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Cache für das Heimnetz beschleunigt das Surfen und spart Bandbreite

06.09.2016 | 10:52 Uhr |

Dank Cacheproxy können Sie schneller im Internet surfen und mehrere Rechner zügig mit Updates versorgen. Das funktioniert sogar bei Windows-Systemen.

Nicht überall ist die Internetanbindung schnell genug für einen stetigen Fluss der Daten. In ländlichen Regionen sind als Alternativen zum verbreiteten DSL oft nur Internet über Satellit oder LTE mit Volumenbeschränkung verfügbar. Über einen Proxycache lässt sich jedoch die Geschwindigkeit steigern und das Datenvolumen reduzieren. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie in Ihrem Haushalt oder in einer Firma mehrere PCs betreiben. Der Cachespeicher sorgt dafür, dass Inhalte, die von einem Gerät bereits abgerufen wurden, nicht erneut aus dem Internet heruntergeladen werden müssen. Das lohnt sich, selbst wenn nicht alle Benutzer auf den gleichen Webseiten surfen. Denn Inhalte können auch bei unterschiedlichen Websites identisch sein, beispielsweise Javascript-Dateien oder Banner aus Werbenetzwerken.

Nützlich ist ein Zwischenspeicher außerdem für größere Downloads, wie Sie etwa bei regelmäßigen Updates von Linux- oder Windows-PCs anfallen. Ist auf allen oder mehreren Geräten das gleiche System installiert, muss der Download der Updatepakete nur einmal erfolgen.

Software für den Proxycache

Squid ( www.squid-cache.org ) ist eine bewährte Software zum Cachen fast beliebiger Inhalte (Paket: „squid“). Damit das Programm optimal arbeiten kann, sollte möglichst viel RAM zur Verfügung stehen (ab acht GB) und ausreichend Speicherplatz auf der Festplatte (ab 50 GB). Die Squid-Konfiguration erfolgt über die Datei „/etc/squid3/squid.conf“, die ausführlich kommentiert ist. Jedem Client-PC muss die Adresse des Proxyservers bekanntgemacht werden.

Cache aktivieren: Ipfire lässt sich über eine Weboberfläche steuern.
Vergrößern Cache aktivieren: Ipfire lässt sich über eine Weboberfläche steuern.

Als Cache für Ubuntu/Debian-Pakete eignet sich „squid-deb-proxy“. Auf allen Linux-PCs im Netz muss das Paket „squid-deb-proxy-client“ installiert sein. Die Software ist für den sofortigen Einsatz vorkonfiguriert und sie verwendet im Hintergrund Squid. Sie müssen in die Datei „/etc/squiddeb-proxy/mirror-dstdomain.acl.d/10-default“ weitere Downloadadressen eintragen, wenn Sie nicht nur die Standardrepositorien verwenden.

Wir schlagen für einen Cachespeicher im Netzwerk die Distribution Ipfire vor ( www.ipfire.org ), deren Konfiguration wir in den nächsten Punkten beschreiben. Hier lassen sich Squid und ein Paketcache besonders komfortabel konfigurieren. Außerdem gibt es ein Modul, das nicht nur Softwarepakete für Linux, sondern auch Windows-Updates speichert. Ipfire dient hauptsächlich als Firewall. Sie können aber beispielsweise auch Samba installieren und das System zusätzlich als NAS nutzen. Die Nachteile: Ipfire ist ein eigenständiges Linux-System, das Sie alleine auf einem PC installieren müssen. Dieser muss mit mindestens zwei Netzwerkadaptern ausgestattet sein. Außerdem benötigen Sie einen Ethernet-Switch und/oder einen WLAN-Access-Point.

Ipfire auf dem Server installieren

Laden Sie die Software von www.ipfire.org herunter . Es gibt ISO-Dateien und Images für USB-Sticks. Booten Sie den PC vom Installationsmedium. Im Installationsassistent wählen Sie als Sprache „Deutsch“ und bestätigen alle weiteren Vorgaben. Die Zielfestplatte wird dabei gelöscht. Nach einem Neustart konfigurieren Sie das Tastaturlayout und die Zeitzone. Außerdem vergeben Sie Passwörter für die Benutzer „root“ und „admin“.

Danach startet die Netzwerkkonfiguration. Gehen Sie auf den ersten Punkt „Typ der Netzwerkkonfiguration“. Hier wählen Sie „Green + Red“. „Green“ ist die Netzwerkkarte, die mit einem Switch in Ihrem lokalen Netzwerk verbunden ist. „Red“ ist die Verbindung zum DSL-Router. Im nächsten Punkt „Netzwerkkartenzuordnungen“ weisen Sie „Green“ und „Red“ die Netzwerkadapter zu. Danach gehen Sie auf „Adresseinstellungen“. Für „Green“ vergeben Sie eine Adresse aus Ihrem neuen lokalen Netzwerk, beispielsweise „192.168.1.1“. „Red“ können Sie mit „DHCP“ konfigurieren. Dann bezieht diese Netzwerkkarte die IP-Adresse von Ihrem DSL-Router. Den letzten Punkt „DNS- und Gatewayeinstellungen“ können Sie dann überspringen. Anschließend aktivieren Sie den DHCP-Server von Ipfire. Konfigurieren Sie als Startadresse beispielsweise „192.168.1.10“ und als Endadresse „192.168.1.253“.

Lesetipp: Die wichtigsten Linux-Programme & -Tools für Ihr Netzwerk

Ipfire als Proxyserver einrichten

Starten Sie den Linux-PC neu, damit er seine IP-Adresse von Ipfire erhält. Rufen Sie für unser Beispiel im Browser die Adresse „https://192.168.1.1:444“ auf und melden Sie sich als Benutzer „admin“ mit dem vorher vergebenen Passwort an.

Gehen Sie auf „Netzwerk -> Webproxy“. Setzen Sie Häkchen bei „Aktivieren auf Green“, „Update-Accelerator“, „Protokoll aktiviert“ und „Cachemanager aktivieren“. Unter „Cacheverwaltung“ können Sie die Werte hinter „Cachegröße im Arbeitsspeicher (MB)“, „Cachegröße auf der Festplatte (MB)“ und „Max. Objektgröße (KB)“ erhöhen. Über www.pcwelt.de/9uYXFr finden Sie eine Tabelle mit Werten für unterschiedliche Konfigurationen. Klicken Sie auf „Speichern und Laden“. Klicken Sie auf „Netzwerk -> Update-Accelerator“. Setzen Sie ein Häkchen vor „Aktiviere Protokoll“. Hinter „Max. Festplattennutzung“ legen Sie fest, wie viel Speicherplatz der Downloadcache auf der Festplatte belegen darf. Klicken Sie auf „Speichern und Laden“.

Die Cachestatistik: Anzahl der Dateien im Cache und Datenmengen die aus dem Cache kommen.
Vergrößern Die Cachestatistik: Anzahl der Dateien im Cache und Datenmengen die aus dem Cache kommen.

Proxynutzung auf Client-PCs aktivieren

Um den Webcache zu nutzen, gehen Sie beispielsweise bei Firefox in die Einstellungen und dann auf „Netzwerk“. Klicken Sie auf „Einstellungen“ und aktivieren Sie die Option „Manuelle Proxy-Konfiguration“. Tragen Sie hinter „HTTP-Proxy“ die Adresse von „Green“ ein (in unserem Beispiel „192.168.1.1“) und als Port „800“. Tippen Sie die gleichen Werte hinter „SSL-Proxy“ und „FTP-Proxy“ ein. Für Unity/Gnome-Programme gehen Sie in die „Systemeinstellungen“ und tragen unter „Netzwerk“ die Werte bei „Netzwerk-Proxy“ ein.

Apt muss extra konfiguriert werden:

sudo nano /etc/apt/apt.conf.d/80proxy

Tippen Sie hier die folgenden drei Zeilen ein:

Acquire::http::proxy "http://192.168.1.1:800/";
Acquire::https::proxy "https://192.168.1.1:800/";
Acquire::ftp::proxy "ftp://192.168.1.1:800/";

Windows-Nutzer konfigurieren Firefox wie für Linux beschrieben. Gehen Sie außerdem in der Systemsteuerung auf „Internetoptionen“ und die Registerkarte „Verbindungen“. Klicken Sie auf „Lan-Einstellungen“, setzen Sie ein Häkchen vor „Proxyserver für LAN verwenden“ und tragen Sie darunter IP-Adresse und Port ein.

Für das Windows-Update verwenden Sie in einer Eingabeaufforderung mit administrativem Rechten folgende Befehlszeile:

netsh winhttp set proxy 192.168.1.1:800 "localhost;192.168.1.1"

In der Weboberfläche von Ipfire sehen Sie nach Klicks auf „Netzwerk -> Update-Accelerator“ und „Statistik“, wie viele Updatedateien sich im Zwischenspeicher befinden. Weitere Infos zum Webproxy finden Sie über „Logs -> Proxy-Berichte“.

Auch interessant: Die 10 wichtigsten Linux-Befehle für Netzwerk und Internet

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