09.11.2012, 10:33

Benjamin Schischka

Aufgedeckt

Facebook macht Werbung mit Ihrem Gesicht (Update)

Ohne es zu wollen, macht mein Kollege Werbung über Facebook.

Die Empfehlung eines Freundes fördert die Kaufentscheidung – das hat auch Facebook erkannt und lässt Sie Produkte bewerben. Davon bekommen Sie aber gar nichts mit. Wir decken auf.
Mein Kollege Hans-Christian Dirscherl macht Werbung für den O2-Tarif „Blue Select“ für 17,99 Euro. Das war ihm gar nicht bewusst. Erst als ich ihn darauf hinweise, erfährt er es. Was ist passiert?
Zwischen dem Gartenfoto einer Bekannten und einer jubelnden Freundin (Barack Obama hat die Wahl gewonnen) bewirbt mein Kollege scheinbar den besagten Tarif von O2. Von „40% Facebook-Vorteil“ ist da die Rede und einen Link zum Kaufen gibt es auch gleich dazu: „Angebot beanspruchen“.  Darüber prangt in normaler Größe das Foto von Hans-Christian und genau wie bei einem ganz normalen Facebook-Beitrag sein voller Name. Es sieht für mich ganz nach einer Empfehlung meines Kollegen aus.
 
Erst auf den zweiten Blick erkenne ich den Unterschied zum Posting mit dem Gartenfoto darüber oder zum Obama-Beitrag darunter. Hinter dem Namen meines Kollegen steht „gefällt o2 Deutschland“, darunter auf einem Trennstrich „ÄHNLICHER BEITRAG“. Erst dann folgt das O2-Angebot. Der Kollege versichert mir, er habe nie ein solches Angebot bei Facebook eingestellt oder geteilt. Ein kleines, graues „Gesponsert“ unter der Werbung liefert den letzten Hinweis: Es handelt sich um eine Werbeform von Facebook. O2, F-Secure, Outfittery und alle anderen Beiträge, die auf meiner Pinnwand nur scheinbar von Freunden stammen, sind bezahlte Anzeigen. Einzige Voraussetzung dafür, dass auch Sie mit Ihrem Gesicht Werbung für ein Produkt bei Facebook machen: Sie haben bei der Facebook-Seite auf „Gefällt mir“ gedrückt, die Werbung schaltet. Sie sind also Fan der werbenden Seite. Fast jeder Facebook-Nutzer dürfte bei mindestens einer, wenn nicht bei dutzenden oder hunderten Seiten auf "Gefällt mir" geklickt haben. Jede davon kann diese Werbeform nutzen.
 
Die Werbeform, der mein Kollege seinen unfreiwilligen Auftritt verdankt, heißt „Neuigkeiten-Meldung“. Sie kann zusätzlich zur bekannten Werbung in der rechten Spalte hinzugeschaltet werden. Wenn Sie sich gestört fühlen, können Sie alle „Neuigkeiten-Meldungen“ verbergen, indem Sie mit der Maus über den Beitrag fahren und auf das auftauchende Symbol oben rechts klicken. Wählen Sie danach „Verbergen“. Leider machen Sie mit einem weiteren Klick nur die „Neuigkeits-Meldungen“ dieser spezifischen Facebook-Seite unsichtbar – also etwa alle gesponserten Meldungen von O2 oder F-Secure.
Weitere Einschränkung: Sich selbst schützen Sie dadurch nicht vor einem Auftritt als Werbefigur.
Update I: Zum Eigenschutz müssen Sie unter https://www.facebook.com/settings?tab=ads§ion=social das Drop-Down-Menü von "Nur meine Freunde" auf "Niemand" stellen. Wir haben bei der Pressestelle nachgefragt, ob diese Option nur für ältere Werbeformen gilt (wie im Bild auf der verlinkten Seite zu sehen), oder auch für die "Neuigkeiten-Meldung". Wir halten Sie natürlich auf dem Laufenden.
Update II: Die Pressestelle von Facebook hat uns bestätigt, dass die unter "Update I" genannte Option die Werbung mit Ihrem Gesicht alias "Neuigkeiten-Meldung" deaktiviert.
Wo Facebook noch nachbessern muss: Die von uns befragten Betroffenen, mit deren Gesichtern Werbung gemacht wurde, wurden nicht über ihre Rollen informiert. Auch bei einer Recherche der zurückliegenden eigenen Beiträge in der Chronik tauchen die eigenen Werbeauftritte nicht auf. Sie können also lediglich Freunde bitte, Ihnen Ihre Werbeauftritte zu melden. Als Reaktion bleibt Ihnen momentan nur eine Beschwerde bei Facebook.
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