Abzocke Download

So arbeiten Download-Abzocker

Dienstag den 28.09.2010 um 10:56 Uhr

von Tobias Weidemann

Unseriöse Anbieter ködern Anwender mit kostenlosen Downloads. Einen Klick später verlieren Geschädigte 192 Euro wegen eines Zwei-Jahres-Vertrags. Scheinbar. Die Tricks der Download-Betrüger – und wie Sie sich schützen.
Viele Gefahren warten im Internet.
Vergrößern Viele Gefahren warten im Internet.
© 2014
Gratis kann teuer werden:
Wer sich in der virtuellen Unterwelt herumtreibt, Filme, Software und Musik herunterlädt oder nach den neuesten Hacker-Tipps sucht, kann selbst Opfer und zur Kasse gebeten werden. So erging es einem PC-WELT-Leser. Marcel F. aus Lübeck erhielt eine Rechnung von der Firma Content Services Limited aus Mannheim: Er habe sich für den Dienst Opendownload.de registriert und sei zur Zahlung von 96 Euro verpflichtet.

Opendownload: Kostenlose Angebote für 96 Euro
Über www.torrent.to war Marcel F. dorthin geraten. Die Site bietet teils legale, teils in Deutschland illegale Downloads über das Bit-Torrent-Protokoll an. „Benutzen Sie immer einen aktuellen Client für mehr Geschwindigkeit und maximale Sicherheit“ hatte es direkt oben auf der Site geheißen. Darunter standen Links zu Downloads der aktuellen, vermeintlich kostenlosen Programme. Die Links führten jedoch nicht zur Website der jeweiligen Programmierer der Software, sondern zu Opendownload.de. Einige Klicks später hatte der Leser die Software dort heruntergeladen, er musste seine Adresse angeben und sich registrieren. Der Haken an der Sache: Das Herunterladen eigentlich kostenlos erhältlicher Software kostet dort 8 Euro im Monat, also 96 Euro im Jahr. Das verrät ein kleiner Hinweis rechts neben dem Anmeldeformular. Da man ein nicht vorzeitig kündbares Zwei-Jahres-Abo eingeht, ist man gleich um 192 Euro ärmer. „Auf einen Werbebanner hätte ich gar nicht geklickt“, erklärt unser Leser. „Aber das Ganze sah aus wie ein Teil der Torrent-Site, und den Kostenhinweis bei Opendownload.de habe ich gar nicht gesehen.“
Noch gerissener gingen die Betreiber einer Site vor, die kostenlose Zeitschriften-PDFs und E-Books bereithielt (die Site wurde inzwischen vom Netz genommen). Sie präsentierten dem Site-Besucher die Information, sein Adobe Reader sei veraltet, und er könne jetzt die neue Version herunterladen. Ein Klick auf das Hinweisfeld brachte den Anwender ebenfalls zu Opendownload.de. Dabei handelte es sich nicht etwa um ein gewöhnliches Werbebanner, sondern um einen Hinweis des Browsers, der oberhalb des Fensters auf gelbem Grund erscheint, ähnlich wie Sie das von unterdrückten Pop-ups kennen. Realisiert wurde das über ein Active-X-Element, und viele Anwender werden übersehen haben, dass es sich nicht um eine Statusmeldung des eigenen Browsers handelte. Schon deswegen ist es sinnvoll, derartige unsichere Programme zu unterdrücken – Firefox unterstützt sie erst gar nicht.

Nur wenige Tools bietet Opendownload.de selbst an. Meist
wird auf die Orginal-Site verlinkt.
Vergrößern Nur wenige Tools bietet Opendownload.de selbst an. Meist wird auf die Orginal-Site verlinkt.
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Vielfach verlinkte Abzocke via Google-Suche
Doch auch Surfer, die um heikle Websites einen weiten Bogen machen, sind nicht gefeit vor Download-Fallen. Die Abzocker verstehen sich gut auf Suchmaschinenoptimierung: Sie verlinken sich geschickt gegenseitig, und so landen Sites wie www.opendownload.de bei einigen Sucheingaben weit oben in der Google-Trefferliste. Durch diese Google-Optimierung tauchen Abzock-Links dann selbst auf seriösen Seiten wie www.pcwelt.de auf – und zwar innerhalb der Google-Suchergebnisse. Vorsicht ist also angebracht.
Wie viele Anwender bereits Opfer von Opendownload.de und ähnlicher Sites geworden sind, ist unbekannt. Sicher aber ist, dass sich die Mehrzahl der Leserzuschriften, die wir zu Abo-Sites bekommen, mit Content Services Limited befasst. Die in Mannheim ansässige Firma ist Teil einer Firmengruppe, die ihren Hauptsitz im britischen Cardiff hat. Die Content Services Limited unterhält ein weit verzweigtes Netz von Unternehmen. Mehrere Dutzend Sites konnten wir ermitteln, beispielsweise http://jede-frau-abschleppen.de, http://www.fragschnell.de, http://neue-downloads.com, http://player-2009.net oder http://load2009.com. Auch stießen wir auf Sites, bei denen die Anmeldung nicht mehr möglich ist.

Schlepper und Betreiber: Alle kassieren ab
Die gesamte Bandbreite an Themen wird abgedeckt – von Datenbanken (Downloads, Rezepte, Songtexte) über Ratgeber und Hilfe (etwa bei Hausaufgaben oder Bewerbungen) bis hin zu Lebenshilfe (Partnerschaft, Lebenserwartung). Die Sites arbeiten nach einem ähnlichen Muster wie Opendownload.de. Fast überall ist der Hinweis, welchen Vertrag der Kunde eingeht, zwar auf der gleichen Höhe wie das Adressfeld vorhanden; er ist aber so beiläufig, dass viele ihn übersehen müssen. Auch wird oft nur die Monatsgebühr angegeben, teilweise noch die Jahresgebühr, nicht aber, dass der Vertrag erst nach zwei Jahren gekündigt werden kann.
An den Abzock-Praktiken verdienen zwei Parteien: Zunächst der Betreiber der Site, die den Kunden weiterleitet – allerdings nur dann, wenn es zu einem Vertragsabschluss kommt. Aus diesem Grund greifen die Betreiber dieser „Schlepper-Sites“ oft zu Tricks wie den oben beschriebenen. Was pro erfolgreich vermitteltem Kunden gezahlt wird, ist im Fall Opendownload nicht bekannt. In vergleichbaren Fällen zahlt die Abzocker-Site zwischen 15 und 25 Prozent ihres Jahresumsatzes an die Schlepper-Site. Für die Schlepper ist das Geschäft risikolos – sie haben die Kunden lediglich vermittelt. Die geprellten Surfer werden kaum gegen die Schlepper vor Gericht ziehen, da sie dann oft zugeben müssten, Sites besucht zu haben, die auch illegale Inhalte anbieten.

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