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Amazon - so funktioniert der Online-Gigant

31.05.2013 | 11:11 Uhr |

Amazon rühmt sich selbst, das "kundenfreundlichste Unternehmen der Welt" zu sein. Gegenüber den eigenen Mitarbeitern scheint der Ton nicht immer so nett zu sein. Ein Blick hinter die Kulissen.

Amazon rühmt sich selbst, das "kundenfreundlichste Unternehmen der Welt" zu sein. Gegenüber den eigenen Mitarbeitern scheint der Ton nicht immer so nett zu sein . Ein Blick hinter die Kulissen eines rasant wachsenden Handelsriesen .

Wie fing Amazon an?
Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998 (durch die Übernahme des Regensburger Online-Unternehmens ABC Bücherdienst, der von Ulrike Stadler und Michael Gleissner geführt wurde. Stadler war auch die Geldgeberin für ein weiteres Regensburger Online-Unternehmen: Die MagicDay AG. Gleissner zog bei diesem Online-Shop für Blumen und Geschenke im Hintergrund die Fäden. Die Magicday AG ist 2001 mit Pauken und Trompeten untergangen . Sie ist ein geradezu typisches Beispiel für das Scheitern eines Internet-Startups während der großen dot-com-Blase). Groß wurde Amazon mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte Amazon zu einer solchen Macht im Handel aufsteigen?
Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. So konnte Amazon im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 27 Prozent auf 61,1 Milliarden Dollar steigern (45,7 Milliarden Euro). Amazon stampft regelmäßig neue Versandzentren aus dem Boden, um dem Ansturm Herr zu werden. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. Im vergangenen Jahr machte Amazon sogar einen Verlust von 39 Millionen Dollar .

Wie wichtig ist der deutsche Markt für Amazon?
Es ist der größte Auslandsmarkt. Im vergangenen Jahr setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,4 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Welche Rolle spielt Amazon für den deutschen Handel?
Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist Amazon in Deutschland aufgestellt?
In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 7.700 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten zum Jahreswechsel 88.400 Festangestellte im Unternehmen.

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