Ratgeber Browser

Browser-Vergleich 2012 – schlägt Chrome Firefox?

Dienstag den 06.12.2011 um 14:12 Uhr

von Benjamin Schischka

2012: Welcher Browser gewinnt dazu? Welcher verliert an Boden?
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© iStockphoto.com/blackjack3d
Chrome hat immer mehr Nutzer, Firefox hält mit Updates dagegen. Aber auch der IE ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. 2012 wird ein spannendes Browser-Jahr!
Ende 2011 beherrscht der Internet Explorer mit rund 53% Marktanteil den Browser-Markt. Firefox (22%) und Google Chrome (18%) stehen ebenfalls auf dem Siegertreppen. Das Schlusslicht bilden Safari (5%) und Opera (2%). Der große Gewinner ist Chrome von Google. Seit Mitte 2011 konnte er seinen Anteil von damals 13% deutlich ausbauen. Der IE schrumpfte leicht, die anderen stagnierten mehr oder weniger.

Google Chrome wird zum Gaming-Browser

Mitte 2010 versprach Google kürzere Update-Zyklen und hielt auch 2011 Wort. Ungefähr alle sechs Wochen machte Chrome einen Versionssprung – zuletzt Ende Oktober. Der nächste Sprung 2011 auf Chrome 16 ist demnach noch im Dezember fällig. Auf die Neuerungen können Sie dank Beta-Version bereits jetzt schon einen Blick werfen. Dank der Entwickler-Vorabversion Chrome 17.0 Dev reicht der Blick in die Zukunft noch weiter – und zwar abermals sechs Wochen, wenn Google sein Versprechen hält.

Die anstehenden Änderungen sind jedoch erstmal ernüchternd. Ab Chrome 16 dürfen Sie etwa die Browsereinstellungen unabhängig voneinander für mehrere Nutzer konfigurieren. Eine magere Neuerung, die nur Anwender betrifft, die sich ein Windows-Konto teilen. Zumal die Daten nicht verschlüsselt werden und man jederzeit zu den Einstellungen eines anderen Users wechseln kann. Die finale Version 17 Ende Januar oder Anfang Februar 2012 bringt ebenfalls keine Revolution, sondern die neuen „Panels“. Diese Mini-Fenster blenden auf Wunsch Addons am Browser-Rand ein, ohne dass man dafür den Blick auf die geöffnete Seite verliert. Beispiele bereits angepasster Addons sind die To-do-Liste Tasky und der Taschenrechner Calcunow .

Viel spannender sind da die Gerüchte über Neuerungen, die sich in noch keiner Vorabversion befinden. So soll Chrome verstärkt im Gaming-Bereich Fuß fassen – zumindest laut Google-Sprecher Paul Kinlan. Per Plug-and-Play sollen Chrome-User Gamepads, Webcams und Mikrofone anschließen können – ohne einen Treiber installieren zu müssen. Außerdem will Google angeblich das Real Time Communication Protocol WebRTC in dem Browser implementieren. Mit diesem sollen auch Spiele-Streaming-Angebote wie OnLive möglich sein. Ein derartiger Service sei Gerüchten zufolge ebenfalls schon in der Mache.

Mozilla Firefox – bläst Google zur Fuchsjagd?

Auch Mozilla verkündete eine beschleunigte Aktualisierung seines Browser. Wie Google will man Firefox alle sechs Wochen um eine Version aktualisieren. Demnach kommt Firefox 9 am 20. Dezember 2011, Firefox 10 am 31. Januar 2012, Firefox 11 am 13. März 2012, Firefox 12 am 24. April und Firefox 13 am 5. Juni 2012.

Firefox 9 soll dank Type Inference Javascript deutlich schneller verarbeiten. Type Inference analysiert und optimiert Javascript-Code vor der Verarbeitung – bereitet den Code also sozusagen vor. Einen Vorgeschmack auf Firefox 9 finden Sie schon heute in der aktuellen Beta-Version . Diese ist tatsächlich deutlich schneller als Firefox 8 – aber immer noch langsamer als Google Chrome .

Einer der häufigsten Kritikpunkte am Firefox neben der Geschwindigkeit sind die langwierigen Neustarts nach der Installation von Addons und Updates. Im Mozilla-Labor wird derzeit an einer Auto-Update-Funktion gearbeitet, die der User kaum noch bemerken soll. Nach dem Update werde Firefox komplett in einem anderen Verzeichnis gespeichert. Erst beim nächsten Start werden die Verzeichnisse ausgetauscht. Durch diesen Kniff soll der aktualisierte Firefox sofort nach dem Update einsatzbereit sein. Die Funktion ist noch im Teststadium – aber schon in der Alpha-Version von Firefox 10 integriert. Achtung: Nutzen Sie diese nur zu Testzwecken, da sie noch sehr instabil sein kann.

Aber Mozilla hat nicht nur technische Schwierigkeiten zu meistern. Ende 2011 ist ein lukrativer Vertrag mit Google ausgelaufen ; über 100 Millionen Dollar von knapp 123 Millionen Dollar verdiente Mozilla 2010 noch mit der Google-Kooperation. Im Oktober wollte Mozilla den Vertrag verlängern. Der aktuelle Stand ist nicht bekannt. Hat Google Interesse an einer Verlängerung? Oder wollen die Kalifornier vielmehr ihren eigenen Browser – Chrome – an der Konkurrenz vorbeiziehen lassen?

Internet Explorer setzt auf Performance und Webstandards

Der nächste Internet Explorer wird standardmäßig Bestandteil von Windows 8 sein, aber wohl schon vorher auf Windows 7 laufen. Wir rechnen im Frühjahr mit dem Erscheinen – schließlich will Microsoft technisch nicht den Anschluss verpassen. Microsoft hat den IE 10 für Windows Vista aber ausgeschlossen . Die Redmonder werkeln übrigens an zwei Versionen – eine für Windows-8-Tablets . Diese soll Flash blockieren, genau wie Safari auf dem iPad. Microsoft verspricht sich davon längere Akkulaufzeiten und ein Plus an Sicherheit.

Im 8- bis 12-Wochen-Turnus veröffentlicht Microsoft neue Vorabversionen – mittlerweile steht die vierte Vorabversion des Internet Explorer Preview zur Verfügung. Achtung: Anders als die ersten beiden läuft diese nur unter Windows 8 – Sie benötigen also zuerst das kostenlose Windows 8 Developer Preview .

Ein Blick auf die bisherigen Preview-Versionen zeigt gut, worauf Microsoft für die finale Browser-Version 10 abzielt. In der ersten Vorabversion standen mit CSS3 Grafik und Layout im Vordergrund . Bei Nummer 2 bemühten sich die Entwickler um eine bessere Performance und die Unterstützung neuer HTML-Technologien. Mit iFrame Isolation und einer HTML5-Sandbox schraubte Microsoft aber auch an der Sicherheit . Die dritte Preview legte Wert auf eine gute Bedienung per Touchscreen und trat damit in die Fußspuren der Windows-8-Entwicklung. In der aktuellen Vorabversion holt Microsoft auf und bietet mit CORS eine Technik, die Firefox und Chrome schon beherrschen. CORS (Cross Origin Ressource Sharing) vereinfacht die Verknüpfung mehrerer Browser-Anwendungen. Ein Beispiel finden Sie auf der Test-Seite von Microsoft .

Vorschau auf den Internet Explorer 10
Vorschau auf den Internet Explorer 10

Interessant ist auch ein Blick auf die Kompatibiliät zu Webstandards. In der Vergangenheit haben sich dabei viele Internet-Explorer-Versionen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. So besteht auch der IE 9 von 304 HTML5-Einzeltests gerade mal 39%. Die aktuelle Preview-Version des IE 10 heimst im Vergleich ein Traumergebnis von 98% ein, sagt Microsoft . Noch besser soll die Steigerung im Bereich „Web Applications“ – also Webanwendungen – sein: Von 24% verbessert sich die aktuelle Vorabversion auf 98% bestandene Tests. Auch bei der „Web Performance“ fährt Microsoft zufolge ein respektables Ergebnis schon jetzt ein: Früher 35%, jetzt 90%.

Fazit

Die spannendste Frage 2012 wird sein: Was macht Firefox? Stolpert Mozilla in finanzielle Schwierigkeiten? Kann Firefox dem von unten nachdrängenden Chrome Einhalt gebieten? Wir glauben nicht daran – obwohl von Chrome bislang nur wenig spannende konkrete Ankündigungen bekannt sind. Beim Internet Explorer, Safari und Opera deutet nichts auf große Veränderungen im Browser-Marktanteil hin. Microsoft muss jedoch aufpassen, nicht schleichend unter die 50%-Marke zu fallen.

Dienstag den 06.12.2011 um 14:12 Uhr

von Benjamin Schischka

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