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Dieses Arduino-Smartphone kostet unter 100 Euro

19.11.2014 | 08:30 Uhr |

Wie könnte eine portable Entwicklungsplattform aussehen, mit der man eigene Projekte realisieren kann? Die Lösung heißt „Phoenard“ und ist ein richtiges - arduino-kompatibles - “Smartphone“.

Pamungkas Prawisuda Sumasta, ein 21 jähriger Indonesier, der in den Niederlanden Elektrotechnik studiert, stellte sich eine portable Entwicklungsplattform vor, die sich in den Alltag des Nutzers integrieren lässt, aber entwicklungstechnisch dem Nutzer kaum Grenzen setzt – also praktisch ein Arduino plus einem ganzen Stapel Add-on-Shields im Hosentaschenformat.

Sein erstes Phoenard (siehe Video) bestand noch aus selbst geätzten Platinen und war der Prototyp, um dem Gedanken eine Form zu geben. Mit diesem Prototyp hat er Ende 2013 den Atmel Maker-Hero-Contest gewonnen.

Jetzt war für Pamungkas P. Sumasta klar, dass er das Phoenard weiterentwickeln würde. Zusammen mit seinen Kollegen Irmo Van Den Berge und Ralf Smit (beide jeweils 21 Jahre alt), die ebenfalls am HIT (Hanze Institute of Technology) in Assen/Niederlande studieren, entwickelte er das Phoenard weiter.

Inzwischen ist die finale Version (V 1.2) fertig und wird seit 14. November 2014 auf http://kck.st/1ugQuc1 verkauft. Der Preis für ein fertiges Phoenard fängt bei 99 Euro an.

Die technischen Details zum Phoenard

Herzstück ist ein Atmel ATMega2560, als Ein- und Ausgabe dient ein 2,8-Zoll-Touchscreen mit einer Auflösung von 320 x 240 Pixeln. Speichertechnisch bietet das Phoenard einen MicroSD-Kartenslot für beispielsweise Musik und eigene Sketches („Apps“).

Selbstverständlich bietet das Phoenard auch die "Standard-"Handy-Funktionen wie Bluetooth 4.0, GPS, MP3 Player (über 3.5 mm Klinkenbuchse), einen Micro-USB-Port, Telefonie und SMS.

Außerdem sind Sensoren wie Barometer, Thermometer, Magnetometer (beispielsweise als Kompass) und Bewegungssensoren (Accelerometer und Gyroskop) integriert.

Die Einzelteile des arduino-kompatiblen Smartphones Phoenard
Vergrößern Die Einzelteile des arduino-kompatiblen Smartphones Phoenard
© Pamungkas P. Sumasta

Zusätzlich befinden sich zwei Erweiterungsports am Phoenard: ein interner Port (Phoenon Connector) für interne Upgrade-Möglichkeiten (beispielsweise für eine WLAN- und NFC-Erweiterungskarte) und ein externer GPIO-Port (Phoenex Connector) für eigene Projekte, Arduino-Shields oder kleine Experimente auf dem Steckbrett.

Das eigentliche Betriebssystem befindet sich im ATMega2560. Eigene Sketches/Apps lassen sich ganz einfach wie vom Arduino gewohnt programmieren und können anschließend auf die MicroSD-Karte gezogen werden. Aber auch ein Austausch untereinander zwischen mehreren Phoenards ist problemlos möglich. So bietet das Phoenard Platz für unzählige Anwendungen und ist nicht auf eine einzelne Funktion/eine einzelne Anwendung beschränkt, wie es bei normalen Arduinos standardmäßig der Fall ist.

Eine MicroSD-Karte mit vorinstallierten Sketches ist beim Phoenard natürlich mit dabei. Ein integriertes Tutorial hilft bei den Anfängen mit kleinen Elektronikprojekten und dem Programmieren. So kann man sich auch ohne Vorkenntnisse Schritt für Schritt von der blinkenden LED bis hin zu komplexeren Projekten hocharbeiten.

Für weniger Technik-Interessierte ist das Phoenard einfach eine coole Alternative zu herkömmlichen Geräten.

Power bekommt das Phoenard über einen ~1000 mAh LiPo-Akku, der sich über USB wie gewohnt laden lässt. Mit 118,27 x 61,79 x 1,18 cm ist das Phoenard nicht größer oder dicker als gewöhnliche Smartphones, sieht allerdings wesentlich cooler aus.

Verkauft wird das Phoenard künftig zusammen mit einigen Erweiterungsboards, der bereits erwähnten MicroSD-Karte, natürlich der Batterie und in einem coolen durchsichtigen Acrylgehäuse.

Und ganz wichtig:  Das komplette Projekt ist Open Source, von der Hardware bis hin zu den Bibliotheken.

Hinweis für alle Bastler:

Wenn auch Sie ein kreatives Projekt entwickelt haben, schreiben Sie uns. Wir würden Ihre Konstruktionen, nützlich oder einfach nur schräg, gern auf www.pcwelt.de/hacks vorstellen. Schreiben Sie an Birgit Götz - hacks@pcwelt.de.

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