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Billiger als Zattoo und Co.: Fernsehsignal im Heimnetz streamen

15.11.2015 | 10:09 Uhr |

Von den eingeschränkten Gratisversionen abgesehen kosten die IP-TV-Dienste Magine und Zattoo Geld. Günstiger sehen Sie daheim am Mobilgerät fern über einen TV-Server – der ist schnell aufgesetzt.

Fernsehen übers Internet ist verdammt bequem: Eine App wie die von Zattoo oder Magine installiert, schon kann es am PC oder Mobilgerät losgehen, ohne dass man noch zusätzliche Hardware benötigt. Doch so viel Bequemlichkeit hat ihren Preis. Denn bei den IP-TV-Diensten muss man jeden Monat aufs Neue zahlen, sofern man sich nicht mit der geringen Auflösung und kleiner Senderauswahl der kostenlosen Varianten zufrieden geben möchte.

Günstiger ist es da, einmal 30 Euro in einen zentralen TV-Tuner zu investieren und dann von dort das Live-Fernsehen über das Heimnetz zu streamen. Zu empfangen ist das TV-Programm im WLAN-Bereich des Heimnetzes sowohl auf dem Smartphone und Tablet als auch auf dem PC – besonders komfortabel über Media Center Programme wie Kodi und MediaPortal. Beim Kabelfernsehen stellt der eigene TV-Server eine gute Alternative zum Streaming über den rund 90 Euro teuren Fritz!WLAN Repeater DVB-C dar.

Alles zur Media Center Software Kodi und MediaPortal

Ein günstiger Tuner-Stick genügt zum Fernsehen im WLAN

Voraussetzung zum Streamen ist ein TV-Server, in diesem Workshop realisiert über die kostenlose Media Center Software MediaPortal auf einem gewöhnlichen Windows-PC. Darüber hinaus benötigen Sie eine Empfangs-Hardware, solche TV-Tuner in Form von USB-Sticks gibt es schon für rund 30 Euro. Da nicht alle Tuner alle Empfangsarten unterstützen, achten Sie beim Kauf darauf, ob er das Fernsehsignal empfängt, das in Ihren Haushalt kommt, also DVB-T, DVB-C oder DVB-S2.

Der QuatroStick Nano 522e von PCTV Systems ist ein typischer TV-Tuner-Stick. DVB-T, DVB-C und Analogfernsehen werden unterstützt, nicht dagegen der Digitalempfang über Satellit.
Vergrößern Der QuatroStick Nano 522e von PCTV Systems ist ein typischer TV-Tuner-Stick. DVB-T, DVB-C und Analogfernsehen werden unterstützt, nicht dagegen der Digitalempfang über Satellit.
© PCTV

Installieren Sie MediaPortal auf einem Rechner in Ihrem Heimnetzwerk und wählen Sie beim Setup die Option „Einzelplatz-Installation“. Schließen Sie die Tuner-Hardware an und installieren Sie den zugehörigen Treiber. Anschließend klicken Sie auf das Desktopsymbol „TV-Server Configuration“ und wählen in der Rubrik „TV Servers“ Empfangsart bzw. Empfänger aus. Vervollständigen Sie rechts daneben die Angaben, in unserem Fall des Kabelanschlusses also Land und Kabelprovider.

MediaPortal beinhaltet einen TV-Server, der auf einem PC installiert das TV-Signal ins Heimnetz streamt: ideal zum Fernsehen auf Mobilgeräten oder einem HTPC mit Media Center Software.
Vergrößern MediaPortal beinhaltet einen TV-Server, der auf einem PC installiert das TV-Signal ins Heimnetz streamt: ideal zum Fernsehen auf Mobilgeräten oder einem HTPC mit Media Center Software.

Starten Sie nun die Sendersuche mit einem Klick auf „Scan for channels“. Nach Abschluss der Suche wechseln Sie in die Rubrik „TV Channels“ darunter, die „Channels“-Liste zeigt die frei empfangbaren Sender grün. Die verschlüsselten, rot markierten löschen Sie gegebenenfalls über „Delete“ unter „Scrambled/encrypted Channels“. Radiosender erhalten Sie über „Radio Channels“ auf die gleiche Weise. Praktisch ist zudem der elektronische Programmführer, den Sie links über „EPG -> TV EPG Grabber“ konfigurieren. Falls gewünscht, ändern Sie über „Streaming Server -> IP address used …“ von „auto“ auf eine feste IP-Adresse.

Nach dem automatischen Sendersuchlauf im TV-Server von MediaPortal kann man die Programme sortieren und gegebenenfalls überflüssige Einträge löschen.
Vergrößern Nach dem automatischen Sendersuchlauf im TV-Server von MediaPortal kann man die Programme sortieren und gegebenenfalls überflüssige Einträge löschen.

Schnelle Konfiguration, volle Senderauswahl und Qualität

Im nächsten Schritt installieren Sie das Hilfsprogramm MPExtended und starten die Applikation. Die wichtigste Einstellung in diesem Tool ist der externe Zugriff, den Sie über die Option „Authentifizierung einschalten“ in der Rubrik „Authentification“ aktivieren. Legen Sie hier einen beliebigen Account an („Konto hinzufügen“) an, den vorhandenen „admin“-Eintrag können Sie löschen. Um auf einem Android-Gerät über den TV-Server fernzusehen, installieren Sie die App aMPdroid aus dem Playstore und koppeln MPExtended („QR-Code aufrufen“) und das Mobilgerät. Dazu tippen Sie in der App auf „Neuen Client hinzufügen -> QR Scan“. Je nach Konto- und Sicherheitseinstellungen am PC müssen Sie in MPExtended den Zugriff noch bestätigen.

Musik-Streaming-Dienste für Android im Vergleich

Einen Fernsehkanal auswählen können Sie in der App entweder über „TV -> Kanäle“ oder über „TV -> EPG“. Die (Fern-) Steuerung von Media Portal übernehmen Sie, indem Sie auf der aMPdroid-Oberfläche rechts oben auf das Menüsymbol und „Remote verbinden“ tippen. Das alles funktioniert einfach, man kann beim TV-Programm sogar zwischen dem großen Fernseher und dem Smartphone bzw. Tablet-PC umschalten.

Die Android-App aMPdroid ist nicht nur eine leistungsfähige Fernbedienung, sie lässt sich auch als Client-Software zum Fernsehen auf dem Mobilgerät einsetzen.
Vergrößern Die Android-App aMPdroid ist nicht nur eine leistungsfähige Fernbedienung, sie lässt sich auch als Client-Software zum Fernsehen auf dem Mobilgerät einsetzen.

Bleibt als Fazit festzuhalten: Über den eigenen TV-Server bekommt man all die Sender, die sonst nur der „richtige“ Fernseher empfängt, auch ins Heimnetz – und das in voller Qualität und von der einmaligen kleinen Ausgabe für den Tuner-Stick ohne weitere laufende Kosten.

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