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Software as a Service verändert die IT-Branche

15.02.2008 | 10:42 Uhr |

Aus Visionen werden Strategien und aus Strategien Produkte - so etwa lässt sich die Entwicklung bei Software as a Service zusammenfassen. Und etwas fassbares wie eine Dienstleistung ist durchaus etwas, womit sich Anwender auseinandersetzen können.

Die Topline der Box

Hier lesen Sie …

welche Veränderungen Mietangebote für die Softwarehersteller und deren Partner nach sich ziehen;

welche Auswirkungen sich aus dem veränderten Customizing der Software für Anwender ergeben;

welche Veränderungen im Markt für Software-Mietangebote zu erwarten sind

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Wozu noch ein eigenes Rechenzentrum betreiben? Diese Frage könnte man sich glatt selbst stellen, wenn man sich mit der reinen Lehre von Software as a Service (SaaS) auseinandersetzt. Schließlich gehört es nicht zu den Kernaufgaben von Unternehmen, komplexe IT-Infrastrukturen vorzuhalten und sowohl personelle als auch finanzielle Ressourcen in nicht unbeträchtlichem Ausmaß für den Betrieb dieser Rechenzentren aufzuwenden.

SaaS verspricht hier Abhilfe auf die einfachste Art und Weise: Anwendungen werden nicht wie bisher als mehr oder weniger monolithisches Paket gekauft und im eigenen Rechenzentrum gehostet, sondern die Lösung läuft beim Hersteller der Software (oder bei dessen Hosting-Partner). Der Kunde greift lediglich über ein Frontend, in der Regel einen Web-Browser, auf die Daten zu - deshalb auch die Umschreibung als "Software aus der Steckdose". Dabei sollten sich Anwender Folgendes vor Augen halten: Die Bereitstellung funktioniert immer nach dem so genannten One-to-many-Prinzip, also die gleiche Lösung muss für viele Kunden passend und nutzbar sein. Ist man als Anwender davon überzeugt, ein einzigartiges Geschäft mit sehr speziellen Anforderungen an Software zu betreiben, wird man unter den SaaS-Angeboten sicherlich kaum fündig werden.

Grundsätzlich bietet SaaS aber einige nicht von der Hand zu weisende Vorteile und hat auf jeden Fall das Potenzial, das gesamte Softwaregeschäft grundlegend zu verändern. Zum einen verspricht das Konzept wesentlich mehr Updates und damit auch eine schnellere Behebung von Bugs und Sicherheitslücken. Mit diesen Updates würden dann nicht mehr die IT-Abteilungen beim Anwender lahmgelegt, sondern sie würden für die Kunden nicht spürbar im Rechenzentrum aufgespielt. Damit bekämen die Softwarehersteller wesentlich mehr Verantwortung für den reibungslosen Betrieb der Software beim Anwender - ihr Kontakt zum Kunden würde deutlich enger als heute, da in der Regel zwischen Hersteller und Kunde Partner oder Dienstleister eingeschaltet sind.

Zu dieser Nähe sind die Softhersteller auch deshalb gezwungen, weil sie ein wesentlich größeres Risiko haben, einen Kunden zu verlieren. Anwender können einfacher wechseln als mit einer heutigen On-Premise-Installation, also dem klassischen Betrieb im eigenen Rechenzentrum. Die Folge dieser neuen Flexibilität wird sein, dass im SaaS-Modell die Anbieter mehr, schnelleren und besseren Service bereitstellen, als es heute mit klassischer Software mit Maintenance-Vertrag möglich ist.

Software, die für alle Anwender gleichermaßen passt, wird es natürlich eher selten geben. Vielmehr setzen Anbieter darauf, mit Hilfe von Softwaremodulen Ergänzungspakete für einzelne Branchen oder einzelne Aufgaben zu entwickeln oder entwickeln zu lassen. Diese Zusatzprodukte sollen das heute übliche Customizing der Lösung beim Anwender weitgehend ersetzen. Das hat große Auswirkungen: Anwender, die sich für SaaS entscheiden, werden auf einen gewissen Anteil an "customized" Funktionalitäten verzichten müssen. Diese Einschränkung ist gleichzeitig die größte Gefahr für die Verbreitung von SaaS-Angeboten in Deutschland, dem Land, in dem in Implementierungs-Projekten gern auch noch die allerletzte Anforderung aus dem Pflichtenheft - häufig auf Kosten künftiger Update-Fähigkeit der Lösung - detailgetreu umgesetzt wird.

Die SAP beispielsweise hofft mit ihrem neu vorgestellten SaaS-Paket "Business ByDesign" auf eine ausreichende Anzahl an Implementierungs- und Entwicklungspartnern, die von Projekt zu Projekt immer mehr Branchenspezifika in der Software abbilden. Diese werden anschließend auch anderen SAP-Kunden zur Verfügung stehen. Letztlich wird es eine Frage der Zeit sein, wann so viele Zusatzmodule realisiert sind, dass kommende Kunden tatsächlich "aus der Steckdose" bedient werden können. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es natürlich ein entsprechend großes und branchenkompetentes Entwicklernetzwerk, das langfristig nur relativ wenige Softwareanbieter aufbauen können. Wenn es gelingt, auf diese Art und Weise erfolgreich zu sein, sind die Renditeaussichten für Softwareanbieter gewaltig - sie können sich ein großes Stück von dem Kuchen abschneiden, den heute Systemintegratoren mit Implementierungsprojekten verdienen. Diese wären in einer SaaS-Welt nur noch nötig, um die Lösung für den Kunden in Betrieb zu nehmen und die passenden Funktionen auszuwählen.

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