03.07.2012, 13:09

Peter Stelzel-Morawietz

Ratgeber Online-Videothek

„Apple-TV Killer“ Volksbox Movie vom Mediamarkt im Test

Online-Videothek und Mediaplayer, das ist schon alles: Die Volksbox Movie vom Mediamarkt ist kein Ersatz für echtes Smart-TV. ©Scanrail / iStockphoto

Eine Settop-Box mit Online-Videothek klingt nach Smart-TV zum Nachrüsten. Doch Mediamarkt vermeidet den Begriff tunlichst. Zu Recht, denn mehr als ein Mediaplayer mit Zugriff auf Internet-Videos ist das 69-Euro-Gerät nicht.
Volksbox Movie – den Begriff hat der Elektronikdiscounter clever gewählt. Das klingt nach auspacken, anschließen, läuft! Doch ganz so einfach ist es nicht. Zum einen kommt man um eine Aktivierung des Gerätes im Internet nicht herum. Das ist bei einer Online-Videothek mit Kauf- und Leihfunktion und gesetzlichem Altersnachweis praktisch unvermeidlich.
Schwerer wiegt der Umstand, dass die Settop-Box nach der Erstinstallation noch nicht zufriedenstellend läuft: Zum einen stimmt die Einstellung der Bildauflösung trotz Automatikmodus nicht. Das Problem lässt sich zwar durch manuelles Ändern der Einstellungen schnell lösen, doch bei einer „Volksbox“ für jedermann sollte man erwarten, dass alles auf Anhieb läuft.
Im Test zeigt sich zudem ein weiteres, schwerwiegendes Problem: Das Gerät verweigert bei einigen Videos im AVCHD-Format die Tonausgabe und blockiert danach das Audiosignal auch für Online-Videos. Erst ein Neustart der Settop-Box macht das Abspielen wieder zum audiovisuellen Vergnügen. Ein Firmware-Update stand zum Zeitpunkt des Tests nicht zur Verfügung.

Online-Videothek vom Mediamarkt ist die Kernfunktion der Volksbox

Verzichtet man auf derartige Spielereien und beschränkt sich auf die Kernfunktion, kann die Volksbox Movie durchaus überzeugen. Die Online-Videothek des Elektronikriesen ist ausgesprochen einfach zu bedienen, die Auswahl der Filme groß, der Shop mit seinen Rubriken, Merklisten und Sortiermöglichkeiten entspricht dem Standard anderer Video-on-Demand-Dienste.
Gelungen ist darüber hinaus die automatische Ergänzung und Vorschau, sobald man in der Filmsuche per Fernbedienung und Bildschirmtastatur die ersten Buchstaben des gewünschten Titels eingibt. Da stört es kaum, dass eine angeschlossene Tastatur nur eingeschränkt funktioniert. Die Abspielqualität ist gut und HD-Videos laufen mit einem 16.000er-DSL-Anschluss flüssig. Die Preise fürs 48-Stunden-Leihen neuer Filme in maximaler Auflösung liegen mit meist 4,99 Euro auf dem Niveau von Apples iTunes-Shop, Konkurrent Maxdome ist zumindest teilweise etwas preiswerter.
Gutscheine zum Leihen von drei Filmen sind im Kaufpreis von 69 Euro enthalten, eine „Famlien“-Funktion soll für den erforderlichen Jugendschutz sorgen. Doch im Test schlägt die Online-Altersverifizierung zunächst fehl.
Als mühsam erweist sich zudem die etwas träge Reaktion nach jedem Tastendruck auf die Fernbedienung: Hat das Gerät den Befehl nur noch nicht verarbeitet oder noch gar nicht empfangen? Oft genug springt der Cursor auf der Bedienoberfläche anfangs zu weit, weil man nochmals auf die Pfeiltaste drückt, damit die Box endlich reagiert. Nach einiger Zeit hat man sich daran gewöhnt und kennt das Gerätemotto: In der Ruhe liegt die Kraft.

Mediaplayer im Netzwerk, aber keine Smart-TV-Funktionen

Daneben spielt die Mediamarkt-Box Bilder, Musik und Video im Heimnetzwerk oder von USB-Datenträgern ab. Von den genannten Tonproblemen bei Filmaufnahmen von Digitalkameras und Camcordern abgesehen funktioniert das Abspielen einwandfrei. Sowohl lokale Datenträger als auch Netzwerkfestplatten, Rechner und Router im Heimnetzwerk werden gleich erkannt.
Allerdings merkt sich die Volksbox jeden zuvor bereits einmal ausgewählten Unterordner, so dass die Auswahlliste schnell ziemlich unübersichtlich wird. Obwohl das Gerät auf Android (Version 2.2) läuft, fehlt jeglicher Store zum Nachinstallieren von Apps. Einzig Picasa und YouTube sind schon auf der Oberfläche zu finden – vermutlich ein Eingeständnis an den Hardware-Hersteller Inverto, der weiter seine höherwertigen Smart-TV-Boxen verkaufen möchte.
Ein Ersatz für eine vollwertige Smart-TV-Box oder gar ein „Apple-TV-Killer“ ist die Volksbox Movie also nicht. Wer sich dagegen auf Video-on-Demand beschränkt, kann mit dem Gerät vom Mediamarkt durchaus leben. Allerdings gibt es den vergleichsweise geringen Preis nun wirklich keine Höllenmaschine, sondern eine ziemlich träge Settop-Box.
Am Schluss bleibt ein Blick auf die technischen Daten: Die Settop-Box ist mit den Maßen 14 x 9 x 2,7 Zentimeter etwa so groß wie ein kleines, dickeres Taschenbuch und verfügt über einen LAN-, einen HDMI- und zwei USB-Anschlüsse. Eine WLAN-Dongle liegt ebenso bei wie die Fernbedienung mit zwei Batterien, das Netzteil und die (mangelhafte) Bedienungsanleitung. Kritik verdient schließlich der Standby-Modus: Das Gerät verbraucht in der voreingestellten Variante „Standard“ nicht wie in der Werbung angegeben nur ein Watt, sondern 3,5 Watt. Ändert man die Einstellung nicht manuell auf „Ökologisch“, summiert sich die Jahresverbrauch auf gut 30 Kwh und verursacht jährliche Stromkosten von rund acht Euro.
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