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Arch Linux: So klappt die Installation für Einsteiger

22.06.2016 | 14:50 Uhr |

Arch Linux gilt als besonders schnell, bietet besonders aktuelle Softwarepakete, ist aber nicht leicht zu installieren. Es gibt jedoch freundlichere Arch-Linux-Ableger, bei denen der Aufwand deutlich geringer ist.

Die meisten Linux-Distributoren möchten es dem Anwender so leicht wie möglich machen: Livesystem booten, Installer ausführen, fertig. Welche Software dabei auf den PC gelangt und wie die Konfiguration genau aussieht, kann der Benutzer dabei nur in engen Grenzen selbst bestimmen. Arch Linux ist dagegen ein Do-it-yourself-System. Der Benutzer installiert Linux über Standardtools meist auf der Kommandozeile, so wie er es möchte. Die Mühe ist aber nur einmal erforderlich, denn Distributionsupgrades gibt es bei Arch Linux nicht. Das System lässt sich einfach über die Paketverwaltung auf dem aktuellen Stand halten.

Der Weg zu einem funktionstüchtigen Arch Linux ist steinig und ohne Lektüre der Dokumentation unter https://wiki.archlinux.de kaum zu bewältigen. Wer von der Flexibilität und Geschwindigkeit des Systems sowie den aktuellen Softwarepaketen profitieren möchte, ohne sich so tief einzuarbeiten, hat Alternativen. Dieser Artikel stellt drei Distributionen vor, die auf Arch Linux basieren, aber einen sanften Einstieg ermöglichen.

1. Manjaro: Live-DVD mit Installer

Manjaro eignet sich aufgrund der einfachen Installation und der Desktop-Verwaltungstools besonders gut für Einsteiger. Es bietet andererseits auch die für Arch Linux typische Flexibilität, so dass auch erfahrene Benutzer auf ihre Kosten kommen. Unter http://manjaro.github.io/download/ gibt es eine KDE- und XFCE-Variante und eine etwa 530 MB große ISO-Datei für die Net-Edition. Letztere enthält nur die Pakete der Basisinstallation und keine grafische Oberfläche – alles Weitere lädt der Installer über das Internet herunter. Auf der Download-Seite https://sourceforge.net/projects/manjarolinux/files/ finden Sie im Ordner „Community“ außerdem Editionen mit weiteren Desktopumgebungen beziehungsweise Window Manager wie „Cinnamon“, „Gnome“ oder „i3-wm“. Über die vorinstallierte Software informiert Sie jeweils die Übersichtsseite.

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Bios/Firmwareeinstellungen: Die 64-Bit-Versionen lassen sich im Uefi-und Bios-Modus installieren, die 32-Bit-Versionen nur im Bios-Modus. Bei PCs, die mit Windows 8 oder 10 ausgeliefert werden, ist in der Regel Uefi aktiviert. Hier installieren Sie ein 64-Bit-Manjaro im Uefi-Modus. Stellen Sie die Bootreihenfolge im Bios/Firmwaresetup so ein, dass der Eintrag mit dem vorangestellten „UEFI“ bootet. Außerdem muss die Option „Secure boot“ deaktiviert sein.

Manjaro installieren: Sie können den PC von einer Boot-DVD booten und Manjaro auf Ihrem PC installieren. Soll die Installation über einen USB-Stick auf dem PC erfolgen, kopieren Sie den Inhalt der ISO-Datei auf den USB-Stick. Unter Windows verwenden Sie den Win 32 Disk Imager . Linux-Nutzer verwenden dd mit root-Rechten:

sudo dd bs=4M if=/Pfad/zu/manjaro.iso of=/dev/sdX

Passen Sie den Pfad zur Manjaro-ISO-Datei an und ersetzen Sie „sdx“ durch den Laufwerkspfad des USB-Sticks, etwa „sdb“ oder „sdc“. Achten Sie penibel auf den richtigen Gerätenamen, denn das Laufwerk wird unwiderruflich überschreiben. Beim Start des Installationssystems begrüßt Sie ein Bootmenü. Damit das Livesystem mit deutscher Tastaturbelegung und Sprachunterstützung startet, drücken Sie Taste F2 und gehen dann auf „Deutsch“. Wählen Sie „Starte Manjaro Linux.“ Ein weiterer Menüeintrag heißt „Starten (unfreie Treiber)“. Damit werden proprietäre Herstellertreiber für Grafikkarten von Nvidia und ATI geladen. Das kann die Darstellung im Livesystem verbessern, ist aber für die Installation nur bei Grafikproblemen erforderlich.

Manjaro bietet im Fenster „Manjaro Welcome“ drei Setup-Tools an: Thus 0.9.4 ist eine Manjaro-Fork des Antergos-Tools Cnchi im Betastadium (-> Punkt 4), bei Calamares handelt es sich um einen distributionsunabhängigen Installer mit mehr Funktionen als Thus. Der CLI-Installer zeigt ein einfaches grafisches Menü im Terminalfenster und bietet die meisten Funktionen. Wir empfehlen die Verwendung von Calamares vor allem auf Uefi-Systemen. Thus hat hier oft Probleme bei der Grub-Installation.

Calamares fragt Sprache, Standort und Tastaturbelegung ab. Beim Punkt „Partitionen“ können Sie das bisherige Betriebssystem durch Manjaro ersetzen oder das neue System auf einer leeren Partition installieren. Für komplexere Aufgaben, etwa bei einem Uefi-PC, wählen Sie „Manuelle Partitionierung“. Sie können dann die Größe vorhandener Partitionen verändern, die Aufteilung der Partitionen selbst festlegen und den Ort für den Bootmanager Grub bestimmen. Nach weiteren Angaben zu Benutzernamen, Kennwort und Computernamen starten Sie die Installation per Klick auf „Weiter“.

Das Setuptool Calamares bietet die automatische Aufteilung der Festplatte an. Sichererer ist es jedoch, die Partitionierung manuell vorzunehmen.
Vergrößern Das Setuptool Calamares bietet die automatische Aufteilung der Festplatte an. Sichererer ist es jedoch, die Partitionierung manuell vorzunehmen.

2. Erste Schritte in Manjaro

Die klassische KDE-Oberfläche zeigt ohne Spielereien das Maia-Theme mit einer Grundstimmung in Grün, Weiß und Schwarz, die Fensterelemente sind fein gezeichnet und die Schriften gut lesbar. Wer – ähnlich wie bei Windows 7 oder Cinnamon – ein Startmenü mit Suchfunktion mag, wird sich hier wohlfühlen. Zur Konfiguration gehen Sie im Startmenü auf „Systemeinstellungen“. Unter „Erscheinungsbild“ können Sie das Desktop-Theme, Farben und Schriftarten einstellen.

Anwendungen in deutscher Sprache: Das Installationstool richtet nicht alle erforderlichen deutschen Sprachpakete ein. Um das nachzuholen, gehen Sie in den „Systemeinstellungen“ auf „Language Packages“. Unter „Available Language Packages“ sind die Pakete bereits ausgewählt und Sie müssen nur noch auf „Install Packages“ klicken. Die Änderungen gelten ab der nächsten Anmeldung.

Optimierte Treiber installieren: In den „Systemeinstellungen“ finden Sie in der Rubrik „Manjaro“ das Tool „Hardware Detection“. Es erkennt, ob Herstellertreiber etwa für Grafikkarten oder WLAN-Adapter verfügbar sind. Zur Installation genügt ein Klick auf „Auto Install Proprietary Driver“.

System aktualisieren: Gehen Sie im Startmenü auf „Favoriten -> Software hinzufügen/entfernen“. Damit starten Sie den Paketmanager Octopi . Beim ersten Aufruf aktualisiert das Tool automatisch die Paketdatenbank. Gehen Sie auf „Datei -> System aktualisieren“. Neue Software finden Sie über eine Suche in Octopi. Im Kontextmenü des gewünschten Programms wählen Sie „Installiere“. Klicken Sie auf „Transaktionen -> Anwenden“, und bestätigen Sie mit „Ja“. Nach Eingabe des root-Passworts klicken Sie auf „OK“. Octopi ermöglicht auch die Installation von Paketen aus dem Arch User Repository (AUR). Dabei handelt es sich um Programmpakete der Arch-Community für erfahrene Nutzer. Informieren Sie sich zuerst unter https://aur.archlinux.org über die verfügbaren Pakete. In Octopi klicken Sie auf das grüne Alien-Icon in der Symbolleiste, geben einen Suchbegriff ein und bestätigen mit der Eingabetaste. Die Installation erfolgt dann wie bei den Standardrepositorien.

Für eine optimale Leistung der Grafikkarte sollten Sie die proprietären Treiber des Herstellers installieren, sofern solche verfügbar sind.
Vergrößern Für eine optimale Leistung der Grafikkarte sollten Sie die proprietären Treiber des Herstellers installieren, sofern solche verfügbar sind.

Paketverwaltung im Terminalfenster: Octopi ist ein grafisches Front-End für das Kommandozeilen-Tool Pacman . Es funktioniert ähnlich wie apt bei Ubuntu / Debian . Mit folgender Befehlszeile führen Sie ein Systemupdate durch:

sudo pacman -Syu

Verwenden Sie den Schalter „-S“ gefolgt vom Suchbegriff, um nach Paketen zu suchen. Folgende Zeile installiert beispielsweise das Paket leafpad.

sudo pacman -S leafpad

Repositorium wechseln: Standardmäßig beziehen Sie mit Octopi oder Pacman Pakete aus dem stabilen Zweig („stable“) der Manjaro-Entwicklung. Manjaro verwendet eigene Repositorien: „Stable“ liegt etwa zwei Wochen hinter der Arch-Linux-Entwicklung zurück. Neuere Pakete gibt es im Zweig „testing“, der eine Woche Abstand zu Arch Linux hat. Die Software befindet sich noch in der Erprobungsphase, Fehler sind nicht auszuschließen. Experimentierfreudige können auch „unstable“ nutzen: Diese Pakete sind nur wenige Tage älter als die im offiziellen Arch-Repository.

Siehe auch: Manjaro - Arch Linux für Einsteiger

Um einen anderen Entwicklungszweig zu nutzen, öffnen Sie die Konfigurationsdatei:

sudo nano /etc/pacman-mirrors.conf

Ändern Sie „Branch=stable“ etwa auf „Branch=testing“. Speichern Sie die Änderung mit Strg-O und verlassen Sie den Editor mit Strg-X. Aktualisieren Sie die Liste der Downloadserver und die Paketdatenbank mit folgenden zwei Zeilen:

sudo pacman-mirrors -g
sudo pacman -Syyu

Sie können jederzeit zum stabilen Zweig zurückkehren, indem Sie die Änderung in der Datei „/etc/pacman-mirrors.conf“ rückgängig machen und dann folgende zwei Befehlszeilen ausführen:

sudo pacman-mirrors -g
sudo pacman -Suu

Mit der zweiten Zeile führen Sie ein Update des gesamten Systems durch, wobei Pakete aus dem Zweig „testing“ durch „stable“-Varianten ersetzt werden.

3. Antergos: Stets aktuell und flexibel

Über das Programm Octopi führen Sie Systemaktualisierungen durch und installieren, aktualisieren oder entfernen Softwarepakete.
Vergrößern Über das Programm Octopi führen Sie Systemaktualisierungen durch und installieren, aktualisieren oder entfernen Softwarepakete.

Antergos ist eine weitere Distribution, die den leichten Zugang zu Arch Linux mit einem Installer eröffnen will. Anders als Manjaro verwendet das System die gleichen Repositorien wie Arch Linux. Im Downloadbereich von https://antergos.com finden Sie Antergos Live ISO mit 32 und 64 Bit (etwa 1,7 GB). Das Livesystem vermittelt einen Eindruck vom Aussehen der Distribution und bringt einen Gnome -Desktop mit. Bei der Installation können Sie sich aber für einen anderen Desktop entscheiden. Zur Auswahl stehen neben Gnome auch Cinnamon, KDE, Mate, Openbox und XFCE . Alternativ gibt es auch ein Minimal-ISO mit etwa 500 MB zum Download, das ein Minimalsystem mit Installer enthält.

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Antergos installieren: Brennen Sie das ISO-Abbild auf DVD oder verwenden Sie einen USB-Stick wie unter -> Punkt 1 für Manjaro beschrieben. Im Bootmenü stellen Sie über die F2-Taste „Deutsch“ als Sprache ein und gehen dann auf „Starte Antergos-Live“. Klicken Sie im Fenster „Willkommen zu Antergos!“ auf „Installieren“.

Der Installer Cnchi ist etwas weiter entwickelt als Thus bei Manjaro. Beide teilen sich die gleiche Codebasis. Aber auch Cnchi wird noch als „Betasoftware“ bezeichnet. Für Antergos gelten daher die Sicherheitshinweise im Kasten „Sicherheitshinweise“ in besonderer Weise.

Die Installation verläuft ähnlich wie bei Manjaro, zusätzlich werden Sie nach der gewünschten Desktopumgebung gefragt und Sie können Programme wie Firefox , Libre Office oder Samba gleich mitinstallieren lassen. Ohne diese Auswahl richtet der Installer nur einen minimalen Satz an Programmen ein.

Antergos bietet bei der Installation eine Auswahl der Desktopoberfläche. Daher gibt es bei Antergos nur ein universelles Installations-ISO.
Vergrößern Antergos bietet bei der Installation eine Auswahl der Desktopoberfläche. Daher gibt es bei Antergos nur ein universelles Installations-ISO.

Antergos konfigurieren: Der KDE-Desktop unterscheidet sich funktional kaum von dem bei Manjaro. Das ist nicht weiter verwunderlich, da beide Systeme von den gleichen Paketquellen abstammen. Die Gestaltung ist jedoch anders, weil Antergos ein Theme mit Elementen aus dem Numix-Projekt verwendet. Unterschiede gibt es bei der Paketverwaltung. Im Startmenü finden Sie unter „Anwendungen -> System“ zweimal den Eintrag „Auf dem System installierte Software aktualisieren“. Hinter dem ersten verbirgt sich ein reiner Updatemanager, über den zweiten starten Sie den Paketmanager Pamac . Der eignet sich auch für Systemupdates, Sie müssen nur auf das Icon oben links klicken. Sind Updates vorhanden, bestätigen Sie die Installation mit „OK“ und geben das root-Passwort ein. Über Pamac können Sie außerdem nach Softwapaketen suchen und diese dann installieren.

Bei Antergos fehlt ein Tool zur Installation proprietärer Treiber. Die Treiberpakete für Nvidia finden Sie aber über Pamac. ATI-Treiber gibt es nur in einem inoffiziellen Repository ( siehe Antergos-Wiki ).

4. Netrunner: Schlichter Manjaro-Klon

Der Unterbau von Netrunner unterscheidet sich kaum von Manjaro. Als KDE-Startmenü kommt jedoch ein schlichterer Programmstarter zum Einsatz.
Vergrößern Der Unterbau von Netrunner unterscheidet sich kaum von Manjaro. Als KDE-Startmenü kommt jedoch ein schlichterer Programmstarter zum Einsatz.

Netrunner ist vor allem durch eine auf Kubuntu/Debian basierende Distribution bekannt. Mit Netrunner Rolling 2016.01 gibt es jetzt aber auch ein System auf Arch-Basis mit KDE. Der Downloadbereich von www.netrunner.com bietet bisher nur eine 64-Bit-Version. Die Standardinstallation umfasst typische KDE-Programme wie das Kcalc und Kate sowie Libre Office, Firefox und Thunderbird.

Netrunner installieren: Die Installation verläuft ähnlich wie bei Manjaro, denn Netrunner zeigt die gleichen Einträge im Bootmenü wie Manjaro und als Installer kommt auch hier Calamares zum Einsatz. Netrunner verwendet hauptsächlich Software aus den Manjaro-Repositorien. Deshalb gelten die Beschreibungen unter Punkt 1 größtenteils auch für dieses System.

Netrunner konfigurieren: Statt des herkömmlichen K-Menüs begrüßt den Anwender links unten nach einem Klick auf „Run“ der „Homerun Kicker“. Es handelt es sich um ein traditionelles und sehr übersichtliches Menü mit Suchfunktion für installierte Programme. Über „Einstellungen -> Systemeinstellungen“ lässt sich das Desktopdesign oder der Stil der Bedienelemente anpassen. In den Systemeinstellungen gibt es mit „Hardware Detection“ auch ein Tool zur Installation proprietärer Herstellertreiber.

Zur Verwaltung der Software finden Sie im Startmenü unter „System“ das Tool Muon-Aktualisierungsverwaltung für Updates und den Paketmanager „Muon-Discover“, der auch Updates installieren kann. Beide Tools entsprechen denen von Antergos. Das in Manjaro verwendete Octopi ist als Alternative ebenfalls an Bord.

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