlägige Techniken und Produkte vorstellte. Metaio entwickelt unter anderem Interaktionsmethoden für Datenbrillen von Epson, Google und Vuzix.

Was sind Wearables?

Bei Wearable-Technologien könnte man bis ins 16. Jahrhundert zu den ersten Taschenuhren – auch als Nürnberger Eier bekannt – zurückgehen. Ebenso sind Herzschrittmacher, seit 1958 millionenfach erprobt, für Matthias Ziegler von Accenture „im Grunde ebenfalls schon Wearable Devices“. Zu solchen zählt Joshua Flood, Analyst bei ABI Research, auch multifunktionale Taschenrechner-Uhren wie die Touch-fähige Casio Data Bank VDB-1000 von 1991. Nach heutigem Verständnis würden Wearable Devices aber immer auch im Kontext mit der Anbindungsmöglichkeit gesehen, so Flood weiter.

„Ausschlaggebend ist die Vernetzung der Geräte und die Datennutzung in Apps“, betont Ziegler. ABI Research unterteilt den Markt für Wearables in sieben Segmente:

  • Am Körper oder am Helm tragbare Kameras,

  • Smart Cloth (auch E-Cloth genannt),

  • Smart Glasses (Datenbrillen) von Vuzix, Epson (Moverio) und Google,

  • Medizintechnik im Gesundheitswesen,

  • Sport- und Fitness-Tracker (Erfassungsgeräte),

  • 3D Motion Tracker wie Microsoft Kinect mit Systems on a Chip (SoCs) der neuen Apple- Tochter Primesense und

  • Smartphone-kompatible Uhren wie Samsung Galaxy Gear, Pebble oder Sony Smartwatch.

Der größte Markterfolg wird laut ABI Research wohl den Smartwatches beschert sein. Bis 2018 werde sich der Wearable-Gesamtmarkt auf rund 550 Millionen verkaufte Stück verzehnfachen, wobei Smartwatches ab 2017 zum größten Segment anwachsen sollen.

Ihnen folgen die Segmente Sport und Fitness sowie – stark aufholend – Medizintechnik und Smart Glasses. Bluetooth Smart als Enabler Für Smartwatches sieht Flood abgesehen von der vielleicht noch besseren Erreichbarkeit ihrer Träger kaum B2B-Anwendungen, wohl aber für Datenbrillen, die zusammen mit AR viele B2B-Einsatzmöglichkeiten eröffnen. Die Cinemizer genannten 3D-Brillen von Zeiss gehören dazu.

B2B-Einsatzszenarien dieser Brillen sind beispielsweise die multimediale Ablenkung von Angstpatienten beim Zahnarzt, virtuelle Rundgänge bei der Raum- und Gebäudeplanung sowie immersives Lernen. Die Lernenden tragen hier 3D-fähige Multimedia- Brillen und sind beim Wissenserwerb von äußeren Störfaktoren abgeschirmt.

Sport- und Fitnessgeräte sind zwar in erster Linie Consumer-Ware, doch wenn sie dem höheren Ziel der Gesundheit dienen oder zu Coaching-Zwecken genutzt werden können – ein Beispiel ist die „miCoach“-Serie von Adidas, die im Training der deutschen Fußball- Nationalmansnchaft eingesetzt wird –, dann wird daraus auch ein „Business Use Case“. Gleiches gilt für Kleidung und Turnschuhe. SAP HANA kam zusammen mit Google Glass und Sensoren am Körper der Spieler auch schon beim Training des Fußball-Bundesligateams TSG Hoffenheim zum Tragen.

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