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Alte Notebooks als Datenserver recyceln

01.12.2013 | 09:09 Uhr |

Das auf Free BSD basierende Nas4Free macht aus alten Notebooks solide 32- oder 64-Bit-Server. Dabei bleiben die Ansprüche bescheiden und die Einrichtung einfach. So geht's.

1. Checkliste für das Recycling

Für die Server-Rolle kommen nur stromsparende Notebooks und Netbooks in Betracht, denn alte PCs benötigen im Dauerbetrieb in der Regel zu viel Strom. Das Speicherminimum für Nas4Free liegt bei etwa 512 MB, 1 GB ist völlig ausreichend. Um externe USB-Platten anbieten zu können, sollte das Altgerät eine USB-2.0-Schnittstelle besitzen (USB 2.0 ist seit gut zehn Jahren Standard). Das Gerät braucht lediglich für die Ersteinrichtung Monitor oder Display, ein optisches Laufwerk ist ebenfalls entbehrlich. Allerdings sollte das Gerät das Booten von USB-Stick beherrschen und einen Ethernet-Anschluss besitzen. Für die nachfolgende Anleitung benötigen Sie ferner einen anderen Rechner mit CD/DVD-Brenner, einen CD-Rohling sowie einen USB-Stick mit 512 MB oder 1 GB Kapazität. Größere Sticks sind Verschwendung, weil der übrige Platz nicht genutzt werden kann.

Vom ISO-Image zum USB-Stick
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2. Vom ISO-Image zum USB-Stick

Auf der Nas4Free-Webseite finden Sie zwei die ISO-Dateien „NAS- 4Free-x86-LiveCD“ und "NAS- 4Free-x64-LiveCD" für jeweils 32- und 64-Bit-Architektur. Wenn Sie sich nicht sicher sind, laden Sie die 32-Bit-Variante „NAS4Free-x86-LiveCD“ herunter.

Starten Sie Imgburn (oder ein anderes Brennprogramm, das mit ISO-Dateien umgehen kann), und wählen Sie „Imagedatei auf Disc schreiben“. Über „Datei Nach einer Quell-Datei suchen“ navigieren Sie zur ISO-Datei, legen einen CD-Rohling ein und betätigen die große Schaltfläche unten.

Booten Sie dann einen (beliebigen) Rechner mit optischem Laufwerk über die neue CD. Lassen Sie Nas4Free durchstarten bis zum Auswahlbildschirm mit neun Optionen. Wählen Sie mit Eingabe 9 und Eingabetaste die letzte – sie lautet „Install/Upgrade NAS4Free…“. Erst jetzt stecken Sie Ihren USB-Stick an und wählen im Untermenü den ersten Punkt „Install ‚Embedded‘ OS on CF/USB…“. Dann müssen Sie das richtige Laufwerk mit dem USB-Stick wählen, typisch ist „/dev/da0“, wenn Sie keine weiteren USB-Laufwerke angeschlossen haben. Die Auswahl erfordert Sorgfalt, weil Nas4Free den betroffenen Datenträger immer komplett löscht und mit seinem System überschreibt.

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Gerät mit Nas4Free booten
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3. Gerät mit Nas4Free booten

Booten Sie nun Ihr altes Notebook oder Netbook mit dem Nas-4Free-USB-Stick. Auch hier lassen Sie Nas4Free durchstarten bis zum Auswahlbildschirm mit acht Optionen (die „Install“-Option 9 entfällt jetzt). Wenn Sie mit der gelb angezeigten IP-Nummer bereits mit anderen Netzgeräten auf den Nas4Free-Server zugreifen können, ist die primäre Konsolen-Installation bereits abgeschlossen. Versuchen Sie den Zugriff mit Eingabe der IP-Nummer im Adressfeld eines Browsers. In vielen Fällen wird eine Nachbesserung und eine andere IP nötig oder zumindest ratsam sein: Über Punkt 2 des Konsolen-Menüs können Sie für Nas4Free eine feste IP (ohne DHCP-Zuweisung) einrichten, die dann dauerhaft gilt. Tragen Sie eine IP aus Ihrem Adressraum ein, nehmen Sie als Subnet-Maske 255.255.255.0 und als „default gateway“ und „dns server“ die IPAdresse Ihres Routers.
Punkt 1 im „Console setup“ – „Configure Network Interfaces“ – müssen Sie normalerweise nicht bemühen, sofern der Nas4Free-Server per Kabel verbunden ist – und das ist für jedes NAS dringend zu empfehlen.

Erste Anmeldung
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© PC-WELT

4. Erste Anmeldung

Alle weiteren Einstellungen treffen Sie von einem entfernten PC im Hausnetz und in einer komfortablen Menüumgebung. Mit der festen IP ( Punkt 3) erreichen Sie im Browser die Administrationsoberfläche. Voreingestellt ist der Administrator „admin“ mit dem Kennwort „nas4free“. Nach der Anmeldung mit diesen Daten können Sie unter „System Allgemein“ zunächst die Sprache auf Deutsch stellen und unter „System Passwort“ das Standardpasswort des Admin ändern.

Festplatten einrichten
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5. Festplatten einrichten

Der wichtigste erste Schritt ist es nun, dem Server die internen oder externen Festplatten mitzuteilen, die er im Netz anbieten soll. Dies geschieht im Menü „Festplatten Management“ über das „Plus“-Symbol. Im Folgemenü wählen Sie oben die Festplatte aus, wobei Kennungen mit „a…“ auf interne, Kennungen mit „d…“ auf USB-Platten verweisen. Größen und Herstellerbezeichnungen machen die Auswahl im Zweifel eindeutig. Neben einer Reihe optionaler Einstellungen ist der unterste Punkt „Vorformatiertes Dateisystem“ entscheidend. Wenn die Platte bereits Daten enthält, die Sie bewahren und nutzen wollen, müssen Sie hier deren Dateisystem angeben (keinesfalls „unformatiert“). Wählen Sie dann „Hinzufügen“ und „Änderung übernehmen“.

Kleiner Datei-Server (NAS) selbst gebaut

Mount-Punkt definieren
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6. Mount-Punkt definieren

Jede Festplatte benötigt noch einen Mount-Punkt. Diesen weisen Sie ihr unter „Festplatten Einhängepunkt“ zu. Auch hier ist das Dateisystem anzugeben, ferner für Festplatten mit Datenbestand der Partitionstyp „MBR Partition“ und ein frei gewählter „Name der Einhängepunkts“. Sie können ein Laufwerk hier neben „Nur lesen“ auch schreibgeschützt einbinden. Dieser Schutz gilt dann ungeachtet der späteren Freigabeberechtigungen. Mit „Speichern“ und „Änderung übernehmen“ ist die Festplatte im System angemeldet.

Benutzer einrichten
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7. Benutzer einrichten

Ohne Benutzerkonto auf dem Server ist kein Zugriff möglich. Daher müssen Sie mindestens ein Konto anlegen. Wenn Sie differenzierte Rechte für unterschiedliche Personen vergeben wollen, brauchen Sie mehrere Konten. Die Konten finden Sie unter „Zugriff Benutzer & Gruppen“. Mit dem Plus-Symbol erstellen Sie ein neues Konto, wobei Name, Passwort und eine Gruppenzugehörigkeit definiert werden müssen. Halten Sie die gar nicht triviale Benutzerverwaltung so einfach wie möglich: Für ein Heimnetz genügen ein Konto für Sie selbst in der Gruppe „admin“ und ferner Konten für Ihre Familienmitglieder in der Gruppe „guest“ oder „wheel“.

Netzwerkdienst aktivieren
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8. Netzwerkdienst aktivieren

Unter „Dienste“ finden Sie eine stattliche Anzahl von Netzwerk-Services wie FTP, UPnP, iTunes oder Dynamic DNS, die allesamt erst einmal abgeschaltet sind. In einem typischen Windows-Heimnetz ist der wichtigste Dienst Samba, der als hier als „CIFS/SMB“ erscheint. Aktivieren Sie hier in der obersten Zeile das Kästchen „Freigeben“. Ganz unten finden Sie die Schaltfläche „Speichern und Neustart“: „Neustart“ meint den Start des Dienstes – ein tatsächlicher Systemneustart von Nas4Free ist selten erforderlich.

Das NAS als Cloud-Speicher nutzen

Freigaben festlegen
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9. Freigaben festlegen

Nachdem der Dienst „CIFS/SMB“ läuft, können Sie nun über „Dienste CIFS/SMB Freigaben“ die Ordner oder Laufwerke definieren, die der Server im Netz anbieten soll. Mit dem „Plus“-Symbol erhalten Sie den Freigabe- Dialog, wo Sie Name, Kommentar und Pfad als Pflichtfelder ausfüllen müssen. Den Pfad können Sie mit der Schaltfläche „…“ auch durch Maus-Navigation eintragen. Unter den diversen optionalen Einstellungen lautet die wichtigste „Schreibschutz einschalten“, wenn auf eine Freigabe nur lesend zugegriffen werden darf.

Freigaben unter Windows
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10. Freigaben unter Windows

Der Nas4Free-Server erscheint unter dem Namen in der Windows-Netzwerkumgebung, der unter „Dienste CIFS/ SMB Einstellungen“ als „NetBIOS-Name“ eingetragen ist. Wenn Sie den betreffenden Eintrag in Windows unter „Netzwerk“ doppelklicken, zeigt der Server seine Freigaben an (wie in Punkt 9 angelegt). Sie nutzen die Ordner und Dateien wie bei einer Windows-Freigabe.

Detaillierte Rechtevergabe
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11. Detaillierte Rechtevergabe

Der CIFS/SMB-Dienst unterscheidet für jede Freigabe nur generell zwischen Leserecht und Schreibrecht. Wenn Sie genauere Rechte benötigen, etwa Schreibrechte für Sie selbst, wo andere nur lesen dürfen, müssen Sie die lokalen Datei- und Ordner-Rechte genauer einstellen. Über „Erweitert Dateiverwaltung“ hat der Admin die volle Kontrolle über die Rechte und kann sie durch Klick in der Spalte „Rechte“ für jeden Ordner oder jede Datei ändern. Die Besitzübernahme ist allerdings auf der grafischen Weboberfläche von Nas4Free nicht möglich (oder nur umständlich über „Erweitert Befehl“). Hier wird dann der Weg zum Server und zur „Shell“ (Punkt 6 im Konsolenmenü) notwendig.

Ein Beispiel für weitere Dienste
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12. Ein Beispiel für weitere Dienste

Eine für das Heimnetz besonders attraktive Option ist der Dienst UPnP, um Medieninhalte vom Nas-4Free-Server auf andere Geräte zu streamen. Den Dienst aktivieren Sie über „Dienste UPnP“ und das Kästchen „Freigeben“. Wichtigster Konfigurationspunkt ist „Inhalt“, wo Sie die Verzeichnisse mit den Medien eintragen. Das geht bequem per Maus über die Schaltfläche „…“ und anschließendes „Hinzufügen“. Als „Profil“ wählen Sie das allgemein kompatible DLNA – es sei denn, Sie nutzen nur ein Abspielgerät, das die Liste im Nas4Free-Dialog ebenfalls anbietet (etwa Xbox, Playstation). „Speichern und Neustart“ lädt den Dienst. Nach etwas Wartezeit (je nach Datenmenge) taucht der Medien-Server in allen DLNA-kompatiblen Geräten auf – etwa am Smart-TV, im Windows-Netzwerk unter „Multimedia“ oder im Windows Media Player unter „Andere Medienbibliotheken“.

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