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Wie sich die Banken auf Bitcoins stürzen

27.11.2015 | 10:05 Uhr |

Die digitale Währung Bitcoin wurde von den Banken erst bekämpft und jetzt als große Chance neugierig beäugt. Die echte digitale Revolution steht den Banken aber noch bevor.

Online-Banking, berührungsloses Bezahlen oder gar der Geldchip auf der EC-Karte: Das Internetzeitalter hat bei den Banken bisher keine bahnbrechenden Änderungen bewirkt. Doch das könnte sich nun ändern. Der Grund dafür ist ganz wesentlich die digitale Währung Bitcoin , genauer gesagt, die darunterliegende Technik: die sogenannte Blockchain . Diese Technik kann alle Bezahlvorgänge transparent und sicher machen und lässt die bisherigen Finanz-Tools der Banken ganz schön alt aussehen. Darum dient die einstmals bekämpfte Hacker-Währung nun als Vorlage für eine Buchungs-und Budget-Software, mit der Banken ihr weltweites Finanzsystem besser kontrollieren möchten.

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Bitcoin: Erst bekämpft, dann umworben

Die digitale Währung Bitcoin wurde im Jahr 2008 von Satoshi Nakamoto erfunden. Die ersten 50 Bitcoins errechneten PCs mit einer Open-Source-Software im Januar 2009. Dafür muss die Software damals wie heute zunehmend komplexere Rechenaufgaben lösen.

Die Währung kommt ohne staatliche Regulierung aus, kennt keine Zentralbank und lässt sich politisch kaum beeinflussen. Die Bezahlung wird alleine durch ein Peer-to-Peer-Netzwerk überwacht. Die Protokolltechnik dahinter wird Blockchain genannt. In ihr wird jede Transaktion notiert. Wer von seinem PC aus mit Bitcoins bezahlen möchte, installiert sich eine Bitcoin-Software. Sie verwaltet das Guthaben, nimmt Zahlungen entgegen und überweist Geld an andere. Außerdem ist sie automatisch Teil der Blockchain und protokolliert die Zahlvorgänge des Bitcoin-Systems. Neben dem Betrag und der Uhrzeit wird zudem die IP-Adresse der Zahlungsteilnehmer gespeichert. Wer in der Lage ist, diese gut zu verschleiern, kann Bitcoins weitgehend anonym nutzen. Deshalb wurden Bitcoins Anfang der 2010er Jahre als anonymes Zahlungsmittel im Internet äußerst beliebt.

Als 2013 Finanzinvestoren auf das Bitcoin-System aufmerksam wurden, schoss der Wechselkurs von einem Bitcoin auf weit über 800 Euro und bekam damit ein Gewicht, das Banken und Politik gleichermaßen alarmierte.

2014 hatte das Bitcoin-System dann ein schlechtes Jahr . Immer wieder tauchten Bitcoins in den Nachrichten in Zusammenhang mit illegalen Geschäften auf. Sie dienten und dienen als Zahlungsmittel für Drogen, Waffen und kriminelle Dienstleistungen. Banken und Politiker protestierten gegen die unkontrollierte Währung. Auch viele normale Internetnutzer machten mit Bitcoins unangenehme Bekanntschaft: Wer sich einen Erpresservirus auf dem PC eingefangen hat, sollte sich per Bitcoin-Zahlung davon freikaufen. Der Wert der Bitcoins gegenüber anderen Währungen sank in diesem Jahr um rund zwei Drittel.

Der Wechselkurs der digitalen Währung Bitcoin hat bereits echte Höhen erlebt. Die Banken interessieren sich aber hauptsächlich für die Technik hinter den Bitcoins.
Vergrößern Der Wechselkurs der digitalen Währung Bitcoin hat bereits echte Höhen erlebt. Die Banken interessieren sich aber hauptsächlich für die Technik hinter den Bitcoins.

Die Blockchain fasziniert das Finanzsystem

Durch die starken Kursschwankungen und die eingeschränkten Kontrollmöglichkeiten waren Bitcoins für Banken wenig attraktiv. Doch spätesten seit Anfang 2015 haben Banker die Protokolltechnik, die Blockchain, hinter dem Bitcoin-System für sich entdeckt. Sie wurde speziell für die digitale Währung Bitcoin erfunden. Es ist eine Art direkte Bezahl-und Kontrollfunktion zwischen mehreren Nutzern (Peer to Peer). Die Blockchain kontrolliert den Austausch einer beliebigen Geldsumme. Sie macht jede Transaktion nachvollziehbar, reglementiert Buchungen in bestimmten Bereichen, lässt in anderen Bereichen aber große Freiheiten zu. Trotzdem lässt sich theoretisch von einer zentralen Stelle aus stets das Gesamtbudget im Auge behalten.

Die Blockchain ist somit eine Art digitales Kassenbuch. Das besondere an diesem Kassenbuch: Es kann problemlos von verschiedenen Parteien geführt werden kann. Seine spezielle Verschlüsselung sorgt dafür, dass es gegen Manipulationen unempfindlich ist.

Lauter Gründe, weshalb Banken und Großkonzerne Interesse an der Blockchain haben. Bislang müssen etwa bestimmte Finanzhändler große Geldsummen als Sicherheit hinterlegen. Nur wenn sie am Ende etwa eines Börsentags ihre Transaktionen alle begleichen können, erhalten sie ihre Sicherheitseinlage zurück. Würde für den Handel bestimmter Finanzprodukte ein Blockchain-System eingesetzt, könnte die Sicherungseinlage entfallen oder zumindest niedriger sein. Das soll aber nur eines von vielen, teils sehr verschiedenen Einsatzwecken des Blockchain-Systems sein.

Bitcoins: Infos zur digitalen Währung

Bitcoin ist eine digitale Währung. Hier finden Sie die wichtigsten Antworten zum Thema digitales Geld. In dem Beitrag oben erfahren Sie, was die Banken an Bitcoins interessiert.

Was ist Bitcoin? Bitcoin ist eine digitale Währung, die im Internet in einem Peer-to-Peer-Netzwerk verwaltet wird. Bitcoins haben viel Ähnlichkeit mit Bargeld. Es lassen sich damit anonym Waren und Dienstleistungen bezahlen. Jeder mit einem PC und Internetanschluss kann mitmachen. Weder Staaten noch Banken haben einen Einfluss auf das Bitcoin-System, weshalb es auch für zwielichtige Geschäfte genutzt wird.

Wer hat die digitale Währung namens Bitcoin erfunden? Das Bitcoin-Konzept wurde erstmals von Satoshi Nakamoto im Jahr 2008 beschrieben. Über Nakamotos Person ist darüber hinaus fast nichts bekannt. Seit 2009 lassen sich Bitcoins mit einer Software erzeugen, die komplexe mathematische Aufgaben lösen können muss.

Kann ich Bitcoins auch selber berechnen? Grundsätzlich ja. Dieser Vorgang nennt sich Mining. Das Bitcoin-Konzept sieht aber vor, dass die nötigen Berechnungen für ein Bitcoin immer komplizierter werden. Damit soll unter anderem eine Inflation verhindert werden. Im Test konnte der PC des Autors in 13 Stunden nur 0,0000568 Bitcoins berechnen.

Wie steht es um die Sicherheit? Bitcoins sind wie Bargeld – wer sie hat, kann sie ausgeben. Sichern Sie also Ihre Bitcoin-Wallet mit einem starken Passwort, halten Sie Ihr System aktuell, und nutzen Sie einen Virenscanner. Zudem sollten Sie lokale Wallets vorziehen – Online-Wallets werden gerne attackiert. Von Moritz Jäger

Das soll die Blockchain für Banken leisten

Nachdem die Banken die Blockchain als Chance erkannt haben, hielten sie zunächst Ausschau nach der einen Killeranwendung – dem Dreh, mit dem sich die neue Technik schnell und erfolgreich im Finanzsektor durchsetzen kann. Diese Anwendung hat allerdings noch keiner gefunden. Stattdessen glaubt man heute, dass sich aus der Blockchain Tools entwickeln lassen, die aktuelle Probleme zumindest etwas besser lösen als bisherige Programme. Aber in einer Branche, in der Milliarden umgesetzt werden, ist eine kleine Verbesserung unter Umständen bereits Millionen wert.

Gleichzeitig sehen sich die Banken heute einer Vielzahl von Start-up-Unternehmen gegenüber, die mit innovativen Produkten an die fetten Margen des Bankgeschäfts wollen. Hierzulande sind das etwa Überweisungen ins Ausland. Banken verlangen dafür teilweise horrende Gebühren. Start-ups bieten dieselbe Leistung für einen Bruchteil der Gebühren an. Das geht natürlich auch ohne den Einsatz einer Blockchain. Das System bietet sich aber für derartige Transfers an.

So klappt Online-Banking wirklich sicher

Als Reaktion auf Blockchain und Start-ups investieren nun die etablierten Finanzunternehmen ihrerseits in Start-ups. So haben im Sommer 2015 neun der großen Banken, darunter Goldman Sachs, JP Morgan, UBS und Credit Suisse, Geld in das Startup R3 Cev gesteckt. R3 bietet heute schon Tools für den Finanzsektor. Das Unternehmen soll aber weitere Programme entwickeln. Zunächst stehen tatsächlich Software-Programme an, die die Milliardentransfers von Großbanken bewältigen können. Gleichzeitig ist R3 eine Chance für eine neue Zusammenarbeit zwischen den eigentlich konkurrierenden Banken.

Nasdaq, die mächtige Firma hinter der gleichnamigen US-Börse Nasdaq, kooperiert seit 2015 mit dem jungen Unternehmen Chain . Auch bei dieser Kooperation geht es um eine weiterentwickelte Version der Blockchain. Diese soll, so der Wunsch, den Transfer von Geld, Aktien, Anleihen und Termingeschäften günstiger, schneller und sicherer machen. Ab wann tatsächlich ein Tool mit eingebauter Blockchain von den etablierten Banken für ihre Millionen-Transfers genutzt wird, ist allerdings noch offen.

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