Auto & Technik auf PC-WELT

Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

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Android Auto im Test: Funktionen, Apps, Anbieter

28.09.2016 | 14:06 Uhr |

Wie gut integriert Android Auto Android-Smartphones in das Auto? Wir haben Android Auto getestet (mit Videos). Und bekamen eine gute Gratis-Navigation, eine solide Freisprecheinrichtung samt Sprachsteuerung und Musik aus dem Internet.

Android Auto ist Googles Lösung zur Integration von Android-Smartphones in das Infotainmentsystem eines modernen PKW. Es verdrängt zunehmend das ältere Mirrorlink und positioniert sich als Konkurrent zu Carplay, mit dem Apple seine iPhones in das Auto einbindet.

Wir stellen in diesem Artikel alle Aspekte von Android Auto ausführlich vor und geben einen Überblick zu den Machern und Unterstützern von Android Auto, sagen, in welchen Fahrzeugen welcher Automobil-Hersteller Sie Android Auto nutzen können, erklären das Funktionsprinzip sowie die Vorteile und Nachteile von Android Auto und testen vor allem Android Auto fortlaufend in immer neuen Fahrzeug-Modellen unterschiedlicher Hersteller.

So finden Sie in diesem Artikel detaillierte Testberichte zu Android Auto im aktuellen VW Bus (Werksbezeichnung: T6), im Seat Ibiza Connect, im Skoda Rapid Spaceback und im Audi A4.

Ausführliches Testvideo: So funktioniert Android Auto ohne Touchscreen im Audi A4:

Mit Google Earth über die Autobahn - Audi A4 V6 im Test

1. Die Macher: Google, Open Automotive Alliance und die Automobil-Hersteller

Android Auto stammt von Google und bietet eine für den Einsatz im Auto optimierte App-Darstellung. Eigens für Android Auto wurde auf der Consumer Electronics Show (CES) Anfang 2014 die Open Automotive Alliance gegründet. Das Ziel der beteiligten Autofirmen sowie von Chip-Hersteller Nvidia und Google ist klar: Android soll ins Auto.

2. Voraussetzung für Android Auto

Smartphone-seitig: Sie müssen auf dem Android Smartphone die Android-Auto-App installieren. Die App ist kostenlos, sie kann auf dem Smartphone ab Android 5.0 installiert werden.

Auto-seitig: Das Infotainmentsystem des PKW muss ebenfalls Android Auto unterstützen. Der Support für Android Auto ist in einem aufpreispflichtigen Ausstattungspaket des jeweiligen Automobil-Herstellers enthalten. Bei Audi heißt es Audi Smartphone Interface, bei Volkswagen App-Connect, bei Seat Full Link und bei Skoda Smartlink.

Galerie: Alle Auto-Tests der PC-WELT

3. Verbindung zwischen Android Auto und dem Smartphone

Genauso wie bei Carplay und bei Mirrorlink erfolgt die Verbindung zwischen dem Android-Smartphone (mit der darauf installierten Android-Auto-App) und dem Infotainmentsystem des PKW über das USB-Kabel. Doch aufgepasst: Bluetooth ist trotz USB-Verbindung zusätzlich zwingend erforderlich . Wie Diskussionen in diversen Internetforen zeigen, ist vielen Nutzern nicht bekannt, dass man bei Android Auto zusätzlich zur USB-Verbindung auch noch eine Bluetooth-Verbindung benötigt.

Der Grund: Android Auto nutzt Bluetooth für die Telefonie, genauer gesagt: das Hands-Free Profil HFP. Alle anderen Funktionen wie die Übertragung von Bildern und Videos, Bedienevents oder auch alle Audio-Daten (außer eben Telefonie) wie der Mikrofon-Input für Google Now fließen dagegen über das USB-Kabel. Die USB-Verbindung ist laut Benjamin Oberkersch, Pressesprecher von Daimler, verschlüsselt.

Eine kabellose Verbindung, wie sie Apple für Carplay vorgestellt hat und BMW seit der zweiten Jahreshälfte 2016 in seinen Fahrzeugen anbieten will, ist bei Android Auto derzeit nicht möglich.

4. Funktionsweise, Bedienkonzept, Vorteile und Nachteile

Egal in welchem Auto Sie sitzen: Android Auto sieht überall gleich aus und funktioniert überall gleich. Sie müssen sich also nicht umstellen, wenn Sie das Auto wechseln, sondern finden immer die gewohnte Bedienoberfläche vor. Android-Anwender finden sich relativ schnell mit Android Auto zurecht, weil sie die von ihrem Android-Smartphone gewohnten Funktionen zur Verfügung haben. Nur wird eben alles etwas größer und vereinfacht dargestellt, um den Fahrer nicht abzulenken. Das ist der wesentliche Vorteil von Android Auto.

Wenn die Verbindung zwischen Android-Smartphone und Auto steht, dann werden die für Android Auto verfügbaren - also von Google zertifizierten - Apps auf den Bildschirm des Fahrzeugs gespiegelt. Android Auto bildet also die Schnittstelle zwischen dem Android-Smartphone und dem Infotainmentsystem des PKW. Das Android-Smartphone lässt sich dann nicht mehr direkt bedienen. Die Apps von Android Auto auf dem Fahrzeug-Display haben größere Schaltflächen, unwichtige und störende Elemente sind entfernt, und vor allem steht die Bedienung der Apps durch die Sprachsteuerung und die Sprachausgabe von Google im Mittelpunkt. Den Ton, der zum Beispiel von Musik-Apps oder Webradio kommt, gibt Android Auto über die PKW-Lautsprecher aus.

Der Fahrer bedient Android Auto dann nur noch über den Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts oder per Sprachsteuerung Google Now. Mit einer wichtigen Ausnahme: Bei den Fahrzeugen der sogenannten Premium-Hersteller Audi, BMW, Mercedes-Benz und Lexus ist kein Touchscreen im Hauptbildschirm verbaut. Hier bedient der Fahrer das Bildschirmmenü über den Controller auf der Mittelkonsole, auf dem sich gegebenenfalls ein kleines Touchpad befindet. Das wirkt sich nach unserer Erfahrung negativ auf die Bedienbarkeit von Android Auto aus, Android Auto lässt sich mit Touchscreen einfach besser bedienen. Mehr dazu lesen Sie unten im Testbericht zum Audi A4.

Teilweise können Sie auch die Bedienknöpfe und die Lenkradtasten des Wagens verwenden, um Funktionen von Android Auto wie die Google-Sprachsteuerung zu bedienen. Doch im Test klappte das selten. Im VW Bus zum Beispiel konnten wir die Lenkradtasten nur teilweise für Android Auto verwenden. Die Lenkradtaste des Seat wiederum aktiviert nicht die Google-Sprachsteuerung, wie es bei Android Auto eigentlich der Fall sein sollte, sondern die fest eingebaute Seat-Sprachsteuerung des Infotainmentsystems. Die Lenkradtaste zum Starten von Anrufen startet im Seat wie gewohnt die fest eingebaute Telefonie. Gut haben dagegen Audi und Daimler das Zusammenspiel von einigen der Lenkradtasten und Android Auto gelöst.

Die gesamte Rechenleistung kommt aber vom Android-Smartphone, das per USB-Kabel mit dem Infotainmentsystem verbunden ist. Der Akku des Androiden dürfte während der Fahrt also kaum aufgeladen werden, weil er ja das Smartphone antreiben muss. Zudem ist auch noch die Bluetooth-Koppelung zwischen Smartphone und Infotainmentsystem für die Telefonie im Einsatz. Neben der Rechenleistung und der Akku-Kapazität des Androiden ist aber auch noch dessen Mobilfunkvertrag gefordert, denn der gesamte Traffic läuft natürlich über das angeschlossene Smartphone.

5. Funktionsumfang von Android Auto

Die Navigation mit Google Maps sowie die Telefonie über das Android-Smartphone dürften die wichtigsten Funktionen von Android Auto sein. Außerdem kann man sich aus verschiedenen Quellen wie Google Play Music oder Spotify mit Musik und von Stitcher mit Hörbüchern versorgen lassen. Die Musiksammlung auf dem Androiden kann man auch durchstöbern, während das Auto steht.

6. Google lässt nur ausgewählte Apps für Android Auto zu

Wer ein Android-Smartphone zur Navigation verwendet, muss nicht nur Google Maps nutzen. Diese Online-Navigationslösung lotst dank der exakten Verkehrslage-Informationen zwar sehr genau, doch bezieht sie ihr Kartenmaterial in der Regel fortlaufend von den Servern von Google (wobei man seit einiger Zeit Kartenmaterial in begrenztem Umfang auch vorab herunterladen kann). Bei regem Gebrauch von Google Maps kann das monatliche Frei-Volumen des Mobilfunkvertrags schnell aufgebraucht sein. Danach surfen Sie nur noch mit deutlich gedrosseltem Tempo oder müssen extra zahlen. Und im Ausland drohen auch noch Roamingkosten. In abgelegenen Regionen mit schlechter oder überhaupt keiner Mobilfunkverbindung funktioniert Google Maps nicht. Das war in unserem Test aber nur selten und nur für ganz kurze Zeit der Fall und hat die Navigation nicht entscheidend behindert.

Sygic Car Navigation
Vergrößern Sygic Car Navigation
© Sygic

Deshalb bieten sich auf dem Androiden auch Offline-Navigations-Apps wie Here WeGo - ehemals Here Maps - (gratis, mit Echtzeitverkehrsinformationen) oder Sygic Car Navigation (diverse In-App-Käufe für die Karten und Zusatzinformationen wie Verkehrslagedaten) an. Diese Apps speichern ihr gesamtes Kartenmaterial auf dem Androiden, so dass während der Fahrt allenfalls noch Verkehrslage-Informationen durch die Mobilfunkverbindung rauschen. Doch Google gibt keine dieser Navigationsalternativen für Android Auto frei und stellt sein SDK nur den Herstellern der wenigen für Android Auto ausgewählten Apps zur Verfügung.

Wie Sygic in seinem Blog schreibt, habe man durchaus mit Google gesprochen. Doch bisher verliefen die Gespräche im Sande. Außer Google Maps gibt es keine Navigationslösung für Android Auto. Sygic fordert deshalb Android-Auto-Nutzer auf, über die Feedback-Funktion in der Android-Auto-App um die Freigabe von Sygic Car Navigation für Android Auto zu bitten.

Das Beispiel Navigations-App zeigt exemplarisch, dass Google nur einige wenige Android-Apps für Android Auto freigibt. Wenn eine Android-App auf dem Android-Auto-Bildschirm genutzt werden soll, muss Google sie dafür zertifizieren. Sie muss so programmiert sein, dass sie den Autofahrer während der Fahrt nicht ablenkt. Mitunter lässt sich eine für Android Auto freigegebene App nur bei stehendem Fahrzeug bedienen.

Eine Übersicht der Android-Auto-kompatiblen Apps finden Sie hier. Unter anderem gibt es neben Google Maps noch Google Play Music, Pandora, Spotify, Stitcher, Tune-In Radio, kik, Skype und ICQ sowie einige wenige andere Apps für Android Auto. Video-Apps wie Youtube unterstützt Android Auto aus Sicherheitsgründen überhaupt nicht.

7. Android Auto in über 30 Staaten verfügbar

Android Auto lässt sich derzeit in über 30 Staaten dieser Erde nutzen. Seit Juli 2016 auch auf einem der größten Auto-Märkte überhaupt: Japan. Wenn Android Auto in einem Land verfügbar ist, bedeutet das konkret, dass die Android-Auto-App in Google Play für Nutzer aus dem jeweiligen Land zum Installieren bereit steht.

Android Auto im Auswahlmenü des Skoda
Vergrößern Android Auto im Auswahlmenü des Skoda

Demnach bietet Audi in den in Japan verkauften Modellen Q7 und A4 ab sofort auch Android Auto an, wie The Verge berichtet (in Deutschland ist Android Auto schon länger im Q7 und im A4 erhältlich). Außerdem ist Android Auto auch im Honda Accord sowie in verschiedenen Modellen von Maserati und VW erhältlich.

Ursprünglich hatte The Verge berichtet, dass auch BMW in Japan Autos mit Android Auto anbieten wolle: "At a press conference in Tokyo this morning, Google announced immediate Android Auto support from a handful of cars — the Audi Q7 and A4, the 2016 Honda Accord, and various vehicles from Maserati and BMW — along with navigation units from Nissan and Panasonic.”

Das wäre aber eine Riesen-Überraschung gewesen, weil BMW sich bisher weigert, Mitglied von Googles Open Automotive Alliance (OAA) zu werden (siehe nächsten Abschnitt). Wir haben deshalb bei BMW nachgefragt und bekamen als Antwort, dass BMW nach wie vor Android Auto nicht unterstütze.

The Verge hat diesbezüglich also eine Falschmeldung verbreitet, diese aber mittlerweile korrigiert und BMW durch VW ersetzt. Der Text von The Verge lautet nun folgendermaßen: "At a press conference in Tokyo this morning, Google announced immediate Android Auto support from a handful of cars — the Audi Q7 and A4, the 2016 Honda Accord, and various vehicles from Maserati and VW — along with navigation units from Nissan and Panasonic."

Doch ausgerechnet der weltgrößte Automobil-Hersteller Toyota bietet auch weiterhin keine Fahrzeuge mit Android Auto an. Ebenso verweigert sich der zwar deutlich kleinere, aber in Japan bei den Diesel-PKW führende Automobil-Hersteller Mazda.

8. Diese Automobil-Hersteller unterstützen Android Auto

Hyundai war der erste Automobilhersteller, der Android Auto unterstützte. Mittlerweile sind es noch weitere Automobil-Hersteller, beispielsweise Alfa Romeo, Citroen, Fiat, Honda, Hyundai, Jeep, Kia, Mazda, Opel, Renault, Seat, Skoda und Volkswagen sowie Volvo. Auch der VW Passat bietet zum Beispiel Android Auto. Allerdings bedeutet "unterstützen" nicht automatisch, dass auch schon Fahrzeuge des jeweiligen Herstellers mit Android Auto erhältlich sind. So gibt es derzeit beispielsweise keinen einzigen Mazda mit Android Auto.

Audi, BMW und Mercedes-Benz

Von den sogenannten Premiummarken ist Audi mit an Bord. Daimler wiederum bringt mit der neuen E-Klasse den ersten Mercedes-Benz mit Android-Auto-Support auf den Markt. BMW dagegen zögert noch, wie uns Nadja Horn, Pressesprecherin BMW Group Connected Drive, auf unsere Nachfrage antwortete: „BMW ist weiterhin nicht bereit, Mitglied von Googles Open Automotive Alliance (OAA) zu werden und hat auch nicht vor, Kundendaten weiterzugeben. Natürlich beschäftigt sich BMW im Rahmen von BMW Connected Drive auch mit den Themen Apple CarPlay und Google Android Auto. Zum aktuellen Zeitpunkt können wir aber keine Aussagen zu möglichen Verfügbarkeitsterminen machen.“

Ford setzt auf Sync 3 und AppLink

Ford bietet Android Auto und Carplay in immer mehr Fahrzeugen an, und zwar im Rahmen seines weiterentwickelten Infotainmentsystems Sync in der Version Sync 3. Ford will künftig bei Ford Sync drei unterschiedliche Möglichkeiten der Smartphone-Integration bieten: die eigene AppLink-Technologie und dessen Opensource-Basis SmartDeviceLink SDL sowie Android Auto und Carplay.

Mit AppLink können Sie nur AppLink-kompatible Apps vom Smartphone auf dem Infotainmentsystem Sync 3 abspielen. Diese derzeit noch bestehende Einschränkung wird mit der zunehmenden Integration von Android Auto und Carplay aber aufgehoben, Sie haben dann in den künftigen Ford-Modellen mit Sync 3 die Wahl zwischen dem eigentlichen Sync, Carplay und Android Auto.

Ford will Sync 3 in den USA für alle Fahrzeugmodelle des Jahrgangs 2017 anbieten. Aber auch in Deutschland wächst die Zahl der Ford-Modelle mit Sync 3 und Android Auto. Demnach ist Android Auto mit Sync 3 derzeit in Europa im Ford Mondeo, S-MAX, Galaxy sowie bald auch im Edge verfügbar. Das erklärte Ute Mundolf, Leiterin Lifestyle- und Markenkommunikation von Ford Deutschland, auf unsere Nachfrage. Der weitere Roll-out erfolge laut Mundolf dann sukzessive im Verlauf 2016 und 2017. „Bis Ende 2016 ist Sync 3 inklusive Apple CarPlay und Android Auto für insgesamt 11 Carlines in Europa geplant“, so Mundolf weiter.

Toyota lehnt Android Auto ab

Der größte Automobil-Hersteller der Welt boykottiert CarPlay ebenso wie Android Auto und unterstützt nur Mirrorlink. Für die Integration von Android-Smartphones und iPhones will Toyota statt Android Auto die AppLink-Technologie von Ford und dessen Opensource-Basis SmartDeviceLink SDL verwenden.

9. Nachrüstlösungen für Android Auto

Nach und nach bringen die ersten Audio- und Entertainment-Zubehör-Hersteller Nachrüstlösungen für Android Auto auf den Markt. Damit kann man das ab Werk im Fahrzeug verbaute Auto-Radio ersetzen und danach Android Auto nutzen. So hat Sony eine solche Nachrüstlösung für Android Auto und Carplay im Angebot. Das Sony XAV-AX100. Das XAV-AX100 besitzt ein 6,4 Zoll-Display und löst mit 800 x 480 Pixel auf, eine Sprachsteuerung gibt es ebenfalls.

Sony XAV-AX100
Vergrößern Sony XAV-AX100
© Sony

Sony hat bis jetzt aber nur den Verkauf für Nordamerika angekündigt: Knapp 500 Dollar soll es dort ab Ende November kosten.

Das JBL Legend CP100 ist ebenfalls eine Nachrüstlösung für Android Auto und Apple Carplay. Das 6,75-Zoll-Gerät soll in den USA knapp 400 US-Dollar kostet, ist derzeit allerdings noch nicht erhältlich.

10. Google macht Android Auto hersteller-unabhängig

Google hat am 19. Mai 2016 auf der Google I/O 2016 mitgeteilt, dass man Android Auto bald auch ohne fest eingebautes kompatibles Infotainmentsystem im Auto verwenden können soll. Im Laufe des Jahres 2016 soll dafür ein Update für die Android-Auto-App erscheinen, wie die US-Technikseite The Verge berichtet. Danach soll sich Android Auto vollständig auf dem Android-Smartphone bedienen lassen.

Das Android-Smartphone muss dafür lediglich in einem stabilen Handy-Halter befestigt werden. Der fest ab Werk im Fahrzeug eingebaute Bildschirm wird dann nicht mehr benötigt (bisher wird der Smartphone-Bildschirm abgedunkelt, sobald man das Smartphone über Android Auto mit dem Auto koppelt). Allerdings erfolgt die Soundausgabe dann natürlich nur über den Lautsprecher des Smartphones und nicht über die des Autos, wenn Android Auto ohne Koppelung zum eingebauten Infotainmentsystem verwendet wird.

Das dürfte die Verbreitung von Android Auto durchaus fördern. Android Auto könnte sich dann auch in Fahrzeugen von Herstellern nutzen lassen, die bisher Android Auto nicht unterstützen, wie BMW und Toyota. Wobei man natürlich auch im BMW oder im Toyota das Android-Smartphone ganz einfach via Bluetooth mit dem Infotainmentsystem verbinden und dann darüber telefonieren oder Musik streamen kann.

Bleibt die spannende Frage: Wird Apple mit CarPlay diesbezüglich nachziehen?

So weit zur Theorie, kommen wir nun zum Praxis-Test: So gut funktioniert Android Auto in unseren Testfahrzeugen von Volkswagen, Seat und Skoda.

11. Test: Android Auto im aktuellen VW Bus T6

Wir haben getestet, wie gut Android Auto im aktuellen VW Bus T6 funktioniert.

Startbildschirm von App Connect
Vergrößern Startbildschirm von App Connect

Verbindung über USB-Kabel (und Bluetooth)

Als Android-Smartphone verwenden wir das HTC One M9, einen Top-Androiden, der bereits im Seat Ibiza Connect hervorragend mit Android Auto zusammengearbeitet hat (siehe Test weiter unten). Auch im T6 verbindet man das Smartphone über das USB-Kabel mit der USB-Buchse des Infotainmentsystems. Im Discover Media Plus wählt man zudem in den Einstellungen aus, ob Mirrorlink oder Android Auto gestartet werden soll, sobald das Infotainmentsystem des PKW ein angeschlossenes Android-Smartphone erkennt. Das Infotainmentsystem sollte dann nach dem Einstecken des USB-Kabels von selbst Android Auto unter dem Menü App-Connect starten.

Navigation mit Google Maps
Vergrößern Navigation mit Google Maps

Falls ein anderes Smartphone bereits via Bluetooth mit dem Discover Media Plus gekoppelt ist, wird diese Bluetooth-Verbindung unterbrochen. Danach sind auch keine bluetooth-basierten Telefonate mit der Freisprechanlage des T6 über ein anderes als über das via USB gekoppelte Smartphone mehr möglich. Alle Telefonate laufen nun über die Telefonie-App in Android Auto. Für die Datenübertragung nutzt Android Auto aber nicht nur das USB-Kabel, sondern wie oben erwähnt auch Bluetooth.

Ausführlicher Test: Unterhaltung, Navigation und Internet im VW Bus T6

Das bedeutet: Trotz USB-Kabel dürfen Sie Bluetooth auf dem Android-Smartphone nicht abschalten, wenn Sie darüber telefonieren wollen. Beim Start von Android Auto wird zwischen Fahrzeug-Infotainmentsystem und dem Android-Smartphone eine Bluetooth-Verbindung aufgebaut, falls diese noch nicht besteht.

Falls Bluetooth auf dem Smartphone ausgeschaltet ist und Sie das Smartphone dann via Android Auto und USB-Kabel mit dem Infotainmentsystem verbinden, schaltet Android Auto Bluetooth auf dem Smartphone ein.

Die Lenkradtasten des T6 lassen sich teilweise für die Bedienung von Android Auto verwenden. So kann man den Ton damit leiser und lauter stellen. Um die Sprachsteuerung von Android Auto zu starten, muss man jedoch auf das Mikrofon-Icon rechts oben auf dem Discover-Media-Bildschirm drücken. Die Sprachsteuerungstaste am Lenkrad und neben dem Discover Media startet stattdessen die von VW eingebaute Sprachsteuerung.

POI-Suche in Google Maps
Vergrößern POI-Suche in Google Maps

Parallelbetrieb kein Problem

Während Android Auto läuft, kann man durchaus auch noch andere Funktionen des Discover Media Plus nutzen, beispielsweise dessen Radio mit DAB+, das im Hintergrund Musik abspielt, während Sie auf dem Bildschirm zum Beispiel Google Maps als Navigation lotst.

Schlichte Optik - hoher Nutzwert

Android Auto bietet die auch schon vom Seat Ibiza bekannte schlichte Optik. Der Startbildschirm zeigt die Android-Auto-kompatiblen Apps an. Zu den wichtigsten Standard-Apps zählen Google Maps als kostenlose und leistungsfähige Navigationslösung mit Echtzeit-Verkehrslage-Informationen, die Kommunikations-App für Telefon und SMS, der Musikplayer, in dem ein 90 Tage gültiges Testabo von Google Play Music enthalten ist, und die Sprachbedienung.

Sie können aber auch noch viele andere Apps für Android Auto nachinstallieren, zum Beispiel Stitcher für Hörbücher, Spotify, Pandora, Tune-In Radio, Skype oder ICQ. Eine Liste der Android-Auto-kompatiblen Apps finden Sie hier.

Tankstellen im Umkreis um unseren VW Bus
Vergrößern Tankstellen im Umkreis um unseren VW Bus

Zu den Highlights gehört sicherlich Maps Navigation. Wie schon auf dem Smartphone lotst Sie diese Online-Navigation auch im VW Bus zuverlässig ans Ziel. Anders als auf dem Smartphone weiß Google Maps bei Android Auto dank der Daten vom Radsensor aber auch im Tunnel bei gestörtem GPS-Empfang, wo Sie sich gerade befinden. Und aufgrund der Verkehrslagedaten der zahlreichen  Android-Smartphones auf den Straßen sagt Ihnen Google Maps auch ziemlich exakt die Ankunftszeit voraus und warnt während der Fahrt vor Staus und anderen Verkehrsbehinderungen.

Google Maps lotst direkt zur Tankstelle
Vergrößern Google Maps lotst direkt zur Tankstelle

Ebenso ist eine gute POI-Suche integriert. Suchen Sie beispielsweise nach Tankstellen in Ihrer Umgebung und lassen Sie sich dann direkt dorthin lotsen.

Wichtig: Der Mobilfunkvertrag des gekoppelten Smartphones muss für das Datenvolumen der Android-Auto-Apps wie Google Maps ausgelegt sein, weil alle Daten über das gekoppelte Smartphone laufen.

Navigationsziele geben Sie am besten per Sprachsteuerung ein. Das klappte im Test gut. Google berechnet schnell die möglichen Routen und die Verkehrslage und sagt Ihnen sogar die voraussichtliche Ankunftszeit inklusive Hinweis, ob eine Behinderung auf Ihrer Route vorliegt.

Telefonieren mit Android Auto
Vergrößern Telefonieren mit Android Auto

Telefonate können Sie ebenso einfach per Sprachsteuerung führen. Einfach auf das Icon rechts oben auf dem Bildschirm zum Start der Sprachsteuerung drücken und die Telefonnummer nennen. Die Nummer kann in einem Rutsch aufgesprochen werden. Das klappte gut im Test.

Telefonieren mit Android Auto
Vergrößern Telefonieren mit Android Auto

In der Kommunikations-App liegen zudem Anruflisten und Ihre Kontakte vor. Und natürlich können Sie auch SMS checken und diktieren. Bei letzterem klappte aber der Versand im Test nicht.

Ärgerlich: Wenn das Radio läuft, dann wird die Navigationsansage parallel dazu gesprochen, das Radio wird also nicht leise geschaltet. Man muss schon genau hinhören, um die Navigationsanweisungen zu verstehen. Anders sieht es aus, wenn man ein Telefonat unter Android Auto beginnen will, dann wird das Radio automatisch stumm geschaltet.

Probleme mit Android Auto im VW Bus

Obwohl wir Android Auto als bevorzugtes System im Discover Media ausgewählt hatten, startete das Discover Media einige Tage lang für uns nicht nachvollziehbar immer Mirrorlink. Plötzlich machte das Discover Media während der Fahrt einen Neustart und erkannte danach unser Smartphone und koppelte es via Android Auto. Das Problem, dass Android Auto nicht startete, trat danach nicht wieder auf.

Unterhaltung mit Android Auto
Vergrößern Unterhaltung mit Android Auto

Zudem unterbrach Android Auto zwei bis drei Mal ohne erkennbaren Grund die laufende Verbindung zu unserem Smartphone. Das Discover Media Plus erkannte danach unser HTC One M9 nicht mehr, obwohl es unverändert per Kabel verbunden war. Als wir am nächsten Tag wieder losfuhren, erkannte Android Auto unser Smartphone wieder und funktionierte ohne Probleme. Laut Volkswagen sollen unter anderem die Original-USB-Kabel von HTC solche Probleme verursachen. Gegebenenfalls sollten Sie also einmal ein anderes USB-Kabel ausprobieren, falls bei Ihnen ebenfalls dieses Problem auftritt.

Fazit zu Android Auto im T6: Nützlich, aber etwas unzuverlässig

Android Auto ist grundsätzlich eine sinnvolle Erweiterung des Infotainmentsystems Discover Media Plus im T6. Insbesondere die Navigationslösung Google Maps ist ein Leckerbissen. Allerdings sollte die Verbindungsaufnahme mit Android Auto immer zuverlässig und auf Anhieb funktionieren, und es sollte auch keine plötzlichen Unterbrechungen einer bestehenden Verbindung geben. Hier sollte Volkswagen Nutzfahrzeuge noch nachbessern. Dass das auch besser geht, beweist CarPlay für das iPhone. Damit hatten wir im Test keine Probleme, nie Verbindungsabbrüche und auch keine Koppelungsprobleme.

Das riesige Display: Der rechte Teil davon zeigt Android Auto an.
Vergrößern Das riesige Display: Der rechte Teil davon zeigt Android Auto an.

12. Android Auto in der Mercedes-Benz E-Klasse ohne Touch

Daimler verbaut in der seit April 2016 verkauften E-Klasse ebenfalls Android Auto. Sie schließen in der E-Klasse ein Android-Smartphone an den USB Port 0 vorne in der Mittelkonsole an.

Lese-Tipp: Mercedes-E-Klasse-Test - Riesen-Display und clevere Touchcontrols

Android Auto profitiert in der E-Klasse vom beeindruckenden 12,3 Zoll/31,2 cm großen Bildschirm ganz besonders. Denn aufgrund der enormen Bildschirmgröße findet man leichter den gerade aktiven Menü-Punkt. In der E-Klasse fehlt nämlich genauso wie im Audi A4 der große Touchscreen, man muss also bei Android Auto in der E-Klasse den gewünschten Menü-Punkt mit dem Comand Controller auf der Mittelkonsole auswählen: Durch Drehen und Drücken. Ein einfaches Tippen auf das Bildschirm-icon geht in der E-Klasse mangels Touchscreen nicht.

Android Auto
Vergrößern Android Auto

Damit steigt etwas die Ablenkungsgefahr, weil der Fahrer auf dem Bildschirm erst schauen muss, wo der Cursor aktuell steht, um dann mit dem Comand Controller das gewünschte Icon auswählen zu können. Allerdings steht immerhin auch die Google-Sprachsteuerung zur Verfügung, was die Bedienung von Android Auto deutlich erleichtert.

Riesiges Doppel-Display - Mercedes E-Klasse im Test

Von dem Problem des fehlenden Touchscreens einmal abgesehen ist Daimler die Integration von Android Auto aber gut gelungen. Besonders hervorzuheben ist die weitgehende Integration der Bedienelemente am Lenkrad, die einigermaßen schlüssig ist und sich damit wohltuend von dem Chaos einiger anderer Automobilhersteller unterscheidet.

Android Auto: Navigation mit Google Maps
Vergrößern Android Auto: Navigation mit Google Maps

Bei Android Auto kann man mit den Lenkrad-Tasten rechts zum Beispiel ein Telefonat mit dem Smartphone starten. Ebenso funktioniert die Sprachsteuerungstaste rechts vom Lenkrad, um Google Now zu starten. Die pfiffigen Touchcontrols sind dagegen ohne Funktion bei Android Auto. Die Hometaste rechts vom Lenkrad bringt einen eine Ebene zurück. Bei den Lenkradrasten links vom Airbag lassen sich „lauter/leiser“ ebenso wie die Lautstärkeregelung auf der Mittelkonsole nutzen.

Fazit: Alles in allem konnten wir Android Auto in der E-Klasse solide bedienen.

13. Android Auto im Audi A4 ohne Touch

Im neuen Audi A4 steht Android Auto unter dem Menü-Punkt Audi Smartphone Interface (Aufpreis: 400 Euro) zur Verfügung. Das Audi Smartphone Interface gibt es zudem im Q7, TT, A5 und Q2. Es entspricht funktional App-Connect von Volkswagen, Smartlink bei Skoda und Full Link bei Seat. Auf Mirrorlink verzichtet Audi dagegen wegen dessen fehlendem Bedienkomfort und der schlechten Funktionalität.

Android Auto präsentiert sich im Audi A4 ohne Touch-Fähigkeit. Stattdessen bedienen Sie Android Auto über den MMI-Controller auf der Mittelkonsole und über die Google-Sprachsteuerung.

Ausführlicher Test: Audi A4 mit Connect, MMI, CarPlay, Android Auto und App  

Sonderzielsuche
Vergrößern Sonderzielsuche

Wegen des fehlenden Touchscreens lässt sich Android Auto aber nicht ganz so zuverlässig bedienen wie in einem Fahrzeug mit Touchscreen. Sie müssen immer ganz genau auf den 8,3 Zoll großen Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts schauen um zu sehen, welche Schaltfläche gerade aktiv ist.

Telefonie mit Freisprecheinrichtung über das gekoppelte Smartphone
Vergrößern Telefonie mit Freisprecheinrichtung über das gekoppelte Smartphone

Danach können Sie mit dem MMI-Controller die Auswahl treffen. Dazu drehen Sie am MMI-Controller, bis Sie die gewünschte Schaltfläche markiert haben und drücken dann auf das Touchpad auf dem MMI-Controller. Die Lenkradtasten des Audi stehen für Android Auto teilweise zur Verfügung: Mit einem langen Druck auf die Lenkradtaste zum Einschalten der Sprachsteuerung starten Sie Google Now (ein kurzer Druck startet die Audi-eigene Sprachsteuerung) und die Lautstärkereglertasten im Lenkrad funktioniert ebenfalls für Android Auto. Ebenso funktioniert der Lautstärkeregler auf der Mittelkonsole. 

Google-Maps-Navigation
Vergrößern Google-Maps-Navigation

Touchscreen im Auto - Pro und Contra

Fazit: Vom fehlenden Touchscreen abgesehen funktioniert Android Auto genauso wie in anderen Fahrzeugen mit Touchscreen. Google Maps steht wie gewohnt als solide Navigationslösung bereit und auch die Telefonie funktioniert gut. Man merkt Android Auto aber an, dass Google dieses System für Touchscreen-Systeme entwickelt hat. Mit Touch-Funktion auf dem Display kann man Android Auto intuitiver bedienen. Den Touchscreen vermissen wir definitiv.

Startbildschirm von Android Auto mit laufender Google-Maps-Navigation
Vergrößern Startbildschirm von Android Auto mit laufender Google-Maps-Navigation

14. Test : Android Auto im Skoda Rapid Spaceback

Android Auto findet man im Skoda Rapid Spaceback mit Amundsen-Infotainmentsystem unter dem Menüpunkt Smartlink. Wie gehabt erfordert Android Auto neben der USB-Kabelverbindung auch eine Bluetooth-Verbindung für die Telefonie. Ist diese nicht vorhanden, fordert Android Auto den Nutzer auf, Bluetooth einzuschalten.

Denn kompletten Skoda-Test lesen Sie hier: Test Skoda Smartlink - CarPlay, Android Auto und Mirrorlink im flotten Tschechen

Startbildschirm von Android Auto
Vergrößern Startbildschirm von Android Auto

Der Startbildschirm von Android Auto im Skoda zeigt das Wetter am Standort, die letzten Anrufe und eine eventuell laufende Navigation an. Oder auch das gerade von Google Play Music gespielte Lied.

Telefonie
Vergrößern Telefonie

Die Navigation mit Google Maps hat im Rahmen von Android Auto solide funktioniert. So lotste uns Google Maps nicht nur zu den gewählten Adressen, sondern zeigte uns auch eine Tankstelle in der Umgebung an. Die Google-Sprachsteuerung machte ebenfalls, was sie soll. Sie kann aber nur bei einer guten Mobilfunkverbindung zu den Servern von Google sinnvoll genutzt werden.

Die Anzahl der für Android Auto verfügbaren Apps ist wie gehabt überschaubar. In unserem Skoda standen nur die Telefonie, Google Maps, Google Play Music, die Sprachsteuerung sowie der Wetterbericht zur Verfügung. Die auf dem HTC One M9 installierten Apps wie Deezer, Spotify oder Tune-In wurden uns nicht zum Starten angezeigt.

Tankstellensuche mit Google Maps in Android Auto
Vergrößern Tankstellensuche mit Google Maps in Android Auto

Inkonsequent: Bei Android Auto startet die rechte Lenkradtaste des Skoda die Telefonie von Android Auto (und nicht das Telefonie-Menü des eingebauten Amundsen-Infotainmentsystems). Die linke Lenkradtaste für die Sprachsteuerung startet jedoch die eingebaute Sprachsteuerung des Skoda und nicht die Google-Sprachsteuerung.

Telefonie in Android Auto
Vergrößern Telefonie in Android Auto

Nachdem wir einmal die Lautstärke in Android Auto deutlich runterreguliert hatten, blieb diese eine Zeitlang auf leise, obwohl wir den Drehregler längst wieder auf lauter gestellt hatten. Erst nach einiger Zeit gab Android Auto den Ton wieder lauter aus.

Navigation mit Google Maps
Vergrößern Navigation mit Google Maps

15. Test von Android Auto im Seat Ibiza Connect (mit Video)

Wir haben Android Auto in einem neuen Seat Connect mit einem HTC One M9 getestet.

Startbildschirm im Seat
Vergrößern Startbildschirm im Seat

Android Auto im Seat Connect ausprobiert

Full Link heißt Seats Schnittstelle für die Integration von CarPlay für iPhones und Mirrorlink sowie Android Auto für Android-Smartphones. In allen drei Fällen wird das Smartphone mit dem Infotainmentsystem des Seat per USB-Kabel beziehungsweise Lightning verbunden. Die dafür nötige USB-Buchse hat Seat unterhalb des Bildschirms in den Tiefen der Mittelkonsole verbaut.

Navigation mit Verkehrslageinfos
Vergrößern Navigation mit Verkehrslageinfos

Eine etwaige bestehende Bluetooth-Verbindung zwischen einem anderen Smartphone und dem Seat-System wird automatisch beendet, sobald man die USB-Verbindung herstellt. Damit Android Auto vernünftig funktioniert, ist eine gute Mobilfunkverbindung erforderlich, mindestens UMTS, besser noch LTE.

Google Lokale Suche nach POIs.
Vergrößern Google Lokale Suche nach POIs.

Wenn Sie ein Android-Smartphone via USB-Kabel verbinden, müssen Sie sich entscheiden, ob Sie eine Mirrorlink- oder eine Android-Auto-Verbindung aufbauen wollen. Wenn Sie sich für Android Auto entscheiden, dann blicken Sie auf einen aufgeräumten und übersichtlichen Home Screen. Er ist zwar optisch nicht so ansprechend wie der Startbildschirm von CarPlay, doch deutlich übersichtlicher als der Mirrorlink-Bildschirm. Der Bildschirm auf dem Smartphone wird abgeschaltet.

Ausführliches Video zu Android Auto im Seat Ibiza Connect:

Android Auto - So funktioniert das PKW-System von Google

Übersichtlicher Bildschirm

In der Menüleiste am unteren Bildschirmrand finden Sie die Icons für Navigation, Telefonie, für den Home Screen, Zugriff auf Google Music und andere Musik-Apps und für spezielle Auto-Apps. Im rechten oberen Eck wiederum finden Sie das Mikrofon-Icon zum Starten der Sprachsteuerung. Alternativ können Sie die Sprachsteuerung auch mit der entsprechenden Lenkradtaste im Seat starten. Diese Vorgehensweise entspricht also der von CarPlay.

Lese-Tipp: Den vollständigen Seat-Test finden Sie hier : Seat Full Link Test - CarPlay, Android Auto und Mirrorlink

Die Sprachsteuerung sollte das bevorzugte Mittel zur Bedienung von Android Auto sein, damit die Hände immer am Lenkrad bleiben und der Fahrer nach vorne auf das Verkehrsgeschehen blicken kann. Seat hat die Google-Sprachsteuerung sehr harmonisch in das Infotainmentsystem integriert.

Während Android Auto läuft, kann man das fest eingebaute Radio weiter benutzen. Auch die Freisprechanlage des Seat steht zur Verfügung. Das Telefonieren über das via Bluetooth gekoppelte Smartphone klappt ebenfalls weiterhin.

Wenn man die Google-Sprachsteuerung aktiviert, schaltet das Infotainmentsystem automatisch das Seat-Radio auf leise. Sobald die Sprachsteuerung beendet ist, wird das Radio wieder laut.

Navigation
Vergrößern Navigation

Navigation

Als Navigationssoftware von Android Auto dient das hervorragende Google Maps Navigation. Google Maps bietet neben einem exakten Routing und einer POI-Suche auch die gewohnt exakten Echtzeit-Verkehrslage-Informationen. Das Kartenmaterial lädt die Navigation aber fortlaufend von den Google-Servern herunter, Ihr Mobilfunkvertrag sollte also ausreichend dimensioniert sein, um mit diesen Datenmengen zurechtzukommen.

Sie können mit der Sprachsteuerung direkt Ihr Navigationsziel eingeben: „Wie ist der Weg nach Hamburg?“ als Beispiel. Sofort startet Android Auto Google Maps Navigation, nennt Ihnen die ungefähre Ankunftszeit unter Berücksichtigung der Verkehrslage, sagt, ob es unterwegs Staus gibt und blendet die Route auf der Karte ein. Sie können dann sofort losfahren. Während der Navigation gibt es solide Sprachansagen und natürlich stehen die guten Verkehrslage-Informationen von Google Maps zur Verfügung.

Cool ist die hervorragende Google Suche, die viel mehr Treffer liefert als die POIs aus dem Navi. Damit finden Sie nicht nur ruckzuck die nächstgelegene Tankstelle oder den Supermarkt, sondern auch so ausgefallene Ziele wie beispielsweise eine bestimmte Auto-Sattlerei – falls Ihr Wagen neue Sitzbezüge benötigt. Jedes dieser Ziele kann sofort für die Navigation übernommen werden.

Telefonie
Vergrößern Telefonie

Man hat faktisch zwei Sprachsteuerungen und zwei Navigationssysteme im Auto, genauso wie bei Apple CarPlay. Anders hat das Seat dagegen bei Mirrorlink gelöst, wo es nur ein Navi gibt, nämlich das fest eingebaute.

Telefonie

Ebenso einfach starten Sie einen Anruf. Sie sprechen einfach die Telefonnummer auf oder nennen den Kontakt aus dem Telefonbuch des Smartphones, den Sie anrufen wollen. Auch das Diktat und der Versand von SMS klappt mit Hilfe der Sprachsteuerung.

Freisprecheinrichtung
Vergrößern Freisprecheinrichtung

Sprachbedienung kann noch mehr

Selbstverständlich verrät Ihnen die Sprachausgabe auch den Wetterbericht oder den Geburtstag einer historischen Persönlichkeit und nennt die nächsten Termine aus dem Kalender. Sie können per Sprachbefehl auch einen neuen Termin eintragen lassen. Bei allen diesen Funktionen unterscheiden sich Android Auto und Apple CarPlay nicht sonderlich.

Google Play Music
Vergrößern Google Play Music

Musik: Google Play Musik Testabo

Unter dem Bereich Musik finden Sie auch einen 90 Tage gültigen Testzugang für Google Play Musik. Die Lieder streamen Sie von den Google-Servern über Ihr Android-Smartphone auf Android Auto und geben die Musik dann über die im Auto eingebauten Lautsprecher aus. Sie können hier aber auch andere Musik-Streamingdienste wie Amazon Music nutzen.

Fazit: Nicht hübsch, aber solide

Android Auto funktionierte im Seat Connect Ibiza solide und ohne Probleme. Man kann sich dank der gewohnt guten Google Maps Navigation sogar den 400-Euro-Aufpreis für das fest eingebaute Navi sparen. Das bietet ja nicht einmal Echtzeit-Verkehrsinformationen aus dem Internet, sondern nur das ungenaue TMC. Da ist Google Maps Navigation deutlich leistungsfähiger.

Android Auto lässt sich zuverlässiger und sicherer als das kleinteilige Mirrorlink bedienen. Die ansprechende Optik von Apple CarPlay erreicht Android Auto aber nicht. Android Auto und Apple CarPlay haben aber das Zeug dazu, die teuren Infotainmentsysteme der Automobilhersteller ab Werk überflüssig zu machen.

16. Exkurs: Unterschied zwischen Mirrorlink und Android Auto

Aufgepasst: Wenn das Infotainmentsystem Ihres Fahrzeugs das schon länger verfügbare Mirrorlink unterstützt, bedeutet das nicht, dass es auch mit Android Auto zurechtkommt.

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Denn Android Auto und Mirrorlink sind zwar beide für die Integration von Android-Smartphones in das Infotainmentsystem von modernen PKW gedacht. Und beide funktionieren ähnlich: Sie spiegeln die Android-Apps auf dem Bildschirm, und das Android-Smartphone übernimmt die Rechenleistung. Doch die Urheber, die technischen Grundlagen, die Schnittstellen und auch die Oberfläche sind völlig verschieden. Hierzu ein kleiner Exkurs.

Mirrorlink: Spaß sieht anders aus

Mirrorlink ist kein Produkt von Google, sondern kommt ursprünglich aus den Forschungslabors von Nokia. Mittlerweile kümmert sich das Car Connectivity Consortium um Mirrorlink. In diesem Konsortium sind viele Unternehmen aus der Automobil- und Telekommunikationsbranche vertreten.

Test: Mirrorlink im VW Bus, Seat, Passt, Polo und Toyota

Mirrorlink krankt unter dem Problem, dass man überhaupt erst einmal Mirrorlink-kompatible Geräte finden muss und dann aber Infotainmentsysteme und Smartphones oft nicht zueinander kompatibel sind, obwohl sie formal Mirrorlink unterstützen. Nur gibt es eben verschiedene Versionen von Mirrorlink, die sich untereinander nicht verstehen. Zudem sind viele Apps nicht für Mirrorlink zertifiziert und lassen sich dann damit auch nicht nutzen.

Ausführlicher Test von Mirrorlink

Unsere bisherigen Erfahrungen mit Mirrorlink waren eher enttäuschend, Mirrorlink funktionierte entweder überhaupt nicht oder nur instabil oder nur eingeschränkt. Verbindungen reißen plötzlich ab oder kommen manchmal gar nicht zustande. Immerhin: Im VW Passat konnten wir Mirrorlink einigermaßen sinnvoll nutzen.

Seat mit bester Mirrorlink-Umsetzung

Im Seat Ibiza  Connect fanden wir die bisher beste Mirrorlink-Integration. Doch auch im Seat, der über eine bemerkenswert gute Integration der modernen Mobil-Schnittstellen verfügt, sieht Mirrorlink nicht besonders attraktiv aus, ist überladen und teilweise schlecht zu bedienen. Mirrorlink erreicht also nicht annähernd den Bedienkomfort von Apple CarPlay zur Integration von iPhones ins Auto. Mirrorlink kann man übrigens auch nachrüsten.

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