693440

Zweiter Anlauf fürs Apple-Kino

09.06.2008 | 14:40 Uhr |

Apples Settop-Box Apple TV hat sich bisher nur mäßig verkauft. Analysten sahen gar das Ende der Box, die iTunes-Inhalte in das Wohnzimmer bringt. Doch der Filmverleih per iTunes Store soll dem Abspielgerät eine neue Karriere ermöglichen. Apple TV und Filmverleih in iTunes

VORERST KOMMEN NUR US-Amerikaner in den Genuss von Apples Online-Videothek, doch im Laufe des Jahres soll das Filmangebot auch hier zu Lande erhältlich sein. Die Preise sind moderat: Für 2,99 US-Dollar wandert ein Spielfilm auf die Festplatte, für Neuerscheinungen muss man einen Dollar mehr zahlen. Die Auflösung beträgt dabei 640 x 480 Pixel, der Bildinhalt wird aber auf das 16:9-WidescreenFormat skaliert. Dank anamorphen Pixeln wird der Bildinhalt nicht verzerrt wiedergegeben. Besitzer eines Apple TV können einige Spielfilme auch in HD-Qualität ausleihen, hier zahlt man für das 720p-Format zwischen 3,99 und 4,99 US-Dollar Gebühr. Zugänglich ist das neue Angebot über die neue Software zu Apple TV 2.0 oder die neue iTunes-Version 7.6, die Apple unmittelbar nach Ende der Keynote schon zum Download angeboten hat.

Wenn die Internet-Verbindung schnell genug ist, soll man laut Jobs einen frisch gekauften Film etwa 30 Sekunden nach Bestätigen des Kaufenknopfes schon starten können. Wer es nicht so eilig hat, kann bis zu 30 Tage warten, bis er sich den Film ansehen möchte. Sobald ein Film angelaufen ist, bleiben 24 Stunden zum Ansehen, dann löscht sich der Streifen automatisch aus der iTunes-Bibliothek. Ein eigenes Menü zeigt die verbliebene Zeitspanne von ausgeliehenen Filmen. Um nicht die Katze im Sack kaufen zu müssen, gibt es zu jedem Film einen kostenlosen Teaser, ähnlich den Anspielern im iTunes Music Store.

Außer am Computer lässt sich ein Film auch auf den aktuellen iPods Nano, Classic, einem iPhone und Apple TV wiedergeben. Allerdings kann man den Film nur zwischen Abspielstationen verschieben und nicht kopieren. Dafür merkt sich der Film die Abspielposition und setzt auf einem anderen Gerät an genau dieser Stelle wieder fort. Auch auf einem iPod gespeichert, löscht sich ein ausgeliehener Film übrigens automatisch nach Ablauf der Leihfrist.

Beachtliches Angebot
Bislang konnte man in den USA nur Fernsehsendungen und einige Filme kaufen. Die 125 Millionen verkauften Fernsehsendungen und die sieben Millionen verkaufter Filme sind zwar im Vergleich zu anderen Anbietern nicht schlecht, liegen aber unter Apples Erwartungen. Um das zu ändern, hat Apple verhandelt und tatsächlich alle großen Filmstudios für seinen Verleih gewinnen können. Darunter sind Touchstone, Miramax, MGM, New Line, Lions Gate, Fox, Paramount, Disney, Universal, WB und Sony, was angesichts der Unstimmigkeiten zwischen den großen Studios und Apple, über die in den letzten Wochen immer wieder berichtet wurde, die eigentliche Überraschung ist. Selbst Jeff Zucker, CEO von NBC, die sich im vergangenen Jahr so mit Apple gestritten hatten, dass Apple im Dezember die letzten NBC-Serien aus dem US-Store genommen hatte, ist nun laut eines Interviews mit der Financial Times US ein "großer Fan von Steve Jobs" und möchte "mit Apple im Geschäft sein".

Videothek im Wohnzimmer
Damit man Apples Videoverleih auch ohne Computer nutzen kann, hat Apple eine neue Software für seine Settop-Box vorgestellt, die Besitzer von Apple TV kos-tenlos erhalten. Apple TV sucht einmal pro Woche automatisch nach dem Update - wer die Software vorher haben möchte, sollte in den Einstellungen den entsprechenden Befehl aufrufen. Bis Redaktionsschluss war die neue Software noch nicht verfügbar, sobald sich das ändert, werden wir darüber berichten.

Die neue Software 2.0 ermöglicht es, Filme auszuleihen oder zu kaufen. Und nur mit Apple TV ist es möglich, HD-Filme auszuleihen. Diese bieten die Auflösung 720p (1280 x 720 mit 24 Bilder pro Sekunde) und liegen im Format H.264 vor. Die Filme kommen über Ethernet-Kabel oder WLAN an die kleine Box. In den USA will Apple bis Ende Februar über 100 Filme in HD-Qualität im Angebot haben, die auch 5.1 Dolby Digital Surround bieten. Wer diese Klangqualität genießen will, muss den optischen Tonausgang von Apple TV nutzen.

Laut Apple startet der Film nach dem Ausleihen über eine "schnelle" Verbindung in normaler Auflösung nach rund 30 Sekunden, hochauflösende Filme benötigen doppelt so lange. Außer im HD-Format kann man die Filme auch in herkömmlicher Auflösung ausleihen und diese dann auch mit dem Mac oder den aktuellen iPods austauschen.
Außer Videos kann man mit Apple TV ebenso Musik und Musikvideos im iTunes Store kaufen und diese auch zum Mac übertragen. Auch Fotos lassen sich nun mit Apple TV laden - vorausgesetzt, sie sind auf der Internet-Seite Flickr oder auf Apples kostenpflichtigem Online-Dienst .Mac gespeichert. Außerdem hat man wie bisher Zugriff auf einige tausend kostenlose Videos von Youtube, von denen einige auch im HD-Format vorliegen. In der neuen Fassung hat Apple den Kinderschutz von Apple TV erweitert. Eltern können zum Beispiel einstellen, dass Apple TV nach einem Kennwort fragt, bevor man eine Vorschau ansehen oder einen Film im Internet ausleihen kann.

Apple TV: Technik wie bisher
An der technischen Ausstattung von Apple TV hat sich nichts geändert. Im Inneren findet man einen kompletten PC mit Intel-CPU. Ein 48-Watt-Netzteil hat Apple in das Gehäuse integriert, das mit knapp 20 Zentimetern Kantenlänge eine größere Stellfläche als ein Mac Mini bietet, dafür aber mit einer Höhe von drei Zentimetern deutlich flacher ist. Die Kommunikation mit dem Rechner erfolgt über 10/100-Ethernet oder WLAN nach dem aktuellen Entwurf des 802.11n-Standards. Auch die älteren g- und b-Funknetze werden unterstützt. Die integrierte Festplatte fasst 40 oder 160 Gigabyte.

Für die Bildausgabe bietet Apple TV eine HDMI-Buchse an, wie sie viele aktuelle Flachbildfernseher haben. Das Bildsignal von HDMI ist übrigens DVI-kompatibel. Als Alternative besitzt Apple TV einen Ausgang für ein Komponenten-Videosignal. Ältere Fernseher bleiben auf der Strecke. Anschlusskabel liefert Apple nicht mit, lediglich Stromkabel und Fernbedienung liegen dem Gerät bei. Für reine Tonsignale stehen ein digitaler Toslink-Ausgang und ein analoger Stereoanschluss zur Verfügung. Über den optischen Ausgang lassen sich genau wie per HDMI auch Dolby-Digital-Signale an einen Surround-Decoder ausgeben. Ob die Preissenkung auf 229 US-Dollar, mit denen Apple seinen US-Kunden das neue Angebot attraktiv macht, auch deutschen Kunden den Kauf erleichten soll, ist ungewiss. Sicher ist nur, dass Apple eine Preissenkung, wenn überhaupt, erst mit einem deutschen Filmverleih zusammen umsetzt.

Fazit
Endlich ist der Knoten geplatzt und zumindest in den USA ist das Entertainment im Wohnzimmer ein Stück weit komfortabler geworden. Bleibt zu hoffen, dass der Filmverleih auch bald hier zu Lande möglich ist und dass Apple wie in USA den Preis des Apple TV senkt.

0 Kommentare zu diesem Artikel
693440