04.12.2010, 07:04

Hans-Christian Dirscherl

Beispiel für kostenpflichtige App: Navigon Mobile Navigator

Eine empfehlenswerte Navigations-App für Android-Smartphones ist Navigon Mobile Navigator. Die Dach-Version kostet 39,95 Euro, für ganz Europa werden 89,95 Euro fällig. Kunden der Deutschen Telekom kommen in den Genuss der Navigon select Telekom Edition, die in der Grundversion kostenlos ist und sich durch kostenpflichtige Zusatzpakete erweitern lässt.
Navigons Navigations-App bietet alle typischen Navigationsfunktionen wie Sprachsteuerung, 3D-Ansicht, Spurwechsel-Assistent, Geschwindigkeitsassistent, Radar-Warner, aber auch Fußgänger-Navigation sowie Google Local Search. Eine pfiffige Neuerung beim MobileNavigator ist der Reality Scanner. Dabei handelt es sich um eine Augemented Reality-Funktion, die auf dem Kamera-Bild des Smartphones POIs aus der Umgebung einblendet.
Natürlich gibt es auch beim Navigon Mobile Navigator Live-Services, das so genannte Traffic Live (es steht in folgenden Staaten zur Verfügung: Deutschland, Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Norwegen, den Niederlanden, Schweden und Großbritannien). Deren wichtigster Inhalt sind die Stau-Warnungen. Die Verkehrsinformationen lassen sich sortieren nach Entfernung zum Aufenthaltsort, nach Straßen und nach Zeitverlust.
Navigon MobileNavigator bietet auch sonst umfangreiche Einstellmöglichkeiten. So können Sie Ihr Geschwindigkeitsprofil festlegen: Hier unterscheiden Sie nicht nur zwischen PKW und Fußgänger, sondern können auch LKW, Motorrad und Fahrrad wählen. Allerdings wissen wir nicht, ob bei der Auswahl LKW auch tatsächlich berücksichtigt wird, ob bestimmte Unterführungen oder Tunnels oder enge Gassen nicht für LKWs befahrbar sind. Unter "Art der Route" legen Sie fest, ob Sie die schnellste Route oder die kürzeste Route fahren wollen. Für die Urlaubsplanung und besonders für Cabrio-, Oldtimer- und Motorradfahrer interessant: Auch landschaftlich schöne Routen lassen sich auswählen. Sie können zudem Autobahnen, Mautstraßen und Fähren ausschließen und explizit Anliegerstraßen erlauben.
Die Radarinfo können Sie ein- und ausschalten. Ist diese Funktion aktiviert, so warnt Sie das Navi mit einem "Achtung", wenn Sie eine Geschwindigkeitsbegrenzung überschreiten. Sie können genau festlegen, ab welchem Grad der Überschreitung diese Warnung ertönen soll.
Navigon Mobile Navigator spürt auch Sonderziele wie Tankstellen, Parkplätze und Restaurants für Sie auf und routet Sie dorthin. Als angenehm empfanden wir die automatische Tag-/Nacht-Umstellung des Displays. Gut gefiel uns Reality View Pro: An Autobahnkreuzen blendet Navigon Mobile Navigator fotorealistisch aussehende Verkehrsschilder ein.
Nach dem Start einer Routenberechnung bekommen Sie alle ermittelten Routenalternativen angezeigt, wobei eine Route favorisiert wird (NAVIGON MyRoutes). Diese - oder eine der Alternativen - können Sie per Fingertipp annehmen. Sofort beginnt die Navigation. Wird das GPS-Signal während des Routings unterbrochen, weil Sie in einen Tunnel fahren, so nimmt es Navigon nach Verlassen des Tunnels sofort wieder auf.
Die Text-to-Speech-Funktion klappte reibungslos, die Ansagen kamen immer rechtzeitig und wohldosiert. Nach dem Start der App dauert es allerdings einige Zeit, bis Navigon einsatzbereit ist. Tempo-Limits wurden des Öfteren falsch angezeigt. Ärgerlich: es gibt keine Textanzeige der Route, man kann sich also nicht exakt über die einzelnen Stationen vergewissern - das kann Google Maps besser. Die Sprachausgabe empfanden wir als etwas leise, sie ist aber verständlich, so lange das Radio nicht zu laut läuft.
Sobald Navigon startet, beginnt Sie die Stimme zu führen. Mobile Navigator blendet zudem die Entfernung in Kilometer, die voraussichtliche Ankunftszeit und aktuelle Tempo-Limits auf dem Bildschirm ein. Sie können jederzeit zwischen 2D- und 3D-Ansicht wechseln.
Erkennt Mobilenavigator anhand der Verkehrslage-Informationen, dass es zu spürbaren Behinderungen auf der gewählten Strecke kommt, so ermittelt die Software selbstständig eine neue Route, sofern es das Straßennetz zulässt. Bei einer nächtlichen Testfahrt lotste uns Navigon am Autobahn-Dreieck Hallertau von der überlasteten A9 runter und über etliche mitunter winzige Straßen quer durch das Hopfenanbaugebiet der Hallertau. Ob wir dadurch tatsächlich Zeit gespart haben, können wir nicht beurteilen. Aber Navigon brachte uns in der Tat erst wieder auf die A9 zurück, als die Staustelle hinter uns lag. Allerdings gibt Navigon MobileNavigator in Zusammenhang mit der Routen-Neuberechnung aufgrund der aktuellen Straßenlage auch Anlass zur Kritik. Die Software nervt nämlich in regelmäßigen Abständen mit dem Hinweis, dass es aufgrund der aktuellen Verkehrslage die Route neu berechnet. Dabei wird die aktuelle Routenansicht unterbrochen. Nach wenigen Sekunden steht Navigon zwar wieder zur Verfügung - nur ohne dass es tatsächlich eine neue Route berechnet hat!
Die App genehmigt sich bei der Installation Vollzugriff auf nahezu alle Daten auf dem Smartphone. Um MobileNavigator auf Ihrem Gerät installieren zu können, benötigen Sie je nach Kartenkonfiguration bis zu 2 GB freien Speicherplatz.
Übrigens: Tomtom, eine der führenden Hersteller von Navigationsgeräten, glänzt bei Android durch Abwesenheit. Für das iPhone hält Tomtom dagegen eine durchaus leistungsfähige Navi-App bereit, die den Benutzer sogar zu einem auf einem Foto dargestellten Ort lotsen kann, sofern dessen Geodaten im Foto hinterlegt sind.
Update 12.11., 15.00 Uhr:
Wir hakten bei Navigon nach und baten um eine Stellungnahme zu drei Schwachpunkten, die uns bei Navigon Mobile Navigator aufgefallen sind. Navigons Antwort kam prompt:
* Die berechnete Route wird nicht als Textliste mit den einzelnen Stationen angezeigt. Das sehe ich doch so richtig? Man hat also nur die Kartendarstellung zur Verfügung, um sich einen Überblick zu verschaffen?
Die berechnete Route wird in der Tat in Form einer Übersichtskarte angezeigt. Von der Kartenansicht gelangt man mit einem Klick auf die Karte in den "shift map mode". Dort befindet sich in der rechten unteren Ecke ein Routensymbol. Mit einem Klick auf dieses Symbol kann die Übersichtkarte der berechneten Route aufgerufen werden.

* Von Hand kann man MobileNavigator nicht anweisen, eine Ausweichroute zu ermitteln?
Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten, den MobileNavigator eine Ausweichroute berechnen zu lassen. Die wohl simpelste Variante ist es, einfach die berechnete Route zu verlassen und anders zu fahren. In diesem Fall kann es passieren, dass der Fahrer zunächst noch aufgefordert wird zu wenden, um auf die ursprünglich berechnete Route zurückzukehren.
Eine Alternative ist es, während der Navigation über das Menü den Punkt "Route" aufzurufen und "Sperrung" auszuwählen. Hier kann der Nutzer stufenweise bis zu 10 Kilometer des vorausliegenden Streckenabschnitts sperren, diese werden dann vom MobileNavigator gemieden.
Die wohl komfortabelste Lösung bietet die Funktion "NAVIGON MyRoutes": Diese Funktion zeigt Ihnen vor Fahrtbeginn 3 Routen zur Auswahl an. Je nachdem, welcher Fahrertyp Sie sind, empfiehlt Ihnen NAVIGON MyRoutes die beste Route - zugeschnitten auf Ihren persönlichen Fahrstil, den Wochentag und die Tageszeit.

* Wieso unterbricht Navigon immer wieder für wenige Sekunden die Navigation mit dem Hinweis, dass aufgrund der Verkehrslage eine neue Route berechnet wird und kommt dann unverändert zur bisherigen Route zurück. Sprich: Es wird keine neue Route berechnet. Das ist doch sehr störend und zudem verwirrend.
Während der Navigation ruft der Mobile Navigator mit Traffic Live Verkehrsinformationen ab und aktualisiert diese streckenbezogen. Traffic Live berücksichtigt dabei nicht nur die Daten, die sich direkt auf die berechnete Route beziehen, sondern auch nahe gelegene Ausweichmöglichkeiten. Kommt das System auf Basis der aktuellen Streckeninformationen zu dem Schluss, dass eine andere Route den Nutzer schneller ans Ziel führt, berechnet es eine neue Route. Insbesondere in verkehrsreichen Gegenden und zu Zeiten mit erhöhtem Verkehrsaufkommen kann es daher regelmäßig zu den beschriebenen kurzen Unterbrechungen kommen

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