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Akku, Display, Netzqualität: So sieht das perfekte Smartphone aus

03.03.2016 | 15:11 Uhr |

Wir haben kurze Akkulaufzeiten und überlastete Mobilfunknetze satt. PC-Welt zeigt, welche Tech-Innovationen für den Endanwender wirklich Sinn machen.

Smartphones mit abgerundeten Displays wie das Samsung Galaxy S7 Edge oder eine noch bessere Handy-Kamera - jeder kennt solche angeblichen spektakulären Neuerungen, die uns die Hersteller als den nächsten großen Durchbruch verkaufen wollen.

Doch Hand aufs Herz. Was ist mit den wirklich relevanten Neuerungen? Wie wäre es beispielsweise mit Akkus in Smartphones, die man nicht permanent an die Steckdose hängen muss, um einen Arbeitstag zu überstehen?

Stößt die Technologie an ihre Grenze oder durchleben wir gerade eine Innovationsflaute? PC-Welt betrachtet drei Neuerungen, die der Tech-Bereich wirklich braucht und sagt, bis wann Sie mit diesen rechnen dürfen.

Bessere Akkus: Eine endlose Geschichte

2007 war das Jahr, in dem das Handy vom Smartphone abgelöst wurde – dem iPhone sei Dank. Doch langsam gehen den Herstellern die Ideen aus. Wurde das Handy bis zum Zenit immer kleiner, flacher und leichter, wird das Smartphone derzeit wieder größer. Denn die Kunden wollen größere Displays – für allem für das Video-Streaming – und gleichzeitig mehr Akkulaufzeit.

Diese beiden Forderungen passen nicht zusammen. Fast jedes heute erhältliche Smartphone, einschließlich der Flaggschiffe von Apple, Samsung, LG und Co. kommt im Dauer-Video-Einsatz kaum über einen einzigen Tag mit einer Akku-Ladung.

Wer viel Performance und große hochauflösende Displays will, der verliert bei der Akkulaufzeit. Alternativen für den täglichen Akku-Notfall gibt es dabei eigentlich zuhauf. Akkupacks, Hüllen mit Zusatzakku oder Powersaving-Modes versprechen bis zu sieben Tage Saft. Doch wer will schon zu seinem 5,5-Zoll-Phablet noch zusätzlich einen weiteren Ziegel in der Hosentasche mit sich herumtragen? Die neueste Idee hierzu von LG: Das modulare LG G5 mit Akku-Schublade zum raschen Wechsel für Ersatz-Akkus. Auch diese zunächst clever erscheinend Lösung bedeutet aber zusätzliches Gepäck.

Doch es fehlt hier schlicht und einfach am entscheidenden Durchbruch, der Lithium-Ionen-Akku kommt an seine Grenzen und muss durch eine neue Akku-Innovation abgelöst werden – die gibt es aber bis dato nicht zu kaufen.

Stattdessen setzen Hersteller auf energieeffizientere Displays oder Prozessoren. Qualcomm und LG verbessern diesbezüglich ihre Chips und LCDs fortlaufend.

Gewichtige Akkus

Aber auch die Chinesen sind kreativ. Hier lautet der Ansatz: Kleiner Akku im Smartphone? Fehlanzeige. Lenovo, Oukitel und Konsorten setzen auf hohe Amperezahlen, beim Oukitel K10000 kommt man mit dem 10.000-mAh-Akku auf mindestens eine Woche Laufzeit. Zum Vergleich: In aktuellen Top-Smartphones stecken beispielsweise Akkus mit einer Kapazität von 2.500 mAh (etwa Galaxy S6), 2.750 mAh (iPhone 6s Plus) oder 3.000 mAh (LG G4).

Dafür ist das Smartphone aber auch über einen Zentimeter dick und wiegt doppelt so viel wie herkömmliche mobile Endgeräte. Auf dem deutschen Markt wird man solchen Kompromissen wohl nichts abgewinnen – in China hingegen hat man ein anderes Verhältnis zum Smartphone und nimmt zusätzliches Gewicht gerne in Kauf.

Ausdauernde Akkus und dünne Smartphones - bisher Fehlanzeige
Vergrößern Ausdauernde Akkus und dünne Smartphones - bisher Fehlanzeige
© Evernine

Wo Energieeffizienz und größere Akkus scheitern, versuchen es die Hersteller mit einem anderen Dreh: Zum Beispiel mit dem kabellosen Aufladen. Auf den Qi-Standard setzt etwa Samsung bei seinen Mobil-Geräten.

Smartphones werden hier über Induktion geladen. Der Vorteil in der Theorie: Qi-Ladestationen können überall integriert werden. In den USA sind Starbucks und McDonald’s die Vorreiter, hier legt man sein Smartphone auf den Tisch neben den Burger und lädt in der Mittagspause den Akku. In Europa bietet Ikea einige Möbel mit integrierter Qi-Ladestation an. BMW wiederum integriert ein Qi-Ladestation in sein Spitzenmodell 7er. Doch der Standard lässt auf sich warten, kaum eine Restaurantkette oder öffentliche Institution hat QI bisher in Europa implementiert.

Konkurrierende Standards

Denn neben Qi gibt es noch weitere Standards zum induktiven Aufladen wie Powermat, dessen Ladenstation mittlerweile wohl auch in den US-Filialen von Starbucks- und McDonalds zu finden sind. Als dritter Player versucht noch der Rezence-Standard sich zu etablieren, wobei Powermat und Rezence verstärkt zusammenarbeiten. Ob und welcher dieser Standards sich letztendlich durchsetzen wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Vieles hängt hier von Apple ab. Analysten spekulieren, dass Apple kabelloses Aufladen auch in einer der nächsten iPhone-Generationen einführen wird. Und dabei möglicherweise eine völlig neue Technologie verwendet, die iPhone und iPad aus größeren Entfernungen mit Energie versorgt, als es mit induktiven Matten derzeit der Fall ist.

Fazit: Akkupacks, energieeffiziente Prozessoren oder übergroße Smartphones – die Entwicklung des Akkus befindet sich im Stillstand. Ein anderes Beispiel: Elektroautos, die gerade einmal 150 Kilometer weit kommen und 4 Stunden zum Laden brauchen – ein Witz. Der Problemfall „Akku“ wird aktuell mit Kompromissen überspielt.

Falten, biegen - wie Displays Geräteklassen neu definieren

Die letzte Displayneuerung kam von Apple. Aber nicht wirklich. Irgendwie wirkte auch Apple-Chef Tim Cook bei der Präsentation seines iPhone 6S im September 2015 sehr bemüht, sein Drei-Druckstufen-Display („3D Touch“) als Geniestreich zu verkaufen.

Besser will es nun Samsung machen. Smartphone-Displays werden immer größer. Und die Jeans immer enger. Das passt nicht. Kein Wunder, dass die Koreaner an einer neuen Display-Generation forschen. Im Blog Sammobile sieht man die ersten Bilder eines Smartphones, das komplett faltbar ist - auch das Display!

Bereits jetzt soll das Gerät ausgiebig getestet werden und möglicherweise bereits Anfang 2016 vorgestellt werden. Mit dem Konzept könnten Smartphones künftig vollkommen anders aussehen. Die Designagentur R&D stellte bereits einen kreativen Entwurf vor. Das faltbare Smartphone könnte künftig auf Feuerzeuggröße zusammengefaltet und bei Bedarf wie eine Ziehharmonika einfach geöffnet werden.

Ist das Konzept der Designagentur R&D die Smartphone-Zukunft?
Vergrößern Ist das Konzept der Designagentur R&D die Smartphone-Zukunft?
© rndcore.com

Samsungs harter Konkurrent LG setzt auch auf flexible Displays, hier setzt aber eine Art aufrollbares Display neue Maßstäbe. Auf der CES 2016 präsentierte LG unter dem Namen „30R“ ein 18-Zoll-Oled-Display mit 46 cm Bilddiagonale, das Anwender anfassen konnten. Ein wahrer Hingucker, denn das Display ist nicht dicker als ein Blatt Papier.

Ob das Display robust genug für den Alltag ist, wie viel Akku die neue Technologie saugt und wie sich das Konzept sinnvoll im mobilen Endgerät unterbringen lässt, bleibt offen. Trotzdem ist festzuhalten: Ein erster Schritt in eine neue Welt.

Fazit: Der Kampf um die Hoheit der Pixeldichte ist Vergangenheit. Heute steht die Formbarkeit der Displays im Vordergrund. Insbesondere Samsungs faltbares Display macht Lust auf mehr. Vor allem, weil sie das Konzept Smartphone vollkommen neue definiert.

Die Basics erstmal erfüllen

Neben den elementaren Komponenten Akku und Display gibt es eine Reihe weiterer Innovationen, die Endanwender gespannt erwarten.

Ende des Sim-Wirwarr

Neues Handy und die SIM-Karte passt nicht - ein bekanntes Szenario. Mit der E-Sim , wie sie Vodafone und Telefonica im Frühjahr 2016 einführen werden, hat die physische Sim ausgedient. Die E-Sim ist fest auf der Platine verlötet und das Gerät kommt vollkommen ohne SIM-Karten-Slot aus. So entsteht mehr Platz für andere Hardware und die Aktivierung (über das Internet via QR-Code) wird gleichzeitig erleichtert. Geräte wie die Smartwatch Samsung Gear S2 setzen bereits auf die Technologie. Wann die Hersteller ihre Smartphones jedoch damit ausstatten, ist noch unklar.
Neue Sensoren für Smartphones

Immer mehr Sensoren kommen in mobilen Endgeräten zum Einsatz. Und es ist niemand Geringeres als der Suchmaschinen-Riese Google, der den passenden Service samt Endgerät als Gegenleistung für die gesammelten Daten dazu strickt. Unter dem Namen "Project Tango" arbeitet der Konzern mit Hersteller Lenovo an einem Smartphone, in das drei Kameras integriert sind, sodass es eine dreidimensionale Karte von seiner Umgebung digital abbilden kann. Über 250.000 Messungen pro Sekunde verspricht das Gerät zu erfassen und kann so einen kompletten Raum in einem 3D-Abbild in Echtzeit erstellen. Neue Services entstehen: Beispielsweise könnte mit Hilfe der erfassten Daten für Sehbehinderte ein Indoor-Navigation-Service entstehen oder die Suche nach Produkten im Supermarkt erleichtert werden.

In vielen Orten in der BRD lässt die Netzabdeckung zu Wünschen übrig
Vergrößern In vielen Orten in der BRD lässt die Netzabdeckung zu Wünschen übrig
© Pixabay

Zu lahmes Netz

Highspeed-Netzabdeckung - nicht in Deutschland. Nicht nur beim Ausbau des Glasfasernetzes ist Deutschland im europäischen Vergleich nur Mittelmaß. Auch bei der mobilen Abdeckung besteht deutlich Nachholbedarf. Doch die Telekom will diesen Pain Point angehen. Bis Ende 2018 sollen 95 Prozent der Anwender auf das schnelle LTE-Netz zurückgreifen können. Doch dann könnte schon die nächste Technologie bereitstehen, die man nicht verschlafen sollte. Bereits jetzt arbeitet LG mit Intel an einer 5G-Variante, die 33 Mal schneller als LTE sein soll und vorzugsweise in Connected Car-Konzepten zum Einsatz kommen sollen.

Test: So schnell surft Deutschland

Das größte Problem hier: Aktuell bieten deutsche Provider teilweise lächerliche Daten-Flatrates. Wer etwa bei der Telekom den neuesten Vertrag mit 6 Gigabyte LTE Internet und mit einer Datenübertragung von 300 MBit/s eingeht, hat sein flottes Internet innerhalb von 3 Minuten verbraucht. Internetgeschwindigkeit und Datenvolumen werden nicht auf gleichem Level kommuniziert. Flatrate-Vorreiter wie Anbieter in Taiwan bieten hingegen tatsächlich unbegrenztes Internet – ein Standard, der dem deutschen Endkunden bisher gänzlich vorenthalten wurde.     

Fazit: Ob ein einheitlicher Sim-Standard, Sensoren für neue Geschäftsmodelle sowie ein besseres und schnelles Netz - in Sachen Basics besteht hierzulande noch reichlich Luft nach oben.

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