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Android 6 "Marshmallow" auf alten Smartphones installieren

13.01.2016 | 12:30 Uhr |

Viele aktuelle Geräte werden voraussichtlich in den nächsten Monaten mit Android 6 versorgt. Für ältere Smartphones bilden Custom-ROMs eine interessante Alternative.

Anfang Oktober ging Android 6 an den Start. Google hatte für verschiedene Nexus-Geräte die aktualisierte Firmware ausgeliefert. Die anderen Smartphone-und Tablet-Hersteller haben bereits die Geräte benannt, für die Sie ein offizielles Update anbieten werden. Wenn Sie nicht in Besitz eines aktuellen Endgeräts sind, stellt ein Custom-ROM eine willkommene Alternative dar.

Der wohl bekannteste Vertreter ist Cyanogenmod mit mehr als 50 Millionen Nutzern. Das aktuell offizielle Release 12 basiert auf Android 5.1, die nächste Version 13 hat Android 6 alias Marshmallow als Basis. Das Cyanogenmod-(CM)-Team hat offiziell mit den Arbeiten an dem Release begonnen. Wann allerdings das erste Alpha-Release an den Start geht, ist aktuell noch nicht bekannt. Trotz allem gibt es bereits bei XDA-Developers die ersten Previews, die einen Ausblick auf die anstehenden Entwicklungen geben.

Wir haben den Implementierungsstand zweier beliebter Smartphones, des Samsung Galaxy S2 (GTI9000) sowie des Motorola Moto G (erste Generation), für Sie genauer unter die Lupe genommen. Für beide gibt es jeweils einen viel diskutierten Forenbeitrag innerhalb des XDA Developer Forums, in welchem Sie auch das aktuellste Preview finden.

Siehe auch: Cyanogenmod - Android 6 für alle!

Wichtiger Hinweis

Die Installation einer Custom-ROM ist nicht ohne Risiko. Im schlimmsten Fall verwandeln Sie Ihr mobiles Endgerät in einen teuren Briefbeschwerer. Wir haben die folgenden Anleitungen sorgfältig getestet. Trotz allem können wir für die Umsetzung Ihrerseits keine Gewähr übernehmen.

Android 6 fürs Galaxy S2

Das Samsung Galaxy S2 ist inzwischen etwas in die Jahre gekommen. Es wurde im Mai 2011 erstmals in Deutschland zum Verkauf angeboten. Die letzte offizielle Version, die Samsung für das Smartphone veröffentlicht hat, war Jelly Bean in der Version 4.1.2. Dank seiner Beliebtheit haben die Entwickler von Cyanogenmod bisher immer wieder nachgezogen und bieten als aktuellste Version CM12 auf Basis von Android 5.1 an.

Die Entwicklergemeinde ist jedoch nicht untätig und arbeitet bereits fleißig an Previews und aktuellen Versionen . Die Installation ist jedoch nicht gerade einfach, und es gilt einiges zu beachten.

Die Basis für eine erfolgreiche Installation stellt das Recovery-ROM Team Work Recovery Project (TWRP) dar. Laden Sie sich die aktuellste Version aus dem Internet herunter. Für die Installation benötigen Sie eine interne SD-Karte. Kopieren Sie darauf die heruntergeladene Zipdatei des Recovery-ROMs.

Recovery-ROM und Installation

Starten Sie ihr Smartphone im Recovery-Modus. Dazu halten Sie beim Start gleichzeitig die Tasten „Power“, „Home“ und „Laut“ gedrückt. Sie kommen anschließend in das hauseigene Recovery-Menü. Setzen Sie als erstes Ihr Endgerät auf den Werkszustand zurück („wipe data/factory reset“), und löschen Sie auch den Cache-Speicher des Geräts („wipe cache partition“).

Führen Sie anschließend die Installation der heruntergeladenen Zipdatei über die Funktion „apply update from external storage“ durch. Wählen Sie im anschließenden Menü die heruntergeladene Datei aus, und starten Sie die Installation des Recovery-ROMs. Nach dem anschließenden Booten ist das Smartphone auch gerootet, und Ihnen steht die App „Super SU“ zur Verfügung. Um zu überprüfen, ob das Rooten erfolgreich war, verwenden Sie die App „Root Checker“.

Zur Installation der Custom-ROMs nutzen wir für beide Smartphones jeweils das Recovery- ROM TWRP.
Vergrößern Zur Installation der Custom-ROMs nutzen wir für beide Smartphones jeweils das Recovery- ROM TWRP.

Backup erstellen

Die Arbeit mit einem Custom-ROM hat im frühen Stadium der Entwicklung sehr viel mit Testen und Ausprobieren zu tun. Nicht alle Funktionen, die Sie vielleicht benötigen und für wichtig halten, stehen in diesem Release bereits zur Verfügung. Deswegen ist es wichtig, einen einfachen und schnellen „Weg zurück“ zu haben. Dafür können Sie das Recovery-ROM TWRP verwenden.

Nutzen Sie erneut die zuvor beschriebene Tastenkombination und starten Sie Ihr Smartphone im Recovery-Modus. Führen Sie eine Sicherung Ihrer aktuellen Installation über die Funktion „Backup“ durch. Wählen Sie an dieser Stelle alle zur Verfügung stehenden Optionen aus: Boot, System, Cache und Data. Ihr aktuelles Betriebssystem wird anschließend gesichert, und Sie können, falls Ihnen CM13 aktuell noch nicht zusagt, mit wenigen Klicks wieder zu Ihrem jetzigen Betriebssystem zurückkehren.

Das Wiederherstellen geschieht über die Funktion „Restore“. Wählen Sie an dieser Stelle ebenfalls wieder die zuvor gesicherten Bereiche aus.

Cyanogenmod installieren

Laden Sie anschließend das Preview aus dem XDA-Developer Forenbeitrag von Lysergic Acid. Kopieren Sie die Datei ebenfalls auf Ihre SD-Karte. Sie finden im Forum auch eine Version der Google Apps. Damit sind Sie in der Lage, im Nachgang Ihre Cyanogenmod-Installation um den Google Play Store und weitere Anwendungen zu ergänzen. Fahren Sie anschließend Ihr Smartphone wieder herunter, und starten Sie diese erneut im Recovery-Modus. Dieses Mal steht Ihnen bereits die Oberfläche von TWRP direkt zur Verfügung. Löschen Sie an dieser Stelle erst einmal über die Funktion „Wipe“ den „Dalvin Cache“, „Data“ und „Cache“.

Installieren Sie anschließend über die Funktion „Install“ die Zipdatei. Falls Sie auch die Google-Apps hinzufügen möchten, nutzen Sie dafür die Schaltfläche „Add More Zips“. Geben Sie das Verzeichnis der entsprechenden Zipdatei an. Starten Sie die Installation über die Schaltfläche „Swipe to confirm flash“.

Führen Sie nach dem Abschluss der Installation über die Schaltfläche „Wipe cache/dalvik“ das Löschen des entsprechenden Speicherbereichs durch. Fahren Sie anschließend Ihr Smartphone herunter, und entfernen Sie die SD-Karte. Sonst endet Ihr Smartphone, zumindest mit dieser CM-13-Preview, in einer endlosen Boot-Schleife.

Nachdem Sie die Einrichtung mit dem Assistenten übersprungen haben, sehen Sie das erste Mal Android 6 auf Ihrem Samsung Galaxy S2.
Vergrößern Nachdem Sie die Einrichtung mit dem Assistenten übersprungen haben, sehen Sie das erste Mal Android 6 auf Ihrem Samsung Galaxy S2.

CM13 konfigurieren

Starten Sie Ihr Smartphone neu. Beim ersten Start werden Sie mithilfe eines Assistenten durch die Installation geleitet. Verändern Sie an dieser Stelle nicht das vorgeschlagene Land. Sonst wird das Betriebssystem kein zweites Mal erfolgreich starten. Überspringen Sie auch alle Einrichtungsschritte, Sie können diese im Nachgang über die Einstellungen unter CM nachholen. Android 6 startet anschließend zum ersten Mal und präsentiert die Oberfläche von Android 6 respektive CM 13.

Werfen Sie als Erstes einen Blick in die Informationen Ihres Smartphones. Sie sehen an dieser Stelle sowohl die Information über „Android 6“ als auch den Hinweis auf „Cyanogenmod 13“.

Anschließend können Sie sich an die Konfiguration des Geräts machen. Die Einstellungen stehen Ihnen aufgrund der englischen Sprachversion unter „Settings“ zur Verfügung. Richten Sie im ersten Schritt erst einmal Ihr WLAN ein. Innerhalb der Einstellungen können Sie bereits den frühen Implementierungsstand von CM13 erahnen. Es gibt noch keine spezifischen Cyanogenmod-Menüs, wie Sie in einer vollwertigen Version zur Verfügung stehen. Die klassischen Apps „AudioFX“ und „Music“ sind jedoch bereits vorhanden.

Tipp: Android 6 - So funktionieren die neuen Features

CM13 und S2 – ein noch weiter Weg

Die Umsetzung von CM13 auf dem Samsung S2 zeigt bereits erste interessante Ergebnisse. Die Stabilität der Installation lässt jedoch noch sehr zu wünschen übrig. Deswegen können wir aktuell den Griff zu CM13 nur sehr experimentierfreudigen Anwendern empfehlen. Ein wenig anders sieht es beim nächsten Kandidaten aus.

Motorola Moto G und Android 6

Das Motorola Moto G ist aufgrund seines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses in den ersten beiden Generationen ein sehr beliebtes Smartphone gewesen. Motorola hatte, als das erste Moto G herauskam, noch Google als Eigentümer. Entsprechend zuverlässig wurde es auch mit Updates versorgt, die erst mit Android 5.1 endeten. Für viele ist dies eine zuverlässige Basis, um damit zu arbeiten. Für alle Experimentierfreudigen steht an dieser Stelle ebenfalls eine Preview-Version von CM13 und Android 6 zur Verfügung. Auch diese wird über einen Thread im XDA Developer Forum verbreitet, und die Weiterentwicklungen und Fehler werden dort diskutiert.

Nach der Installation des Custom- ROMs zusammen mit den Google-Apps meldet sich das Moto G mit dem Google-Launcher bereit zum Einsatz.
Vergrößern Nach der Installation des Custom- ROMs zusammen mit den Google-Apps meldet sich das Moto G mit dem Google-Launcher bereit zum Einsatz.

Moto G entsperren

Damit Sie das Moto G mit einer alternativen Firmware versorgen können, sind einige Voraussetzungen notwendig. Sie müssen das Smartphone erst einmal bei Motorola entsperren, damit Sie es anschließend mit einem Recovery-ROM versehen können. Dazu legen Sie ein neues Konto bei Motorola an und laden sich anschließend die Motorola-USB-Treiber herunter. Für die Kommunikation zwischen Ihrem Computer und dem Smartphone benötigen Sie zusätzlich noch die ADB-Tools. Diese stammen aus dem Android SDK und stehen als kompaktes Paket im Internet beispielsweise innerhalb des XDA Developer Forums zur Verfügung.

Installieren Sie sich die Treiber, und entpacken Sie die ADB-Tools auf Ihrem Computer. Verbinden Sie anschließend das Moto G mit Ihrem Computer, und versetzen Sie es mit der Tastenkombination „Power“ und „Leiser“-Taste in den Fastboot-Modus. Öffnen Sie auf Ihrem Computer die Eingabeaufforderung, und navigieren Sie in das Verzeichnis, in welchem Sie Ihre ADB-Tools entpackt haben. Geben Sie anschließend das Kommando „fastboot oem get_unlock_data“ ein. Das Moto G liefert Ihnen eine kryptische Zeichenkette zurück, die Sie kopieren und anschließend auf der Motorola-Website in das vorgesehene Feld bei Schritt 6 wieder eingeben. Nachdem Sie die Erklärung bestätigt haben, fordern Sie den Schlüssel mittels der Schaltfläche „Request Unlock Key“ an. Sie erhalten einen 20-stelligen Code zurück, den Sie wieder in die Zwischenablage kopieren.

Geben Sie anschließend im Eingabefenster den Befehl „fastboot oem unlock“ und den 20-stelligen Code aus der Zwischenablage ein. Anschließend wird Ihr Moto G entsperrt.

Recovery ROM installieren

Das Rooten des Moto G ist nicht zwingend erforderlich. Sie benötigen lediglich ein Recovery ROM um das neue Betriebssystem auf Ihrem Moto G zu installieren. Wir haben uns auch beim Moto G für TWRP entschieden. Laden Sie dieses direkt von der Projekt-Website herunter, und kopieren Sie die Datei in das Verzeichnis Ihrer ADB-Tools. Versetzen Sie Ihr Moto G erneut in den Fastboot-Modus, und geben Sie das Kommando „fastboot flash recovery twrp.img“ in das Eingabefenster ein. Ersetzen Sie den Platzhalter „twrp.img“ entsprechend durch den richtigen Dateinamen des Recovery-Images. Starten Sie anschließend Ihr Moto G mithilfe des Befehls „fastboot reboot neu“.

Bevor Sie das Moto G mit einer Custom-ROM neu installieren, müssen Sie den Bootloader entsperren.
Vergrößern Bevor Sie das Moto G mit einer Custom-ROM neu installieren, müssen Sie den Bootloader entsperren.

Custom-ROM installieren

Laden Sie sich die aktuellste Version aus dem XDA-Developer Thread für das Moto G (siehe oben). Kopieren Sie die Zipdatei mittels USB-Kabel auf Ihr Smartphone. Wir empfehlen Ihnen auch direkt die Google-Apps zu laden und ebenfalls auf das Moto G zu übertragen. Ein entsprechender Link ist ebenfalls im Thread enthalten.

Fahren Sie Ihr Moto G erneut herunter, und starten Sie den Fastboot-Modus. Wählen Sie an dieser Stelle den Menüpunkt „Recovery“ aus. Im Hintergrund wird TWRP gestartet, und die gewohnte Oberfläche steht Ihnen zur Verfügung.

Bevor Sie mit der Installation des CustomROMs und der Google-Apps beginnen, steht das Löschen verschiedener Inhalte an. Nutzen Sie dazu die Funktion „Wipe / Advanced Wipe“, und kreuzen Sie im anschließenden Bild die Optionen „Dalvik Cache“, „Data“ und „Cache“ an. Bestätigen Sie das Löschen durch Wischen am unteren Bildschirmrand „Swipe to Wipe“.

Nutzen Sie anschließend die Funktion „Install“, und wählen Sie die Zipdatei des zuvor kopierten Images aus. Falls Sie ebenfalls die Google-Apps installieren möchten, fügen Sie diese über die Schaltfläche „Add more Zips“ hinzu. Starten Sie anschließend die Installation über die untere Schaltfläche „Swipe to Confirm Flash“. Zum Abschluss der Installation führen Sie noch einmal die Funktion „Wipe cache / dalvik“ aus und starten anschließend über „Reboot System“ Ihr Moto G neu.

Cyanogenmod einrichten

Im Gegensatz zur Installation des Samsung Galaxy S2 funktioniert beim Moto G der Installationsassistent bereits problemlos. Wählen Sie die gewünschte Sprache aus, und richten Sie direkt zu Beginn Ihr WLAN und alle notwendigen Konten ein. Wenn Sie die Google-Apps direkt mit installiert haben, heißt Sie der Google-Now-Startbildschirm willkommen.

Wenn Sie als erstes einen Blick in „Einstellungen –> Über das Telefon“ Ihres Moto G werfen, sehen Sie die Android-Version 6 sowie die CM-Version 13. Ein weiterer Blick in die Einstellungen lässt auch bereits die ersten CM-Elemente erkennen. Wie gewohnt, finden Sie in der Rubrik „Nutzer“ die „System profiles“ wieder. Mit diesen können Sie Rahmenparameter wie die Klingellautstärke oder die Verfügbarkeit verschiedener Funktionen vorgeben.

Auch die Themes sind bereits im Abschnitt „Gerät“ zu finden. Mit diesen sind Sie in der Lage, weitere Designs auf Ihr Gerät zu laden und damit das Aussehen der Oberfläche zu gestalten. Auch Funktionen wie das Aktivieren des „System UI Tuner“ funktionieren. Dabei handelt es sich um eine neue Funktion innerhalb von Android 6.

Sie finden in der CM13-Installation des Moto G auch neue Funktionen von Android 6 wieder, etwa den System UI Tuner. Dieser funktionierte in unserem Test tadellos.
Vergrößern Sie finden in der CM13-Installation des Moto G auch neue Funktionen von Android 6 wieder, etwa den System UI Tuner. Dieser funktionierte in unserem Test tadellos.

Root-Rechte hinzufügen

Falls Sie für Ihre weiteren Aktionen Root-Rechte benötigen sollten, lassen sich diese mit wenigen Schritten hinzufügen. Laden Sie sich dazu als Erstes das Super-SU-Zip herunter, und kopieren Sie dieses auf Ihr Moto G. Starten Sie dieses anschließend im Fastboot-Modus, und installieren Sie das Programmpaket über die Install-Funktion wie oben beschrieben. Nach dem nächsten Booten stehen Ihnen die Super-SU-App sowie die notwendigen Root-Rechte zur Verfügung.

Moto G ist auf einem guten Weg

Alles in allem ist das Moto G auf einem guten Weg und lief innerhalb der ersten Tests recht stabil. Die Grundfunktionen standen alle zur Verfügung und haben problemlos funktioniert. Diese Version ist somit nicht nur für Experimentierfreudige geeignet, sondern lässt auch einen Tagesbetrieb zu. Wenn Sie Ihre ersten Erfahrungen mit Android 6 machen wollen, bietet diese Kombination eine gute Basis dafür.

Fazit

Android 6 ist auch bei den Custom-ROMs ein präsentes Thema. Die Entwickler rund um CM haben sich bereits auf den Weg gemacht und nach weniger als einem Monat die ersten Ergebnisse präsentiert. Diese sehen vielversprechend aus und eignen sich, wie im Falle des Moto G, bereits weitgehend für den Tagesbetrieb. Trotz allem sollten Sie vor einer Installation die Forenbeiträge im entsprechenden Thread ausführlich studieren, da noch nicht alle Funktionen umgesetzt sind. Dies könnten unter Umständen genau diejenigen sein, welche Sie dringend für Ihre tägliche Nutzung benötigen. Die ersten offiziellen Nightlies werden sicherlich noch ein paar Wochen auf sich warten lassen, wobei sicherlich erste Ergebnisse bis Anfang 2016 zu sehen sein werden.

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