21.04.2013, 16:23

David Wolski

System-Tuning

CPU entfesselt: Übertakten leicht gemacht

Speziell für Freunde hoher Taktfrequenzen jenseits der Spezifikationen haben AMD und Intel passende CPUs auf dem Markt, die einen freien Multiplikator bieten. Dies erlaubt ein komfortables Übertakten und Tuning-Experimente per Software. Bei Intel sind dies derzeit die Prozessoren Core i5-2500K, Core i7-2600K, Core i7-2700K, Core i7-3930K und Core i7-3960X. Auch AMD will diese Zielgruppe ansprechen und bietet CPUs mit einem offenen Multiplikator unter dem Label „Black Edition“ an.
Zum bequemen Übertakten offeriert Intel sein Intel Extreme Tuning Utility, um Multiplikatoren und Turbo Boost aus Windows heraus anzupassen. Das englischsprachige Programm enthält eine Übersicht zu den Leistungsdaten der Prozessoren und stellt, falls verfügbar, den direkten Zugriff auf den Multiplikator per Regler bereit. Außerdem lassen sich damit die maximalen Turbo-Boost-Leistungsgrenzen bei den üblichen Intel-CPUs manipulieren. Für die Prozessoren ist das AMD-Pendant dazu das AMD Overdrive Utility. Damit lässt sich per Software unter Windows auf Leistungsparameter der CPU zugreifen. Die Einstellungen dazu finden Sie unter „Performance Steuerung“. Auch wenn die Tuning-Tools von AMD und Intel das Ausreizen der CPU einfach machen, erfolgt dies grundsätzlich auf eigenes Risiko.
Manuelles Übertakten: Behutsam und ohne Risiko
Selbst wenn die im PC vorhandene System-CPU keinen offenen Multiplikator bietet, übertakten können Sie den Prozessor in den meisten Fällen trotzdem. Der Chipsatz des PCs erlaubt bei vielen Board-Herstellern die manuelle Anpassung von CPU-Leistungsparametern über das BIOS. Dies ist der klassische und manuelle Weg, um höhere Taktfrequenzen zu erreichen.

Die im Folgenden gezeigten Vorgehensweisen dienen als allgemeines Beispiel zu populären Prozessoren von Intel und AMD, sie sind aber nicht auf jede Kombination von CPU und Hauptplatine anwendbar.

Wer das eigene System übertakten möchte und dabei Leistungsgrenzen ausloten will, kommt nicht umhin, sich in den diversen Overclocking-Foren und Webseiten wie etwa pcmasters, meisterkuehler oder extremeoverclocking speziell über die eigene CPU zu informieren. Die dort empfohlenen Taktfrequenzen und Betriebsspannungen zu Kombinationen von CPU und Hauptplatine sind außerdem eine große Hilfe, um die idealen und stabilen Werte für den Praxisbetrieb zu finden. Doch auch hier gilt: Nur auf eigenes Risiko!

Beispiel Intel: Core i5-750 übertakten
Im Folgenden übertakten wir einen Intel-Prozessor ohne offenen Multiplikator manuell über BIOS-Einstellungen. Diese ältere Quadcore-CPU mit Sockel LGA1156 ist ein echtes Schnäppchen, bietet mit einem Werkstakt von 2,67 GHz viel Leistung für wenig Geld und kann sogar jenseits der Spezifikationen hochtakten.

So gehen wir dabei vor: Im BIOS zeigt sich, dass die Base Clock (BLCK) wie bei Nehalem-CPUs üblich, bei 133 MHz steht. Den Multiplikator für CPU-Takt (CPU Clock Ratio) können wir bei diesem Prozessor nicht ändern. Also setzen wir stattdessen die Base Clock herauf, von 133 MHz auf immer noch konservative 150 MHz. Da sich diese Änderung zugleich auf CPU und RAM auswirkt, taktet der Prozessor nun mit 3000 MHz und der Speicher über einen System Memory Multiplicator von 8 mit 1200 MHz. Vorher waren es 1066 MHz Speichertakt.

Beispiel AMD: Phenom II X6 1090T übertakten
Dieser Prozessor läuft mit einem Standardtakt von 3,2 GHz und ist mit einem offenen Multiplikator ausgestattet, was das Übertakten einfach macht. Die Einstellungen für den AMD-Prozessor im BIOS sind zwar ähnlich wie bei der Intel-Architektur, unterscheiden sich jedoch in zwei wesentlichen Punkten: Erstens nennt AMD die elementare Taktrate Bus Frequency – diese ist auf 200 MHz gesetzt –, und zweitens wird die CPU-Frequenz über die CPU-Ratio festgelegt, die sich bei AMD in 0,5er Schritten erhöhen lässt.

Für moderates Übertakten setzen wir hier die CPU-Ratio von 16 auf 18, um die CPU auf 3,6 GHz zu beschleunigen. Der Speichertakt wird im BIOS dann noch manuell von „AUTO“ auf die standardmäßig unterstützten 1333 MHz gesetzt.
Grafikkarte übertakten mit Afterburner

Turbomodus bei hoher Auslastung
Aktuelle Prozessoren bieten eine interne Übertaktungsfunktion: Intel führte im November 2008 mit der Generation Nehalem die Funktion „Turbo Boost“ ein. Dieser Modus erhöht die Taktfrequenz einzelner Kerne bei voller Auslastung, um Anwendungen ohne Multicore-Unterstützung bei Bedarf zu beschleunigen. So kann der Intel Core i7-870S beispielsweise einzelne Kerne von 2,66 GHz auf bis zu 3,6 GHz hochtakten. Turbo Boost macht sich hier zunutze, dass die inaktiven Prozessorkerne in einen Energiesparmodus schalten. Dadurch produziert die CPU weniger Abwärme, obwohl die Kühlung für wesentlich mehr ausgelegt ist.

AMD zog im April 2010 mit dem Phenom II X6 nach, der eine ähnliche Funktion namens „Turbo Core“ bietet. Einzelne Kerne werden hier um bis zu 500 MHz beschleunigt. Turbo Boost und Turbo Core können ihre Vorteile aber nur ausspielen, wenn es um die Beschleunigung einzelner Kerne geht. Bei Anwendungen, die alle Kerne auslasten, fällt der Leistungsschub deutlich geringer aus. Sofern ausreichend Kühlung vorhanden ist, können die Tuning-Utilities von Intel und AMD den Multiplikator des Boot-Modus anheben. Dann ist allerdings auch hier ein Stresstest erforderlich, der jedoch nur einzelne Kerne voll auslasten soll, damit der Turbomodus in Aktion tritt.
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