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Android individuell - dank Custom ROM

14.05.2013 | 07:35 Uhr |

Android-Smartphones profitieren von der Offenheit des Betriebssystems. Mittlerweile gibt es für fast jedes Gerät ein aktuelleres oder alternatives Android mit erweiterten Funktionen.

Googles Android-System ist als Linux-System unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht. Das bedeutet, dass jeder den freigegebenen Quelltext weiterbearbeiten darf, um daraus eine eigene Version des Betriebssystems für Smartphones und Tablets zu bauen. Um Android hat sich deshalb eine aktive Entwicklergemeinde gebildet, die alternative Versionen erstellt. Dies ist kein Randphänomen geblieben: Inzwischen gibt es für nahezu jedes verkaufte Smartphone mit nennenswerten Stückzahlen ein alternatives Android – genannt Custom ROM.

Wozu ein anderes Android?

Android in neuen Gewändern: Bei vielen Custom ROMs geht es nicht nur um Kernel-Optimierung, sondern auch um individuelle Bedienoberflächen, die sich als Theme installieren lassen.
Vergrößern Android in neuen Gewändern: Bei vielen Custom ROMs geht es nicht nur um Kernel-Optimierung, sondern auch um individuelle Bedienoberflächen, die sich als Theme installieren lassen.
© Xiaomi

Den Schritt auf eine höhere Android-Version tun viele Hersteller nur mit erheblicher Verzögerung und bei vielen Geräten auch gar nicht mehr. Die Hersteller scheuen vor den Entwicklungskosten zurück, die sich bei älteren Geräten nicht mehr amortisieren. Freie Entwickler haben dieses Problem nicht, da es hier nicht um Gewinnmaximierung, sondern um Funktionsmaximierung geht.

Custom ROMs basieren stets auf dem freigegebenen Android-Quellcode von Google, in dem unter anderem Kernel, die Dalvik Virtual Machine für die Laufzeitumgebung der Apps sowie die Standard-Benutzeroberfläche enthalten sind. Der Kernel ist das Herzstück des Betriebssystems, und hier besteht immer großes Optimierungspotenzial, beispielsweise beim Scheduler. Mit Custom ROMs gibt es über den vorausgesetzten Root-Zugriff auch stets die Möglichkeit, die CPU des Smartphones oder Tablets zu übertakten. Wie beim Heimrechner gilt allerdings auch hier: Eine zu hohe Taktzahl kann zu Instabilität und Überhitzung führen. Und sie reduziert natürlich die Akkulaufzeit.

Android-Tipps für Insider

Offizielle Android-Systeme schleppen viel Ballast in Form von Hersteller-Apps, Werbung und Branding mit, den freie Entwickler schlicht über Bord werfen. Als Alternative bietet sich bei Custom ROMs die unveränderte, schlanke Android-Oberfläche des Referenzsystems an, das sich beispielsweise auf den Google-Geräten der Nexus-Serie findet. Es gibt aber auch den umgekehrten Ansatz:

Einige Custom ROMs wie etwa MIUI stülpen dem Gerät eine ganz eigene Oberfläche über. Generell besteht darüber hinaus die Möglich  keit, eine andere Optik über Themes im APK-Format nachzurüsten.

Star unter den ROMs: Cyanogen Mod

Cyanogen Mod: Dieses populäre Custom ROM wird seit 2009 entwickelt und hat eine große Entwickler- und Anwendergemeinde, die das ROM auf 2,5 Millionen Geräten installiert haben soll.
Vergrößern Cyanogen Mod: Dieses populäre Custom ROM wird seit 2009 entwickelt und hat eine große Entwickler- und Anwendergemeinde, die das ROM auf 2,5 Millionen Geräten installiert haben soll.
© www.cyano genmod.com

Das bekannteste Custom ROM mit der größten Anwender- und Programmiergemeinde ist Cyanogen Mod. Laut einer automatisch erstellten Nutzungsstatistik auf dem Server des Projekts kommt es heute auf rund 2,5 Millionen Geräten zum Einsatz. Schon vier Jahre Entwicklungszeit stecken in dem Projekt, das inzwischen in der Version 10 mit Jelly Bean als Basis angekommen ist und sich durch seine schnellen Aktualisierungen auf neue Android-Versionen auszeichnet. Dabei unterstützt Cyanogen Mod offiziell über 70 Android-Geräte unterschiedlicher Hersteller mit einer stabilen und vollständig getesteten Version – etwa für das HTC Sensation, Samsung Galaxy S2, Google Nexus One und das Motorola Defy. Zudem gibt es für Hunderte von Geräten Vorabversionen. Aufgrund der Dokumentation und vergleichsweise umfangreichen Unterstützung für zahlreiche Android-Geräte ist dieses Custom ROM ein idealer Startpunkt für unbeschlagene Smartphone-Tüftler. Sämtliche Informationen und eine englischsprachige Dokumentation bietet die Projekt-Webseite www.cyanogenmod.com.

Aufwand: Die Schritte im Überblick

Eine wichtige Frage, die es vorab zu klären gilt: Wird mein Gerät überhaupt von einem Custom ROM unterstützt? Damit das Ergebnis auch den Vorstellungen entspricht und der Aufwand überschaubar bleibt, müssen Sie zunächst Kompatibilitätslisten durchgehen. Für Cyanogen Mod finden Sie die Liste der definitiv unterstützten Geräte unter dem Menüpunkt „Devices“ auf der Projekt-Webseite. Reichlich Auswahl an Erfahrungsberichten sowie wichtigen Hinweisen enthält das englischsprachige Forum forum.xda-developers.com , wo Sie einfach im Suchfeld rechts oben Hersteller und Modellbezeichnung eingeben. Ein umfangreiches, deutschsprachiges Forum mit eigenen Boards zu Geräten ist android-hilfe.de . Generell gilt: Besorgen Sie sich vorab speziell zu Ihrem Gerät so viele Informationen wie möglich.

Der Wechsel zu einer alternativen Android gelingt zwar nicht bei jedem Smartphone und Tablet auf die gleiche Weise. Im Wesentlichen sind es aber immer vier Schritte, die ausgehend vom Werkszustand eines Geräts zum Aufspielen eines ROMs notwendig sind:

Rooten: Der erste Schritt beim Aufspielen der Custom-Firmware ist das Rooting. Android ist ein Linux-System und übernimmt wiederum die Organisation der Zugriffsrechte vom Vorfahren Unix. Root-Zugriff bedeutet auch hier, dass Sie als Anwender die privilegierten Teile des Systems ändern dürfen. Dazu gehören auch Modifikation und Austausch des Betriebssystems selbst.

Android-Smartphones rooten: So geht's

Bootloader entsperren: Im Auslieferungszustand kann der Bootloader nur das originale Android starten. Bevor das Smartphone oder Tablet ein Custom ROM ohne Signatur des Herstellers startet, muss der Bootloader entsperrt werden. Bei einigen Geräten wie etwa dem Samsung Galaxy Nexus ist das sogar die Voraussetzung dafür, das Smartphone überhaupt rooten zu können.

Start des modifizierten Recovery-Image: Bei allen Android-Geräten gibt es einen Recovery-Modus für die Systemwartung. Um diesen zu starten, wird das Gerät zuerst komplett ausgeschaltet. Im Anschluss daran betätigt man den Einschaltknopf und hält dabei, abhängig vom Modell, weitere Tasten gedrückt. Das Android-Smartphone geht daraufhin in den Recovery-Modus. Anstatt den ab Werk vorbereiteten Recovery-Modus zu starten, ist zum Aufspielen eines Custom ROMs jedoch ein modifiziertes Recovery-Image erforderlich, das zunächst auf die Speicherkarte kopiert wird. Aus dem Recovery-Modus heraus lässt sich das aktuelle ROM als Backup sichern, was sehr wichtig ist, um später wieder zum originalen Betriebssystem zurückzukommen.

Diese Gratis-Apps gehören auf jedes Android-Smartphone

Neues ROM aufspielen: Der Recovery-Modus dient auch dazu, das Custom ROM als Ersatz für das Original-Betriebssystem auf das Gerät zu laden. Dazu muss das gewünschte und zum Smartphone passend ausgewählte Custom ROM als Zip-Datei auf der SD-Karte liegen.

Ein Gerät zu rooten und sich die notwendige Dokumentation zu beschaffen, ist anfangs zeitaufwendig und nichts für nebenbei, sondern ein echtes Do-it-yourself-Projekt. Es erfordert Recherche, Vorbereitung, Konzentration und auch etwas Risikobereitschaft. Eine App, die viele der genannten Schritte zusammenfasst und automatisiert, ist der ROM Manager. Diese App setzt bereits einen freigeschalteten Root-Zugang voraus und kann dann nicht nur das erforderliche Recovery-Image auf das Smartphone durchführen, sondern auch das ROM-Backup. Die App nutzt die Zip-Datei des Custom ROM, um das alternative Betriebssystem aufzuspielen. In der Basis-Variante ist der ROM Manager kostenlos. Die kostenpflichtige Premium-Version (fünf Euro) kann außerdem verschiedene ROMs direkt aus der App heraus herunterladen und einspielen. Die kostenlose Variante reicht bei Verzicht auf etwas Komfort vollkommen aus und steht bei Google Play zur Installation bereit.

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