1801109

Abseits oder nicht? Augmented Reality in der TV-Sportberichterstattung

04.09.2013 | 12:09 Uhr |

Augmented Reality, also die erweiterte, künstliche Realität, ist längst bei uns daheim angekommen: nämlich bei der Sportberichterstattung auf dem Fernseher.

Wer während der Olympischen Sommerspiele 2012 in London abends zur Hauptsendezeit den Fernseher einschaltete, kam um die Schwimmwettbewerbe nicht herum. Nach 20 Uhr gab es in der ersten Woche vor allem Schwimmen, Schwimmen und nochmals Schwimmen . Neben dem Medaillensegen für die US-Sportlerinnen und -Sportler fiel dabei vor allem eins ins Auge: die über das Kamerabild gelegten Zusatzinformationen.

Und genau um die geht es hier, nämlich um Augmented Reality in der Sportberichterstattung im Fernsehen. Schwimmt Michael Phelps nun gerade neuen Weltrekord oder nicht? Die spannende Frage bekamen die TV-Zuschauer schon beantwortet, während das Rennen noch lief – dank Augmented Reality!

Bei dieser Technik, die oft einfach mit „AR“ abgekürzt wird, geht darum, die reale Welt mit zusätzlichen Informationen anzureichern, wie Daniel Gelder von der Münchener Firma Metaio zusammenfasst, die AR-Anwendungen und -Software entwickelt.

Rebecca Soni bei der Olympiade 2012 in London: Im Halbfinale stellte die US-Schwimmerin über 200 Meter Brust einen neuen Weltrekord auf – für jeden Fernsehzuschauer sofort sichtbar.
Vergrößern Rebecca Soni bei der Olympiade 2012 in London: Im Halbfinale stellte die US-Schwimmerin über 200 Meter Brust einen neuen Weltrekord auf – für jeden Fernsehzuschauer sofort sichtbar.
© Schweizer Fernsehen

Sobald der Sieger beim Schwimmen im Ziel ist und am Beckenrand angeschlagen hat, werden auf seine Schwimmbahn die Buchstaben „WR“ (für „World Record“) sowie sein Name und die Flagge seines Startlandes eingeblendet. Sind alle Athleten im Ziel, folgt virtuell auf den Beckenbahnen die Gesamtplatzierung.

Augmented Reality: Virtuelle Infos erweitern die Realität

Augmented Reality als Schiedsrichter im Sport

Solche Zusatzinformationen wie bei den Olympia-Schwimmwettbewerben 2012 in London bietet das Fernsehen inzwischen bei vielen Sportarten: Ob Skispringen im Winter, Rudern im Sommer oder sonst ein vergleichbares Rennen: Mit virtuellen Linien, geradezu ein Paradebeispiel für den Einsatz von Augmented Reality, bekommt der Fernsehzuschauer viel Zusatznutzen an die Hand.

Nicht immer bleibt es dabei bei solchen „Komfortfunktionen“, denn beim Fußball verwenden die Fernsehanstalten die virtuellen Linien nachträglich in der Zeitlupe insbesondere auch, um fragliche Abseitsentscheidungen des Schiedsrichters zu bestätigen oder zu widerlegen. Da werden die Sekunden um das entscheidende Ballabspiel aus der passenden Kameraperspektive nochmals wiederholt. Dank mitlaufender, exakt parallel ausgerichteter virtueller Linie ist sofort klar, ob ein Angreifer nun im Abseits stand oder eben nicht.

Abseits oder nicht? Augmented Reality ist in der TV-Sportberichterstattung bereits weit verbreitet, im der Screenshot eines Fußballspiels.
Vergrößern Abseits oder nicht? Augmented Reality ist in der TV-Sportberichterstattung bereits weit verbreitet, im der Screenshot eines Fußballspiels.

Im Fußball beschränkt sich die Technik bisher auf die reine Nachberichterstattung, doch in anderen Sportarten wird der Videobeweis bereits während des Spiels hinzugezogen. Beim Eishockey kann beispielsweise auf Anforderung die Partie unterbrochen und per Video überprüft werden, ob ein gerade gefallenes Tor wirklich regelkonform zustande kam.

Auch sonst spielt Augmented Reality beim TV-Sport mittlerweile eine große Rolle: Torentfernung beim Freistoß und die Laufwege der Spieler beim Fußball, Abschlaggeschwindigkeit beim Tennisaufschlag oder ganze Spielzüge als 3D-Animation beim Football – all das sind virtuelle Zusatzinformationen, die über das tatsächliche Geschehen gelegt werden.

Augmented Reality - Eintauchen in virtuelle Welten

Nie mehr Wembley: Torlinientechnik kommt im Fußball zum Einsatz

Nicht unmittelbar AR-Technik, aber dennoch der Einsatz technischer Hilfsmittel, ist die sogenannte Torlinientechnologie. Hier zeigt entweder ein Chip im Ball oder ein ausgeklügeltes Kamerasystem dem Schiedsrichter, ob der Ball bei strittigen Situationen hinter der Torlinie war oder eben nicht.

Das deutsche Unternehmen GoalControl stellt die offizielle FIFA-Torlinientechnik, die dem Schiedsrichter bei Zweifelsfällen sagt: Tor oder kein Tor. Erstmals eingesetzt beim Confed Cup 2013 in Brasilien.
Vergrößern Das deutsche Unternehmen GoalControl stellt die offizielle FIFA-Torlinientechnik, die dem Schiedsrichter bei Zweifelsfällen sagt: Tor oder kein Tor. Erstmals eingesetzt beim Confed Cup 2013 in Brasilien.
© GoalControl

Die englische Premiere League setzt zukünftig als erste europäische Liga das kamerabasierte Hawk-Eye-System ein, der Weltfußballverband FIFA hatte beim Confed Cup im Sommer 2013 in Brasilien erstmals das konkurrierende Chip-System GoalControl in Betrieb und will es auch bei der Weltmeisterschaft 2014 verwenden. Nur der Europäische Fußballverband UEFA und sein Präsident Michael Platini wehren sich noch dagegen und setzen weiterhin auf zusätzliche Manpower in Form von Torlinienrichtern.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1801109