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Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

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Android als Armatur in das Auto integrieren

17.06.2014 | 11:09 Uhr |

Infotainment spielt im Auto eine immer größere Rolle. Apple kommt mit Car Play, und auch Android hat mit der Open Automotive Alliance (OAA) einen starken Befürworter. Das Ziel: Android soll ins Auto!

Als Audi, General Motors, Google, Honda, Hyundai und Nvidia auf der CES 2014 ihren Zusammenschluss zur Automotive Alliance (OAA) bekannt gaben, definierten sie das Ziel dieser Allianz: Der Nutzer soll sein digitales Leben mit Android im Auto weiterführen können. Das bedeutet die bessere Integration des Smartphones ins Auto, aber auch die Entwicklung des Autos zum „vernetzten Android-Gerät“, wie die OAA schreibt. Derzeit gibt es mehrere Ansätze, Android ins Auto zu bekommen.

Android-Autoradios von Drittanbietern

Wer Android nativ im Auto nutzen will, kann sich ein Autoradio mit dem Google-Betriebssystem anschaffen. Pearl bietet beispielsweise die beiden 2-DIN-Modelle Navgear DSR-N 370 (rund 350 Euro) und Navgear DSR-N 270 (rund 300 Euro) an, die mit Android 4.0 und Play-Store-Anbindung arbeiten. Weitere technische Daten sind ein Dualcore-Prozessor Cortex A9 mit 1,2 GHz, ein 6,2-Zoll-Touchdisplay mit 800 x 480 Pixel Auflösung, WLAN und Bluetooth 2.0. Das DSR-N 370 erlaubt zudem Mirrorlink.

Bereits länger auf dem Markt ist die Asteroid-Serie von Parrot. Dabei handelt es sich um Autoradios verschiedener Größen, in denen ein angepasstes Android zum Einsatz kommt. Die Geräte beziehen ihre Apps aus dem eingeschränkten Asteroid-Market. Derzeit besteht die Serie aus drei Modellen: Das Asteroid Mini setzt Android 1.5 ein und hat ein 3,2-Zoll-Display. Das Asteroid Tablet nutzt Android 2.3. Es besitzt ein 5-Zoll-Display mit Multitouch-Funktion und WLAN. Das Asteroid Smart schließlich bietet ein 6,2-Zoll-Display mit Multitouch-Funktion, Android 2.3 und WLAN. Preise inklusive Navikarten für Deutschland, Österreich und die Schweiz: 250, 350 und 550 Euro.

Das Ca-Fi System von Innotrends ist in vier Ausführungen erhältlich. Das kleinste 2-DIN-Modell hört auf den Namen Ca-Fi 621000 und setzt Android 2.3 ein. Es besitzt ein kapazitives Display mit 6,2 Zoll und einer Auflösung von 800 x 480 Pixel. Im Gegensatz dazu arbeiten die 2-DIN-Modelle Ca-Fi 700800 und Ca-Fi 800800 mit Android 2.2, einem 800-MHz-Prozessor und 256 MB RAM. Die beiden Geräte unterscheiden sich lediglich in der Größe ihres Displays, das beim Ca-Fi-700800 7 Zoll und beim Ca-Fi 800800 8 Zoll misst. Die Auflösung beträgt bei beiden dagegen wieder 800 x 480 Bildpunkte. Ein weiteres Produkt ist das Ca-Fi Dashlinq mit einem 6,95-Zoll-Display. Seine Besonderheit ist der zusätzliche digitale Signalprozessor für den optimalen Musik- und Videogenuss. Das Gerät basiert auf Android 2.3.4 und hat eine unverbindliche Preisempfehlung von 499 Euro.

Das Alpha von i-Car Tech ist für verschiedene Automodelle erhältlich.
Vergrößern Das Alpha von i-Car Tech ist für verschiedene Automodelle erhältlich.
© i-Car Tech

Das Alpha S600 und das Alpha V800 von i-Car Tech unterscheiden sich ebenfalls in der Displaygröße: Während das Alpha S600 mit einem 6,2-Zoll-Bildschirm aufwartet, kommt das Alpha V800 mit einem 8-Zoll-Display. Die Auflösung stimmt hingegen bei beiden Modellen überein – 800 x 480 Bildpunkte. Neben der Online-Navigation per Google Maps lassen die zwei Alpha-Geräte auch eine Offline-Routenführung zu. Es kommt dann die Software Navitel zum Einsatz. Das Alpha S600 kostet 649 Euro, das Alpha V800 liegt bei 799 Euro.

Pfiffiges IT- und Technik-Zubehör fürs Auto

Android-Infotainment-Center direkt vom Autohersteller

Techniken wie Hyundai Blue Link, Honda Link und Onstar Remote Link finden sich schon länger in den Autos der entsprechenden Hersteller. Mit ihnen lässt sich je nach Funktionsumfang der dazugehörigen Android-App die Autotür öffnen und der Motor starten, aber auch Musik vom Handy über das Autoradio abspielen. Zudem kann man navigieren oder den aktuellen Parkplatz markieren. Die Autohersteller bieten aber auch ganze Infotainment-Center auf Android-Basis an.

Beispielsweise stattet Volvo einige seiner Modelle mit Sensus Connected Touch aus. Diese Multimedia-Zentrale holt sich ihre Apps wie die Parrot-Geräte aus dem Asteroid-Store und lässt sich nach Wunsch mit Navigation, Mediaplayer, Radio, Wettervorhersage, Musik-Streaming und sogar einer WLAN-Hotspot-Funktion versehen. Voraussetzung für Sensus Connected Touch ist lediglich ein Volvo der Modellreihe V40, V40 Cross Country, S60, V60, XC60, V70, XC70 oder S80 von 2011 oder später mit 7-Zoll-Farbdisplay. Der Preis richtet sich dann jeweils nach den gewünschten Funktionen. So kommt der Einbau in einen Volvo S60 beispielsweise auf 690 Euro (Stand 10/2013).Audi präsentierte auf der CES 2014 seinen Modularen Infotainment-Baukasten (MIB) mit dem Nvidia-Prozessor Tegra 30 als Herzstück. Er soll im sogenannten Virtual Cockpit des neuen Audi TT verbaut werden, zusammen mit einem 12,3-Zoll-Display. Etwas kleiner – 10,2 Zoll – fällt das Audi Smart Display auf Android-Basis aus. Dabei handelt es sich um ein Full-HD-Tablet aus gebürstetem Aluminium mit Nvidia Tegra 40. Es lässt sich per WLAN mit dem Auto verbinden und reagiert auf Touch-Eingaben zur Navigation oder zur Wiedergabe von Multimedia-Inhalten. Den Zugang zum Internet erhält das Tablet über LTE und Audi connect. Apps können Sie über den Google Play Store auf das Tablet laden.

Sony ist einer der Hersteller, die relativ viele Smartphone- und Autoradio-Modelle für Mirrorlink anbieten. Hier im Bild das Sony XAV 602BT.
Vergrößern Sony ist einer der Hersteller, die relativ viele Smartphone- und Autoradio-Modelle für Mirrorlink anbieten. Hier im Bild das Sony XAV 602BT.
© Sony

Alternative Mirrorlink Smartphone-Inhalte auf dem Autoradio

Mirrorlink heißt eine weitgehend unbekannte Technik, die den Displayinhalt Ihres Android-Smartphones auf das Radiodisplay „spiegelt“. Dazu schließen Sie das Gerät per USB-Kabel an, und das Radio im Auto fungiert als bequeme Funktionseinheit mit großem Touchdisplay. Autoradios, die Mirrorlink unterstützen, sind vergleichsweise günstig: Die auch Moniceiver oder App-Radios genannten Geräte gibt es bereits ab etwa 300 Euro. Allerdings ist die Auswahl noch begrenzt. Eine (nicht zu 100 Prozent zuverlässige) Kompatibilitätsliste finden Sie im Netz .Vor allem Sony hat eine breite Palette an Mirrorlink-Smartphones im Angebot. Ein sehr kontaktfreudiges Autoradio ist dagegen das DSR-N 370, das Pearl im Sortiment hat. Sind Smartphone und Autoradio für Mirrorlink geeignet, benötigen Sie noch die App Drive Link aus dem Google Play Store. Zum Koppeln der beiden Geräte verbinden Sie sie per USB und wählen auf dem Radiodisplay die Funktion „Mirrorlink“. Schon steht Ihnen Ihr kompletter Smartphone-Inhalt auf dem Autoradio zur Verfügung.

Doch es gibt auch Grenzen: Zum einen ist die Displayauflösung des Autoradios nicht so hoch wie die Ihres Smartphones. Zum anderen läuft wahrscheinlich auch die Bedienung über das Radiodisplay nicht ganz so flüssig. Es kann auch sein, dass Apps, die nur im Hochformat laufen, im Querformat des Radiodisplays kaum lesbar und damit kaum zu bedienen sind. Dennoch ist das Konzept Mirrorlink überzeugend: Warum soll man in teure IT-Hardware im Auto investieren, wenn sie ohnehin schon im Smartphone steckt? Eine Hürde bleibt aber noch zu nehmen: In Autos mit ab Werk gelieferten Radios lässt sich ein Doppel-DIN-Modell nachträglich oft nur schwer oder überhaupt nicht einbauen. Fahrzeuge mit dem „normalen“ 1-DIN-Radioschacht können zum Teil nachgerüstet werden, der Umbau der Mittelkonsole kann sich jedoch aufwendig gestalten und ist damit nicht jedermanns Sache. Mehr zum Thema Mirrorlink finden Sie hier .

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