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Android endlich abhörsicher – so geht´s

13.07.2014 | 08:55 Uhr |

Firmen sammeln Nutzerdaten und Behörden belauschen Telefonate. Sie haben die Nase voll davon, Daten preiszugeben? Wir zeigen, wie Sie Android vor Zugriffen Dritter absichern.

Sobald Sie Ihren Androiden mit dem Internet verbinden, schicken Sie mehr Daten in die freie Welt, als Ihnen wahrscheinlich lieb ist – und zwar nicht immer freiwillig. Tracker verfolgen Ihre Spuren im Internet, um aufgrund Ihres Surfverhaltens passende, aber oft nervige Werbung für Sie zu schalten, fremde Personen können mit speziellen Methoden Ihre Telefonate mitschneiden, und Ihr E-Mail-Verkehr ist im Grunde ein offenes Buch.

Die Grundsicherung
Um den unbefugten Zugriff auf den eigenen Androiden zu verhindern, können Sie simple, aber wirkungsvolle Sicherungsmaßnahmen auf dem Gerät aktivieren.

Um den unbefugten Zugriff auf den eigenen Androiden zu verhindern, können Sie simple, aber wirkungsvolle Sicherungsmaßnahmen auf dem Gerät aktivieren.
Vergrößern Um den unbefugten Zugriff auf den eigenen Androiden zu verhindern, können Sie simple, aber wirkungsvolle Sicherungsmaßnahmen auf dem Gerät aktivieren.

SIM-Sperre: Jede SIM-Karte ist ab Werk mit einer PIN-Nummer geschützt, die im Idealfall nur Sie selbst kennen. In den Einstellungen unter „Sicherheit“ finden Sie den Punkt „SIM-Sperre einrichten“. Tippen Sie darauf, können Sie Ihre SIM-Karte mit einer selbst gewählten vierstelligen PIN-Nummer schützen. Der Vorteil: Bei jedem Smartphone-Neustart muss der Nutzer diese Nummer eingeben, um die SIM zu entsperren und das Handy zu nutzen. Dritte können demnach Ihr Smartphone nicht mit Ihrer SIM-Karte in Betrieb nehmen. Bildschirmsperre: Darüber hinaus sollten Sie in den Einstellungen unter „Sicherheit“ eine Bildschirmsperre einstellen. Sobald Sie dann das Smartphone aktivieren, werden Sie aufgefordert, das Display zu entsperren – andernfalls können Sie das Gerät nicht nutzen. Zur Auswahl stehen die Gesichtserkennung, ein Muster eine PIN-Nummer sowie ein Passwort.

Die 10 wichtigsten Android-Sicherheitstipps

Sensible Daten verschlüsseln
Auf dem Smartphone liegen viele sensible Daten wie Fotos, Videos und Zugangsdaten zu sozialen Netzwerken, die Sie unbedingt schützen sollten. Android selbst bietet dafür eine Grundverschlüsselung der Daten an. Dafür tippen Sie in den Einstellungen unter „Sicherheit“ oder „Speicher“ auf den Punkt „Telefon verschlüsseln“.

Voraussetzung: Bevor Sie mit der Verschlüsselung loslegen, müssen Sie Ihren Akku komplett aufladen. Außerdem fordert Sie das Gerät auf, eine numerische PIN oder ein Passwort einzustellen, damit Sie bei jeder Smartphone-Aktivierung die Daten des Telefonspeichers entschlüsseln.

Wichtig zu wissen: Bevor Sie Ihre Daten verschlüsseln, sollten Sie ein Backup anlegen, das Sie nicht im internen Speicher des Smartphones ablegen. Das erledigen Sie entweder mit den Verwaltungsprogrammen der Hersteller selbst wie Samsung Kies. Oder Sie nutzen eine Drittanbieter-Software wie den My Phone Explorer , der mit den meisten Smartphones kompatibel ist.

Der Nachteil: Sobald Sie nämlich den Telefonspeicher von seiner Verschlüsselung befreien möchten, müssen Sie das Gerät auf die Werkseinstellungen zurücksetzen. Dabei werden sämtliche auf dem Handy befindlichen Daten gelöscht.

Android selbst bietet in den Einstellungen eine Grundverschlüsselung der eigenen Daten an – dafür ist nur eine PIN nötig.
Vergrößern Android selbst bietet in den Einstellungen eine Grundverschlüsselung der eigenen Daten an – dafür ist nur eine PIN nötig.

Alternative Android-Verschlüsselung: Wollen Sie nicht Ihr komplettes Smartphone, sondern nur einzelne Dateien darauf verschlüsseln, können Sie unter anderem auf die englischsprachige App File Locker zurückgreifen. Sie ist im Grunde wie ein simpler Dateimanager aufgebaut. In der Anwendung navigieren sie zu den Dateien, die Sie verschlüsseln möchten. Daraufhin markieren Sie die Dateien und tippen anschließend auf den Befehl „Lock“. Danach vergeben Sie ein Passwort, damit keine andere Person darauf zugreifen kann. Übrigens lassen sich so auch komplette Ordner verschlüsseln.

Aber Achtung: Zwar können Fremde die verschlüsselten Dateien ohne passendes Kennwort nicht lesen, unsichtbar sind sie aber auch nicht.

So ändern Sie Ihr Google-Passwort

Anonym im Internet surfen

Mit Ihrem Smartphone surfen Sie unterwegs viel im Web. Damit Sie nicht Ihre ganzen Daten im Internet verbreiten, können Sie sich anonym und vor allem sicher im Netz bewegen. Dazu benötigen Sie nur den Tor-Client „ Orbot: Proxy with Tor “.

Mit dem Tor-Client Orbot in Kombination mit dem Sicherheits-Browser Orweb surfen Sie anonym im Internet, auch ohne Root.
Vergrößern Mit dem Tor-Client Orbot in Kombination mit dem Sicherheits-Browser Orweb surfen Sie anonym im Internet, auch ohne Root.

Mit Root: Die Anwendung funktioniert zwar auch grundsätzlich ohne Root-Rechte. Möchten Sie aber den gesamten Datenverkehr schützen, kommen Sie um die erweiterten Rechte nicht herum. Denn sonst können Sie nur wenige Apps nutzen, die Orbot unterstützen – immerhin gehören Twitter und Firefox dazu. Wie Sie auf Ihrem Android-Smartphone alle Berechtigungen erlangen, finden Sie im Artikel unter „ Android rooten “.

Nur ist es mit der Installation der App noch nicht getan. Um wirklich anonym zu surfen, müssen Sie Orbot richtig konfigurieren. Dazu erlauben Sie der Anwendung dauerhaften Root-Zugang. Anschließend setzen Sie den Haken bei „Anfrage auf Root-Zugriff“ und „Transparenter Proxy“, damit die Apps über das Tor-Netzwerk laufen. Außerdem können Sie bestimmen, ob nur einzelne Apps („Apps auswählen“) oder gleich alle Anwendungen („Alles durch Tor leiten“) durch das Netzwerk laufen. Zum Abschluss halten Sie einen Finger lange auf den großen Power-Button gedrückt, um Tor erst zu aktivieren. Nun können Sie überprüfen, ob Ihre Einstellungen korrekt sind und Sie über das Tor-Netzwerk surfen. Dazu tippen Sie in der App auf die Weltkugel, woraufhin ein Browser-Fenster erscheint, in dem eine positive Nachricht stehen sollte.

Durch Drehen des Power-Buttons in der App Orbot wechseln Sie zu einer anderen IP-Adresse, mit der Sie im Netz unterwegs sind.
Vergrößern Durch Drehen des Power-Buttons in der App Orbot wechseln Sie zu einer anderen IP-Adresse, mit der Sie im Netz unterwegs sind.

Tor-Identität: Um Ihre Spuren im Web noch besser zu verwischen, starten Sie Orbot. Nun streichen Sie seitwärts über den aktivierten Power-Button. Er sollte sich nun um seine eigene Achse drehen. Dabei wandeln Sie die Tor-Identität, wodurch sich Ihre ID-Adresse, mit der Sie sich im Netz bewegen, ändert.

Ohne Root: Verfügen Sie über keine Root-Rechte auf Ihrem Android-Smartphone, dann sollten Sie den Tor-Client Orbot in Verbindung mit dem Security-Browser Orweb nutzen. Verwenden Sie beide Apps in Kombination, verwischen Sie beim Surfen auf Webseiten Ihre Spuren.

Nachteil: Zwar schützen Sie mit Tor Ihre Privatsphäre. Jedoch müssen Sie mit schwächelnder Performance rechnen. Ohne Tor sind wir mit 2,9 MBit/s im Netz unterwegs, während dessen Nutzung nur noch mit etwa 1,6 MBit/s – in der Praxis ist das deutlich spürbar. Und: Das Tor-Netzwerk gilt derzeit als kompromittiert durch das FBI!

Android ohne Google-Konto nutzen

Abhörsicher telefonieren

Normale Festnetztelefone, klassische Handys sowie aktuelle Smartphones können im Grunde von jedem abgehört und überwacht werden. Damit Sie keinen dritten und unerwünschten Teilnehmer in der Leitung eines privaten Gesprächs haben, der jedes Wort mitverfolgt, lassen sich die Telefonate ganz einfach verschlüsseln. Dazu benötigen Sie nur die App Red Phone:: Secure Calls , um mit dem Android-Gerät verschlüsselt über VoIP telefonieren können.

Mit der App Red Phone telefonieren Sie verschlüsselt über eine VoIP-Verbindung kostenlos via WLAN oder 3G.
Vergrößern Mit der App Red Phone telefonieren Sie verschlüsselt über eine VoIP-Verbindung kostenlos via WLAN oder 3G.

Gratis und verschlüsselt: Um die Anwendung Red Phone zu nutzen, müssen Sie in der App Ihre Mobilnummer verifizieren. Anschließend läuft eine SMS-Verifizierung, über die Ihre Nummer registriert wird.

Damit Sie verschlüsselt mit Ihrem Gesprächspartner über Ihr Android-Gerät kommunizieren können, muss dieser ebenfalls die Anwendung nutzen. Wenn Sie nun einen Bekannten über die App anrufen, erscheint bei ihm der eingehende Anruf als Red-Phone-Anruf. Daraufhin läuft die Verschlüsselung des Gesprächs in Echtzeit.

End-to-End-VoIP-Gespräch: Ein verschlüsseltes Gespräch funktioniert mit der Anwendung nicht über den Mobilfunk, sprich GSM. Red Phone baut dafür extra eine VoIP-Verbindung auf, mit der Sie über das Internet kommunizieren. Im heimischen WLAN-Netz telefonieren Sie somit kos-tenfrei und sicher. Unterwegs funktioniert das Telefonat über das 3G-Netz, wobei es zu Abstürzen kommen kann, wenn die Empfangsleistung ungenügend ist. Außerdem sollten Sie hierbei über eine Internet-Flat verfügen, sonst steigen die Kosten ins Unermessliche.

Audioqualität: Bei einer beidseitigen WLAN-Verbindung ist der Klang recht gut. Zwar kommt das gesprochene Wort knapp einige Sekunden verzögert beim Gesprächspartner an, dafür kann keine fremde Person mithören. Unterwegs ist über 3G der Ton erstaunlich klar und deutlich. Bei einem 30-sekündigen Kurzanruf lag der Datenverbrauch bei 1 MB. Telefonieren Sie nicht zu lange, geht das noch in Ordnung.


Verschlüsselte Mails unter Android versenden
Prinzipiell kann jeder E-Mails anderer Personen im Web abfangen. Das große Problem: Die Mails werden im Klartext über eine weitestgehend offene Leitung übertragen. Um das zu verhindern, genügen allein schon zwei Apps.

Mit APG verschlüsseln Sie Ihre E-Mails und versenden sie entweder direkt aus der App selbst oder mit einem Mail-Programm wie K-9 Mail.
Vergrößern Mit APG verschlüsseln Sie Ihre E-Mails und versenden sie entweder direkt aus der App selbst oder mit einem Mail-Programm wie K-9 Mail.

Googlemail verschlüsseln: Installieren Sie zunächst die Sicherheits-App APG, die den Open-PGP-Standard für Android umsetzt. Um die App zu nutzen, müssen Sie zunächst zwei Schlüssel erstellen. Dazu tippen Sie in der App auf „Menü > Private Schlüssel verwalten > Menü > Schlüssel erzeugen“. Unter „Benutzer-IDs > Main User ID“ vergeben Sie nun einen Benutzernamen und geben Ihre Mail-Adresse an. Klappen Sie den Punkt „Schlüssel“ auf, und wählen Sie unter „Usage“ „Signieren und verschlüsseln“ aus. Daraufhin tippen Sie oben auf „Passwort ändern“ und legen ein Passwort fest. Tippen Sie erst jetzt unten auf „Speichern“.

Ist die Einrichtung erfolgreich abgeschlossen, sollten Sie jetzt zwei Schlüssel angelegt haben – einen privaten, den Sie auf keinen Fall weitergeben, sowie einen öffentlichen Key. Diesen öffentlichen geben Sie an Ihre Kontakte weiter, sodass diese ihre Nachrichten an Sie damit verschlüsseln können. Zum Entschlüsseln der Nachrichten setzen Sie wiederum Ihren privaten Schlüssel ein.

Im umgekehrten Fall importieren Sie den öffentlichen Schlüssel Ihrer Kontakte. Speichern Sie den erhaltenen Code auf Ihrem Smartphone, starten Sie die App APG, und tippen Sie auf „Menü > Öffentliche Schlüssel verwalten > Menü > Schlüssel importieren“. Wählen Sie den Pfad zum Schlüssel mit der Endung „asc“ oder „gpg“ aus, und bestätigen Sie mit „OK“. Allerdings gibt es einen Nachteil: Sie müssen eine Nachricht, die Sie verschlüsseln möchten, in der App selbst schreiben und anschließend Ihr Googlemail-Konto auswählen. Das ist etwas umständlich.

K-9 Mail verschlüsseln: Wesentlich komfortabler funktioniert das verschlüsselte Versenden einer Mail mit dem Nachrichten-Client K-9-Mail , der APG nativ unterstützt. Schreiben Sie die Mail direkt in K-9-Mail, können Sie auswählen, ob Sie eine Nachricht nur signieren oder auch verschlüsseln wollen.

Verschlüsselte Textnachrichten verschicken

Nutzer aktueller Smartphones kommunizieren vermehrt über Chat-Programme via Internet-Verbindung. Zu den bekanntesten Messenger-Apps gehört Whatsapp. Weil die Textnachricht aber als Klartext, ähnlich wie eine E-Mail, übertragen wird, könnten Unbefugte den Chat-Verlauf aufzeichnen und gegen Sie verwenden.

Verschlüsselt mit dem Smartphone chatten

Es gibt unterschiedliche Lösungen, wie Sie Ihre Nachrichten verschlüsseln. Zum einen können Sie spezielle verschlüsselte Messenger nutzen, um untereinander sicher zu chatten. Zum anderen gibt es Sicherheits-Apps, die bestehende, ungeschützte Apps sicher machen. Wie das im Detail aussieht und welche Apps für welchen Einsatzzweck am besten geeignet sind, erfahren Sie in dem Artikel „ Sicher chatten (mit verschlüsselten Messengern)“.

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