1517248

Business & privates

Was ist eigentlich Consumerization of IT?

13.09.2014 | 07:52 Uhr |

„Consumerization of IT“ – kaum ein Begriff fällt derzeit häufiger in der IT-Industrie. Was steckt hinter diesem Mode-Wort? PC-Welt klärt auf – mit einem überraschenden Ergebnis.

Irgendein Begriff beherrscht immer die IT-Welt. Egal, wo man sich in der Welt der Bits & Bytes umsieht, man wird jeweils diesem einen Wort begegnen. Haben wir vor einiger Zeit die erste Welle der „Cloud“ hinter uns gebracht, sehen wir uns seit 2012 mit dem nächsten Hype konfrontiert: „Consumerization of IT“ lautet das Schlagwort, dass uns seit einiger Zeit an jeglicher Stelle aus der Branche entgegen donnert.

Das Sonderbare daran ist: Während schon das Konzept der „Cloud“ für den gemeinen PC-Nutzer nur schwer zu verstehen war, ist das, was hinter dem neuen Begriff Consumerization of IT steckt noch deutlich komplizierter und weniger greifbar. Dabei klingt es doch so simpel, einen Trend auf ein Wort zu reduzieren. „Consumerization“: Ein einziger Satz zur Definition ließ sich von keinem der Experten herauskitzeln, die PC-Welt in der Recherche zu diesem Thema befragte. Und dazu gehörte unter anderem immerhin ein Mitglied aus der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland oder der Chef eines namhaften IT-Marktforschungsinstituts.

Wafa Moussavi-Amin, IDC
Vergrößern Wafa Moussavi-Amin, IDC
© IDC

Eines konnten die Größen der Branche aber: Einhellig betonen, dass Consumerization bereits Alltag in deutschen Unternehmen ist. Und dass es sich dabei Trend handelt, der den gesamten Umgang mit IT verändert. Ihr Credo: Consumerization of IT stellt alle Beteiligten der Branche - von den Endanwendern und Unternehmen bis hin zu den Herstellern und Dienstleistern - vor komplett neue Herausforderungen. Wafa Moussavi-Amin, Deutschland- und Schweiz-Geschäftsführer des Marktforschers IDC gegenüber PC Welt: „Die Haltung der Unternehmen zu diesem Thema ähnelt ihrer Haltung gegenüber der Cloud vor drei bis vier Jahren. Nach Meinung von IDC wird die Consumerization of IT kein weiteres bloßes Schlagwort sein, denn es steht eng mit den Themen Mobilität, Flexibilität und Cloud Computing in Zusammenhang.“ 

Thomas Schröder, Interims-Chef von Microsoft Deutschland
Vergrößern Thomas Schröder, Interims-Chef von Microsoft Deutschland
© Microsoft

Thomas Schröder, Mitglied der deutschen Geschäftsführung von Microsoft sagt: „Consumerization of IT ist eingebettet in das übergeordnete Konzept des „Neuen Arbeitens“ und somit fester Bestandteil des Cloud Computing.“

Halten wir fest: Offenbar lässt sich Consumerization nicht mit einer einfachen Erklärung beschreiben, ist aber bereits Realität in der Firmenwelt. Und sie scheint eng mit der Cloud und ihren hochgelobten Attributen verbandelt zu sein.Was ist sie dann?

Als Admins noch Nerds waren

Kurbeln wir das Rad der Geschichte für die Findung der Antwort kurz zurück. Früher war die Welt noch in Ordnung, denn die Rollen waren geklärt. Wer in den 90ern Systemadministrator einer Firma war, der wurde gerne in die berühmte „Nerd“-Rolle gesteckt. Undurchdringliche Zahlenabfolgen liefen über seinen Monitor, und während er für den gemeinen Zuschauer unerklärbare Dinge mit seinem Rechner machte, dachte so ziemlich der gesamte Rest der Welt: „Server können einfach nur Menschen verstehen, die ihr Leben vor dem Bildschirm verbracht haben“.

Die gemeinen Firmenangestellten, vor Rechnern mit Röhrenbildschirmen so groß wie Bierkisten sitzend, hatten auch Ihre Mühen: Sie mussten sich mit Firmensoftware in einem meist unfreundlichem grauen Design und mühseliger Bedienung herumärgern. Und die Privatanwender zuhause besaßen ihre Computer lediglich zum Spielen, wenn sie nicht gerade zur erstbeschriebenen Gattung gehörten.

Einfacher als Zähneputzen

Die Welt der IT von heute ist anders. Die Rollen haben sich innerhalb weniger Jahre komplett aufgesprengt. Und dafür verantwortlich ist nichts anderes als der Vorgang der Consumerization.

Die Bedienungsführung der meisten Serveroberflächen sieht heute aus, als ob es sich um ein intuitives Socialmedia-Profilmenü handelt, und die Administratoren selbst sitzen in Summe vermutlich weniger vor ihren Computern als der gemeine Privatnutzer. Dieser wiederum arbeitet sich genauso selbstverständlich in leistungsstarke Software, Apps und Smartphones-Menüs ein als handle es sich dabei um neue Zahnbürsten. Und die meiste Firmen-IT ist auch nicht viel komplizierter (oder sie sieht zumindest so aus). Und  die Erwartung schließlich, dass man auch von daheim oder dem Mobilgerät Zugriff drauf hat, ist ebenso immer selbstverständlicher. Da gilt vice versa: Freizeit-IT in der Firma ist nichts ungewöhnliches mehr.

Der Marktforscher IDC sieht die Ursache für den Wandel in den Privatkonsumenten, die Ihre eigenen IT-Erfahrungen in die Firmenwelt einbringen wollten: „IDC versteht unter Consumerization of IT die Entwicklung im IT-Markt, dass Trends zuerst bei Konsumenten in Erscheinung treten und anschließend in die Unternehmen ´überschwappen´“, so Moussavi-Amin .Der Manager nennt hier exemplarisch etwa die Verwendung innovativer, mobiler Endgeräte für geschäftliche Zwecke („Bring your own Device“).  Auch sei der mobile Zugriff auf geschäftliche Applikationen unabhängig vom Endgerät, Zeit und Raum in diesem Zusammenhang zu nennen. Und schließlich ihm zufolge ist der Einsatz interaktiver  Social Web Anwendungen (Soziale Netzwerke, Blogs, Chats, eigene Videos  etc.) im geschäftlichen Umfeld ebenso Teil des Trends. „Durch Consumerization verschiebt sich die Rolle der Treiber von IT-Innovationen von großen Unternehmen zu privaten Anwendern. Dadurch verkürzen sich viele Innovationszyklen der IT Produkte und es eröffnen sich vermehrt Märkte für kleine und neue Unternehmen, wie man sehr gut am Beispiel der Social Media Software Anbietern in den letzten drei Jahren beobachten kann“, so der IDC-Chef zu PC Welt.

Das ist mag vielleicht nur ein Ausschnitt sein, aber es reicht, um zu zeigen: Consumerization stellt die Welt der IT gründlich auf den Kopf.

Realität in Unternehmen

Wie stark der Trend hierzulande bereits Realität ist, zeigt eine im April 2012 von IDC veröffentlichte Studie mit dem Titel „Cloud Computing und Consumerization of IT in Deutschland 2012“. Demnach hatte die Mehrzahl der rund 160 befragten Business- und IT-Entscheidern von Unternehmen mit über 250 Mitarbeitern passenderweise keine konkrete Vorstellung von dem, was unter diesem Begriff eigentlich genau zu verstehen ist. Aber in etwa die Hälfte gaben an an, bereits geschäftlich relevante Cloud-Services auf privaten Laptops oder Smartphones zu verwenden. Und rund ein Drittel gestand ein, zu privaten Zwecken mit Firmen-Smartphones oder -Tablets-PCs in die Cloud gehen.

IDC betonte bei der Vorstellung der Studie, dass die wahre „Dunkelziffer“ dabei noch höher liege: Firmen haben sich oft eben noch nicht auf eine offizielle Richtlinie geeinigt, was die private Nutzung der Firmen-IT angeht, und so schwiegen viele Manager offenbar lieber. Und die Befragten, die den Begriff Consumerization verstanden, betonten, sich durch sie Kosteneinsparungen für die Firmen-IT zu erhoffen. Und mehr Flexibilität und in Mobilität für die Unternehmensworkflows.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1517248