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Benutzerkonten für Ihr Handy und Tablet simulieren

01.10.2012 | 09:15 Uhr |

So leistungsfähig Android-Handys und -Tablets auch sind, ein großes Manko haben sie: Die Geräte sind nur für einen Benutzer gemacht. Wer sein Handy mal verleihen will, gibt auch alle seine Daten weiter. Doch es geht auch anders.

Einer der großen Vorteile eines Desktop-Systems gegenüber Android ist die Benutzerkonten-Steuerung. Problemlos können sich mehrere Familienmitglieder einen PC oder ein Notebook teilen, wenn jeder ein eigenes Benutzerkonto hat.

Bei Android-Handys und -Tablets fehlen Benutzerkonten. Solange Android nur auf dem Handy zu finden war, bleib der Wunsch der Nutzer eher gering, das Gerät auch mal zu verleihen. Doch mit der Verbreitung von Android-Tablets ändert sich das. Viele wollen ein Tablet in der Familie nutzen, ohne dass jeder gleich auf den Browser-Verlauf des andern zugreifen kann oder sehen kann, für welche MP3s man wieder Geld ausgegeben hat. Und wer auch private Daten auf seinem Smartphones hat, etwa die Fotos von der letzten Party, der wir es nicht mal kurz in andere Hände geben wollen. Entsprechend hat sich der Wunsch nach Benutzerkonten („Multi user support“) auch schon einen Platz in der Android-Wunschliste für neue Funktionen und Fehlerbeseitigung gefunden. War er letztes Jahr noch weit hinten gelistet, hat sich der Eintrag „Multi user support“ nun auf Platz 12 hochgearbeitet. (Stand September 2012).

Im Code zum Lockscreen von Android stecken Hinweise auf eine Multi-User-Nutzung.
Vergrößern Im Code zum Lockscreen von Android stecken Hinweise auf eine Multi-User-Nutzung.

Gerüchte um eine künftige Benutzerkonten-Steuerung

Und Google scheint den Wunsch nach Benutzerkonten zu erhören. So haben etwa die Tüftler Abhisek Devkota und Ron Amadeo  unabhängig voneinander an mehreren Stellen im Android-Code Hinweise auf künftige Benutzerkonten gefunden. Zum Beispiel gibt es im Code zum Sperrbildschirm (Lockscreen) etwa die Codezeile.

mLockPatternUtils.setCurrentUser(userId);

Einen „CurrentUser“ muss man aber nur so nennen, wenn es auch weitere User gibt.

Zudem scheinen bei Update auf Android 4.0 die Dateien aus dem Verzeichnis /data/data in das Verzeichnis /data/user/0 verschoben worden zu sein.

Auch hier gilt: Einen User0 braucht man eigentlich nur, wenn es auch weitere Nutzer geben soll.

Übrigens: Mit einer Verknüpfung (Symlink) sind die verschobenen Daten aber auch dann auffindbar, wenn sie etwa von einer App an der alten Stelle gesucht werden.

Dank dieser und weiterer Hinweise kochen in diversen Blogs die Gerüchte über künftige Benutzerkonten schon seit einiger Zeit auf hoher Flamme. Die meisten Blogger sind sich sicher, dass ein Multi-User-Modus kommen wird, aber nicht alle. So stellt etwa der Blogger Günter Born in seinem Beitrag von Ende Juni die berechtigte Frage: „... aber wie sinnvoll ist das [dieBenutzerkonten] aus technischer Sicht?“ und kommt zu dem Schluss, dass es nicht sinnvoll sei.

Wir finden es dagegen durchaus reizvoll, wenn ein Android-Gerät mehrere Benutzerkonten hätte. Zumindest einen Gastzugang mit nur minimalen Zugriffsrechten wäre wünschenswert.

Beispiel iOS: „Einschränkungen“ und "Geführter Zugriff"

Von der neuen Version 6 von Apples mobilen Betriebssystem iOS hatten sich ebenfalls viele Anwender Benutzerkonten erwartet. Doch was Ende September auf den aktualisierten iPhones und iPads landete und mit dem iPhone 5 ausgeliefert wurde, war nur eine erweiterte Fassung der bisherigen „Einschränkungen“. Damit lässt sich zwar recht viel verbieten, etwa der Zugriff auf wichtige Apps wie den iTunes-Store oder den Browser. Doch das macht noch lange keinen Mehrbenutzer-Modus aus. Selbst für einen Gast-Modus genügen die Optionen noch nicht. Allenfalls kann man seinen Kindern einiges verbieten, wenn man ihnen mal das eigene Apple-Gerät überlässt.

Was aber bei iOS 6 gut gelungen ist: Die neue Funktion "Geführter Zugriff". Damit sperren Sie alle Funktionen und Apps des iPads bis auf eine einzige App. Sie aktivieren die Funktion unter "Einstellungen, Allgemein, Bedienungshilfen". Welche App aktiv sein darf, legen Sie so fest. Starten Sie die App und drücken Sie drei mal den Home-Knopf.

Die App SwitchMe kann auf gerooteten Android-Geräten Benutzerkonten ermöglichen.
Vergrößern Die App SwitchMe kann auf gerooteten Android-Geräten Benutzerkonten ermöglichen.

So geht’s: Benutzerkonten für Android-Geräte mit Root-Rechten

Zugegeben: Nur wenige Anwender möchten ihr Android-Handy oder -Tablet rooten . Doch wer sich dazu durchgerungen hat, kann nicht nur andere Versionen des Betriebssystems installieren, sondern kommt auch in den Genuss von Benutzerkonten. Das ermöglicht die App SwitchMe Root Profile Manager .

Mit SwitchMe können Sie zum Beispiel ein Benutzerkonto nur für die Arbeit einrichten. Darin konfigurieren Sie den VPN-Zugang zur Firma und die Verbindung zum Firmen-E-Mail-Konto, -Kalender und -Kontakte. Im privaten Benutzerkonto bleiben dann die eigenen E-Mails und Termine getrennt, ebenso wie die Fotos und Filme, die Sie mit dem Gerät aufnehmen.

In der kostenlosen Version der App können Sie zwei Profile ohne Kennwort anlegen. Wer die 2,31 Euro für die Pro-Version ( SwitchMe Key ) bezahlt, hat diese Einschränkung nicht. Es hängt dann lediglich von der Größe des Systemspeichers ab, wie viele Benutzerkonten Sie anlegen können. Da SwitchMe für ein neues Konto fast das komplette System kopiert, wird bei Geräten mit kleinem Speicher meist aber nur ein weiteres Konto drin sein.

Wichtig: Die App SwitchMe funktioniert nur auf Geräten, die gerootet sind. Zwar können sie die App auch auf Smartphones ohne Root-Rechte installieren, doch bekommen Sie dann beim Start der Anwendung nur den Fehler-Hinweis.

Sollten Sie ihr Android-Gerät rooten wollen, finden sie die nötigen Infos in diesem Beitrag .

Benutzerkonten-Simulation: Diese Apps schützen Ihr Smartphone

So lange Google noch keine Android-Version mit Benutzerkonten liefert und Sie auch kein gerootetes Smartphone haben, müssen Sie eigentlich auf Benutzerkonten verzichten.

Wollen Sie Ihr Gerät dennoch zumindest halbwegs schützen, wenn Sie es mal aus der Hand geben, dann helfen einige Sicherheits-Apps. Das ist natürlich bei weitem nicht so bequem und elegant wie eine Benutzerkontensteuerung, aber immer noch besser als nichts.

Eine empfehlenswerte App für diesen Zweck ist zunächst ein App-Verschlüssler. Er lässt ausgewählte Apps nur starten, wenn man das richtige Passwort oder die passende Mustersperre kennt. So lässt sich etwa die E-Mail-App sperren. Empfehlenswert ist etwa die Anwendung Smart AppLock . Wer einzelne Dateien unsichtbar machen möchte, setzt die App Ausblenden Experte ein. Im Test konnte uns die Anwendung voll überzeugen. Wer Dateien oder ganze Ordner verschlüsseln möchte, sollte sich die App Filelocker ansehen. Einige der genannten Apps funktionieren allerdings nicht zu hundert Prozent. In der folgenden Bildergalerie finden Sie die Apps ausführlich vorgestellt, inklusiver der Hinweis auf ihre Stärken und Schwächen.

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