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Automobil-Hersteller vs Google und Apple - wer sitzt am Steuer?

22.04.2014 | 09:46 Uhr |

Apple, Google und auch Microsoft drängen massiv ins Auto. Die etablierten Automobil-Hersteller sehen sich in ihrer Herrschaft über das Auto bedroht. Welches Unternehmen sitzt künftig hinterm Steuer?

Die Automobilbranche ist in Aufruhr: Über das Infotainment-System drohen IT-Riesen wie Apple und Google mehr und mehr Einfluss auf das Ökosystem rund um das Zukunftsthema Connected Cars zu erhalten. Das Problem: Um die veränderten Erwartungen ihrer Kunden hinsichtlich Inhalte und Apps zu erfüllen, sind die Automobilhersteller zunehmend auf Kooperationen angewiesen.

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Die IT-Schwergewichte Apple und Google treten immer häufiger auch auf Veranstaltungen in den Vordergrund, wo man sie gar nicht so recht vermutet - und ohne, dass ein Sprecher oder wenigstens ein Vertreter der Unternehmen vor Ort ist. So auch bei der Telematics-Update-Veranstaltung "Content and Apps for Automotive Europe 2014" , die vergangene Woche in München stattfand.

Apple stellt CarPlay für Autos vor

Der Grund: Beide IT- und Internet-Player hatten im vergangenen Monat Lösungen vorgestellt, mit deren Hilfe die Anwender ihre Smartphones-Apps auch auf den In-Car-Infotainment-Systemen ihrer Fahrzeuge nutzen können. Dabei ist es nicht allzu abwegig, dass Apple und Google " CarPlay " beziehungsweise "Projected Mode" ( Microsofts Windows for Cars wurde erst frisch vorgestellt) als Werkzeug einsetzen könnten, um eine Führungsrolle beim Thema Connected Car einzunehmen.

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Auch bei den Vorträgen und Diskussionen war diese Vorstellung allgegenwärtig. Holger Weiss, CEO vom Internet-Radio-Portal Aupeo , stellte Apple und Google zusammen mit Microsoft, Amazon und Facebook auf einem Slide in seiner Präsentation als trojanisches Pferd dar, das bereit ist, in die Walled Gardens einzudringen, die die der Autohersteller um ihre noch jungen und typischerweise sehr teuren Connected-Car-Ökosysteme, die auf Namen wie zum Beispiel Audi Connect, BMW ConnectedDrive oder Mercedes Comand Online hören, errichtet haben.

Eine entsprechende Warnung schickte Weiss gleich hinterher: Die Fahrzeughersteller kontrollierten zwar Themen wie Location, Sicherheit, Telematik, Nutzerdaten oder Infotainment. Sie könnten aber nicht das Ökosystem rund um diese Themen kontrollieren, da der Nutzer dies als Einschränkung seines Lebensstils empfinden würde. Um den Wünschen der Autokäufer zu entsprechen, müssten die Hersteller die richtige Umgebung schaffen und Drittanbietern die technischen Möglichkeiten bieten, fast uneingeschränkt zuzuarbeiten.

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Jörg Lützner, Head Portfolio & Innovation Management beim Automobilzulieferer Continental AG, vertrat in einem Panel zum Thema "Apps und Big Data" eine ähnliche Ansicht. Sicher sehe er Apple und Google als Bedrohung, holte er aus, aber: "Können wir sie bekämpfen?" Er habe da seine Zweifel, erklärte Lützner. Weil es unmöglich sei, gegen sie zu arbeiten, stelle er sich die Frage, wie man mit ihnen zusammenarbeiten könne.

CarPlay und Projected Mode: Nur zwei Optionen unter vielen

Gegenentwurf von Jaguar und Land Rover: InControl Apps
Vergrößern Gegenentwurf von Jaguar und Land Rover: InControl Apps
© Jaguar/Land Rover

Derzeit ist es sicher noch zu früh für Spekulationen, wie das Rennen um die Vorherrschaft im Bereich Connected Cars ausgeht. Aktuell sind CarPlay und Projected Mode nur zwei von vielen Lösungen, die Autohersteller einsetzen können und - wie mehrere Sprecher während der Veranstaltung betonen - alles andere als perfekt.

Peter Virk, Head of Connected Technologies and Apps bei Jaguar Land Rover, etwa sieht bei Carplay und Projected Mode gleich zwei große Probleme: Zum einen böten sie Nutzern von Android oder iOS keinen einheitlichen Look and Feel, gleichzeitig habe der Hersteller keinerlei Kontrolle über die genutzten Apps und Inhalte. Als Alternative nutzt Jaguar Land Rover InControl Apps, eine Android- und iOS-kompatible Smartphone-Integrationsplattform, die native Apps, Anwendungen von Drittanbietern sowie den Sprachassistenten Winston einschließt.

Basis von InControl Apps ist die White-Label-Lösung MySpin
Vergrößern Basis von InControl Apps ist die White-Label-Lösung MySpin
© Jaguar/Land Rover

InControl repliziert im Großen und Ganzen die Inhalte vom Smartphone in passender Form auf dem 8-Zoll-Display, greift aber auch Informationen vom Fahrzeug ab, etwa vom GPS oder dem Tag/Nacht-Sensor. Da InControl auf der White-Label-Lösung MySpin von Bosch SoftTec basiert, haben Entwickler einen größeren Anreiz, passende Apps zu entwickeln. Gleichzeitig behält der Fahrzeughersteller aber über ein Whitelisting-Prinzip die Kontrolle über die Inhalte im Auto.

Auch wenn die Informationen zu Apple CarPlay und insbesondere Googles Projected Mode noch nicht sehr umfangreich sind, war man sich auf der TU-Veranstaltung darin einig, dass man von einer Zusammenarbeit mit den IT-Riesen deutlich profitieren könnte. Apple und Google besäßen nicht nur eine enorme Kundenbasis bei Smartphones sowie eine wertvolle Marke, führte Mark Pendergrast, Produktmanager bei Inrix , als Vorteile auf. "Sie können Kunden zum Händler bringen und dabei helfen, ein Auto zu verkaufen". Hinzu komme, dass sie beide eine schlüsselfertige Lösung lieferten und damit die auf Seiten der Hersteller nötigen Investitionen senken. Außerdem gebe es noch zahlreiche andere Vorteile einer bereits bestehenden Plattform.

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