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Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

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Test: Audi TT mit MMI Navigation plus, Touch und Connect

25.07.2015 | 09:25 Uhr |

Wie viel Spaß macht das Infotainmentsystem Audi MMI Navigation plus mit MMI touch im Audi TT? Wie viel Nutzwert bieten die Internetdienste von Audi Connect? Und vor allem: Wie gut ist das darin verbaute Riesen-Display Audi Virtual Cockpit? Wir machen den Test und sind beeindruckt. Update 20.4.: Jetzt mit ausführlichem Test-Video.

Unser Testwagen: Ein Audi TT mit 184-PS-TDI-Motor und Quattro-Antrieb

Unser Testwagen war ein 184 PS starkes Audi-TT-Coupé. Der TDI-Motor ist ein alter Bekannter, er verrichtet auch im Golf GTD seine Arbeit. In Sachen Infotainment und Navigation war unser TT vollausgestattet.

Discover Pro und Car-Net im VW Golf im Test

Preise

Das Infotainment-Paket MMI Navigation plus mit MMI touch kostet 2490 Euro. Die in Audi Connect zusammengefassten Internetfunktionen kosten für den Audi TT (Grundpreis ab 35.900 Euro für die TDI-Variante mit automatisch zuschaltendem Allradantrieb) weitere 500 Euro. 320 Euro lässt sich Audi für den digitalen Radio-Empfang bezahlen.

Video: Audi TT mit 12-Zoll-Display im Test

Für das äußerst nützliche Multifunktions-Lenkrad sind weitere 195 Euro zu berappen. 3505 Euro sind somit der Gesamt-Listenpreis für das Infotainmentsystem im Sport-Coupé TT. Dieses Audi MMI Navigation plus mit MMI Touch und Audi Connect hatten wir bereits ausführlich getestet, damals in einem A3. Allerdings unterscheidet sich das gewöhnliche MMI von dem im TT verbauten System ganz wesentlich beim Bildschirm.

Audi MMI Navigation plus & MMI touch & Audi Connect im Test

Ein optionaler Aufpreis ist noch für das für Audio-Liebhaber sicherlich empfehlenswerte Bang & Olufsen Soundsystem fällig - es schlägt mit 850 Euro zu Buche.

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Der MMI-Controller für das MMI Navigation plus mit dem Touchpad darauf.
Vergrößern Der MMI-Controller für das MMI Navigation plus mit dem Touchpad darauf.

Konkurrenz-Umfeld

Preislich liegt Audi MMI mit MMI touch und Audi Connect auf Augenhöhe mit BMW ConnectedDrive, Mercedes Comand Online und dem Lexus Premium-Navigationssystem. Diese vier Premium-Hersteller bilden preislich das obere Ende der derzeit erhältlichen Infotainmentsysteme für den automobilen Massenmarkt. Wobei auch der Volumen-Hersteller Volkswagen mit seinem System Discover Pro samt Car net in diese Preisregion vorstößt.

Alle Auto-Tests der PC-WELT auf einen Blick

Die geniale Google-Earth-Darstellung gehört zu den Highlights des Infotainmentsystems im Audi TT. Hier die klassische Ansicht mit großen Rundinstrumenten und der Navigationskarte im zentralen Bereich in Google Earth-Optik.
Vergrößern Die geniale Google-Earth-Darstellung gehört zu den Highlights des Infotainmentsystems im Audi TT. Hier die klassische Ansicht mit großen Rundinstrumenten und der Navigationskarte im zentralen Bereich in Google Earth-Optik.

Hardware

Das Highlight des Infotainmentsystems des Audi TT ist das riesige 12,3-Zoll-Cockpit-Display, von Audi als „Audi Virtual Cockpit“ bezeichnet. Anders als die meisten Automobile besitzt der Audi keinen zentralen Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts. Stattdessen verbaut Audi den Bildschirm des TT direkt vor dem Fahrer im Cockpit, wo sich üblicherweise Tachometer, Drehzahlmesser, Benzin-Uhr und die zahlreichen Warnleuchten befinden. Alle diese Anzeigen werden auf dem Display dargestellt, das gesamte Cockpit ist somit digital umgesetzt (wie man es auch von der S-Klasse kennt).

Die Bedienung des Infotainmentsystems MMI erfolgt via MMI Controller samt Direktzugriffstasten und Touchpad auf der Mittelkonsole, über die Lenkradtasten und per Sprachsteuerung. Im Handschuhfach hat Audi den CD-/DVD-Player und den SIM- und SD-Kartenslot verbaut. AM- und FM-Radio werden noch per DAB+ ergänzt. Ein WLAN-Hotspot rundet die Hardware ab.

Mit Einparkhilfe.
Vergrößern Mit Einparkhilfe.

Funktionsumfang

Für einen grundlegenden Überblick über alle Funktionen des Infotainmentsystems in Audi-Fahrzeugen verweisen wir auf unseren umfangreichen Test von MMI Navigation plus und Audi Connect. Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Beobachtungen zu den einzelnen Funktionen im Audi TT zusammen.

Telefoniert wird über das via Bluetooth gekoppelte Nexus 4, die Audi-Connect-Dienste laufen dagegen über die SIM-Karte im Handschuhfach.
Vergrößern Telefoniert wird über das via Bluetooth gekoppelte Nexus 4, die Audi-Connect-Dienste laufen dagegen über die SIM-Karte im Handschuhfach.

Telefonie und Freisprecheinrichtung

Wie bei allen modernen Infotainmentsystemen verbinden Sie das Smartphone via Bluetooth mit dem Infotainmentsystem des Fahrzeugs. Danach stehen Ihnen verschiedene Smartphone-abhängige Funktionen zur Verfügung, deren wichtigste sicherlich die Freisprecheinrichtung ist. Während der Testfahrten mit dem Audi TT bestätigten sich die beim ersten Test von Audi MMI Navigation plus gemachten Erfahrungen: Die Freisprecheinrichtung mit dem gekoppelten Smartphone funktioniert gut, ein einmal via Bluetooth gekoppeltes Smartphones wird beim Starten des Fahrzeugs sofort wieder erkannt und erneut mit dem MMI verbunden. Adress-Bücher und Anruflisten werden tadellos geladen und im zentralen Bereich des Audi Virtual Cockpit angezeigt.

Der SIM-Kartenslot im Handschuhfach.
Vergrößern Der SIM-Kartenslot im Handschuhfach.

Die Klangqualität bei Telefonaten war gut, allerdings bestätigten uns mehrere Gesprächspartner, dass wir uns sehr entfernt anhörten.

Der Startbildschirm des MMI
Vergrößern Der Startbildschirm des MMI

Navigation

Das Display lässt sich gut ablesen, die Navigation funktioniert grundsätzlich gut und zeigt Verkehrsstörungen zuverlässig an. Dafür dienen standardmäßig die Verkehrslagedaten von TMC/TMCpro, die aber via Audi Connect noch um die exakteren Online-Echtzeitverkehrslagedaten von Tomtom ergänzt werden (Audi hat bereits im Oktober 2014 Inrix als Lieferanten für die Echtzeitverkehrslagedaten durch TomTom ersetzt; ausgenommen in den USA).

Diese Verkehrslage-Dienste gibt es für Autofahrer

Wobei Letztere auch in die Gegenrichtung funktionieren: Jeder Audi, der die Online-Echtzeitverkehrsinformationen nutzt, sendet seine Position an die Server von TomTom, um zur Verbesserung der Genauigkeit der Verkehrslageinformationen beizutragen. Das soll anonymisiert geschehen.

Erweiterte Ansicht mit Zusatzinformationen, aber ohne Google Earth. Hier sieht man die Stau-Lage.
Vergrößern Erweiterte Ansicht mit Zusatzinformationen, aber ohne Google Earth. Hier sieht man die Stau-Lage.

Das Navigationssystem zeigt Staus auf der Karte an und berechnet dazu die Ankunftszeit und die Dauer der Verzögerung, die durch die Verkehrsbehinderungen entsteht. Das alles klappte im Test sehr genau, man kann sich vor Fahrtantritt und während der Fahrt ein genaues Bild machen, wann man am Ziel eintreffen wird.

Allerdings lotste uns das Navi einmal in eine durch eine Baustelle gesperrte Straße, ohne uns zu warnen. Diese Baustelle war wenige Tage vor Testbeginn eingerichtet worden. Hier reichte anscheinend die Vorlaufzeit für die Warnung nicht.

Verkehrslage-Informationen
Vergrößern Verkehrslage-Informationen

Bei der Suche nach einer Autosattlerei versagte die POI-Suche der Navigation völlig. Allerdings lieferte uns Google Lokale Suche sofort den richtigen Treffer – sie steht dank Audi Connect zur Verfügung. Generell lieferte bei unseren Tests die Google Lokale Suche deutlich bessere Ergebnisse als die POI-Suche des Navis.

Nach dem Start des MMI dauert es einige Sekunden, bis die Navigation verfügbar ist. Auch die Erstberechnung einer neuen Route kann etwas Zeit in Anspruch nehmen – das MMI macht dann aber, sofern möglich, bis zu drei Routenvorschläge, unter denen man wählen kann. Die Routen-Neuberechnung nach dem Abweichen von einer berechneten Route klappt dann schnell und in der Regel bevor man eine Abzweigung erreicht.

Die Verkehrszeichen-Erkennung.
Vergrößern Die Verkehrszeichen-Erkennung.

Sehr zuverlässig funktioniert die Anzeige von Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverboten im Cockpit rechts unten. Der Audi nutzt dafür nicht etwa eine Datenbank mit GPS-basierten Daten, sondern erkennt mit der an der Windschutzscheibe hinter dem Innenspiegel angebrachten On-Board-Kamera die tatsächlich entlang der Fahrtstrecke vorhandenen Verkehrszeichen und mobilen Tempo-Limit-Anzeigen – beispielsweise auf der A9. Diese Erkennung klappte im Test sehr gut. Sie ist der datenbankbasierten Anzeige weit überlegen, weil sie auch aktuelle oder nur kurzzeitig geltenden Tempo-Limits erkennen und anzeigen kann. Diese „Kamerabasierte Verkehrszeichenerkennung“ kostet 150 Euro extra.

Radio-Sender via DAB+
Vergrößern Radio-Sender via DAB+

Unterhaltung

Auch bei Radio und CD/DVD gab es nichts zu meckern. Im Audi steht sogar DAB+ zur Verfügung – gegen Aufpreis versteht sich.

Bedienung: Kein Touchscreen, aber MMI Controller mit Touchpad

Das MMI-Bedienkonzept von Audi entspricht der grundsätzlichen Bedienung der Infotainmentsysteme von BMW, Mercedes-Benz und Lexus. Audi verzichtet also auf einen Touchscreen im Hauptbildschirm und setzt stattdessen auf die Bedienung über einen auf der Mittelkonsole angeordneten und bequem mit der rechten Hand bedienbaren MMI-Controller samt einiger Direktzugriffstasten für Telefonie, Radio oder Navigation.

Die Bedienung über das MMI (ein Dreh-Drück-Kipp-Instrument) funktioniert sehr gut, man navigiert damit schnell und treffsicher durch die Menü-Punkte. Außerdem zoomt man damit auch in die Karte ein und wieder aus.

Um die Zeicheneingabe zu erleichtern, die standardmäßig über einen umständlichen Speller erfolgt, hat Audi ein kleines Touchpad auf den MMI Controller gesetzt. Mit ihm können Sie bequem und mit hoher Erkennungsquote Buchstaben und Ziffern eingeben. Im Test klappte diese Zeicheneingabe per Fingerwisch inklusive der Korrekturfunktion nahezu perfekt.

Touchscreen im Auto - Vorteile und Nachteile

Warum kein Touchscreen im Hauptbildschirm?

Die Premium-Hersteller sind der Meinung, dass es für den Fahrer unergonomisch sei, wenn man sich vorbeugen beziehungsweise mit ausgestrecktem Arm auf dem relativ weit entfernten Touchscreen herumtippen müsse. Zudem hinterlasse die Bedienung per Touchscreen unschöne Fingerabdrücke auf dem Bildschirm, was nicht so recht zur gehobenen Optik eines Premiumfahrzeuges passe (Fingertapser und Nappa-Leder – das geht gar nicht).

Detailaufnahme des MMI-Controllers.
Vergrößern Detailaufnahme des MMI-Controllers.

Diese Argumentation ist durchaus plausibel. Man kann die Menüs der Infotainmentsysteme in der Tat mit einem auf der Mittelkonsole angebrachten Controller entspannter und treffsicherer bedienen als mit einem Touchscreen. Zumal viele Touchscreens, gerade bei preiswerteren Modellen, nicht schnell und zuverlässig genug auf Eingaben reagieren (das Discover Pro von Volkswagen ist hier eine vorbildliche Ausnahme; VW verlangt für sein Touchscreen-System aber eben auch Premium-Preise). Vor allem aber lenkt die Bedienung per Controller den Fahrer weniger stark vom Verkehrsgeschehen ab und ist somit sicherer.

Die Lenkradtasten
Vergrößern Die Lenkradtasten

Lenkradtasten – genial einfach

Das bequeme alternative Bedienkonzept zum MMI auf der Mittelkonsole sind die hervorragend ergonomisch angeordneten Lenkradtasten des Multifunktionslenkrads im Audi. Sieht man einmal von dem Touchpad auf dem MMI ab, so lässt sich mit den Lenkradtasten das Infotainmentsystem genauso bedienen wie mit dem MMI. Man kann damit also zwischen Radiosendern wechseln, die Lautstärke regeln, in die Karte ein- und auszoomen, zwischen den Reitern (für Radio, Navigation, Bordcomputer, Telefon etc.) im Infotainmentsystem wechseln und den gewünschten Untermenü-Punkt auswählen. Eingehende Anrufe nimmt man damit ebenso entgegen wie man selbst Anrufe tätigt.

MMI aufgeschnitten
Vergrößern MMI aufgeschnitten
© Audi

Im Test bewiesen die Lenkradtasten im Audi TT, dass sie sich bestens zur Bedienung des Infotainmentsystems eignen. Das gilt ganz besonders dann, wenn man die Lenkradtasten als Ergänzung zur Sprachsteuerung verwendet.

Zuverlässige Sprachsteuerung

Denn so gut sich das MMI und die Lenkradtasten auch bedienen lassen, die sicherste Art, um das Infotainmentsystem während der Fahrt zu steuern, ist und bleibt die Sprachsteuerung. Durch die Sprachsteuerung unterscheiden sich meist billige, weniger leistungsfähige Infotainmentsysteme und hochpreisige, leistungsfähigere Systeme. Audi lässt hier nichts anbrennen: Per Sprachbefehl kann man problemlos die Navigation aufrufen, den Radiosender wechseln oder einen Anruf tätigen. Gut: Während man die Sprachsteuerung nutzt, kann man jederzeit mit dem MMI oder den Lenkradtasten eingreifen. Man kann also zum Beispiel per Sprachbefehl die Adresse für die Navigation eingeben und dann per Druck auf den MMI-Controller die Navigation starten.

Die Erkennungsquote der Sprachsteuerung war gut, gelegentliche Missverständnisse kamen vor, sind aber nun einmal unvermeidlich.

Bis hierher ist alles noch Audi-typisch "normal". Doch auf der nächsten Seite kommen wir zur Besonderheit des Infotainmentsystems im Audi TT.

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