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Tuning für Farbe und Kontrast

07.04.2008 | 11:19 Uhr |

Die Farbkorrekturmethoden in Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop sind historisch gewachsen – und so konkurrieren manche Funktionen um das gleiche Ziel. Einige Unterschiede gibt es trotzdem.

Vorsicht Sägezahn: Ein Blick auf das Histogramm verrät Ihnen anhand des typischen Kurvenverlaufs, dass dieses Bild über eine Tonwertkorrektur nachträglich verändert wurde
Vergrößern Vorsicht Sägezahn: Ein Blick auf das Histogramm verrät Ihnen anhand des typischen Kurvenverlaufs, dass dieses Bild über eine Tonwertkorrektur nachträglich verändert wurde
© 2014

Von Mike Schelhorn und Markus Weber (vo)

Zu flau, zu dunkel, farbstichig: Wie man diese Mängel aus Bilddateien entfernt, will gelernt sein. Bildbearbeitungsprogramme bieten dafür einige Werkzeuge, mit deren Hilfe Sie die Farben des Bildes in den Griff bekommen. Einige davon arbeiten eher grob, mit anderen ist Feinjustage (und manchmal nur sie) möglich. Doch bevor Sie zu diesen Korrekturfunktionen greifen, sollten Sie das Bild analysieren.
Auch der Farbmodus, in dem Sie die Bilder korrigieren, ist verantwortlich für die Güte des Ergebnisses. Welches Repertoire Photoshop & Co. zur Farbkorrektur aufweist und zu welchen Werkzeugen Sie am besten greifen, verrät dieser Artikel.

1. Überlegungen vor der Korrektur
Um sich einen nicht nur visuellen Eindruck von den Tonwerten eines Bilds zu verschaffen, wählen Sie die Funktion „Tonwertkorrektur“, mit der Sie korrigierend ins Motiv eingreifen. Im zugehörigen Dialogfenster findet sich eine Histogramm-Darstellung der Tonwertverteilung, die Auskünfte über Beschaffenheit und Fehler des Bilds gibt. So erkennen Sie am Histogramm zum Beispiel das so bezeichnete Clipping. Hierbei bilden die hellste (reines Weiß) und/oder dunkelste Tonwertstufe (reines Schwarz) die Tonwerte vieler Bildpixel. Dies führt zu Bildstellen ohne Bildinformation und lässt sich nicht mehr korrigieren.

Eine Histogrammdarstellung findet sich auch in vielen Scanprogrammen. Generell sollten Sie allerdings bereits beim Scannen von Bildvorlagen die Korrekturfunktionen der Scanprogramme ausnutzen, anstatt sich auf Photoshop & Co. zu verlassen. Ein Grund ist, dass Scanprogramme die mittlerweile übliche Farbtiefe von 48 Bit (16 Bit pro RGB-Farbkanal) ausnützen können.
Gescannte Bilder stehen in Photoshop hingegen meist mit 24 Bit Farbtiefe bereit – das bedeutet ein deutliches Weniger an Bildinfos gegenüber 48 Bit. Muss bei dieser Farbtiefe stark korrigiert werden, können Tonwertverluste auftreten. Arbeitet man mit 16 Bit pro Kanal, stehen weniger Werkzeuge zur Farbkorrektur bereit als im normalen Modus mit 8 Bit pro Farbkanal. Dazu kommt, dass Scanergebnisse oder Digitalkamerabilder in der Praxis meist nicht in 16 Bit vorliegen. Eine nachträgliche Moduswandlung bringt qualitativ nichts und steigert nur die Dateigröße.

2. Was Sie über Farbräume wissen sollten
Neben der Farbtiefe ist auch der Farbraum für Farbkorrekturen und -modifikationen wichtig. Die zwei wichtigsten Farbräume sind RGB und CMYK, wobei der zweite allein für die Druckwiedergabe dient und ein kleineres Farbspektrum aufweist als RGB. Mit den neueren Photoshop-Versionen sollten Sie auch bei Bildern, die für den professionellen Druck vorgesehen sind, die Farben in RGB korrigieren, wenn Sie sie in diesem Farbraum geliefert bekommen. Spätestens seit Version 6.0 kann Photoshop nämlich für RGB-Bilder die Farbwiedergabe im Druck am Bildschirm zuverlässig simulieren. Dazu rufen Sie die Funktion „Farbproof“ aus dem Menü „Ansicht“ auf. Wer für den Druck keine eigenen Farbseparationsprofile eingestellt hat, wählt zudem in den Farbeinstellungen „Standard für Druckvorbereitung - Europa“.

3. Histogramm analysieren
Das Histogramm, das Photoshop bei der Tonwertkorrektur oder über den Befehl „Histogramm“ anzeigt, verrät einiges über den Zustand einer Bilddatei. Hier zwei Praxisbeispiele, wie Sie die Tonwertverteilung richtig interpretieren:
Keine Mitteltöne: Es sind nur wenige Bildpunkte im Bereich der Mitteltöne. Dies ist häufig bei Gegenlichtaufnahmen der Fall, die starke Kontraste aufweisen. Ansonsten ist die Tonwertverteilung durchgehend und glatt – ein Hinweis darauf, dass die Bilddatei nicht digital bearbeitet wurde. Eine Kontrasterhöhung ist in der Regel nicht mehr notwendig.
Sägezahn: An diesem Histogramm erkennen Sie, dass das Bild nachträglich aufgehellt oder abgedunkelt wurde. Dabei wurden Tonwertstufen von dunkel nach hell umverteilt: In den dunklen Bildpartien sind etwa weniger Tonwertstufen besetzt, dafür wurden zusätzlich Bildpunkte im helleren Bildbereich „draufgepackt“. In Bildern mit solchen Histogrammen können sichtbare Tonwertabrisse auftreten.

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