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Android als Fernbedienung für das Smart Home

25.01.2015 | 09:09 Uhr |

Smart-TVs, Blu-ray-Player, PCs und viele andere Geräte lassen sich über ein Android-Smartphone oder Tablet bequem bedienen. Der Artikel zeigt, welche Apps Sie dafür benötigen.

Smartphones sind Telefone und Kameras, sie dienen zur Kommunikation über das Internet und als Mediaplayer. Die meisten Nutzer haben die Geräte stets griffbereit, und so liegt es nahe, Smartphones auch für weitere Aufgaben einzusetzen, die sonst von anderen Geräten erledigt werden. Dank WLAN und Bluetooth eignen sich Smartphones oder Tablets besonders gut zur Steuerung von Smart- TVs oder Mediaplayern sowie zur Überwachung. Es ist außerdem möglich, Lampen oder andere elektrische Geräte über das heimische Netzwerk oder das Internet ein- und auszuschalten. Einige Smartphones sind zusätzlich mit einem Infrarotsender (IR) ausgestattet und können daher sogar herkömmliche Fernbedienungen für das TV-Gerät oder den Blu-ray-Player ersetzen.

Dieser Artikel stammt aus dem Sonderheft PC-WELT WLAN & Heimnetz

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1. Das Smartphone ersetzt die IR-Fernbedienung

Ältere Handys waren oft mit Infrarotempfängern und -sendern ausgestattet. Diese dienten vor allem zum Datenaustausch etwa mit dem Notebook. Mit der Verbreitung von WLAN und Bluetooth kam Infrarot aus der Mode. Neuere Smartphones und Tablets sind jedoch wieder mit Infrarotmodulen ausgestattet. Darunter sind beispielsweise das Samsung Galaxy S5 und S4, LG G2, HTC One sowie das Samsung Galaxy Note 3 und LG G Pad 8.3.

Bei den Samsung-Geräten ist die App Watchon vorinstalliert. Darüber lassen sich TV-Geräte von Samsung und von anderen Herstellern steuern. Die Auswahl des TV-Modells erfolgt ähnlich wie bei herkömmlichen Universal-Fernbedienungen über eine Gerätedatenbank. Die Funktionen sind allerdings reduziert: Es gibt standardmäßig nur Schaltflächen für Ein/ Aus, Laut/Leise, Kanal+ und Kanal-, Stumm, Eingangsquelle und ein Ziffernfeld. Es lassen sich mehrere Fernbedienungen für unterschiedliche Geräte und Räume konfigurieren. Watchon dient jedoch nicht nur als Fernbedienung, sondern auch als elektronischer Programmführer (EPG). Im Setup wählen Sie Ihren TV-Anbieter und sehen dann die Infos zu den laufenden oder anstehenden Sendungen. Die App ermöglicht außerdem den Zugriff auf den Samsung Video Hub. Hier können Sie Filme kostenpflichtig ausleihen und über das Netzwerk auf das TV-Gerät streamen. Wenn Ihr Samsung-TV-Gerät es unterstützt, können Sie auch Inhalte vom Fernseher auf das Smartphone oder umgekehrt streamen.

Samsung Watchon: Die Samsung-Fernbedienungs- App läuft nur auf Samsung-Smartphones und -Tablets. Über den elektronischen Programmführer schalten Sie direkt zur gewünschten Sendung.
Vergrößern Samsung Watchon: Die Samsung-Fernbedienungs- App läuft nur auf Samsung-Smartphones und -Tablets. Über den elektronischen Programmführer schalten Sie direkt zur gewünschten Sendung.

Die IR-Fernbedienungs-App bei LG heißt Quick- Remote. Auch diese unterstützt gängige TV-Geräte, DVD- oder Blu-ray-Player sowie mehrere Konfigurationen für unterschiedliche Räume und Geräte. LG beschränkt sich jedoch auf die reine Fernbedienungsfunktion. EPG oder Streaming-Angebote gibt es hier nicht. Sollten Ihnen die Standard-Apps der Hersteller nicht zusagen, finden Sie bei Google Play über die Suchbegriffe „infrarot fernbedienung“ kostenlose Alternativen. Bei Rcoid beispielsweise können Sie die Oberfläche der Fernbedienung frei konfigurieren und auch digitale Spiegelreflexkameras, Klimageräte oder Lichtbänder steuern.

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Gear4 Unityremote: Apples Mobilgeräte besitzen keinen eingebauten Infrarotsender. Der externe Sender von Gear4 erhält Kommandos über Bluetooth und setzt sie in IR-Signale um.
Vergrößern Gear4 Unityremote: Apples Mobilgeräte besitzen keinen eingebauten Infrarotsender. Der externe Sender von Gear4 erhält Kommandos über Bluetooth und setzt sie in IR-Signale um.
© Gear 4

2. Infrarotmodul als Zusatzgerät nachrüsten

Wenn Ihr Smartphone keinen eingebauten Infrarotsender besitzt, hilft ein zusätzliches Gerät. Für Apples iPhone, iPad und iPod Touch gibt es L5 Remote , ein Modul für den Dock Connector. Die gleichnamige kostenlose App erlaubt die individuelle Gestaltung der Fernbedienungsoberfläche.

Die Gerätekonfiguration erfolgt über eine Datenbank. Ist das eigene Gerät nicht dabei, kann die App IR-Codes auch von der Original-Fernbedienung lernen.

Ebenfalls nur für Apple-Geräte eignet sich Gear4 Unityremote (circa 80 Euro). Dabei handelt es sich um einen externen Infrarotsender, der sich über Bluetooth mit dem Smartphone verbindet. Informationen über die IR-Codes des jeweiligen Gerätes liest die App aus einer Datenbank oder lernt sie über die Original-Fernbedienung.

Für Android-Nutzer gibt es von Griffin Technology die Universal-Fernbedienung GC30004 (circa 50 Euro). Das Gerät wird nicht mehr hergestellt, aber es sind noch Restposten im Handel verfügbar. Die Verbindung zum Smartphone erfolgt über Bluetooth. Auch dieses Gerät soll in der Lage sein, IR-Befehle von der Original-Fernbedienung zu lernen.

Selbstbau IR-Sender: Zwei Infrarot-LEDs aus einer ausgemusterten Fernbedienung und ein Klinkenstecker genügen für einen einfachen Infrarotsender für das Smartphone.
Vergrößern Selbstbau IR-Sender: Zwei Infrarot-LEDs aus einer ausgemusterten Fernbedienung und ein Klinkenstecker genügen für einen einfachen Infrarotsender für das Smartphone.

Tipp: DSLR über das Smartphone steuern

Viele digitale Spiegelreflexkameras lassen sich per Kabel oder Infrarot-Fernbedienung auslösen. Eine Fernbedienung liegt jedoch meist nicht bei und muss zusätzlich erworben werden. Mit ein wenig Bastelgeschick und einer Android-App können Sie aber auch Ihr Smartphone als Fernbedienung verwenden. Damit erstellen Sie dann zeitgesteuerte Aufnahmen oder Serien mit Langzeitbelichtung.

Sie benötigen dafür die kostenlose App DSLR Remote und einen Infrarotsender, den Sie selbst zusammenbauen können. Werfen Sie aber vorher einen Blick auf diese Kompatibilitätsliste . Darin finden Sie die Smartphone-Modelle, für die ein einfacher passiver Sender genügt. Ist das Smartphone bereits mit einem IR-Sender ausgestattet (siehe Punkt 1), lässt sich auch dieser verwenden. Das funktioniert zur Zeit mit Samsung- und HTC-Geräten, nicht mit jenen von Sony und LG.

Der passive IR-Sender ist schnell zusammengebaut. Sie benötigen zwei Infrarot-LEDs – entweder aus einer ausgedienten Fernbedienung, oder Sie kaufen etwa den Typ LD 274-3 im Elektronikhandel. Löten Sie die LEDs entgegengesetzt gepolt an die Anschlüsse für die Spitze und den mittleren Ring eines 3,5-Millimeter-Stereo-Klinkensteckers. Danach schützen Sie den Aufbau mit Isolierband oder besser mit einem Stück Schrumpfschlauch. Stöpseln Sie den Klinkenstecker in den Kopfhörereingang des Smartphones, und starten Sie die App DSLR Remote. Gehen Sie zuerst in die Einstellungen. Stellen Sie bei „Auslöseart“ die Option „Infrarot“ ein. Unter „Kamera“ wählen Sie den Hersteller Canon, Fuji, Minolta, Nikon, Olympus, Pentax oder Sony. Im Startfenster gehen Sie dann auf die gewünschte Funktion, etwa „Timer“. Stellen Sie die gewünschten Werte ein, und tippen Sie auf „Start“. Sollte die Kamera nicht auslösen, kontrollieren Sie hier die Einstellungen. Bei einigen Modellen müssen Sie die Steuerung über Infrarot explizit aktivieren.

Smart TV Remote: Die kostenlose App für TV-Geräte von Samsung bietet alle wichtigen Funktionen der Fernbedienung und zusätzlich einen frei konfigurierbaren Kanalwähler.
Vergrößern Smart TV Remote: Die kostenlose App für TV-Geräte von Samsung bietet alle wichtigen Funktionen der Fernbedienung und zusätzlich einen frei konfigurierbaren Kanalwähler.

3. Mediageräte über das WLAN und Netzwerk steuern

Ganz ohne Zusatz-Hardware kommen Sie aus, sobald das zu steuernde Gerät und das Smartphone im selben Netzwerk verbunden sind. Alle aktuellen TV-Geräte sowie Blu-ray- und Mediaplayer mit Internetanschluss lassen sich auch über eine App bedienen.

Smartphones oder Tablets bieten hier vergleichsweise mehr Komfort als die dem Gerät beiliegende Infrarot-Fernbedienung, die vor allem längere Texteingaben im SMS-Stil umständlich macht. Ob die Apps funktionieren, ob sie nur einfache Fernbedienungsfunktionen oder mehr bieten, hängt jeweils vom Smartphone und vom Fernseher ab.

Samsung Smart View läuft nur auf einigen Smartphones und Tablets von Samsung und arbeitet nur mit bestimmten TV-Geräten zusammen. Bei einigen Modellen lässt sich ausschließlich die Fernbedienung nutzen, bei anderen funktionieren auch „TV View“ oder „Play on TV“. Ersteres transportiert den Stream einer Fernsehsendung auf das Mobilgerät, letztere sendet Fotos, Videos oder Musik vom Smartphone zum TV-Gerät.

Für Besitzer von Samsung-TVs lohnt sich auch ein Blick auf die kostenlose App Smart TV Remote ( Smartphone , Tablet ), die einige Zusatzfunktionen bietet, etwa frei konfigurierbare Kanallisten. Die App sollte auf den meisten Smartphones ab Android 2.2 laufen. Lesen Sie den Beschreibungstext zur App bei Google Play. Abhängig vom TV-Modell sind unterschiedliche Einstellungen nötig.

Von Sony gibt es die App TV Sideview ( ab Android 4.0.3 , IOS 6.0 ), die mit vielen Bravia- Modellen von Sony sowie DVD-, Blu-ray- und Netzwerk-Medienplayern zusammenarbeitet. Eine Liste mit unterstützten Geräten oder Links auf Gerätelisten finden Sie im Beschreibungstext im jeweiligen App Store.

LG liefert eine App für TV-Geräte mit einem Baujahr vor 2011 und eine weitere für neuere Modelle . Die Fernbedienung funktioniert bei allen im Store gelisteten TV-Geräten. „Mini-TV“ – darüber lassen sich TV-Inhalte auf das Mobilgerät übertragen – steht nur für einzelne TV-Geräte zur Verfügung. Tipp: Sollte Ihr Fernseher noch nicht „smart“ sein, müssen Sie keinen neuen kaufen. Es gibt Sticks und Set-Top-Boxen, meist auf Android-Basis, die Netzwerkfunktionen auch für ältere Geräte bereitstellen.

Intelligentes Zuhause zum kleinen Preis

Unified Remote: Die vorkonfigurierten Fernbedienungen ermöglichen die Steuerung von Maus- und Tastaturfunktionen des PCs über das Mobilgerät.
Vergrößern Unified Remote: Die vorkonfigurierten Fernbedienungen ermöglichen die Steuerung von Maus- und Tastaturfunktionen des PCs über das Mobilgerät.

4. PCs über Smartphone-Apps fernbedienen

Ihr Computer dient als Mediacenter im Wohnzimmer, oder Sie nutzen das Notebook für Powerpoint-Präsentationen? Auch in diesen Fällen kann sich eine Fernsteuerung als nützlich erweisen.

Eine ziemlich umfangreiche App dafür ist Unified Remote . Im Download-Bereich finden Sie Apps für Android, iOS und Windows Phone. Die kostenlose Version der Apps ist funktionsbeschränkt, eine Vollversion gibt es für 3,49 Euro. Auf dem PC installieren und starten Sie den kostenlosen Unified Remote Server. Es gibt Installationspakete für Windows, Mac-OS X, Linux sowie Raspberry Pi und Arduino Yun. Danach starten Sie die App auf dem Smartphone und stellen eine Verbindung zum Server her. Tippen Sie auf „Remotes“, und wählen Sie die gewünschte Funktion.

Im „File Manager“ beispielsweise navigieren Sie zu einer Bild- oder Videodatei. Wenn Sie diese antippen, startet die Wiedergabe im Standard-Player auf dem PC. Wechseln Sie zurück zur Übersicht „Remotes“, und gehen Sie auf „Media“. Hier finden Sie Bedienelemente für den Mediaplayer, etwa eine Pause/Play- Taste und die Lautstärkeregelung.

In der „Free“-Version sind Fernbedienungen für Präsentationen („Slide Show“), den VLC Media Player, das Windows Media Center und Youtube enthalten. Dazu kommen allgemeine „Remotes“ wie Maus und Tastatur. In der Bezahlversion gibt es 40 zusätzliche Fernbedienungen und die Möglichkeit, individuelle Steuerungen zu erstellen.

Tipp: Für das Präsentationsmodul „Impress“ von Libre Office gibt es eine eigene Fernsteuer-App mit dem Namen Impress Remote . Eine ausführliche Beschreibung finden Sie in diesem Ratgeber .

Fritz DECT 200: Über die „intelligente“ Steckdose schalten Sie elektrische Geräte mit dem Smartphone ein und aus. Das geht auch unterwegs und im Urlaub via Internet.
Vergrößern Fritz DECT 200: Über die „intelligente“ Steckdose schalten Sie elektrische Geräte mit dem Smartphone ein und aus. Das geht auch unterwegs und im Urlaub via Internet.
© AMV

5. Elektrische Geräte übers Netzwerk aktivieren

Unter dem Begriff „Smart Home“ werden technische Mittel und Wege zusammengefasst, über die sich elektrische Geräte komfortabel vernetzen und fernsteuern lassen. Sie können beispielsweise Lampen über das Netz an- und ausschalten, auch wenn Sie gerade nicht zu Hause sind.

Belkin bietet für knapp 40 Euro die Steckdose Wemo Switch, die sich über ein Smartphone per WLAN oder 3G/4G schalten lässt. Passende Apps gibt es für Android und iOS. Sie können auch Zeitpläne erstellen. So ist es möglich, Ihre Anwesenheit vorzugeben, indem Sie die Beleuchtung per Zeitschaltung steuern, während Sie tatsächlich gerade im Urlaub sind.

Fritz DECT 200 von AVM für 45 Euro ist eine ähnliche Lösung, die jedoch eine Fritzbox mit DECT-Basis voraussetzt. Über eine Smartphone-App schalten Sie die Steckdose beziehungsweise die eingesteckten Geräte ein und aus oder definieren Zeitintervalle. Zusätzlich können Sie auch den Stromverbrauch des angeschlossenen Gerätes prüfen und sich die Infos per E-Mail zusenden lassen.

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