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Apple Pay – bezahlen mit dem Smartphone

07.11.2014 | 11:09 Uhr |

In den USA kann man nun dem neuen iPhone 6 in Geschäften bezahlen. Verhilft dies dem Mobile Payment zu mehr Akzeptanz und damit endlich zum Durchbruch?

In Deutschland macht die Paybox quasi über Nacht 25 Millionen Mobiltelefone zu universellen Bezahlterminals – so hieß es im Jahr 2000, als das gleichnamige Unternehmen sein System für mobiles Bezahlen mit dem Handy einführte. In Frankfurt am Main konnte man, vorausgesetzt man bezahlte seine fünf Euro Mitgliedsgebühr bei Paybox, sogar in 300 Taxis bargeldlos zahlen. Damals klang das nach großer Zukunft.

15 Jahre später stellt sich die Welt des mobilen Bezahlens ernüchtert dar: Viele Anbieter kochen weiter ihr eigenes Süppchen, es existiert kein einheitlicher technischer Standard und mancher Einkaufsversuch endet frustrierend . Von einer breiten Akzeptanz kann hierzulande keine Rede sein, dabei existiert mit NFC (Near Field Communication) eine Technologie, über die sich vergleichsweise problemlos, sicher und schnell bezahlen lässt.

Geniale NFC-Tags selber machen - so geht´s

Aktuell beschränkt sich das kontaktlose Bezahlen in Deutschland praktisch auf Bank- und Kreditkarten mit NFC-Chip . Handy-gestützte Systeme setzen stets eine spezielle Lösung voraus, obwohl zahlreiche Android-Smartphones bereits seit Jahren über NFC verfügen. So müssen bei MyWallet von der Deutschen Telekom selbst die Besitzer einiger solcher Handys einen separaten NFC-Aufkleber anbringen, welche die Nahfunktechnik bereits beherrschen.

15 Jahre her und nach wie vor kein Durchbruch in den Alltag: Im Jahr 2000 führte der Dienstleister Paybox das mobile Bezahlen mit dem Handy in Deutschland ein.
Vergrößern 15 Jahre her und nach wie vor kein Durchbruch in den Alltag: Im Jahr 2000 führte der Dienstleister Paybox das mobile Bezahlen mit dem Handy in Deutschland ein.
© Paybox

Erschwert wird der tägliche Einsatz der NFC-Karte auch deshalb, weil Schätzungen zufolge in Deutschland nur rund fünf Prozent der Kreditkartenterminals das kontaktlose Bezahlen akzeptieren. Immerhin will Mastercard nun alle neu aufgestellten Kassen mit der Nahfunktechnik ausrüsten, bis 2018 soll die Umrüstung abgeschlossen sein. So nimmt es kein Wunder, dass das Kassenpersonal häufig immer noch in einer Anleitung nachschlagen oder Kollegen um Hilfe fragen muss, wenn ein Kunde per Funk bezahlen möchte. Ganz zu schweigen von den Insellösungen einiger Ketten, die das Bezahlen nur mittels eigener Handy-App ermöglichen.

Apple Pay könnte Mobile Payment zum Durchbruch verhelfen

Nun also versucht Apple, dem mobilen Bezahlen zum Durchbruch zu verhelfen. Dabei hatte sich der US-Konzern lange gegen NFC gesträubt und stattdessen auf die Beacon-Technik gesetzt. Dahinter steht Bluetooth 4.0 (Bluetooth Smart). Dieser Funkstandard lässt sich sowohl für die Indoor-Navigation als auch zum mobilen Bezahlen verwenden. Der Bezahldienstleister Paypal will eigenen Angaben zufolge in Kürze das Bezahlen per Bluetooth ermöglichen.

Mit der Vorstellung des neuen iPhone 6 und 6 Plus im September 2014 hatte Apple dann aber doch NFC in seine Smartphones implementiert. Und ein Monat später ging mit Apple Pay das mobile Bezahlsystem an den Start. Vorerst auf die USA beschränkt können Besitzer eines iPhone 6 dort mittlerweile in einer Reihe von Geschäften bezahlen, darunter in den Kaufhäusern Macy’s und Bloomingdale’s, in den Disney-Geschäften, bei McDonalds, Toysrus und den Schnellrestaurants von Subway. Autorisiert werden die Käufe auf dem iPhone über den Fingerabdrucksensor.

Apple Pay, der neue Dienst zum mobilen Bezahlen mit dem iPhone, wird vorerst nur in den USA angeboten. Ob und wann er nach Deutschland kommt, ist derzeit offen.
Vergrößern Apple Pay, der neue Dienst zum mobilen Bezahlen mit dem iPhone, wird vorerst nur in den USA angeboten. Ob und wann er nach Deutschland kommt, ist derzeit offen.

Alle Infos zur Apple Watch im Video

Im Verlauf dieses Jahres 2015 will Apple das Bezahlen dann auch mit seiner neuen Smartwatch in Kombination mit einem iPhone der fünften Generation ermöglichen. Darüber hinaus lassen sich mit Apple Pay In-App-Käufe bezahlen, beispielsweise in der App des umstrittenen Fahrdienstes Uber. Autorisiert wird dabei ebenfalls per Touch-ID. Fürs In-App-Bezahlen ist kein NFC-Chip erforderlich, es funktioniert somit auch auf den neuen Tablets, dem iPad Air 2 und dem iPad Mini 3.

Verhilft Apple dem mobilen Bezahlen damit endlich zum Durchbruch? Dafür spricht, dass der US-Hersteller wie gewohnt ein komfortables, einfach zu benutzendes Gesamtpaket anbietet. Solch absurde „Lösungen“ wie das zusätzliche Aufkleben eines zusätzlichen NFC-Stickers auf ein Smartphone mit integriertem NFC gibt es hier nicht. Außerdem hat Apple in den USA neben den drei Kreditkartenunternehmen American Express, Mastercard und Visa diverse Großbanken wie die Bank of America, Citygroup und JP Morgan Chase sowie 500 weitere Kreditinstitute an Bord geholt. Nach Angaben von Apple sind damit 83 Prozent der Kreditkartenzahlungen in den USA erfasst.

Wenn die Apple Watch im Jahr 2015 auf den Markt kommt, soll das mobile Bezahlen mit Apple Pay auch mit der neuen Smart Watch und einem älteren iPhone möglich sein.
Vergrößern Wenn die Apple Watch im Jahr 2015 auf den Markt kommt, soll das mobile Bezahlen mit Apple Pay auch mit der neuen Smart Watch und einem älteren iPhone möglich sein.
© Apple

Auf der anderen Seite ist die Zahl der landesweit 220.000 Geschäfte, die das kontaktlose Bezahlen beim Start von Apple Pay unterstützten, geradezu mickrig angesichts der rund acht Millionen Läden in den USA. Auffällig ist schließlich, dass viele große Ketten Apples Bezahlsystem nicht unterstützen, Walmart als größter US-Einzelhändler überhaupt und die Elektronikkette Best Buy sind nur zwei Beispiele. Schließlich können viele händlereigene Kreditkarten der Geschäfte, die das Bezahlen mit dem iPhone im Prinzip unterstützen, nicht mit Apple Pay genutzt werden.

Wie geht es weiter in Deutschland?

Apple hat Strahlkraft. Wenn nach 15 Jahren ein Unternehmen dem mobilen Bezahlen zum Durchbruch verhelfen könnte, dann Apple, hofft die Branche. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass der Deutsche Sparkassen- und Giroverband bereits Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet hat, wenn Apple Pay in Deutschland startet.

Noch aber ist es nicht so weit, und wann die Firma ihren Bezahldienst hierzulande anbietet, ist derzeit offen. Konkurrent Google beschränkt sich nach wie vor auch deshalb auf die USA, weil der europäische Markt zerklüftet und die Bezahlgewohnheiten in den einzelnen Ländern unterschiedlich sind. In Deutschland beispielsweise wird viel bar bezahlt und wenn mit Karte, dann mit der „EC-Karte“ – die inzwischen längst Girocard heißt.

Tatsächlich könnten mit Apples Festlegung auf die NFC-Technik die Zahl der Bezahlmöglichkeiten und damit auch die allgemeine Akzeptanz steigen. Dies ist dringend notwendig, auch wenn die Sparkassen kürzlich 10.000 Akzeptanzstellen für ihre Girogo-Karten in Deutschland feierten. Denn angesichts der Zahl aller Geschäfte ist auch die Zahl klein. Im Einkaufsalltag jedenfalls werden die mehr als 20 Millionen hierzulande ausgegebenen Bankkarten mit NFC-Funktion noch kaum genutzt.

Solche RFID-Schutzhüllen für NFC-Kreditkarten kosten nur wenige Euro und sollen vor kriminellen, unautorisierten Transaktionen per Funk schützen.
Vergrößern Solche RFID-Schutzhüllen für NFC-Kreditkarten kosten nur wenige Euro und sollen vor kriminellen, unautorisierten Transaktionen per Funk schützen.
© Pacsafe

Schließlich stellt sich die Frage, ob das Bezahlen per NFC auch sicher ist. Beim neuen iPhone ist der Fingerabdrucksensor zum Autorisieren der kontaktlosen Zahlung erforderlich. Wie aber steht es bei anderen Systemen und NFC-fähigen Bank- und Kreditkarten, bei denen sich Beträge bis 20 oder 25 Euro in aller Regel ohne jede weitere Bestätigung abbuchen lassen? Theoretisch besteht ein Risiko, aber es ist gering. Das ist die Quintessenz der Einschätzung von Experten bei der Beurteilung verschiedener Angriffsszenarien. Mehr zum möglichen Abgreifen der Kreditkartendaten, um damit später online auf Einkaufstour zu gehen, zum Remote-Angriff und zum direkten Abbuchen lesen Sie hier .

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