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Branche jammert: Sogar Laien können zu Datenpiraten werden

12.09.2002 | 15:02 Uhr |

Technische Lösungen zum Schutz von digitalen Inhalten sind "katastrophal schlecht". Zu diesem Ergebnis kommen zwei am Donnerstag vorgestellte Gutachten. Über Datenträger oder das Internet verbreitete Inhalte seien unzureichend vor Fälschung und unberechtigten Kopien gesichert. Hierdurch würden der Medien-Branche Schäden in Milliardenhöhe entstehen.

Technische Lösungen zum Schutz von digitalen Inhalten sind "katastrophal schlecht". Zu diesem Ergebnis kommen zwei am Donnerstag vorgestellte Gutachten im Auftrag des Deutschen Multimedia Verbands (DMMV) und des Verbands Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) in Berlin.

Es bestehe die Gefahr, dass bestehende Auswertungsketten im Medienbereich (Kino - Video/DVD - Pay.TV - Free-TV) durch Pirateriehandlungen und die Verbreitung digitaler Video- und Festplattenrecorder unterbrochen und dadurch die Geschäftsmodelle der Anbieter auf den einzelnen Verwertungsebenen untergraben werden.

Über Datenträger oder das Internet verbreitete Inhalte seien unzureichend vor Fälschung und unberechtigten Kopien gesichert. Die Mitglieder der auftraggebenden Verbände seien in ihrer Geschäftstätigkeit massiv vom Phänomen der Datenpiraterie beeinträchtigt. Auch 2002 hätte die illegale Nutzung von digitalen Inhalten Schäden in Milliardenhöhe verursacht und damit existenzbedrohende Ausmaße für die Zukunft der Medien- und Internetwirtschaft angenommen. Nur gemeinsam könnten alle Marktbeteiligten mit der Politik eine befriedigende Lösung finden, hieß es.

"Mit Sorge beobachten wir die ungeschützten Zugriffe auf geistiges Eigentum und digitale Dienste der Informationswirtschaft", so Dr. Marcus Englert, Vize-Präsident des VPRT. "Die Schädigung der einschlägigen Industrien verletzt dabei mittel- und langfristig vor allem auch die Interessen von Verbrauchern und Konsumenten, die bei einem Rückgang der Investitionen zukünftig keine qualitativ hochwertigen Angebote mehr bekommen werden. Daher gilt es im Interesse aller, den Schutz digitaler Inhalte langfristig effektiv zu verbessern", so Englert abschließend.

Die aktuellen so genannten Digital-Right-Management-Systeme (DRM) würden bestenfalls Gelegenheitstäter abhalten. Sogar technisch ungebildete Laien könnten mit Hilfe der im Internet oft kostenlos verfügbaren Software zum Datenpiraten werden.

Diese Anwendungen entstünden als "Abfallprodukt der notwendigen Erforschung von Sicherheitsmechanismen", hieß es in einem der Gutachten. Hardware- Lösungen gewährleisteten einen besseren, aber keinen perfekten Schutz. Darüber hinaus eigneten sich die Mechanismen trotz ihrer Unsicherheit zum Schutz digitaler Inhalte, den Nutzer zu überwachen.

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