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Besserer Ruhezustand für Linux: Tux on Ice

11.12.2013 | 13:09 Uhr |

Im Hibernation-Modus schreibt Linux den Arbeitsspeicher auf die Festplatte, um später mit dem gesicherten Zustand weiterzuarbeiten. Die Kernel-Ergänzung namens Tux on Ice bietet einen besseren Ruhezustand.

Hibernation, also Suspend-to-Disk, ist seit Kernel 2.6 auch mit Linux möglich und besonders bei Notebooks nützlich. Anders als im Standby-Modus, bei dem der Speicherinhalt im RAM verbleibt und weiterhin auf eine Energieversorgung angewiesen ist, geht das System in einen festplattengestützten Ruhezustand und kann sich anschließend ganz abschalten. Diese Ausgabe erledigt beim Standard- Kernel die Erweiterung Swswap, die im Ruhezustand die vorhandene Swap-Partition nutzt. Unser Beitrag erklärt dessen Weiterentwicklung Tux on Ice .

Tux on Ice: Schlafende Pinguine

Tux on Ice bietet einige Vorteile und Erweiterungen für bessere Konfiguration und Steuerung des Ruhezustands. Tux on Ice nutzt ebenfalls die Swap- Partition auf Festplatte, kann aber auch mit einer Auslagerungsdatei umgehen. Generell sind der Wechsel in den Ruhezustand und das Aufwachen schneller und werden von einer Fortschrittsanzeige begleitet, die auch einen Abbruch und Neustart erlaubt. Für PCs mit ordentlicher Rechenleistung beziehungsweise mehreren CPU-Kernen ist eine Kompression des Speicherabbilds mit dem LZO-Algorithmus möglich, der Multithreading unterstützt. An die Hardware hat Tux on Ice keine besonderen Anforderungen: Wenn das normale Suspend-to-Disk des Kernels über das standardmäßige Swswap funktioniert, leistet auch Tux on Ice gute Dienste.

Die Installation: Für Ubuntu und Konsorten bietet ein PPA (inoffizielles Repository) einen fertig gepatchten Kernel mit Tux on Ice als flott installiertes Paket an.
Vergrößern Die Installation: Für Ubuntu und Konsorten bietet ein PPA (inoffizielles Repository) einen fertig gepatchten Kernel mit Tux on Ice als flott installiertes Paket an.

Viele Distributionen bieten es über inoffizielle Paketquellen als nachinstallierbare Kernel-Erweiterung an, wobei Sie dann nichts selbst kompilieren müssen. Um herauszufinden, wie es beim eigenen System um den Ruhezustand per Swswap bestellt ist, lässt sich dieser testweise auf Kommando aktivieren. Geben Sie dazu in einem Terminal-Fenster den Befehl

sudo pm-hibernate

ein. Unterstützt das System den Ruhezustand, wozu zumindest eine Swap-Partition von der Größe des installierten RAMs nötig ist, dann wird der Bildschirm anschließend schwarz, das System legt eine Denkpause von mehreren Sekunden ein und schaltet sich dann aus.

Erweitertes Menü: Ist der Ruhezustand in Ubuntu eingeschaltet, findet sich dieser neue Menüpunkt in den Ausschaltoptionen von Unity.
Vergrößern Erweitertes Menü: Ist der Ruhezustand in Ubuntu eingeschaltet, findet sich dieser neue Menüpunkt in den Ausschaltoptionen von Unity.

Beim anschließenden Neustart belassen Sie die Standardauswahl im Boot-Manager, und der Kernel wird während des Boots den gesicherten Zustand wieder von der Festplatte lesen, um den vorigen Speicherinhalt wiederherzustellen. Die Funktionsweise von Tux on Ice ist ähnlich, aber schneller. Zudem wird der Dateisystem-Cache mitgesichert und wieder eingelesen, was auch nach dem Aufwecken ein flottes System garantiert. Der Haken: Tux on Ice müssen Sie auf eigene Faust nachinstallieren. Denn für Fortschrittsanzeige: Unter Fedora bietet Tux on Ice diese Statusanzeige, unter Ubuntu eine Fortschrittsanzeige im Textmodus. den stabilen Zweig des Kernels hat Tux on Ice von Linus Torvalds keine Freigabe erhalten, da es sowieso genügend Baustellen in der Kernel-Entwicklung gibt und ein weiterentwickelter Ruhezustand aktuell keine Priorität hat.

Tux on Ice installieren

Der verbesserte Ruhezustand kommt als gepatchter Kernel auf das System. Dies ist zwar kein kleiner Eingriff, bei Ubuntu, Mint und Co ist dieser aber dank eines inoffiziellen Repositories (PPA) für die aktuellen Ubuntu-Versionen 13.04 und 12.04 LTS keine langwierige Angelegenheit. In der Shell nehmen Sie mit den Befehlen

sudo add-apt-repository ppa:tuxonice/ppa
sudo apt-get update
sudo apt-get install tuxoniceuserui linux-generic-tuxonice linux-headers-generic-tuxonice

insgesamt drei Pakete inklusive einer Kernel-Version mit aktiviertem Tux on Ice. Dieses PPA wird Ihr System auch weiterhin mit Kernel-Updates versorgen – falls verfügbar. Nach der Paketinstallation ist ein Neustart nötig. Wenn Sie jetzt

sudo pm-hibernate

eingeben, wird Tux on Ice aktiv, versetzt das System in den Ruhezustand und zeigt einen Fortschrittsbalken im Textmodus an.

Mit der Eingabe von dmesg in einem Terminal-Fenster können Sie sich die Meldungen von Tux on Ice anzeigen lassen. Auch Fedora-Nutzer erhalten einen passenden Kernel auf dem Silbertablett: Im inoffiziellen Repository ATrpms finden sich passende Pakete für Tux on Ice. Wer bereits ein dazu inkompatibles Repository wie Rpmfusion verwendet, bekommt maßgeschneiderte Pakete für alle Fedora-Versionen auch vom Entwickler Matthias Hensler. Unter Fedora können Sie außerdem die Einstellungen von Tux 0n Ice über die Konfigurationsdatei „/etc/hibernate/ tuxonice.conf“ anpassen, während es bei Ubuntu mit Standardeinstellungen vorkonfiguriert ist. Anwender von Open Suse und Debian müssen den Kernel-Patch von der Projektwebseite selbst einpflegen und den Kernel neu übersetzen.

Den Ruhezustand konfigurieren

Bequem schlafen legen: In Ubuntu können Sie einen passenden Menüpunkt für den Ruhezustand auch unter Unity mit einer Ergänzung der Konfigurationsdateien nachrüsten.
Vergrößern Bequem schlafen legen: In Ubuntu können Sie einen passenden Menüpunkt für den Ruhezustand auch unter Unity mit einer Ergänzung der Konfigurationsdateien nachrüsten.

In Ubuntu und dessen Abkömmlingen müssen Sie einen Menüpunkt für den Ruhezustand noch freischalten, da ein Umweg über die Kommandozeile mit pm-hibernate zu umständlich wäre. Dazu erstellen Sie eine neue Konfigurationsdatei mit dem Befehl

sudo -H gedit /etc/polkit-1/ localauthority/50-local.d/com. ubuntu.enable-hibernate.pkla

der den Texteditor Gedit mit root- Rechten öffnet. Hier geben Sie die folgenden drei Zeilen ein:

Identity=unix-user:*
Action=org.freedesktop.upower. hibernate
ResultActive=yes

Danach ist nur noch mal ein Neustart nötig, und der „Ruhezustand“ steht über das Menü zum Herunterfahren zur Verfügung und taucht in den Systemeinstellungen unter „Energie“ auf, um Tux on Ice etwa automatisch beim Zuklappen des Notebooks auszuführen. Generell können Sie Tux on Ice aber auf jedem PC nutzen, auch auf Desktop-Rechnern. Nur müssen Sie den Ruhezustand dort manuell über das Power-off-Menü auswählen.

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