Im Moment beobachtet Facebook die heftigen Gegenreaktionen und Diskussionen, welche die letzte Datenschutzänderung Ende April ausgelöst hatte, sehr genau. Der öffentliche Aufschrei ließ auch die Politiker in Washington D.C. nicht unbeeindruckt. Es wird rege diskutiert, ob ein Gesetz zum Datenschutz in sozialen Netzwerken auf den Weg gebracht werden soll und ob die US-Kartellbehörde Untersuchungen zur Daten-Management-Praxis von Facebook und Google anstrengen sollen.
Obwohl Facebook eher dafür bekannt ist nach vorne zu preschen und dann später mit vielen Entschuldigungen zurück zu rudern, anstatt erst einmal die Situation zu überprüfen und eine Machbarkeitsstudie anzustellen, ist es im Moment sehr unwahrscheinlich, dass Facebook in naher Zukunft versuchen, wird große Datenmengen an PII zu lizenzieren und Marketingabteilungen anzubieten. Die Luft um Facebook und deren Daten ist im Moment so geladen, dass Zuckerberg gute Gründe hat, in nächster Zeit sehr vorsichtig zu agieren.
Wenn Facebook plötzlich damit anfinge Direkt-Marketing auf Basis der PII anzusetzen, dann könnte dies in einen wahren Nutzer-Aufstand münden, dem eine Klagewelle und schließlich Regierungsinterventionen folgen würde.
Also wartet Facebook gespannt ab wie sich die Stimmungslage in der aktuellen politischen Debatte entwickelt. Außerdem muss abgewartet werden was aus dem Datenschutzgesetz für soziale Netzwerke wird und in wieweit sich die Kartellbehörde in die Angelegenheiten von Facebook und Google einmischen wird.
Ein Großteil der Online-Werbeindustrie hofft frei von Regularien jeglicher Art zu bleiben und ungehindert von rigiden Gesetzen aus dem Kongress weiterarbeiten zu können.
Das kürzlich an den Tag gelegte Verhalten von Facebook hat die Werbe- und Regulierungs-Communitys zu einem Datenschutz-Showdown geführt. Nun, da sich der Staub über dem Schlachtfeld langsam legt und jeder, Konsumenten, Gesetzgeber, Internet-Werbefachleute und Datenschutzgruppen seine Argumente vorbringen konnte, werden wahrscheinlich Gesetze erlassen, welche Facebook aufzeigen werden welcher Spielraum für die verfolgte Marketingstrategie verbleibt. Die Zukunft des Unternehmens hängt davon ab die richtige Balance zwischen den Datenschutzerwartungen der Nutzer und der Qualität der sozialen Marketing-Daten, welche den Geschäftspartnern zur Verfügung gestellt werden, zu finden.
Nachtrag: Der Facebooksprecher Jonny Thaw hat zum Artikel Stellung bezogen: "Ich möchte hervorheben, dass Facebook keine persönlichen Nutzerinformationen mit Marketingunternehmen teilt. Die Zielgruppensuche für Facebook-Werbung erfolgt aus gänzlich anonymisierten Daten. Wenn Werbeauftraggeber eine demographische Zielgruppe für ihre Werbung bestimmen, dann sucht Facebook automatisch nach Nutzern, zu denen die demographischen Daten passen. Werbefachleute erhalten lediglich anonymisierte Datenberichte. Darum haben wir nie, und planen es auch nicht, große Stücke des "Sozialen Graphen" an große Internet-Marketingunternehmen zu verkaufen oder Lizenzgebühren dafür zu verlangen."
Der Originalartikel stammt von Mark Sullivan. Ein Autor bei unserem Schwestermagazin PCWorld.
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