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Was bringen 4,0 GByte Arbeitsspeicher wirklich?

Arbeitsspeicher ist günstig wie nie. Kaum verwunderlich, dass viele Spieler von 2,0 auf 4,0 GByte RAM aufrüsten wollen. Lohnt sich die Investition?

Speicher satt: 2,0 GByte Arbeitsspeicher kosten teils weniger als 40 Euro, die doppelte Menge gibt es ab 70 Euro – eine überschaubare Investition. Ob die einfache Rechnung »Viel hilft viel« auch beim Arbeitsspeichers aufgeht, untersuchen wir in diesem Artikel. Dabei gehen wir auch auf die 64-Bit-Variante von Windows Vista ein, die einige Vorteile bietet, aber auch mit Problemen zu kämpfen hat.

Was ist Arbeitsspeicher?
Jeder kennt das Phänomen: Beim ersten Start eines Spiels dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis sich das Menü öffnet oder der Level lädt. Beenden Sie nun das Spiel und starten es erneut, geht es deutlich schneller. Schuld daran ist der Arbeitsspeicher. Dort speichert das Betriebssystem alle Daten, auf die es häufig zugreift und die es gerade benötigt. Schaufelt der Rechner beim ersten Start erst noch alle Daten in den Arbeitsspeicher, fällt dieser Schritt beim zweiten Start weg – die Daten liegen noch im RAM (»Random Access Memory«, Speicher mit wahlfreiem Zugriff, die Daten können also direkt angesprochen werden, verlieren beim Ausschalten des PCs jedoch alle Daten).

Wenn Windows der Arbeitsspeicher ausgeht, muss es einen Teil der Daten auf die Festplatte auslagern, in den sogenannten »virtuellen Speicher«. Da ein Festplattenzugriff deutlich länger dauert als beim RAM, geht durch den Umweg über den virtuellen Speicher viel Zeit verloren – das Spiel fängt an zu ruckeln. Umso mehr Arbeitsspeicher im Rechner steckt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Windows Daten auslagern muss. Jedoch nutzt das Betriebssystem selbst einen beträchtlichen Teil des RAM. Während Sie mit 512 MByte unter Windows XP noch ordentlich arbeiten können, verlangt Vista fast zwingend 1,0 GByte – mit aktivierter Vista-Seitenleiste sollten sogar 2,0 GByte RAM im Rechner stecken.

32 Bit gegen 64 Bit
Die meisten Spieler haben noch Windows XP im Einsatz, erst rund ein Viertel unserer Leser setzt auf Vista. Eine steigende Anzahl von Beiträgen in unserem Forum macht aber deutlich: 64 Bit liegt bei Vista-Benutzern im Trend. Der triftigste Grund für den Umstieg auf ein 64-Bit-Betriebssystem ist der Arbeitsspeicher. Während 32-Bit-Systeme aufgrund ihrer Architektur nicht mehr als 4,0 GByte RAM unterstützen (232 Byte = 4.294.967.296 Byte), adressieren 64-Bit-Systeme theoretisch bis zu 16 Exabyte, das sind 16 Millionen Gigabyte. In der Praxis liegt die Grenze deutlich niedriger. Vista Home Basic kann maximal acht GByte ansprechen, Home Premium greift auf bis zu 16 GByte RAM zurück. Käufer der Versionen Business, Enterprise und Ultimate umwirbt Microsoft mit einer Unterstützung von maximal 128 Gigabyte RAM. In der Realität wird aber kaum ein Spieler diese Speichermenge erreichen, da die meisten Mainboards ohnehin höchstens mit 8,0 GByte umgehen können.

Ein 32-Bit-Windows verträgt also nicht mehr als 4,0 GByte – sollte eigentlich reichen. Allerdings teilen sich der Arbeitsspeicher und verschiedene weitere Geräte wie Grafikkarten und Soundkarten den Adressbereich. Bei einem Rechner mit einer 512MByte-Grafikkarte und 4,0 GByte RAM wird der Adressraum um 512 MByte überschritten. Die Folge: Das Betriebssystem begrenzt den Arbeitsspeicher auf etwa 3,5 GByte. Je mehr Speicher Ihre Grafikkarte besitzt, desto weniger RAM bleibt dem Rechner. Um die vollen 4,0 GByte Arbeitsspeicher nutzen zu können, müssten Sie auf eine 64-Bit-Variante wechseln.

64-Bit-Betriebssysteme sorgen jedoch auch für Probleme. So muss jeder Hersteller spezielle 64-Bit- Treiber veröffentlichen, weshalb gerade alte Hardware nur unzureichend unterstützt wird. Zudem verschlingt eine 64-Bit-Programmierung deutlich mehr Speicher. Crysis belegte mit 788 MByte RAM unter Vista 64 Bit fast 50 MByte mehr als in der 32-Bit-Version. Auch Spiele müssen mit dem neuen Betriebssystem umgehen können. Das »Games for Windows«Logo verlangt dies zwingend, sodass die Entwickler diese Herausforderung annehmen müssen.

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