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Ausgefeilte Arbeitsflächen für Linux-Desktops

05.01.2015 | 15:31 Uhr |

Den letzten Schliff bekommen Arbeitsumgebungen erst mit ausgewählten Ergänzungen. Einige dieser Erweiterungen sind dabei unverzichtbar – so etwa die hier vorgestellte Zwischenablage von Gpaste für Gnome 3.

Gpaste-Erweiterung für Gnome - Permanente Zwischenablage

Der Inhalt der Zwischenablage des X-Window-Systems, das unter Linux für die grafische Oberflächen sorgt, ist vergänglich: Wird aus einem Programm heraus Text mit Strg-C in die Ablage befördert und das Programm dann geschlossen, so ist danach auch die Zwischenablage wieder leer. KDE und Unity nutzen deshalb ihre jeweils eigene Ablage, während Gnome 3, Cinnamon, XFCE und LXDE vergesslich sind.

Zwischenablage mit Langzeitgedächtnis: Mit Gpaste und der zugehörigen Gnome-Erweiterung vergisst Gnome 3 keine Textschnipsel mehr und konserviert den Inhalt der Zwischenablage sogar zwischen Neustarts.
Vergrößern Zwischenablage mit Langzeitgedächtnis: Mit Gpaste und der zugehörigen Gnome-Erweiterung vergisst Gnome 3 keine Textschnipsel mehr und konserviert den Inhalt der Zwischenablage sogar zwischen Neustarts.

Eine Zwischenablage mit lückenlosem Kurzzeitgedächtnis und einem permanenten Erinnerungsvermögen, das sogar einen Neustart übersteht, liefert das Gnome-Programm Gpaste. Besonders zu empfehlen ist das Tool für Fedora und Open Suse, die beide eine starke Präsenz von Gnome 3 bei den Standard-Desktops haben. Die Verwendung von Gpaste ist aber nicht auf den Gnome-Desktop beschränkt – auch unter Cinnamon macht die erweiterte Zwischenablage eine gute Figur. Gpaste ist weit mehr als eine einfache, Script-basierte Shell-Extension, nämlich ein ausgewachsenes Programm, das über den Paketmanager der Distribution installiert werden muss. In Fedora ist dies mit

sudo yum install gpaste gnome-shell-extension-gpaste

in einem Terminal-Fenster erledigt und in Open Suse mit diesem Befehl:

sudo zypper in gpaste gnome-shell-extension-gpaste

Wenn dies noch nicht geschehen ist, sollten Sie auch gleich das unverzichtbare Tool gnome-tweak-tool über den Paketmanager installieren, da dies zum Aktivieren der Gnome-Erweiterung benötigt wird. Nach der Installation muss noch die Gnome-Shell neu gestartet werden. Ausloggen muss man dazu nicht, es geht schneller, im Ausführen-Dialog (Tastenkombination Alt-F2) ein „r“ einzugeben. Starten Sie dann im Ausführen-Dialog das gnometweak-tool, und schalten Sie im Menü „Erweiterungen“ Gpaste ein. Es zeigt sich jetzt mit einem Notizblock-Symbol rechts oben im Panel, und ein Klick darauf zeigt alle aufgezeichneten Textschnipsel zur Auswahl an.

Linux-Komfort: Welcher Desktop passt zu Ihnen?

Durchblick: Links die Standardeinstellungen von XFCE und rechts die Konfigurationsergänzung, die den Hintergrund der Symbolbeschriftung unsichtbar macht, übrigens unabhängig vom verwendeten Theme.
Vergrößern Durchblick: Links die Standardeinstellungen von XFCE und rechts die Konfigurationsergänzung, die den Hintergrund der Symbolbeschriftung unsichtbar macht, übrigens unabhängig vom verwendeten Theme.

XFCE-Kosmetik - Transparente Symbolbeschriftungen

Die Optik von Xubuntu mit seinem sorgfältig gestalteten XFCE-Desktop unterscheidet sich in vielen Details von den XFCE-Arbeitsflächen anderer Distributionen. Ein sehr deutlicher Unterschied ist der Hintergrund der Symbolbeschriftungen auf dem Desktop: In Xubuntu ist dieser transparent, bei Debian und Fedora jedoch einfarbig.

Egal welches Erscheinungsbild (Theme) der XFCE-Desktop verwendet, können Sie mit einer kleinen Ergänzung der Konfiguration den Hintergrund der Symbolbeschriftung wie bei Xubuntu transparent setzen. Erstellen Sie dazu im Home-Verzeichnis eine neue Textdatei mit dem Namen „.gtkrc-2.0“ und diesen vier Zeilen:

style "xfdesktop-icon-view" { XfdesktopIconView::label-alpha = 0 } widget_class "*XfdesktopIconView*" style "xfdesktop-icon-view"

Mit dem von XFCE mitgelieferten Editor gelingt dies beispielsweise mit folgendem Kommando:

mousepad ~/.gtkrc-2.0

Nach dem Speichern der Datei brauchen Sie nur das Thema von XFCE in „Einstellungen ->  Erscheinungsbild -> Oberfläche“ kurz umzuschalten, um die Optik zu aktualisieren. Die Einstellung ist allerdings unabhängig vom Theme.

Eine Variante des ansehnlichen Xubuntu-Themes können Sie auch unter Debian verwenden. Installieren Sie dazu zunächst im Terminal mit

sudo apt-get install gtk2-engines-murrine

die Theme-Engine „Murrine“, und gehen Sie auf die Projektwebseite http://shimmerproject.org/project/greybird , wo Sie rechts unten bei „Project links“ über „Direct Download“ die Datei „shimmerproject-Greybird“ erhalten. Entpacken Sie den Inhalt dieses Archivs in den Ordner „/usr/share/themes“. Danach steht das neue Theme „Shimmerproject-Greybirld“ in den Einstellungen bereit und wertet den XFCE-Desktop von Debian deutlich auf.

KDE ohne Gruppenzwang: Soll die Fensterleiste mehrere Fenster eines Programms nicht zusammenfassen, aktivieren Sie diese Aktion im Kontextmenü der Schaltfläche.
Vergrößern KDE ohne Gruppenzwang: Soll die Fensterleiste mehrere Fenster eines Programms nicht zusammenfassen, aktivieren Sie diese Aktion im Kontextmenü der Schaltfläche.

KDE-Panel - Gruppieren von Fenstern abschalten

In den Standardeinstellungen fasst die Fensterleiste im KDE-Panel geöffnete Programmfenster mit gleichem Namen unter einer Schaltfläche zusammen. Das spart zwar Platz, macht aber den Wechsel zwischen verschiedenen Konsolen-Fenstern oder mehreren geöffneten Dokumenten um einiges umständlicher.

Es gibt zwei unterschiedliche Einstellungen, die das Verhalten der KDE-Fensterleiste ändern. Zum einen können Sie die automatische Gruppierung für ein bestimmtes Programm gezielt verhindern. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf die Schaltfläche in der Fensterleiste, und wählen Sie „Weitere Aktionen -> Gruppierung dieses Programms nicht zulassen“. Andere Programme sind davon nicht betroffen. Um die Gruppierung generell abzuschalten, klicken Sie dagegen mit der rechten Maustaste in einen freien Bereich der Fensterleiste und gehen dann auf „Einstellungen für Fensterleiste“ und stellen dort die Option „Gruppieren“ auf „Nicht gruppieren“ um.

Angedockt: Statt zappelnder Symbole und endloser Einstellungsmöglichkeiten liefert das Dock „Plank“ eine unaufdringliche Grundausstattung und ist vor allem für Gnome 3 eine idealer Begleiter.
Vergrößern Angedockt: Statt zappelnder Symbole und endloser Einstellungsmöglichkeiten liefert das Dock „Plank“ eine unaufdringliche Grundausstattung und ist vor allem für Gnome 3 eine idealer Begleiter.

Plank - Minimales Dock für beliebige Desktops

Nicht jede Desktop-Umgebung kann mit anpassungsfähigen Docks aufwarten, um häufig benötigte Programme schnell von einem der Bildschirmränder aus zu starten. „Plank“ nennt sich eine schlanke Ergänzung, die ein von OS X inspiriertes Dock als Programmstarter und Taskleiste wirklich auf jeden Desktop bringt.

Das Programm Plank ist aus dem Tool Docky entstanden, legt aber im Gegensatz zu diesem Dock größeren Wert auf minimalen Ressourcenbedarf und verzichtet auf verspielte Applets. Bedienung und Funktionsumfang erinnern an den Launcher von Ubuntu Unity, nur dass sich Plank bis ins Detail konfigurieren lässt. Während die Bedienung ganz einfach gehalten ist, erfolgt die Konfiguration allerdings ohne Menü über eine Konfigurationsdatei. Die Feinheiten von Plank sind deshalb eher experimentierfreudigen Anwendern vorbehalten; allerdings reicht auch die Standardkonfiguration für viele Situationen aus, und die Konfigurationsdatei ist nicht sehr umfangreich und zudem gut dokumentiert. Besonders geeignet ist Plank als Ergänzung für Gnome 3, da es hier eine Übersicht laufender Programme zurück auf den Desktop bringt. Die Installation in Ubuntu & Co. erfolgt über ein PPA, das eine recht frische Version des Docks bereithält. Mit dem Befehl

sudo add-apt-repository ppa:ricotz/docky

nehmen Sie das Repository auf und installieren dann Plank mit den beiden Kommandos

sudo apt-get update   sudo apt-get install plank

In Fedora gibt es Plank in einer älteren Version über die Standard-Paketquellen, dort wird es mit

sudo yum install plank

installiert. Auch Anwender von Open Suse müssen nicht darben, denn obwohl Plank in der Standard-Paketauswahl der Distribution nicht enthalten ist, gibt es über den Build Service ein inoffizielles Repository .

Nach der Installation starten Sie das Dock mit seinem Programmnamen „plank“ über den Ausführen-Dialog. Es zeigt sich dann mit einigen Einträgen am unteren Bildschirmrand. Um dort eigene Anwendungsstarter aufzunehmen, führen Sie die gewünschte Anwendung aus, die sich dann als Symbol im Dock zeigt. Nach einem Rechtsklick auf das Symbol kann es mit „Im Dock behalten“ permanent verankert werden. Auf dem Dock selbst lassen sich Symbole mit Ziehen und Ablegen anordnen. Laufende Anwendungen sind durch leuchtende Punkte gekennzeichnet, die auch die Anzahl der laufenden Instanzen anzeigen. Mit einem Rechtsklick auf eine laufende Anwendung steht im Kontextmenü auch eine Liste der einzelnen Fenster zur Auswahl.

Die gesamte Konfiguration von Plank ist in der Datei „~/.config/plank/dock1/settings“ untergebracht, und zur Anpassung der Einstellungen kann jeder beliebige Texteditor dienen. Eine der wichtigsten Einstellungen ist die Zeile „Position=[Wert]“, welche durch einen numerischen Wert die Position des Docks definiert. Voreingestellt ist „3“ für den unteren Bildschirmrand. Eine „0“ verschiebt das Dock an den linken Rand, „1“ auf die rechte Seite und „2“ an den oberen Rand.

Um Plank zusammen mit der Desktop-Umgebung zu starten, erstellen Sie einen neuen Autostart-Eintrag in der Session-Verwaltung.

Deren Einstellungsdialog rufen Sie in Gnome, Unity und Cinnamon mit gnome-session-properties auf und können dann mit „Hinzufügen“ einen neuen Eintrag erstellen, dem Sie den Befehl „plank“ zuweisen. In XFCE steht die Session-Verwaltung über xfce4-session-settings zur Verfügung, und in KDE suchen Sie in den Systemeinstellungen „Systemverwaltung -> Starten und Beenden“ auf.

Optimale Oberfläche für Gnome und XFCE

Terminal auf Knopfdruck: Die Tastenkürzel von XFCE können in der Kommandozeile mit xfconf-query um weitere Aktionen erweitert werden. Hier ist der Aufruf des Terminals auf die Taste F4 gelegt.
Vergrößern Terminal auf Knopfdruck: Die Tastenkürzel von XFCE können in der Kommandozeile mit xfconf-query um weitere Aktionen erweitert werden. Hier ist der Aufruf des Terminals auf die Taste F4 gelegt.

In XFCE immer parat - Terminal-Fenster per Tastendruck

Das neueste XFCE, das in Xubuntu die Desktop-Umgebung bereitstellt, bietet eine Abkürzung zum Terminal-Fenster. Mit einem Tastendruck können Sie das Terminal-Programm xfce4-terminal jederzeit in den Vordergrund holen.

Die gewünschte Tastenkombination müssen Sie für das neue Terminal erst manuell festlegen. Gehen Sie dazu im XFCE-Anwendungsmenü auf „Einstellungen -> Tastatur -> Tastenkürzel für Anwendungen“. Eine neue Aktion mit einem Tastenkürzel können Sie in diesem Dialog nicht anlegen. Dafür gibt es aber einen Befehl, den Sie in der Kommandozeile eingeben:

xfconf-query -c xfce4-keyboard-shortcuts -p /commands/custom/F4 -n -t string -s "xfce4-terminal --drop-down"

Dieses Kommando legt als Programmaufruf die Aktion „xfce4-terminal --drop-down“ in den Tastenkürzeln von XFCE an und weist dieser die Taste F4 zu. Im geöffneten Dialog der Tastenkürzel können Sie diese Ergänzung sofort sehen.

Ab jetzt rollt ein Druck auf F4 von oben über allen anderen Fenstern ein Terminal ab. Ein weiterer Druck auf F4 oder ein Klick mit der Maus auf ein anderes Desktop-Element rollt das Terminal wieder an, wobei aber dessen Inhalt bis zum nächsten Abruf erhalten bleibt. Sie können auch permanent laufende Kommandozeilenprogramme wie den Task-Manager htop in diesem Terminal ausführen und im Hintergrund weiterlaufen lassen. Um das Aussehen und eine Abroll-Animation des Terminals einzustellen, gehen Sie auf „Bearbeiten -> Einstellungen“.

Hier finden Sie den neuen Dialog „Drop-Down“, den das gewöhnliche XFCE-Terminal nicht hat. Unter „Appearance and Animation“ können Sie unter „Duration“ die Dauer der Animation einstellen.

Verkleinern per Klick: Mit einer inoffiziellen, gepatchten Version von Unity für Ubuntu 12.04/14.04 LTS kann der Mausklick auf ein Programmsymbol im Launcher das Programmfenster minimieren.
Vergrößern Verkleinern per Klick: Mit einer inoffiziellen, gepatchten Version von Unity für Ubuntu 12.04/14.04 LTS kann der Mausklick auf ein Programmsymbol im Launcher das Programmfenster minimieren.

Unity-Launcher - Programm per Klick minimieren

Eine Funktion, die viele Anwender von Unity schmerzlich vermissen, ist die Möglichkeit, Programmfenster per Klick auf das Symbol im Launcher zu minimieren und wieder zu maximieren. Die Entwickler von Unity halten davon jedoch nichts. Der Klick auf ein Launcher-Symbol soll nach der Unity-Auffassung entweder ein Programm starten oder dessen Programmfenster maximieren.

Damit sich Programme trotzdem einfacher minimieren lassen, bieten Ubuntu-Anwender jetzt eine gepatchte Version von Unity über ein PPA auf Launchpad an, in der ein anderes Klickverhalten voreingestellt ist: Ein Klick auf ein geöffnetes Programm im Launcher minimiert dessen Fenster, ein weiterer Klick stellt es wieder her. Im PPA liegt jeweils eine angepasste Unity-Version für Ubuntu 14.04 LTS und Ubuntu 12.04 LTS. Mit anderen Ubuntu-Varianten funktioniert dieses PPA nicht.

Es ist generell nicht ganz ohne Risiko, ein zentrales Paket wie Unity gegen eine gepatchte, inoffizielle Version auszutauschen. Daher sollten die Aktion nur Linux-Nutzer vornehmen, die sich im Notfall mit dem Befehl ppa-purge zu helfen wissen, um wieder die originale Version zu installieren. Zudem kann es sein, dass die gepatchte Unity-Version hin und wieder von einem offiziellen Update überschrieben wird, bis auch vom inoffiziellen Unity eine neue Version bereitsteht. Damit genug der Warnungen: Mit dem Kommando

sudo add-apt-repository ppa:zxcq14/minimize-unity-7

nehmen Sie das PPA in Ihr Ubuntu-System auf und installieren dann mit

sudo apt-get update sudo apt-get dist-upgrade

die neueren, inoffiziellen Versionen der Pakete „unity“, „unity-services“ und „libunity-core“. Nach einer erneuten Anmeldung am System ist die alternative Version des Unity-Desktops aktiv.

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