Amtliche Post 2.0

Die DE-Mail - Wichtige Mails sicher verschicken

Mittwoch, 16.05.2012 | 11:01 von Peter Stelzel-Morawietz
Die DE-Mail ist der direkte Konkurrent der ähnlich sicheren E-Postbriefes. Doch was taugt das neue Format wirklich?
Vergrößern Die DE-Mail ist der direkte Konkurrent der ähnlich sicheren E-Postbriefes. Doch was taugt das neue Format wirklich?
© Telekom
Mit über einem Jahr Verspätung wurden die ersten DE-Mail-Anbieter offiziell zugelassen. E-Mails sicher zu verschicken wird damit zum Kinderspiel. Und auch der Staat nutzt sie.
Ursprünglich sollten Spam- und Phishing-Mails schon Ende 2010 mit Einführung der neuen DE-Mail der Vergangenheit angehören. Doch das erforderliche Gesetz trat erst vor einem Jahr in Kraft, und die Konkurrenz schlief auch nicht. So weigerte sich die Deutsche Post erfolgreich vor Gericht, die für die DE-Mail erforderliche Identifizierung per Postidentverfahren in ihren Filialen vorzunehmen – sie vertreibt den E-Postbrief als Konkurrent zu DE-Mail.

Was ist die DE-Mail genau?
DE-Mail ist ein offizielles Projekt, um das Versenden von amtlichen und vertraulichen Dokumenten sicher und verbindlich zu machen. Umgesetzt aber wird es von privatwirtschaftlichen Unternehmen. Drei dieser Anbieter haben nun ihre Zulassung vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erhalten, darunter die Deutsche Telekom. Für Großkunden hat sie ihr Angebot bereits gestartet, Privat- und Geschäftskunden sollen bis zum Spätsommer folgen.

Beim Anbieter United Internet, der mit seinen Diensten GMX, 1&1 sowie Web.de agiert, dauert die Zertifizierung noch an. Die neue Mailvariante stellt zum einen die Identität von Absender und Adresse sicher, zum zweiten dokumentiert sie die Zustellung einer Nachricht. Schließlich verweisen die Anbieter auf die „sichere Verschlüsselung“ von DE-Mail. Hier aber hegen Kritiker Zweifel, denn die Verschlüsselung bezieht sich nur auf den Transport.


So funktioniert DE-Mail: Bürger, Wirtschaft und Behörden
kommunizieren über den neuen Dienst sicherer als bisher.
Vergrößern So funktioniert DE-Mail: Bürger, Wirtschaft und Behörden kommunizieren über den neuen Dienst sicherer als bisher.

Sicherheitszweifel bleiben
Die ursprünglich geplante obligatorische End-to-End-Verschlüsselung wurde dagegen nicht umgesetzt. Vielmehr verlangt das BSI nur noch, eine End-zu-End-Verschlüsselung zu ermöglichen. Das geht zum Beispiel mit dem kostenlosen GNU Privacy Guard. Zudem kann man bei DE-Mail neben dem „normalen“ ein „hohes“ Sicherheitsniveau wählen, das neben dem klassischen Passwort eine Zwei-Wege-Authentifizierung bietet: per Hardware-Token oder über das Handy wie mit der mTAN beim Online-Banking.

Neben der Sicherheit ist die Kosteneffizienz bei Staat und Wirtschaft ein weiteres Argument für die DE-Mail. Schließlich gibt es keinen Medienbruch mehr von der digitalen Verarbeitung zum Papier. So gelten Einschreiben und amtliche Briefe beispielsweise als zugestellt, wenn der Dienstanbieter dem Absender die Zustellung der Mail bestätigt. Damit aber beginnen – ohne dass der Bürger die Nachricht tatsächlich gelesen haben muss – die gesetzlichen Fristen. Beim Steuerbescheid beträgt die Frist für einen Widerspruch zum Beispiel einen Monat.


Jede DE-Mail kostet 40 Cent
Abgesehen von den Kosten – je nach Anbieter beträgt der Preis für den Versand einer DE-Mail zwischen 30 und 40 Cent – sollte sich jeder fragen, ob er beim neuen Mailsystem mitmachen möchte, denn er muss es nicht. Hat man sich dafür entscheiden und der Zustellung amtlicher Schreiben auf dem elektronischen Weg zugestimmt, heißt es, regelmäßig sein Postfach zu kontrollieren. Die Anmeldung ist einfach und läuft über das Webportal des DE-Mail-Anbieters, die Mailadressen enden stets mit „de-mail.de“. Aufklärend ist eine Infobroschüre .

Mittwoch, 16.05.2012 | 11:01 von Peter Stelzel-Morawietz
Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (7)
  • deoroller 09:30 | 18.05.2012

    Es wird mit Sicherheit zu Streitereien kommen, die dann auch vor Gericht landen und dann wird man sehen, was die Klauseln in den AGB taugen.

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  • hans10 09:25 | 18.05.2012

    ... wobei seit der Privatisierung der Postdienste (Briefzustellung) die Zuverlässigkeit erheblich gelitten hat. In meinem Briefkasten lagen schon mehrmals geöffnete Briefe, die "versehentlich" in der näheren Umgebung in irgend einem Briefkasten gelandet sind. Eine Terminsache wurde 3 Tage nach Ablauf des Termins zugestellt. Im Grunde hat man nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera, demnach kann De-Mail gar nicht so verkehrt sein.

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  • deoroller 09:10 | 18.05.2012

    Gerade, damit man im Streitfall etwas in der Hand hat, wird man sich durch Ausdrucke absichern, was mehr Papier zur Folge hat. Man heftet dann wieder in Aktenordner ab. Der Dienst wurde von Internetaudrucker für Internetausdrucker geschafften.

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  • Navigatiko 04:10 | 18.05.2012

    deshalb Mailnachricht

    Deshalb plädiere ich für Mailnachricht! Ansonsten ist das schon was gutes, wenn dadurch die dämliche Papierpost abgeschafft wird ... Nav.

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  • kalweit 02:33 | 18.05.2012

    Zitat: magiceye04
    Wer sagt, dass man die Mails nicht in einem entsprechenden Programm abholen und verarbeiten kann?
    IMO basiert das ganze Gerümpel darauf, dass sich das Öffnen einer Mail nur durch das Tracking des Webinterface mit Benutzerkennung sicher nachweisen lässt. Mit normalen Mailprotokollen geht das einfach nicht. Wobei es letztlich Wurscht ist, da in den AGB aller Anbieter Klauseln stecken, wo nach allein der Eingang der Mail im Postfach des Anbieters für eine rechtskräftige Zustellung ausreichend ist. Unabhängig davon, ob man die Mail jemals zu Gesicht bekommen hat. Ich würde die Finger von solchen Diensten lassen.

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