08.05.2012, 08:34

Christoph Supguth

Black Market Android & Co

Risiken und Chancen der App Black Markets

Schwarzmärkte bieten kostenpflichtige Apps zum Gratis-Download an. Mit welchen rechtlichen Folgen müssen Nutzer rechnen? ©iStockphoto / seewhatmitchsee

Der Android Market umfasst heute mehrere hunderttausend Apps. Eine Vielzahl davon ist kostenlos. Wer aufwendigere Applikationen haben möchte, zahlt dafür meist nur einige Euro oder auch weniger. Dennoch nimmt die Zahl der Android Black Markets stetig zu. Kostenpflichtige Apps lassen sich dort gratis herunterladen. Welche Risiken Smartphone-Nutzer mit illegalen Apps eingehen, hat PC-WELT zusammen mit einem App-Entwickler und einem Medien-Juristen geklärt.
Apps gibt es wie Sand am Meer, viele sind gratis. Auch umfangreichere Anwendungen kosten meist nur ein paar Euro. Wie viel eine App kostet, hängt nicht nur von der Funktionalität, sondern auch vom genutzten Betriebssystem ab. So kostet aus der Liste der Top 100 beliebtesten Android-Apps eine App durchschnittlich 3,74 Dollar. Das ist das 2,5-fache vom Durchschnittspreis der Top-100 iOS-Apps. Die kommen im Mittel auf 1,47 Euro, so eine Untersuchung der IT-Markt-Analysten von Canalys.
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum gerade für Android-Apps immer mehr Black Markets ins weltweite Netz drängen. Für den User ist die Hemmschwelle, die zum Schwarzmarkt führt, zunächst eher niedrig. Welche juristischen Folgen könnte der Diebstahl geistigen Eigentums im Cent-Bereich schon haben. Genutzt werden die Black Markets wie bei Google Play oder iTunes über einen App Client. Die Bedienung ist der von den offiziellen Märkten dabei ganz ähnlich. Einige Black Markets bieten neben den App-Downloads auch Chats, Blogs und Foren, sowie News, Tipps & Tricks rund um die mobile Welt an.
Black Market nutzen
Um die Black Markets überhaupt nutzen zu können, muss der Nutzer zunächst Zugriff auf alle Einstellungen seines Handys bekommen. Das Smartphone muss also gerootet und iPhones gejailbreakt werden. „Wer sein Smartphone-Gerät für anderweitige Software öffnet, muss damit rechnen, dass Hersteller diesen Nutzern im Schadensfall die Garantie verweigert“, so Christian Solmecke, Anwalt mit Schwerpunkt auf Internetrecht.
Wird das Gerät gerootet, lässt sich zudem kein offizielles Update durchführen, so die Theorie. Ein gejaibreaktes iPad ließ sich von PC-WELT aber problemlos auf eine neue Version updaten. Wer sicher gehen will, führt das Update mit einem Schritt mehr durch. Dafür wird zunächst ein älteres Betriebssystem installiert, etwa von Android 4.0 Ice Cream Sandwich auf Android 2.3 Gingerbread. Ist der sogenannte Downgrade durchgeführt, kann das neue Update problemlos durchgeführt werden. Garantieansprüche kann der Hersteller aber nach wie vor verweigern. Denn für den Root oder Jailbreak muss der Bootloader entsperrt werden. Das lässt sich auch nach dem Downgrade nachweisen. Hersteller sind aber meist kulant, wenn der Garantieschaden mit dem Root nichts zu tun hat.
Dass für die Nutzung des Black Market Rootrechte nötig sind, ist für Amin Hammami, Diplom-Informatiker und App-Entwickler Grund genug, die Situation eher gelassen zu sehen. „Auf dem deutschen Markt führt so gut wie niemand einen Jailbreak durch oder rootet sein Smartphone. Der Anteil des Schwarzmarktes fällt so kaum ins Gewicht.“
Linux- und fortgeschrittene OS X-Nutzer dürften den Begriff Root und Root-Nutzer am besten verstehen. Denn Android basiert auf dem Open-Source-Betriebssystem Linux. Nutzer erhalten mit Root ein komplett offenes und anpassbares System. „Bevor jemand sein Gerät rootet, sollte er sich seiner Verantwortung bewusst sein“, sagt Amin Hammami. Fortan lassen sich etwa auch Systemdateien löschen. Der User muss genau wissen, welche Einstellungen er vornimmt, damit sein Handy auch funktionstüchtig bleibt, nicht ständig abstürzt oder wegen eines überhitzen Prozessors in Rauch aufgeht.
Sicherlich sind die angepassten Betriebssysteme der Smartphone-Hersteller nützlich und funktional. Doch die Geschmäcker sind verschieden. Manche Nutzer möchten mehr Zugriffsrechte, um Ihr Smartphone an ihre Bedürfnisse anzupassen. Auch der mangelnde Update-Support seitens der Hersteller, lässt zu wünschen übrig. Bis sie die ersten Updates auf Android 4.0 bereitstellten, vergingen Monate. Da hatten Root-User das Betriebssystem Ice Cream Sandwich längst auf ihrem Mini-Computer installiert.
Auch die Bevormundung seitens der Hersteller lässt einen schlechten Beigeschmack zurück. Über das werksseitige Betriebssystem steht den Nutzern nur ein einziger Android Market zur Verfügung: Nämlich Google Play Das Prinzip der freien Marktwirtschaft wird mit dieser Monopol-Geschäftspolitik ausgehebelt. Der Erfolg der Blackmarkets ist also auch dem Monopol-Denken der Hersteller zu danken.

Nach dem Root zum Schwarzmarkt

Nachdem das Smartphone entsperrt ist, lassen sich die App Clients der Black Markets, wie Blackmart, Applanet, Snappzmarket 2.0, Boerse, Appcake, Panda App und viele mehr installieren. Das geht so einfach, wie die übliche App-Installation. Der App Client „Blackmart Alpha“ verlangt allerdings einige Zugriffsrechte wie „Persönliche Informationen – Logdateien auslesen“. Die zahlreichen Youtube-Tutorials gehen darauf gar nicht erst ein:  „Einfach nur bestätigen“, heißt es dort.
Die Frage, welche Zugriffsrechte die App verlangt und ob diese für die Funktionalität benötigt werden, müssen Nutzer selbst beantworten. Von Seiten der App Markets stehen unter dem Reiter Zugriffsrechte nur sehr allgemeine Informationen zur Verfügung. Das liegt vor allem an dem Open-Source-Prinzip. Apps kann im Prinzip jeder selbst  entwickeln und auf den App-Märkten hochladen.
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